Der christusähnliche Charakter

 Die Früchte des Geistes

„Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringet, und ihr werdet auf diese Weise unter Beweis stellen, dass ihr meine Jünger seid.“
– Johannes 15:8 nach englischer Übersetzung

 Brent Hislop

Der Apostel Paulus listet die Früchte des Geistes auf: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Galater 5:22,23). Einzeln oder als Ganzes gesehen erfordern diese Früchte eine sehr genaue Befolgung derselben durch den Christen. Sie sind die Früchte eines geisterfüllten Lebens; sie sind der Maßstab unseres Wachstums in der Christusähnlichkeit.

 Die Versammlungen in der Region von Galatien setzten sich hauptsächlich aus Christen aus den Nationen zusammen, welche einen großen Konflikt erlebten. Paulus schreibt: „Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium abwendet“ (Galater 1:6). Er fragt: „O unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert …?“ (Galater 3:1) Später beantwortet er seine eigene Frage: Es war diejenigen aus der Beschneidung. Juden, welche darum bemüht waren, alle Christen dazu zu zwingen, sowohl die aus den Juden als auch die aus den Nationen, die zeremoniellen Feste des jüdischen Gesetzes einzuhalten. Paulus war keiner von diesen: „Ich bezeuge aber wiederum jedem Menschen, der beschnitten wird, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr seid abgetrennt von dem Christus, so viele ihr im Gesetz gerechtfertigt werdet; ihr seid aus der Gnade gefallen“ (Galater 5:3,4).

 Bevor der Apostel Paulus die Früchte des Geistes in Kapitel fünf auflistet, listet er zuerst die Werke des Fleisches in den Versen 19 – 21 auf. Dies sind: Unmoral, Unreinheit, Sinnlichkeit, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Ausbrüche von Ärger, Auseinandersetzungen, Streit, Abtrennungen, Neid, Trunkenheit, Trinkgelage und ähnliches.

 Beginnend in Vers 18 sagt Paulus, dass, wenn wir vom Geist geleitet werden, wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen. Danach erklärt er, dass die Werke des Fleisches sich selbst offenbaren. Was ist die Verbindung zwischen dem Gesetz und den Werken des Fleisches (griechisch: sarx, wurde häufig benutzt, um die gefallene menschliche Natur zu bezeichnen)? Vielleicht ist es einfach so, dass der Irrtum in der Lehre dieser Juden, dass alle beschnitten werden müssten, sowohl zu einer Verunreinigung der Lehre als auch des Benehmens führt. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass Paulus ein Schlüsselargument der Gegner benutzt, um ihren Irrtum darzustellen und ihn ins Gegenteil umzukehren, indem er eine mächtige Lektion hinsichtlich der Früchte des Geistes hervorbringt. Diese Juden glaubten und versuchten andere davon zu überzeugen, dass die Einhaltung des von Gott gegebenen Gesetzes die Art und Weise sei, in welcher sich jemand über das Fleisch, die gefallene menschliche Natur, erheben könne, um dadurch in Gottes Gnade zu leben. Sie glaubten und lehrten, dass die Freiheit vom Gesetz eine Erlaubnis für das Fleisch sei.

 Paulus sagt sehr eindeutig, dass die Freiheit nicht zu einem Anlass für das Fleisch gebraucht werden sollte, sondern vielmehr als eine Gelegenheit, einer dem anderen zu dienen (Galater 5:13). Danach erläutert er, dass obwohl diese Juden das Gesetz unterstützten, sie zu erkennen verfehlten, dass der Streit, den sie verursachten, der Summe des Gesetzes entgegensteht, denn das Gesetz sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Er führt sein Argument im folgenden Vers fort mit den Worten: „Wenn ihr aber einander beißet und fresset, so sehet zu, dass ihr nicht von einander verzehrt werdet. Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch. Diese aber sind einander entgegengesetzt, auf dass ihr nicht das tut, was ihr wollt.“ Der Streit war in der Tat einer des Fleisches. Diejenigen, welche für die Beschneidung eintraten, behaupteten, dass sie durch die Einhaltung ihres Glaubens an den Gesetzesbund genau dieses Fleisch überwinden könnten. Aber Paulus sagt, es ist der Geist und nicht das Fleisch, welches das Fleisch überwinden kann: „Wenn ihr durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz“ (Vers 18).

