Der Geistpersonifiziert

Die Kraft des Höchsten
wird dich überschatten

„Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird über überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.“ – Lukas 1:35

 Donald Holliday

Diese Worte des Engels Gabriel wurden bei der einfachen Jungfrau aus Nazareth zu einer wunderbaren Verwirklichung. Das ewige Himmelreich kam hinunter in den Kreislauf ihrer kleinen Alltagswelt. Ein wunderbarer göttlicher Vorsatz trat in ihr Leben, die Kraft einer unendlichen Größe war am Werk, und sie war dazu auserwählt worden, ein Teil der herrlichsten Kundgebung unsagbarer Liebe zu sein.

 Das Schweben des Geistes

 Es gibt eine eindrucksvolle Erhabenheit in den Anfangswörtern der Heiligen Schrift, welche die vergangenen Zeitalter der Ewigkeit zusammenfasst. Die ungeheuer großen Systeme des Himmels wurden eines nach dem anderen hervorgerufen. Es sind unberechenbare Zeitabschnitte hin zu der schließlichen Formung dieses Planeten Erde: „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern“ (1. Mose 1:2, siehe Anmerkung 1). Dieser Planet wurde durch und durch von der dichten Finsternis des undurchdringlichen Nebels umhüllt, welcher über der Wasseroberfläche herumwirbelte. Der Geist Gottes atmete über allem, bewegte sich hin und her über der leblosen Oberfläche der Erde, welche leer und ohne Form war. Der Geist Gottes schwebte in der Absicht, seinen weisen und wundervollen Vorsatz hinauszuführen. Die Worte, welche uns den Geist Gottes erklären, enthalten den Sinn des geduldigen, ruhigen, aber dennoch mit Vorsatz wirkendem Einfluss einer mächtigen Vollkommenheit, die für alles verantwortlich ist. Wie viele Zeitalter vergangen sind, wie viele Zeitabschnitte der Stille und der dunklen Ruhe vergangen sind, wie viele Stürme vorhanden gewesen sind, welche bewirkt haben, dass die Wellen sich aufgetürmt haben in der unermüdlichen Suche nach einer noch nicht bestehenden Küste, wird uns nicht gesagt. Aber wir wissen, dass ganz gleich welche Wirksamkeit es gewesen ist, ganz gleich welcher Fortschritt von Zeitalter zu Zeitalter in der allmählichen Formung der Oberfläche der Erde und der Hebung der Berge und schließlich in der Ausschmückung mit unzähligen Formen des Lebens gemacht worden ist, es war das Werk des Geistes Gottes, der über allem schwebte. Das Werk hörte auch nicht auf, nachdem derselbe Geist in die Nase Adams geatmet wurde, so dass Adam seine Augen im Paradies öffnete. Der große schließliche Vorsatz des Herrn war noch nicht erreicht worden. Selbst heute ist sein Ziel noch nicht erreicht. Zweifellos werden noch weitere 1.000 Jahre einen neu eröffneten Ausblick auf sein unermüdliches Werk vor den Augen des vollkommenen Menschen auf einer neuen Erde unter neuen Himmeln offenbaren.

 Der Geist Gottes verfolgt seinen Vorsatz unermüdlich, er ist ausdauernd, um seine Absicht hinauszuführen und lässt sich nicht von seinem Weg abbringen, denn er ist beharrlich in seinem Voranschreiten. Nichts kann das Ergebnis seiner Wirksamkeit durchkreuzen. Unzählige Darstellungen der unergründlichen Weisheit und Geschicklichkeit in jeder Form dieses materiellen Universums bezeugen mit einer lauten Stimme, dass der Urheber dieser kraftvollen Macht nicht nur blinder Zufall ohne Intelligenz sein kann.

