Joel 1

Die Ausgießung des Heiligen Geistes

David Rice

 Der Prophet Joel wird von Petrus in Apostelgeschichte, Kapitel 2, zitiert. An keiner anderen Stelle wird er aber sonst erwähnt oder wird sich auf ihn bezogen. Was wir von Joel wissen, ist in seiner kurzen Prophetie in den drei Kapiteln enthalten.

 Ganz offensichtlich war Joel ein Prophet in Juda, denn Kapitel zwei beginnt mit einer Warnung „auf Zion … und meinem heiligen Berg.“ Beide Ausdrücke beziehen sich auf Jerusalem, der Hauptstadt des Königreiches von Juda. In Kapitel eins sagt Joel: „Eine Nation ist über mein Land heraufgezogen, mächtig und ohne Zahl; ihre Zähne sind Löwenzähne, und sie hat das Gebiss einer Löwin.“ Daniel, Kapitel 7, benutzt einen Löwen, um Babylon darzustellen. Aber Babylon passt nicht auf die Umstände dieser Prophetie, weil in Kapitel zwei beschrieben wird, dass der Angreifer daran gehindert wird, Jerusalem einzunehmen (Vers 20). Babylon hat jedoch Jerusalem wiederholt eingenommen und verbrannte den Tempel beim dritten Mal.

 Joels großer Löwe scheint sich auf Assyrien zu beziehen. Assyrien und Babylon waren von gleicher Kultur. Noch vorhandene Kunstgegenstände aus früheren Zeiten zeigen, dass beide den Löwen benutzt haben, um ihre Stärke, ihre Flexibilität und ihre Macht darzustellen. Jeremia wendet dieses Tier sowohl auf Assyrien als auch auf Babylon an: „Israel ist ein versprengtes Schaf, welches Löwen verscheucht haben. Zuerst hat der König von Assyrien es gefressen, und nun zuletzt hat Nebukadnezar, der König von Babylon, ihm die Knochen zerbrochen“ (Jeremia 50:17). In dem Falle Joels bestand die Bedrohung durch Assyrien.

 Die bevorstehende Vernichtung

 Joel Kapitel 2 beginnt mit der Beschreibung eines bösen Vorzeichens und der bevorstehenden Vernichtung. Der Tag „der Finsternis und der Dunkelheit … des Gewölks und der Wolkennacht … ein großes und mächtiges Volk“ spricht von dem assyrischen Angriff, ganz offensichtlich nachdem Sanherib seine Armeekräfte gegen Juda und schließlich gegen Jerusalem selbst aufgestellt hatte. 22 Jahre zuvor hatte Assyrien das nördliche Königreich von Israel zerstört und dessen Hauptstadt Samaria war gefallen. Dies ereignete sich unter der Herrschaft des assyrischen Königs Salmaneser (2. Könige 17:3). Seine fünfjährige Herrschaft endete nur ein Jahr nach dem Fall Samarias, und Sargon war der nächste Herrscher des Reiches. Er verschleppte die Juden aus dem Land und brachte an ihrer Stelle Heiden aus den verschiedenen Ländern ins Land. Diese nahmen später die jüdische Religion an und wurde zu einem Volk, welches später als die „Samariter“ bezeichnet wurde.

 Sargon wird mit Namen in Jesaja 20:1 erwähnt. Die Kritiker in der Mitte des 19. Jahrhunderts behaupteten für eine Zeitlang, dass dies ein Fehler in der Bibel sei. Aber seit langer Zeit wurde diese Behauptung wieder fallen gelassen. Denn die Ausgrabungen im fruchtbaren assyrischen Boden bestätigen übereinstimmend alle in der Bibel erwähnten assyrischen Könige. Sargon regierte 17 Jahre lang und Sanherib folgte ihm, einer der gewaltsamsten Eroberer. In seinem vierten Jahr, 701 v. Chr., rückte er gegen Juda vor und drohte damit, Jerusalem zu erobern. Dieses Ereignis wird in Jesaja, Kapitel 36, 37 und 38 berichtet. Die parallelen Berichte dazu sind in den Büchern Könige und Chroniken enthalten.

