Einscheidugen treffen

„Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten?“ – 1. Könige 18:21

 Einige Menschen sind schnell entschlossen und fällen schnell eine Entscheidung. Als ein Ergebnis davon treffen sie häufig falsche Entscheidungen. Andere sind vorsichtiger und schätzen die Situation erst ab und treffen nur langsam eine Wahl. Als ein Ergebnis davon vergeben sie häufig Gelegenheiten und stehen sehr lange vor dem Scheideweg.

 Auf der einen Seite forderte Josua das Volk Israel mit den Worten heraus: „Wählet euch heute, wem ihr dienen wollt“ (Josua 24:15), und auf der anderen Seite mahnte Jesus seine Jünger zur Vorsicht mit den Worten: „Wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor nieder und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe?“ (Lukas 14:28).

 Ruth war sofort entschlossen, als sie zu Naomi sagte: „Wohin du gehst, werde ich gehen“ (Ruth 1:16). Gideon überlegte längere Zeit, als er zweimal das Fließ auslegte, um des Herrn Willen festzustellen (Richter 6:37-40). Einige Entscheidungen sind einfach zu fällen; andere sind schwieriger. Wie stellen wir fest, was des Herrn Wille für uns ist?

 George Müller (1805-1898) von den Plymouth Brüdern schrieb, als er dies gefragt wurde: „Im Anfang versuche ich, mein Herz in einen solchen Zustand zu bringen, dass es selbst keinen eigenen Willen hat hinsichtlich der vorgelegten Angelegenheit. Neun Zehntel der Schwierigkeiten werden überwunden, wenn unsere Herzen bereitwillig sind, des Herrn Willen zu tun, was immer derselbe sein mag. Nachdem ich dies so getan habe, überlasse ich das Resultat nicht dem Gefühl oder dem oberflächlichen Eindruck. Wenn ich dies nämlich machen würde, dann würde ich mich selbst einer großen Täuschung aussetzen. Ich suche nach dem Willen oder dem Geist Gottes in dem bzw. in Verbindung mit dem Wort Gottes. Der Geist und das Wort müssen miteinander in Verbindung gebracht werden. Wenn ich nur nach dem Geist allein ausschaue, ohne auf das Wort zu achten, öffne ich mich selbst ebenfalls einer großen Täuschung gegenüber. Wenn der Heilige Geist uns leitet, dann in Harmonie mit der Heiligen Schrift und niemals im Gegensatz dazu. Als Nächstes betrachte ich die von Gott durch seine Vorkehrung zugelassenen näheren Umstände. Häufig deuten diese deutlich Gottes Willen an in Verbindung mit seinem Wort und seinem Geist. Ich bitte Gott im Gebet darum, dass er mir seinen Willen richtig offenbaren möchte. Auf diese Weise, durch das Gebet zu Gott, durch das Studium des Wortes und durch das Nachsinnen komme ich zu einem besonnenen Urteil in Übereinstimmung mit meinem besten Wissen und der sich mir bietenden Gelegenheit, und wenn meine Gesinnung auf diese Weise im Frieden ist, dann schreite ich dementsprechend voran“ (Reprints, Seite 4468).

 Während dies ein ausgezeichneter Vorschlag ist, konkurriert solch eine Annäherung häufig mit dem Erfordernis einer sofortigen Entscheidung. Dies wird aus dem Leben vieler anderer Christen bestätigt. Der Apostel Paulus war in vielen seiner Entscheidungen schnell entschlossen. Der äthiopische Kämmerer war in seiner Entscheidung auch sofort entschlossen, als er mit Philippus gemeinsam den Weg fortsetzte und einen Fluss überquerte, da sagte er: „Siehe, da ist Wasser; was hindert mich daran, getauft zu werden?“ (Apostelgeschichte 8:36). Kaleb war ähnlich entschlossen, in das verheißene Land einzutreten trotz der furchtbaren Feinde, welchen die Nation gegenüberstand (4. Mose 13:30). Erneut im Alter von 85 Jahren fragte er Josua um Erlaubnis, um Hebron zu erobern, die stärkste kanaanitische Festung (Josua 14:12). Es war der schnell entschlossene Petrus, welchem als eine Belohnung für sein schnelles Anerkennen von Jesus als dem Messias die „Schlüssel zum Königreich des Himmels“ gegeben wurden (Matthäus 16:16-19).