 Was ist also dieser Geist unseres großen Schöpfers? Das Buch des Herrn ist voller Anspielungen auf diese kraftvolle geheimnisvolle Macht. Sie wird in einer Sprache beschrieben, welche nur jener Geist selbst dem Verständnis klar machen kann: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistig beurteilt wird; der Geistige aber beurteilt alles, er selbst aber wird von niemand beurteilt“ (1. Korinther 2:14,15). Das Wort „Geist“ selbst ist nicht schwierig zu verstehen mit seiner einfachen Bedeutung von Atem oder Wind (siehe Anmerkung 2). Es ist ein interessantes Beispiel der Elemente innerhalb der Erfahrung der menschlichen Wesen, um das menschliche Verstehen zu unterstützen und um die Dinge verständlich zu machen, welche in das Göttliche gehören. Es gibt viele Beispiele in der Schrift, wo unser göttlicher Schöpfer beschrieben wird, als ob er verschiedene menschliche Formen, Körperteile und Emotionen habe. Es wird von ihm zum Beispiel gesagt, dass er Hände, Arme, Füße, Augen, Ohren und eine Nase usw. habe. Von ihm wird gesagt, dass er seine Meinung ändere und dass er auf Grund von Überzeugungsarbeit durch den Menschen seinen fest bestimmten Weg abändere. Die Heilige Schrift enthält viele Beispiele einer solch bildlichen Sprache und jedes einzelne Beispiel muss aus dem Zusammenhang heraus in richtiger Art und Weise verstanden werden. Denn es war verboten, sich irgendein Bildnis in der Ähnlichkeit Gottes zu erschaffen: „Wem wollt ihr Gott vergleichen? Was für ein Gleichnis wollt ihr ihm an die Seite stellen?“ (Jesaja 40:18). Auch sollte der Mensch den Herrn nicht so betrachten, als ob der Herr Anteil habe an den widerwärtigen Zügen der menschlichen Schwachheit: „Du dachtest, ich sei ganz so wie du“ (Psalm 50:21).

 Nichtsdestotrotz befähigt der Gebrauch der Bildersprache bis zu einem begrenzten Maße zu einem Verständnis des himmlischen Reiches aus unserem irdischen Reich heraus. Möglicherweise kann dies verglichen werden mit einer Art „Babysprache“, durch welche Eltern sich an ihre Säuglinge wenden, welche nicht in der Lage sind, die Gedanken der Erwachsenen zu begreifen. Auf diese Weise wird die Bedeutung des Wortes Wind in der Schrift benutzt, um die Kraft zu bezeichnen, welche vom Schöpfer ausgeht, um den göttlichen Vorsatz hinauszuführen. Es ist eine Kraft, welche unsichtbar ist und sanft wie eine Abendbrise, als Gott mit Adam sprach. Dennoch ist sie so mächtig wie der Sonnenwind und zudem eng verbunden mit dem Wesen, von welchem es ursprünglich im Sinne seines Atems ausging. Beachte die Verbundenheit zwischen Geist und Gegenwart mit der Nähe zum Herrn: „Wohin sollte ich gehen vor deinem Geiste [Atem], und wohin fliehen vor deinem Angesicht [Gegenwart]?“ (Psalm 139:7). Es wird im Allgemeinen zugegeben, dass dies die einfache Vorstellung Israels vom Geist Gottes gewesen ist, so wie es Jahrhunderte lang aufrechterhalten worden ist bis zu der Zeit der Ersten Gegenwart, und dass niemand der Schreiber des Neuen Testaments diesen Gegenstand anders ausgedrückt hat. Trotzdem wurde diese Erkenntnis zusammen mit anderen Wahrheiten unter dem Schutt des Verständnisses des natürlichen Menschen begraben in der Zeit der ersten Jahrhunderte in der Geschichte der Kirche.