 Jesaja hatte prophezeit, dass „die Wasser des Stromes, die mächtigen und großen, eben der König von Assyrien und alle seine Herrlichkeit … über alle seine Flüsse gehen werden und über alle seine Ufer“, und dass „er in Juda eindringen wird, es überschwemmen und überfluten wird bis an den Hals [Jerusalem]. Die Ausdehnung seiner Flügel [Armeen] wird die Breite deines Landes füllen“ (Jesaja 8:7,8). Jene Zeit war herbei gekommen, und Joel ertönte den Alarm.

 Jerusalem wurde befreit

 König Hesekia und ganz Israel betete um die Befreiung, und Gott errettete sie auf wunderbare Art und Weise: „Der Engel des Herrn zog aus und schlug in dem Lager der Assyrer 185.000 Mann. Und als man des Morgens früh aufstand, siehe, da waren sie allesamt Leichname“ (Jesaja 37:36; siehe auch Micha 5:5).

 Joel erzählt dasselbe nach in Joel 2:13-20 und verheißt danach, dass eine große Segnung Gottes folgen wird. Dann prophezeit Joel die Ausgießung des Heiligen Geistes, welche später kommt: „Es wird geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure alten Männer werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen. Und selbst über die Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen. - Und ich werde Wunder geben im Himmel und auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchsäulen. Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare. – Und es wird geschehen, ein jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden; denn auf dem Berge Zion und in Jerusalem wird Errettung sein, wie der Herr gesprochen hat, und unter den Übriggebliebenen, welche der Herr berufen wird.“  (Joel 2:28-32).

 Zwei Erfüllungen

 Diese Segnung erfüllte sich, wie verheißen. Es geschah durch den Tod Christi und die Ausgießung des Geistes, beginnend mit Pfingsten. Petrus Zitat dieser Bibelstelle bei dieser Gelegenheit wird in Apostelgeschichte 2:17-21 berichtet. Aber die Erlösung Jerusalems durch Gott geschieht erneut bei dem Beginn des Millenniumkönigreiches, einem Ereignis, welches beginnend in Sacharja 14:3 erwähnt wird. Während des Millenniums wird der Geist Gottes noch weiter ausgegossen werden, und zwar auf alles Fleisch. Alle werden sich der Segnungen jenes Zeitalters erfreuen.

 Lasst uns zuerst danach schauen, wie Petrus die Prophetie Joels am Tage zu Pfingsten anwendete:

 „Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch.“ Am Tage zu Pfingsten waren Besucher aus Ländern vorhanden, die Israel umgeben. Sie waren gekommen, um in Jerusalem das Fest zu begehen. Dies bedeutet, dass sie entweder Juden waren, die im Ausland lebten, oder dass es Proselyten waren, wie der äthiopischen Kämmerer in Apostelgeschichte, Kapitel 8. Die Gegenwart solcher Besucher ist der Grund dafür, warum das in Zungenreden von den Aposteln als eine Gnadengabe so nutzvoll angesehen wurde. „Wir hören sie [die Apostel] die großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden“ (Apostelgeschichte 2:11).

 Und was für wundervolle Dinge sie zu reden hatten! Sie hatte gerade das Zeugnis des Geistes empfangen, von welchem Jesus ihnen gesagt hatte, dass es kommen werde, und jetzt konnten sie seine Zeugen sein. Zungen von Feuer waren ihnen über ihren Häuptern auf wunderbare Art und Weise erschienen, als ob sie sagen wollten, dass sie gesalbt worden sind, um eine weit um sich greifende und mächtige Botschaft an alle hörenden Ohren weiterzugeben. Pfingsten erinnerte das jüdische Volk an das Übergeben des Gesetzes am Sinai. Jetzt wurde der Geist jenes Gesetzes für alle diejenigen zugänglich gemacht, welche bereit waren, denselben aufzunehmen. Ohne Zweifel waren die Apostel darum bemüht, mit großer Überschwänglichkeit von der Auferstehung ihres Meisters zu berichten, dass er in der Tat durch seine Auferstehung als der Messias bestätigt worden ist und durch die Gnadengaben, welche sie jetzt aus seiner Hand empfangen hatten.

