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Rahab „Ohne Glauben ist
es unmöglich, Gott wohlzugefallen, denn wer Gott naht, muss glauben, dass er
ist, und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist.“ Das zweite Kapitel von Josua beschreibt die Erfahrung der zwei Kundschafter, welche nach Jericho gesandt wurden, um soviel wie möglich zu erfahren, bevor die Israeliten den Jordan überquerten und die Einwohner der Stadt im Kampf einnahmen. Hier ist der Bericht: „Und Josua, der Sohn Nuns, sandte von Sittim heimlich zwei Männer als Kundschafter aus und sprach: Gehet, besehet das Land und Jericho. Und sie gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, namens Rahab; und sie legten sich daselbst nieder. Und es wurde dem König von Jericho berichtet und gesagt: Siehe, es sind in dieser Nacht Männer von den Kindern Israel hierher gekommen, um das Land zu erforschen. Da sandte der König von Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: Führe die Männer heraus, die zu dir gekommen, die in dein Haus eingekehrt sind; denn sie sind gekommen, um das ganze Land zu erforschen. Das Weib aber nahm die zwei Männer und verbarg sie. Und sie sprach: Allerdings sind die Männer zu mir gekommen, aber ich wusste nicht, woher sie waren; und als das Tor beim Dunkelwerden geschlossen werden sollte, da gingen die Männer hinaus; ich weiß nicht, wohin die Männer gegangen sind. Jaget ihnen eilends nach, denn ihr werdet sie erreichen. (Sie hatte sie aber auf das Dach hinaufgeführt und unter Flachsstengel versteckt, die sie sich auf dem Dache aufgeschichtet hatte … Und ehe sich die Kundschafter niederlegten, stieg sie zu ihnen auf das Dach hinauf und sprach zu den Männern: Ich weiß, dass der Herr euch das Land gegeben hat, und dass euer Schrecken auf uns gefallen ist, und dass alle Bewohner des Landes vor euch verzagt sind. Denn wir haben gehört, dass der Herr die Wasser des Schilfmeeres vor euch ausgetrocknet hat, als ihr aus Ägypten zoget, und was ihr den beiden Königen der Amoriter getan, die jenseits des Jordan waren, dem Sihon und dem Og, die ihr verbannt habt. Und wir hörten es, und unser Herz zerschmolz, und es blieb kein Mut mehr vor euch in irgendeinem Menschen; denn der Herr, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten. Und nun schwöret mir doch bei dem Herrn, weil ich Güte an euch erwiesen habe, dass auch ihr an dem Hause meines Vaters Güte erweisen werdet.“ - Josua 2:1-6, 8-12 Jericho liegt im Jordantal nördlich des Toten Meeres, etwa 244 Meter unter dem Meeresspiegel und etwa 8 Kilometer westlich des Flusses Jordan. Es ist eine der ältesten Siedlungen der Welt und eine der am niedrigsten gelegenen Städte in der Welt. Der König von Jericho war eher gleich einem Bürgermeister oder einem Stadtdirektor. Ganz offensichtlich waren die Städte in Kanaan irgendwie unabhängig von einander, weil dieser König fragte keinen der anderen Könige um Hilfe, um diesen gefährlichen Feind, der gegen ihn aus der Wüste heraufkam, abzuwehren. Als Josua Israels Anführer wurde beim Tode Mose, sagte Gott zu ihm: „Es soll niemand vor dir bestehen alle Tage deines Lebens: so wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein. Ich werde dich nicht versäumen und dich nicht verlassen“ (Josua 1:5). Warum sandte Josua die Kundschafter aus, obwohl er doch diese gütige Verheißung gehört hatte? Er wusste, dass der Sieg sicher war. Aber er wusste ebenso: Wenn er nicht den Rat, die Umsicht und die Kraft benutzen würde, welche er von Gott empfangen hatte, dann wäre er nicht erfolgreich. Obgleich er von der göttlichen Leitung und der göttlichen Macht abhängig war, wusste er trotzdem, dass es klug sein würde, sich auf solch eine Unternehmung einzulassen, um weiterführende Informationen zu erlangen. Sein Vorgehen enthält eine Lektion für uns: Wir können nicht erwarten, erfolgreich zu sein, weder in geistigen, noch in zeitlichen Dingen, wenn wir nicht klug handeln. Obwohl Gott unsere Erfahrungen überwaltet, arbeiten wir mit Gott zusammen (2. Korinther 6:1). Lasst uns alles in der Weise hinausführen, als ob der Erfolg tatsächlich von unseren eigenen Bemühungen abhängen würde, gleichsam wissend, dass jeder erzielte Erfolg nur durch Gottes überwaltende Fürsorge ermöglicht worden ist. Weil der Jordan an
dieser Stelle sehr leicht zu überqueren war, war Jericho ein bekannter Ruheort
für viele Reisende und Karawanen, welche zwischen Mesopotamien, Ägypten und
Phoenizien reisten. Ausländer und Fremde waren häufig in der Stadt. Das mag
auch der Grund dafür sein, warum die Kundschafter sich mutig genug fühlten, in
diese Stadt zu gehen. Aber wo würden sie die Nacht verbringen? Der bestmögliche
Ort für Fremde, wo sie willkommen sind, ist eine „Übernachtung mit Frühstück“.