 Eine gesegnete Zeit der Erleuchtung kennzeichnet jetzt den Anfang eines neuen Zeitalters. Durch den Nebel der falschen Darstellungen, die sich über eine so lange Zeit zu diesem Thema entwickelt haben, kommt jetzt noch einmal der himmlische Einfluss des Lichts zum Vorschein (siehe Anmerkung 3). Das Verständnis der aufrichtigen Wahrheitssucher wird nicht länger mehr verwirrt durch die falschen Vorstellungen eines dreieinigen Gottes. Die Tage des Konflikts zwischen Dogma und Vernunft fragten sich einst, wie Gott selbst auf einem Kreuz hätte sterben können. Es hätte bedeutet, dass Gott zu sich selbst gerufen habe, als Jesus mit starkem Geschrei und Tränen betete. Es ist behauptet worden, dass der Sohn Gottes am Jordan als Gott sich selbst in die Wüste geschickt habe. Der Heilige Geist, welchen er als Gott, der Sohn, am Jordan erhalten habe, das wäre er bereits selbst gewesen! Keine dieser falschen Darstellungen wäre den Propheten des Alten, noch den Schreibern des Neuen Testaments in den Sinn gekommen. Für das jüdische Verständnis gab es nur einen Gott, und den Engel seiner Gegenwart. Paulus kannte „nur einen Gott und einen Herrn.“ Er wusste nichts von irgendeiner anderen Gottheit. Solch eine Idee entstand erst im dritten Jahrhundert und wurde zu einem wesentlichen Bestandteil der Vorstellung einer Dreieinigkeit der Götter. Der letzte Schreiber, Johannes, stellte den „Geist der Wahrheit“ (diese Beschreibung wurde von Jesus benutzt)  „dem Geist des Irrtums“ gegenüber, wobei es für ihn ganz eindeutig klar war, dass es sich bei beiden um keine Lebewesen handelt. Warum hat dennoch die Vorstellung eines persönlichen Geistes Gottes eine solch lange Zeit bestanden?

 Zahlreiche bildliche Beschreibungen werden in der Heiligen Schrift hinsichtlich des Geistes benutzt. Einige sind unbelebter Art, andere sind belebter Art.

 Unbelebte Formen. Diese beinhalten die Salbung des Geistes als mit einer Flüssigkeit oder dem heiligen Öl (Apostelgeschichte 10:38; 2. Korinther 1:21,22; 1. Johannes 2:27), sein Gebrauch als ein Siegel mit geschmolzenem Wachs (Epheser 1:13); und als eine Taufe [Untertauchen] im Wasser (Matthäus 3:11; Apostelgeschichte 1:5). Das Erfülltsein mit dem Geist wird dem Erfülltsein mit dem Wein gegenübergestellt. Wir werden alle von demselben Geist „getränkt“ als wie aus einem Brunnen oder einer Quelle (vergleiche 1. Korinther 12:13 mit 1. Korinther 10:4). In der Tat sind wir erfüllt mit dem Geist (Apostelgeschichte 2:4; Epheser 5:18). Der Geist ist in unsere Herzen wie mit Tinte geschrieben worden (2. Korinther 3:3). Er ist über uns ausgegossen worden (Apostelgeschichte 10:45; Römer 5:5). Er wird beschrieben, als ob er abgemessen sei oder als ob er eine große Menge sei (2. Könige 2:9; Johannes 3:34). Dennoch ist der Geist nicht Öl, Tinte oder ein Getränk. Jede dieser Arten von bildlicher Beschreibung ist leicht zu erkennen, denn es wird jeweils eine Vorstellung davon beschrieben, was der Geist und seine Wirksamkeit bzw. sein Resultat ist.

 Belebte Formen. Auch die bildliche Art und Weise der Beschreibung in belebter Form muss erkannt werden. Wenn die Beschreibungen falsch verstanden werden, führen sie zu einer falschen Darstellung des Geistes, zum Beispiel der eines geheimnisvollen Wesens, welches mit Gott selbst gleich sei. Bullinger schreibt in seinem Buch: In der in der Bibel benutzten Bildersprache: „Unwissenheit über die Bildersprache hat zu den größten Irrtümern geführt, welche entweder durch eine wortwörtliche Auslegung dessen, was bildlich beschrieben worden ist, oder durch eine bildliche Auslegung dessen, was wortwörtlich gemeint ist, entstanden ist.“ Die Argumente für und gegen die Vorstellung eines persönlichen Heiligen Geistes haben lange getobt. Jede Seite betont entweder die unbelebte oder die belebte Form, welche in der bildlichen Beschreibung desselben benutzt wird.