 Während einige der wichtigsten Entscheidungen im Leben eine richtige Betrachtung notwendig haben, zum Beispiel die, wenn man sich dazu entscheidet, das eigene Leben dem Herrn zu überantworten, oder die Entscheidung der Wahl eines Ehegatten, so können sie dennoch nicht fortwährend aufgeschoben werden, damit die Gelegenheit nicht vorübergeht. Für solche Entscheidungen ist der Rat von George Müller sehr gut passend. Andere Entscheidungen, vielleicht auch wichtige, sollten schneller getroffen werden, manchmal müssen sie sogar sofort gefällt werden.

 Der Schlüssel, um eine Entscheidung zu treffen

 Der Schlüssel, um diese Entscheidungen richtig zu treffen, ist das Aneignen der Grundsätze der Gerechtigkeit in die Gesinnung und das schnelle Anwenden derselben, wenn eine Wahl getroffen werden muss. „Wer ist nun der Mann, der den Herrn fürchtet? Er wird ihn unterweisen in dem Weg, den er wählen soll“ (Psalm 25:12). Auf diese Weise braucht ein Christ, der weiß, dass er sich selbst dem Dienst Gottes übergeben hat, nicht lange über die Annahme eines solchen Dienstes nachzudenken, wenn die göttliche Vorkehrung denselben anbietet. Noch müssen Entscheidungen zwischen richtig und falsch in moralischen Angelegenheiten einer fortwährenden Untersuchung unterworfen werden. Solche Entscheidungen werden kurz entschlossen getroffen.

 Dies bedeutet nicht, dass alle solche Entscheidungen leicht sind oder dass sie immer in richtiger Weise getroffen werden. Das Sprichwort ist wahr: „Der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf“ (Sprüche 24:16). Es ist keine Sünde zum Tode, im Leben den falschen Weg an einer Weggabelung einzuschlagen. Aber es kann zu einer werden, wenn es an Demut fehlt zuzugeben,  dass der Weg falsch ist und seine Schritte umzukehren, nachdem erkannt worden ist, dass der Weg falsch ist. Ein siebenfaches Wiederaufsteigen muss dem siebenfachen Fallen eines Gerechten folgen.

 Butter und Honig

 Ein interessanter Text wird in Jesaja gefunden: „Butter und Honig wird er essen, wenn er weiß, das Böse zu verwerfen und das Gute zu erwählen“ (Jesaja 7:15). Es gibt Bibelübersetzungen, die das Wort „wenn“ mit „bis“ wiedergeben. In anderen Worten: Das Essen von Butter und Honig geht der Erkenntnis voraus, zwischen gut und böse zu unterscheiden. J.C. Sunderlin deutet an, dass die Butter und der Honig dementsprechend für böse und gut steht (siehe Reprints, Seite 443). Auf diese Weise scheint der Gedanke der zu sein, dass die Erfahrung mit dem Guten und dem Bösen der Fähigkeit vorausgeht, zwischen beidem zu unterscheiden.

 Dies ruft die Anekdote des weisen Mannes in Erinnerung, welcher von einem seiner Schüler gefragt wurde: „Meister, wie bist Du so weise geworden?“ „Durch das Treffen weiser Entscheidungen“, antwortete der Weise. „Aber wie hast du gelernt zu erkennen, was gute Entscheidungen sind?“ fragte der beharrliche Schüler. „Durch Erfahrung“, antwortete er. „Und wie hast Du die Erfahrung erlangt?“ „Durch das Treffen schlechter Entscheidungen“, erwiderte der alte Mann.

 Das schnelle Treffen von Entscheidungen ist eine starke Eigenschaft in der Charakterbildung. Wenn die Entscheidungen richtig getroffen werden, dann erzeugen sie das Gefühl von Wohlsein. Wenn falsche Entscheidungen getroffen werden, bereiten sie Gelegenheiten vor, um wertvolle Lektionen zu lernen. Der König David ist ein klassisches Beispiel für jemanden, der eine falsche Entscheidung getroffen hat. Seine Sünde mit Bathseba war von größter Bedeutung, denn sie beinhaltete Ehebruch, Lüge und Mord. Es war eine Sünde, die ihm sehr viel kostete, als das Kind starb, welches Bathseba empfangen hatte. Dennoch blieb er „ein Mann nach (Gottes) Herzen“ (Apostelgeschichte 13:22).