 Nachdem Paulus betont hat, dass niemand durch das Gesetz das Fleisch, die gefallene menschliche Natur, überwindet, sondern durch den Geist, zählt er die Werke des Fleisches auf im Gegensatz zu den Früchten des Geistes. Hier ist ein vereinfachter Vergleich zwischen den Beiden. Die Werke des Fleisches beinhalten:

 1)      Verschiedene unmoralische Handlungen;

2)      Falsche Anbetung

3)      Wortstreitereien und Streitigkeiten mit anderen.

 Die Früchte des Geistes schließen mit ein:

 1)      moralische Vortrefflichkeit

2)      wahre Liebe und Treue Gott gegenüber

3)      Liebe, Friede und Geduld anderen gegenüber.

 Früchte des Geistes sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Ist dies eine vollständige Auflistung? Und wenn diese Früchte nur durch den Geist erreichbar sind, warum erleben auch Nichtchristen Liebe, Freude und Frieden?

 Betrachten wir Paulus Auflistung näher, dann wird es klar, dass er beabsichtigt hat, uns eine umfassende aber nicht alles wiedergebende Liste zu geben. Geradeso wie die Liste der Werke des Fleisches noch umfassender hätte sein können, so hätte auch die Liste der Früchte des Geistes umfassender sein können. Nachdem Paulus die Gnadengaben des Geistes in 1. Korinther 12:7-11 aufgelistet hatte, sagt er, dass Gott der frühen Herauswahl neun Gnadengaben zu ihrer Auferbauung gegeben hat. In gleicher Weise zählt Paulus neun Früchte des Geistes auf. Vielleicht zieht Paulus unsere Aufmerksamkeit auf die Entwicklung der inneren Früchte des christusähnlichen Charakters durch einen Vergleich derselben mit den zeitlichen, äußerlich wahrnehmbaren Gnadengaben.

 Obwohl Nichtchristen Liebe, Friede und Freude erleben, können nur die vom Geistgezeugten diese Früchte durch den Geist Gottes entwickeln. Nur diese sind Kinder Gottes: „So viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Kinder Gottes“ (Römer 8:14). Nur ein wahres Kind Gottes wird durch den Geist durch alle Prüfungen und Drangsale hindurchgeführt, um „mit der Frucht der Gerechtigkeit erfüllt zu sein, die durch Jesus Christus ist, zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes“ (Philipper 1:11).

 Jesus als ein Vorbild

 Es ist kein Zufall, dass die erste aufgelistete Frucht die der Liebe ist. Durch den Geist lernen wir ganz persönlich und ebenso durch die Erfahrungen des Lebens, dass Gott Liebe ist. Wir erfahren, dass um die Gottähnlichkeit zu entwickeln, wir lernen müssen, wie Gott zu lieben. Das griechische Wort, welches mit Liebe übersetzt worden ist, ist agape. Dieses Wort wurde in früheren Schreiben nur sehr selten benutzt. Der Gedanke, den die Schreiber in der Zeit der ersten Herauswahl damit ausdrücken wollten, einschließlich Paulus, Johannes, Petrus und Judas war der, dass diese höhere Liebe von der Welt im allgemeinen nicht verstanden wird. Die Agape Liebe findet ihre größte Personifizierung in Jesus, welcher alle Früchte des Geistes in vollkommenem Maße vorgelebt hat.

 Wenn Christen über die Entwicklung hin zu der Gottähnlichkeit nachdenken, denken sie an Jesus, welcher zu Philippus sagte: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Johannes 14:9). Bei einer anderen Begebenheit lesen wir: „Jesus sagte … Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand … und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22:37-39). „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebet, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr eure Brüder allein grüßet, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Matthäus 5:43-48). Jesus erklärt uns, dass wir lieben sollen, wie Gott liebt.

 Jesus sagte uns nicht nur, was es bedeutet zu lieben, sondern er lebte es uns als Beispiel vor: „ … auf dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und also tue, wie mir der Vater geboten hat“ (Johannes 14:31). Prophetisch war von Jesus geschrieben worden: „Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens“ (Psalm 40:8). Jesus kam nicht, um sich selbst zu erhöhen, sondern um Gott zu erhöhen. Er erfreute sich daran, des Vaters Willen durchzuführen. Des Vaters Wille war in seinem Herzen, es war seine größte Liebe.