Dies wurde durch eine Frau angeboten mit Namen Rahab. Diejenigen, welche bei
ihr übernachteten, brachten am Tag die Neuigkeiten mit sich und erzählten der
Frau, was mit Israel in den letzten vierzig Jahren geschehen war. Die Reaktion
darauf war bei fast jedem in der Stadt Furcht und Angst. Aber Rahab hatte die
richtige Schlussfolgerung, und zwar, dass Israel dem wahren Gott diente und
dass alle anderen Götter falsch waren. Als die Kundschafter zu ihrem Haus kamen, fanden sie die einzige Person in Jericho, welche ihrer Nation gegenüber
freundlich gewesen ist. Rahab glaubte.
In Kürz schon zeigte sie, dass sie mehr noch tat. Sie bewies ihren Glauben. Ohne Zweifel waren die Kundschafter nicht die einzigen, welche sich an diesem Nachmittag in ihrem Haus aufhielten. Ihre Art und Weise, in welcher sie sprachen, und ihr Dialekt verrieten wahrscheinlich ihre Nationalität. Auf diese Weise erging schon bald darauf eine Nachricht an den König, dass Kundschafter aus Israel in die Stadt gelangt waren. Rahab mutmaßte, was geschah, und deshalb verbarg sie die Kundschafter auf ihrem Flachdach. Es scheint sonderbar, dass die Gesandten des Königs nicht sofort in das Haus eintraten und es durchsuchten. Aber in jenen Tagen war die Unterkunft einer Frau Privatsphäre, welche nicht verletzt werden durfte (Richter 4:17-21). Rahab verbarg die Kundschafter, und so gab es keinen offensichtlichen Beweis von ihrer Gegenwart zu irgendjemand, der durch die Tür ins Haus kam. Dann log sie: „Ja, sie waren hier, aber sie sind bereits gegangen.“ Lügen Gibt es Umstände, welche das Lügen rechtfertigen? Es ist eine Sache zu behaupten, dass wir immer die Wahrheit sagten sollten, aber wenn wir und andere, die von uns abhängig sind, dadurch bedroht sind, gefangen genommen zu werden oder gar mit dem Tode bedroht werden, mag dies eine Ausnahme von der allgemeinen Regel sein? Wie entscheiden wir uns? Wir wissen, wie Rahab sich entschied. Sie log, und sie tat dies überzeugend. Die Gesandten des Königs jagten aus der Stadt in Richtung des Jordans in der Hoffnung, die Kundschafter einzuholen. Später in der Nacht ließ sie die Kundschafter an der Stadtmauer herunter an einem Seil und sagte ihnen, dass sie in die entgegengesetzte Richtung fliehen müssen und sich mehrere Tage verstecken müssen in einer der vielen Höhlen im Gebirge. Vielen meinen, dass sie zu einer großen Glaubensheldin wurde, weil sie log: „Durch Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit den Ungläubigen um“ (Hebräer 11:31) „Ist aber gleicherweise auch Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Wege hinausließ?“ (Jakobus 2:25). Es gibt in keiner Bibelstelle eine Andeutung, dass Rahab gepriesen wird, weil sie gelogen hat. Zu behaupten, dass sie als eine Glaubensheldin in Hebräer 11 aufgelistet ist, weil sie gelogen hat, würde dasselbe bedeuten, als ob behauptet wird, dass Abraham darin aufgelistet wird, weil er hinsichtlich seiner Ehe mit Sarah gelogen hat, oder dass David erwähnt wird, weil er den Ehemann einer Frau tötete, welche er für sich selbst haben wollte. Lügen ist so einfach. Kain war der Sohn der Eltern, welche vollkommen erschaffen worden sind. Als Gott fragte: „Wo ist dein Bruder Abel?“, antwortete er: „Ich weiß es nicht; bin ich meines Bruders Hüter?