 Nachdem 3.000 Petrus öffentliche und spontane Ansprache an die Volksmenge folgten, wurden diese mit dem Geist belebt. Dieselbe Anzahl an Menschen wurde getötet, nachdem der Buchstabe des Gesetzes durch Mose überbracht worden war (vergleiche Apostelgeschichte 2:41 mit 2. Mose 32:28). In der Tat könnte gesagt werden: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2. Korinther 3:6).

 Pfingsten war jedoch nur der Anfang von Joels verheißener Segnung. Später bei der Bekehrung des Kornelius wurde die Gabe des Zungenredens auch auf die aus den Nationen ausgeweitet. Auf diese Weise bedeutet „alles Fleisch“ nicht nur die Juden zu Jerusalem und diejenigen Juden aus anderen Ländern, sondern auch diejenigen aus den Nationen, welche noch keine Proselyten gewesen sind. Es gab nicht mehr länger eine Trennung zwischen den beiden: „Er hat die Zwischenwand der Umzäunung niedergerissen … auf dass er die zwei [Juden und Nationen] zu einem neuen Menschen geschaffen hat“ (Epheser 2:14,15).

 „Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen.“ Jünglinge, einschließlich auch Töchter, waren geeignet für diese Segnung. Der Diakon Philippus „hatte vier Töchter, Jungfrauen, welche weissagten“ (Apostelgeschichte 21:9).

 „Eure alten Männer werden Träume haben.“ Gemäß dem Vine Ausleger Wörterbuch ist das griechische Wort für alt nicht archaios („ursprünglich, frühzeitig“) oder palaios („alt an Jahren“), sondern presbyteros („Alter, Ältester“). Das Wort meint nicht notwendigerweise nur Männer mit weißem Haar, sondern kann auf erwachsene Männer angewendet werden, welche auch „eine verantwortliche Position oder Stellung“ einnehmen. Beispiele für diese Verheißung von entsprechenden Träumen mögen Petrus Traum hinsichtlich der Annahme derjenigen aus den Nationen sein (Apostelgeschichte 10:9-16) und Paulus Traum hinsichtlich des Mannes aus Mazedonien (Apostelgeschichte 16:9).

 „Eure Jünglinge werden Gesichte sehen.“ Der Apostel Paulus wurde, obwohl er noch ein junger Christ war, durch ein Gesicht (Vision) in den „dritten Himmel“ entrückt (2. Korinther 12:2-4).

 „Über die Knechte und über die Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen.“ Es gab keine Grenze gegenüber dem Armen oder dem Niedriggestellten. „Es seien Sklave oder Freie … [wir sind] alle mit einem Geiste getränkt worden“ (1. Korinther 12:13).

 „Ich werde Wunder geben im Himmel und auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchsäulen.“ Es gab kein Mangel an Wundern, nachdem Jesus gekreuzigt worden war. Sogar der Hauptmann rief aus: „Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn“ (Matthäus 27:54). Das Blut Jesu wurde am Kreuz öffentlich zur Schau gestellt und in den Zungen von Feuer über den Häuptern der Apostel. Es ist auch möglich, dass sich diese Symbole aus Joel 2 auf die Gerichte beziehen, welche Juda in den nächsten 40 Jahren widerfuhren. Auf diese Weise könnten sich die Rauchsäulen auf das brennende Jerusalem beziehen.