 Die Konsequenzen annehmen

 Gottes Zulassung vom Bösen ist nicht nur ein wertvoller Weg, um die Menschheit die Vorzüge, der Wahrheit und Gerechtigkeit zu folgen, zu lehren im Gegensatz zu dem Irrtum und der Bosheit, es ist ebenso ein Mittel, um die Konsequenzen von falschen Entscheidungen zu lehren. „Was ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Galater 6:7). Dies ist eine kurze Erklärung des moralischen Gesetzes, dass jede Tat eine entsprechende Reaktion hervorbringt. Das Sprichwort ist wahr, dass das Kennzeichen des Erwachsenseins darin besteht, dass die Konsequenzen des eigenen Handelns willig angenommen werden. Der Preis für einen Fehler muss irgendwann bezahlt werden, und ein großer Vorteil kann aus demselben erlangt werden, wenn die gelernte Lektion bei zukünftigen Entscheidungen angewendet wird.

 Richtigerweise sagte der junge Mann Elihu zu Hiob: „Erwählen wir für uns, was recht ist, erkennen wir unter uns, was gut ist“ (Hiob 34:4). Adam Clarke gibt diesen Gedanken mit den Worten wieder: „Lasst uns nicht den Applaus des Sieges suchen. Lasst es unser Bestreben sein, die korrekten Ansichten zu erhalten und die Beweggründe aller Dinge zu erfassen, und lasst uns darum bemüht sein herauszufinden, was gut ist.“

 Möge jeder Christ seine Entscheidungen darauf gründen, dass er sich darum bemüht, eine richtige Ansicht zu erhalten. Und lasst uns ein jeder daran arbeiten, die richtigen Entscheidungen im Leben zu treffen, und das herausfinden, was gut ist.

 Übersetzt aus dem englischsprachigen Herald
von Mai/Juni 2005 von Bruder Sven Kruse.

Nachfolgend ein Zitat aus dem englischsprachigen Herald
von Dezember 1950, Überschrift: „Habe Glauben an Gott“:

 Wandeln im Glauben

 In dem zweiten Brief an die Korinther erinnert der Apostel uns daran, dass unser Wandel durch Glauben sein muss. Wir dürfen uns nicht vornehmen, ein Leben des Glaubens zu führen, und dann erwarten, dass wir im Schauen wandeln. Von Zeit zu Zeit müssen wir schwierige Entscheidungen treffen inmitten verwirrender Umstände, mit einer Weggabelung vor uns. Es ist uns nicht immer gestattet zu erkennen, was die vorzuziehende Handlungsweise ist, welcher wir folgen sollten – welchen Weg wir einschlagen sollten. Wenn natürlich ein Weg sündig ist und der andere ist heilig, wenn einer dem Geist der Welt folgt und der andere dem sanften, heiligen Geist des Herrn, wird das Problem keine Schwierigkeit darstellen. Wenn unsere Herzen mit dem Meister übereinstimmen, werden wir ohne Zögern das Richtige erwählen. Aber manchmal sind die Angelegenheiten nicht so einfach. Auch der große Apostel Paulus wusste, was es bedeutet, ratlos zu sein (siehe 2. Korinther 4:8). Daher ist es nicht befremdend, wenn wir uns manchmal von Umständen umgeben sehen, unter welchen es nicht einfach ist, den besseren Weg leicht herauszufinden. Solche Erfahrungen mögen die unserigen sein in unserem persönlichen Wandel als Christen; sie mögen ebenfalls die unserigen sein in den Angelegenheiten der Herauswahl. Wir wissen von keiner Schriftstelle, welche uns zusichert, dass wir immer, zu allen Zeiten, genau wissen, was das Richtige zu tun ist bei jedem persönlichen Problem, das entstehen mag.“