 Bei einer Begebenheit kamen die Jünger zu Jesus und sagten ihm, dass er etwas essen soll, weil er sicherlich hungrig sei nach dem vollbrachten Dienst, und dass er ganz gewiss eine Erfrischung notwendig habe. Aber Jesus antwortete, dass es seine Speise sei, den Willen dessen zu vollbringen, der ihn gesandt habe, und dessen Werk hinauszuführen. Welch ein Vorbild der Liebe für den Vater und für die Menschheit hat Jesus uns vorgelebt! Seine Liebe ist so tief, dass er sogar noch an andere dachte, als er sich der Kreuzigung näherte und als er durch die Soldaten, Hohepriester, Schriftgelehrten und Ältesten verspottet wurde. Er sagte: „Töchter Jerusalems, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder“ (Lukas 23:28). Als Jesus seine Mutter sah, befahl er sie der Fürsorge des Jüngers an, welchen er liebte (Johannes 19:26,27). Wenn das Wort agape die Bedeutung von einer höheren, selbstlosen Liebe hat, dann ist Jesus agape.

 Die nächste Frucht des Geistes ist die der Freude. Dies legt eine direkte Verbindung mit Jesus nahe. Es wird uns berichtet, dass Jesus für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und die Schande nicht achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes (Hebräer 12:2). Jesus Freude war, den Willen seines Vaters zu vollbringen, und in seinem Opfer bringt er seine Liebe für seinen Vater zum Ausdruck. Er erfreute sich daran, die Erlösung zu bewirken und mit ihr die Gelegenheit für die ganze Schöpfung, in Harmonie mit Gott zurückzukommen: „Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und wird zufrieden sein“ (Jesaja 53:11). Diese Genugtuung beinhaltet auch die ewige Freude. In gleicher Weise wird es für seine treuen Fußstapfennachfolger sein: „ … bei der Offenbarung Jesu Christi: Welchen wir lieben, obgleich wir ihn nicht gesehen haben, an welchen wir glauben, obwohl wir ihn jetzt nicht sehen, über welchen wir uns mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlocken, indem wir das Ende unseres Glaubens, die Errettung der Seelen, davontragen“ (1. Petrus 1:7-9). Wir wissen, dass selbst unsere schwierigsten Erfahrungen in unsere größten Freuden verwandelt werden. Der Verlust der Liebsten wird hinweg genommen, wenn sie aus den Gräbern kommen und Gott kennen lernen werden. Halleluja, welch ein Erlöser!

 Friede ist die nächste Frucht des Geistes. Betrachte die letzte Nacht unseres Herrn während seines irdischen Dienstes, wie dieselbe in Lukas berichtet wird. Als die große Prüfung vor Jesus lag, stritten die Jünger darum, wer von ihnen wohl der Größte im Königreich sei. Judas verließ ihn, um ihn zu verraten. Jesus nahm drei seiner Jünger mit sich in den Garten Gethsemane hinein und bat sie, zu wachen und zu beten, während er selbst zum Beten einen Steinwurf entfernt zurückging. Es wird uns berichtet, dass seine Seele betrübt war, ja, bis zum Tode betrübt war. Der göttliche Plan enthielt die Erlösung. Diese lag auf seinen Schultern durch seinen Tod, welcher unmittelbar vor ihm lag. Er rang um Kraft und suchte nach Trost bei seinen Jüngern, vielleicht als ein Mittel zur Unterstützung. Aber als er zurückkam, waren sie eingeschlafen. Später in jener Nacht flohen die anderen, während Petrus ihn verleugnete. Aber von der großen Seelenpein, welche noch auf Jesus lastete, als er den Garten betrat, war er befreit, als er den Garten verließ. Er hatte Frieden. Sein Gebet war beantwortet worden. Er war wieder beruhigt, weil ihm versichert worden war, dass er alles wohlgefällig vollbracht hatte in seiner Gemeinschaft mit dem Vater.

 Er wurde gefangen genommen, gefoltert, geschlagen, angespieen und verhöhnt. Obwohl er körperlich sehr verausgabt war aus seinem 3 ½ jährigem Dienst, konnte er vor Pilatus mit solch einer königlichen Ruhe stehen, dass dieser römische Richter vor Ehrfurcht sagte: „Siehe, der Mensch.“ Gibt es einen besseren Maßstab unserer Nähe zu Gott als den der Ruhe unter Feuer? Paulus rät uns, nicht besorgt zu sein, sondern alles im Gebet vor Gott zu bringen (Philipper 4:6,7). Wenn wir dies machen, wird der Friede Gottes, der alles menschliche Verstehen übersteigt, unsere Herzen und unsere Sinne bewahren durch Christus Jesus. Was für eine Verheißung dies ist! Die vertrauensvolle, gebetsvolle Gemeinschaft mit Gott bringt Ruhe und Frieden, so dass jede Angst vergeht. Dieser Zustand wird unsere Vorstellungen und Gedanken bewahren, um nicht in die Irre zu gehen. Wie es bei Jesus war, so wird es auch bei uns sein. Äußere Umstände können unsere innere Ruhe, unseren Frieden Gottes, nicht beinträchtigen.

 Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung vervollständigen die Liste. Geduld bedeutet langmütig zu sein, ausharrend sein auch unter Provokationen und Herausforderungen durch andere. Freundlichkeit beinhaltet den Gedanken an moralische Vorbildlichkeit, Wohlwollen, eine milde Wesensart, eine wohlgefällige Sinnesart, die nicht unzufrieden, bitter oder mürrisch ist. Güte hat die einfache Bedeutung einer Einstellung, die Gutes für andere vollbringt. Treue meint voll Glauben zu sein, Treue gegenüber Gott und den Menschen. Sanftmut enthält den Gedanken von Demut, Milde, Ergebenheit und Unterwürfigkeit. Selbstbeherrschung bedeutet Selbsteinschränkung gegenüber den eigenen Wünschen.

 In allen diesen Dingen ist Jesus unser Vorbild. Seine Geduld wird in Hebräer 12:3 gerühmt, wo uns empfohlen wird, sein Vorbild im Ertragen des Widerspruchs der Sünder zu betrachten, damit wir nicht schwach werden. Paulus sagt, dass unsere Liebe [agape] geduldig und gelassen sein muss (1. Korinther 14:3,7). Die meisten können Nöte für eine kurze Zeit ertragen; wahre agape Liebe wird auch über einen langen Zeitraum standhaft bleiben.

 Der Gedanke der Freundlichkeit beinhaltet die moralische Vortrefflichkeit und passt besonders gut auf Jesus, welcher heilig, unschuldig, unbefleckt und abgesondert von den Sündern war (Hebräer 7:26). Güte wird als eine Charaktereigenschaft Gottes erklärt, eine Einstellung, um Gutes für andere zu tun (2. Thessalonicher 1:11). Dies passt ebenfalls gut auf Jesus, weil er sich selbst als eine Segnung für andere dahin gegeben hat. Die Mengen versuchten, ihn zu berühren, denn Kraft, Lebenskraft ging von ihm aus und heilte sie alle (Lukas 6:19).

 Es ist bewegend, die vielen Evangeliumsberichte über Jesus zu lesen, wie er sich selbst als Segnung für andere aufgeopfert hat. In Markus, Kapitel 2, wird berichtet, wie das Volk zu ihm strömte, nachdem die Kunde über seinen Dienst sich weit und breit ausgeweitet hatte. Als er in einem Haus in Kapernaum war, war die Menschenmenge so groß, dass es keinen Platz in dem Haus mehr gab, um sich zu bewegen. Vier Männer brachten ihren gelähmten Freund zu Jesus, um ihn zu sehen. Aber sie konnten nicht nah genug an ihn herankommen auf Grund der Menschenmenge. Daher kletterten sie auf das Dach des Hauses, nahmen einen Teil desselben hinweg und ließen ihren Freund auf der Bahre herunter zu Jesus. Können wir uns dieses Ereignis vorstellen? Jesus war beeindruckt von ihrem Glauben und sagte etwas höchst Bemerkenswertes zu dem Mann: „Deine Sünden sind vergeben.“ Seine Worte trafen einen empfindlichen Nerv bei einigen Schriftgelehrten. Diese grübelten bei sich selbst, dass er ein Gotteslästerer sei, indem er so etwas sagt. Jesus kannte ihre Gedanken, und deshalb sagte er ihnen: „Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen: Stehe auf, nimm dein Ruhebett auf und geh nach Hause“ (Markus 2:9). Obwohl es eindeutig einfacher wäre zu sagen: „Deine Sünden sind vergeben“ ohne einen Beweis dafür zu geben, dass diese Worte wirklich wahrhaftig sind, so beweisen die Worte: „Stehe auf, nimm dein Ruhebett und geh nach Hause“, dass Jesus, der dieses Wunder vollbracht haben, nicht nur die Macht besitzt, durch Wunder zu heilen, sondern dass er auch die Macht hat, Sünden zu vergeben. Obgleich der gelähmte Mann und seine Freunde keinen Weg gefunden hatten, in das Haus hinein zu gelangen, nachdem sie dort angekommen waren, machte die Menge jetzt sprachlos und erstaunt einen Weg frei, so dass der Mann sein Bett aufheben und durch ihre Mitte hindurch hinaus gehen konnte. Die Menge war in der Tat erstaunt, und sie „verherrlichten Gott und sagten: Niemals haben wir es also gesehen“ (Vers 12). Jesus Güte war wirksam, um andere zu segnen, aber ebenso um die Hartherzigen zu belehren, von welchen er wusste, dass sie ihn nicht annehmen würden.