“ (1. Mose 4:9). Wie können wir daher wissen, unter welchen Umständen das Lügen gerechtfertigt ist? In der Tat, es kann niemals gerechtfertigt werden! Wir haben unseren eigenen Willen aufgegeben, um den Willen des Himmlischen Vaters zu tun. Wie wissen wir, was derselbe ist? Ein Weg dahin ist, dem Beispiel Jesus zu folgen, welcher immer den Willen seines Vaters vollbracht hat. Wenn wir das tun, was er tat, dann können wir versichert sein, dass wir des Vaters Willen vollbringen. Es gibt nicht ein einziges Beispiel, in welchem Jesus gelogen hätte. Nicht ein einziges. Dies sollte nicht überraschend sein. Sein Vater kann nicht lügen: „Durch zwei unveränderliche Dinge, wobei es unmöglich war, dass Gott lügen sollte, haben wir einen starken Trost“ (Hebräer 6:18). Lügen ist ein Teil des alten Menschen. Die Welt meint, es gibt Zeiten, in welchen Lügen angebracht sei. Aber für die Fußstapfennachfolger Christi ist das Lügen nie angebracht. Selbst in der Welt ist es selten die beste Politik. Wer möchte in einer Welt leben, in welcher die Menschen leichter lügen als die Wahrheit sprechen? Hätte Rahab die Kundschafter retten können, ohne eine Lüge zu erzählen? Gemäß den Gewohnheiten ihrer Zeit wäre es ihr nie in den Sinn gekommen, dies zu versuchen. In ihrer Kultur ist sie ganz bestimmt nicht belehrt worden über den Wert, immer nur die Wahrheit zu sagen. „Immer nur die Wahrheit zu sagen war weder bei den Juden, noch bei den Nationen eine Tugend. Dies war so völlig unbekannt in der Zeit vor der Verkündigung des Evangeliums, dass, soweit es Rahab betrifft, es als ganz überflüssig betrachtet wurde.“ – Cyclopedia of Biblical, Theological and Ecclesiastical Literature, McClintock & Strong, Band 8, Seite 881. Adam Clarke schreibt: „Es gibt eine lasche Moralität in der Welt, welche lieber eine Lüge empfiehlt als die Wahrheit, wenn es dem Zweck der Religion oder der Menschlichkeit dient. Aber wie kann dies möglich sein? Die Religion Christi ist eine ewig währende Anordnung der Wahrheit, und ihr kann weder durch eine Lüge gedient werden, noch lässt dieselbe eine Lüge zu.“ Einen Schritt weitergehend, kann hier gesagt werden, dass der nächste (falsche) Schritt der ist: „Lasst uns das Böse tun, damit das Gute komme.“ Dies war eine Anschuldigung, welche gegen den Apostel Paulus erhoben wurde durch seine Kritiker, siehe Römer 3:8. Das Wörterbuch definiert eine Lüge als eine falsche Erklärung, die absichtlich als eine Wahrheit dargestellt wird bzw. die jemand darbietet, um zu täuschen und einen falschen Eindruck zu geben. Wenn das Lügen böse ist, dann gehört es zum Bösen, ganz gleich welche Resultate sich schließlich daraus ergeben mögen. Der
Karmesinfaden Rahab und die Kundschafter sprachen darüber, was sie machen sollte, damit ihr Haus von den Soldaten erkannt werden würde und um sie und ihre Familie zu bewahren. „Siehe, wenn wir in das Land kommen, so sollst du diese Schnur von Karmesinfaden in das Fenster binden, durch welches du uns heruntergelassen hast . . . Und sie entließ sie, und sie gingen weg. Und sie band die Karmesinschnur ins Fenster“ (Josua 2:18,21). Obwohl die Elberfelder Bibelübersetzung sagt, dass es sich um eine Karmesinschnur gehandelt hat, war es wohl doch eher ein Tuch, in welchem Karmesinfäden eingewebt waren, gleichsam einer roten Flagge. Rahab verbarg die Kundschafter unter Flachsstäben, die auf dem Dach zum Trocknen lagen. Flachs wurde benutzt, um Leinen herzustellen, und Rahab stellte wahrscheinlich Tücher oder Kleidung selbst her. Einer der Kundschafter mag ein rotes Tuch in ihrem Haus gesehen und erkannt haben, dass es als eine Flagge benutzt werden könnte. Dieses „Rot“ war ein Zeichen oder ein Versprechen der Sicherheit an alle in jenem Haus. Die äußere Kennzeichnung mit der Farbe Rot ist vergleichbar mit dem, was beim Auszug aus Ägypten geschah. Die Israeliten kennzeichneten ihre Türpfosten und die Oberschwelle mit rotem Blut, und der Todesengel ging während der Nacht an ihren Häusern vorüber. Eine Familie zeigte Glauben, indem sie sich dessen bewusst