 Das Argument für einen persönlichen Heiligen Geist

 Der Geist wird beschrieben, als ob er hört, spricht, lenkt und leitet, tröstet und Ratschläge erteilt. Von ihm wird gesagt, dass er in enger Gemeinschaft mit Gott und dem Herrn Jesus steht in Bezug auf die Taufe. Jesus benutzte Worte, welche der Beschreibung einer Person sehr ähneln: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was irgend er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen“ (Johannes 16:13). Es ist nicht ausreichend festzustellen, dass das Wort er selbst häufig mit es selbst übersetzt wird, denn an dieser Stelle wird gesagt, dass der Geist die Fähigkeit besitzt zu hören und zu sprechen. Allerdings ist er nur in der Lage, das zu sprechen, was er hört. Ein anderer Text scheint anzudeuten, dass der Geist einen Willen habe und fähig sei, aus sich selbst heraus tätig zu sein: „Alles dieses aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden austeilend, wie er will“ (1. Korinther 12:11). Der Heilige Geist wird auf diese Weise beschrieben, als ob er Intelligenz besitze, und Intelligenz wäre das Merkmal eines lebendigen, persönlichen Wesens. Ist dies ein nicht zu widerlegender Beweis, dass der Heilige Geist eine Person ist? (Siehe Anmerkung 4).

 Bullinger zitiert mehr als 70 Beispiele für die Personifizierung in der Heiligen Schrift. Die Weisheit (Sprüche, Kapitel 8 und 9) wird häufig als ein Beispiel zitiert, und dasselbe wird von Paulus Beschreibung der Liebe gesagt (1. Korinther 13). Jakobus spricht in gleicher Weise über den Geist Gottes als „die Weisheit von oben“ (Jakobus 3:17). In diesen Beispielen ist das beschriebene Verhalten der Beweis für den Besitz der Charaktereigenschaft in der Person, in welcher sich dieser Charakter kundgibt, nämlich der der agape Liebe oder der der Weisheit. Liebe „sucht nicht das Ihrige“, Weisheit lässt sich leicht erbitten. Es mag eine Ähnlichkeit an dieser Stelle gefunden werden mit des Meisters Beschreibung hinsichtlich des Geistes der Wahrheit, welcher „nicht aus sich selbst redet, sondern was irgend er hört.“ Dies ist in der Tat wahr von jemandem, der den Geist der Wahrheit besitzt und der sich nicht auf sein eigenes Verständnis stützt. Diese Sprache mag gleichfalls zeigen, dass der Geist der Wahrheit nicht ein Wesen in sich selbst ist unabhängig von seiner Quelle. Wie der Atem nichts ist unabhängig von demjenigen, welcher atmet, so ist der Geist des Menschen unabhängig von dem Menschen nicht vorhanden. Ebenso ist es mit dem Atem oder Geist Gottes, der heiligen Kraft und dem heiligen Einfluss, welcher von ihm gelenkt wird, um seinen Vorsatz durchzuführen. Wunderbar war die Erleuchtung, nachdem der Geist zu Pfingsten gekommen war, und die Jünger waren begeistert über die Wahrheiten, welche sie deutlicher erkennen konnten. Aber die Botschaft war nicht unterschiedlich zu den Worten, welche der Meister gesprochen hatte in den Tagen ihrer Gemeinschaft: „Er wird von dem Meinen empfangen und euch verkündigen“ (Johannes 16:15). Jesus hatte viele Gleichnisse und bildliche Beschreibungen benutzt, von welchen er wusste, dass sie in dem Gedächtnis seiner Jünger bleiben würden. Jetzt wurden dieselben lebendig und voller Bedeutung. Zuvor waren sie nur undeutlich verstanden worden. Und dennoch war es des Vaters Wohlgefallen, dass sie mehr empfangen sollten als nur reine Informationen. Er war dabei, sie teilhaben zu lassen an diesem Geist, welcher sein eigenes großes Herz der Liebe bewegt. Das Wohnen dieses Geistes in ihren Herzen entspricht dem Vorhandensein des Vaters und des Christus in ihrem Innern, und dadurch fingen sie an, den Vater zu kennen und an der Gesinnung Christi teilzuhaben (Johannes 14:23).