 Große Glaubenshelden werden in Hebräer, Kapitel 11 erwähnt. Das darauf folgende Kapitel zeigt uns, dass Jesus der größte aller Glaubenshelden ist. Er ist der Eine, durch welchen unser Glaube anfängt und aufhört. Jesus sagte von sich selbst, dass er nicht seinen Willen zu tun sucht, sondern den Willen dessen, der ihn gesandt hat (Johannes 5:30; 6:38). Dies zeigt seine Sanftmut, Demut und Selbstbeherrschung. In allem erniedrigte sich Jesus selbst und suchte nicht seinen Weg, sondern den des Vaters. Paulus erklärt, dass wir dieselbe Gesinnung haben sollen, welche auch in Christus Jesus war. Nachdem er ein Geistwesen gewesen war wie Gott, trachtete er niemals danach, die Herrlichkeit Gottes zu erlangen. Er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechts an und wurde den Menschen gleich. Als er ein Mensch war, demütigte er sich selbst, indem er gehorsam war bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz (Philipper 2:5-8).

 Hinsichtlich Jesus Selbstbeherrschung steht geschrieben, dass er in allem den Brüder gleich geworden ist …, denn in dem, was er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, vermag er denen zu helfen, die versucht werden (Hebräer 2:17,18). In Hebräer 4:15 wird uns gesagt, dass wir einen Hohepriester haben, der mitfühlen kann mit unseren Schwachheiten, weil er in allem versucht worden ist, wie wir, ausgenommen die Sünde.

 Jesus ist unser Vorbild für alle Früchte des Geistes. Mehr als dies, ohne ihn können wir diese köstlichen Früchte nicht hervorbringen. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben. Eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Früchte hervorbringen. Daher können wir keine Frucht bringen, es sei denn, dass wir fortwährend in Jesus bleiben. Wenn wir damit fortfahren, in ihm zu bleiben und er in uns, dann werden wir viel Frucht hervorbringen (Johannes 15:4,5).

 Nachdem der Apostel Paulus die Früchte des Geistes aufgelistet hatte, bemerkt er: „Wider solche gibt es kein Gesetz“ (Galater 5:23). Dies bedeutet, dass diejenigen, welche durch diese ehrenhaften Früchte leben, nicht unter der Verurteilung durch das Gesetz stehen. Es sagt: „Die des Christus sind, haben das Fleisch [die gefallene menschliche Natur] gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten“. Die Werke des Fleisches haben keinen Platz in einem geisterfüllten Leben. Paulus setzt seine Erklärung fort: „Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns auch durch den Geist wandeln“ (Galater 5:25). Es ist eine Sache, aus dem Geist gezeugt zu sein, den alten Menschen gekreuzigt zu haben, tot zu sein mit Christus und befreit von der Sünde (Römer 6:6,7), und es ist eine andere Sache, in der Gnade voranzuschreiten. Deshalb sagt Paulus, dass wir im Geiste wandeln müssen. Wir müssen damit fortfahren, in den Früchten des Geistes zu wachsen. Paulus benutzt ein ungewöhnliches und selten benutztes griechisches Wort für das Wort Wandeln: Das Wort, welches er benutzt, bedeutet in eine bestimmte Richtung wandeln bzw. Stufen zu erklimmen. Dies vermittelt den Gedanken daran, dass die Entwicklung der Früchte des Geistes unter der Leitung Gottes steht. Dies hebt die Wichtigkeit empor, danach zu trachten, Gottes Willen zu erkennen und zu tun.

 „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleische Verderben ernten. Wer aber für den Geist sät, wird von dem Geist ewiges Leben ernten. Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten“ (Galater 6:7-9).

 Mögen wir damit fortfahren, in Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung zu wachsen, damit wir viel Frucht hervorbringen und damit Gott verherrlichen werde.

 Übersetzt von Sven Kruse