 „Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare.“ Am Mittag, als unser am Kreuz hing, ereignete sich eine bemerkenswerte Finsternis, welche drei Stunden andauerte (Matthäus 27:45). An jenem Tag gab es solch eine Sonnenfinsternis, als der Mond aufstieg, so dass eine rötlich-orange Färbung desselben eintrat und der „Mond sich in Blut“ verwandelte. Dies wird in alten Berichten in dieser Art und Weise beschrieben. Dies Ereignis fand statt am Freitagnachmittag, 3. April 33 n.Chr. gemäß dem Julianischen Kalender. Es wurde näher beschrieben in dem Artikel: „Das Datum der Kreuzigung“, welcher in der Dezember Ausgabe von 1983 in dem Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht worden ist. Dieses Zeichen wird nicht in den Berichten im Evangelium wiedergegeben, aber es ist eine Erfüllung von Joels Prophetie. Da es sich im Jahr 33 n.Chr. ereignete, leitete es das Ende der römische Kriege gegen Juda ein. Im Jahr 73 n.Chr., 40 Jahre später, fand der Fall der jüdischen Festung Massada statt.

 „Es wird geschehen, ein jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden; denn auf dem Berge Zion und in Jerusalem wird Errettung sein, wie der Herr gesprochen hat, und unter den Übriggebliebenen, welche der Herr berufen wird.“ So ist es seither immer gewesen. Die gesegnete Berufung der Errettung steht jedem hörenden Ohr und jedem demütigen Herzen offen. Sie geht von Jerusalem aus und weitet sich weltweit aus.

 Während des Millenniums

 Nachdem das Millennium über die Welt herbeigekommen sein wird, wird die gesegnete Berufung der Errettung auch in Jerusalem beginnen und sich von dort aus weltweit ausweiten. Dann wird der Heilige Geist Gottes (Epheser 4:30) jede Person auf der Erde erreichen. Die Toten aus den vergangenen Zeitaltern werden auferweckt werden und ihn ebenso erhalten. Diejenigen, welche jene Berufung annehmen werden, werden das ewige irdische Leben erhalten, allerdings nicht die geistige Herrlichkeit, welche den treuen Christen in dem gegenwärtigen Zeitalter angeboten wird. Aber es wird nichtsdestotrotz eine großartige Berufung sein. Sie wird für alle zufrieden stellend sein. Jedes Geschöpf auf der Erde wird die Botschaft und die Gelegenheit empfangen, den Geist zu erhalten.

 Dieses Angebot des Lebens anzunehmen, wird die freie Wahl einer jeden Person selbst sein. Dann, wie schon heute, wird es Reue erfordern und auch Bemühung, um den gefallenen Charakter und die Neigungen auszubessern, welche in jedem von uns innewohnen. Aber für eintausend Jahre lang wird Gott alles so einrichten, dass es dem Fortschritt dienlich ist. Ganz gewiss wird die große Mehrheit der wiederhergestellten Menschheit dieses Angebot wertschätzen und die Gabe des ewigen, irdischen Lebens empfangen (Jesaja 35:8-10; Offenbarung 22:17).

 Übersetzt von Sven Kruse 

 

Auszug aus Vorträgen von Robert S. Seklemian, Seite 98: 

Der Geist zu Pfingsten

 Dies war nichts weniger als die Zeugung aus dem Geiste. Derselbe Heilige Geist, welcher das Haupt, Jesus Christus, gesalbt hatte, begann hinabzusteigen, um auch seinen Leib zu salben, die Herauswahl. Der Geist hat dieselbe Wirkung bei dem Haupt wie bei jedem Glied seines Leibes, indem es zu der göttlichen Natur zeugt. Nachdem Jesus den Geist empfangen hatte, begann er sofort sein Predigtdienst. Nachdem diejenigen zu Pfingsten ihn empfangen hatten, begannen sie damit, ihre Zungen für Prophetie und Predigt zu gebrauchen. Wenn ein jeder von uns denselben empfängt, dann reden wir bei jeder Gelegenheit über die frohe Botschaft und bauen uns gegenseitig auf im allerheiligsten Glauben. Wir entsagen irdischen Interessen, Hoffnungen und Bestrebungen und „wandeln in Neuheit des Lebens“ (Römer 6:4). Wir beginnen ein neues Leben. Wir werden Neue Schöpfungen. Wie Paulus es in 2. Korinther 5:17 sagte: „Daher, wenn jemand in Christus ist, das ist eine Neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe alles ist neu geworden.“