war, dass das Bestreichen mit Blut überhaupt irgendetwas Gutes für sie bewirken würde. Rahab handelte auch gemäß ihrem Glauben, dass diese rote Flagge sie erretten würde. Und sie wurde errettet. Sie und ihre Familie wurden die ersten Proselyten des Judentums, nachdem Israel nach Kanaan gekommen war. Sie wurde von den Israelitern vollständig angenommen. In der Tat heiratete sie einen Fürsten Judas: „Salmon aber zeugte Boas von der Rahab; Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Isai, Isai aber zeugte David, den König“ (Matthäus 1:5,6). Salmons Vater war Nahasson. Als er in der Wüste starb, nahm Salmon seine Stellung ein. Was konnte Salmon dazu bewegen, eine heidnische Hure zu heiraten? In der Tat heiratete er sie nicht, als sie noch eine Heidin bzw. eine Hure war. Das war sie in der Vergangenheit gewesen. Obwohl der Bericht es nicht direkt sagt, ist Salmon wahrscheinlich einer der zwei Kundschafter in jener verhängnisvollen Nacht gewesen. Er sah Rahabs Glauben aus erster Hand und verliebte sich in sie. Obwohl sie anfänglich außerhalb von Gottes Bundesvolk stand, wurde Rahab vollständig aufgenommen und wurde zu einem Teil der Geschlechtslinie, die von Adam bis zu Jesus Christus reicht. Wie sehr zieht es unser liebreicher Gott vor, das Unerwartete zu vollbringen, einen von hier und einen von dort zu nehmen, welcher von denjenigen, die meinen, es besser zu wissen, als unerwünscht betrachtet wird: „Die Zöllner und die Huren gehen euch voran in das Königreich Gottes“ (Matthäus 21:31). Was denkt Gott über Hurer? Er liebt sie. Und wenn sie seine Liebe annehmen, dann werden sie verwandelt: „Irret euch nicht! Weder Hurer, noch Götzendiener, noch Ehebrecher … werden das Königreich Gottes ererben. Und solches sind eurer etliche gewesen. Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus“ (1. Korinther 6:9-11). Zusammenfassung Die Erfahrung Rahabs und der Kundschafter enthält interessante Lektionen für uns: 1) Lasst uns gleich Josua die Weisheit benutzen in der Hinausführung des Werkes des Herrn und lasst uns alles sorgfältig tun, auch wenn wir wissen, dass die Ergebnisse vom Herrn stammen. 2) „Ohne Glauben ist unmöglich, Gott wohlzugefallen“ (Hebräer 11:6). Rahab sagt: „Der Herr, euer Gott, ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten“ (Josua 2:11). Sie war entschlossen, diesem Gott zu dienen und nichts weniger als dies zu tun. Sie überlebte auf Grund ihres Glaubens. Wir wissen so viel mehr als sie über diesen Gott. Lasst uns niemals unseren Glauben an ihn verlieren. 3) Lügen ist falsch. Es ist traurig zu sehen, wenn jemand lügt. Lerne zu sagen: „Ich möchte diese Frage nicht beantworten“, oder „ich weiß es nicht.“ Spreche die Wahrheit oder spreche überhaupt nicht. Das „Ende“ rechtfertigt niemals die Mittel. Satan ist der Vater der Lügen (Johannes 8:44). Der Gott, welchem wir dienen, ist der Vater der Wahrheit (Johannes 15:26). 4) Gott erreicht manchmal außerhalb seines „auserwählten“ Volkes diejenigen, mit welchen er mehr zusammenwirkt als mit anderen, so dass er hier einen und dort einen findet, um ihn zu segnen. „Belüget einander nicht, denn es war euer altes Leben mit seiner Bosheit, welches jene Art von Taten vollbracht hat: jetzt ist dieses Leben tot und vergangen. Ihr lebt eine ganze neue Art von Leben, welches fortwährend mehr und mehr das lernt, was richtig ist, und welches die ganze Zeit hindurch versucht, immer mehr Christus ähnlich zu werden, welcher dieses neue Leben in euch geschaffen hat.“ – Kolosser 3:9,10 gemäß der Living Bible. Dieser Artikel
wurde von Bruder Michael Nekora geschrieben und in dem englischsprachigen Herald
von Mai/Juni 2005 |