 Wir sollten auch den Gegensatz zwischen dem Geist des Menschen, welcher ganz gewiss keine zweite Person ist, und dem Geist Gottes beachten: „Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, also nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also weiß auch niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes“ (1. Korinther 2:11).

 Des Herrn Volk heutzutage hat eine überaus gesegnete Vorstellung von dieser wunderbaren Kraft, einer Kraft, welche seit der entferntesten Zeit wirksam gewesen ist und welche auch heute noch mächtig wirksam ist. Es ist in der Tat der Geist einer Person – der herrlichsten Person – der Geist, welcher jede Gesinnung und das Herz des Allmächtigen bewegt. Ohne Maß wurde der Geist des Vaters seinem geliebten Sohn gegeben, und auf diese Weise wurde der Geist des Vaters auch sein eigener Geist (Johannes 3:34). Und wie sieht es mit seinen anderen geliebten Kindern aus? Gibt es auch für sie solch eine überreiche Ausgießung?

 Die himmlische Botschaft, welche zu der Jungfrau aus Nazareth kam und ihr Herz mit solch einer heiligen Freude und Ehrfurcht erfüllte, war erneut wirksam, um seine unermessliche Freude den demütigen Seelen zu bringen. Es war ihr gesegnetes Vorrecht, den verheißenen Samen hervorzubringen, der die menschliche Vollkommenheit besaß. Es ist unsere unaussprechliche Freude zu erkennen, dass derselbe Heilige Geist auf jeden Einzelnen der Berufenen in diesem Zeitalter gekommen ist mit einer wunderbaren Aufgabe. Der Geist fährt damit fort, über die mächtigen Werke bei dem Hervorbringen der Geschöpfe der göttlichen Natur zu schweben, die wunderbarste Schöpfung, die es je gegeben hat. „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird über überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Sohn Gottes genannt werden“ (Lukas 1:35). „Sehet, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Söhne Gottes heißen sollen. Deswegen erkennt die Welt ihn nicht, weil sie uns nicht erkannt hat. Geliebte, jetzt sind wir Söhne Gottes“ (1. Johannes 3:1,2).

 Übersetzt von Sven Kruse


 „Was Pastor Russell sagte“, Seiten 805 und 806:

 „Größere Werke als diese“

 Frage: Erkläre bitte Johannes 14:12: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“

 Antwort: Was auch immer die Bedeutung der Worte unseres Herrn gewesen sein mögen, es ist ganz offensichtlich, dass keiner seiner Nachfolger jemals in der Lage gewesen ist, „größere Werke“ zu vollbringen als er vollbracht hat, wie zum Beispiel die wundervollen Werke der Öffnung blinder Augen, das Öffnen der tauben Ohren, das Auferwecken der Toten, das Beruhigen des Sturmes usw. Aus diesem Grund müssen die „Werke“ in dieser Verbindung von einer unterschiedlichen Natur sein oder auf einer anderen Ebene – „weil ich zum Vater gehe.“ Nachdem unser Herr in die Höhe aufgefahren war und das Verdienst seines Opfers für seine Nachfolger dargebracht hatte, konnte danach der Heilige Geist der Sohnschaft denjenigen gegeben werden, welche durch Glauben und Gehorsam Glieder seiner Herauswahl werden. Diese empfangen den Heiligen Geist oder die Kraft Gottes. Diese werden befähigt die „größeren Werke“ zu vollbringen, nämlich das Öffnen der geistig blinden Augen, das Öffnen der geistig tauben Ohren, das Erwecken zu geistigem Leben derjenigen, welche in Vergehungen und Sünden tot gewesen sind und das Beruhigen der Seelenstürme. Dies alles ist von dem göttlichen Standpunkt aus ein weit größeres Werk als nur die körperlichen Heilungen usw. Nachdem die Herauswahl Christi auf der himmlischen Stufe verherrlicht worden sein wird, wird das Werk der Auferweckung der Toten, das Heilen und Segnen und Wiederherstellen zu völligem Leben und Gesundheit und Freude und Glückseligkeit weltweit hinausgeführt werden, denn die Verheißung lautet, dass alle Geschlechter der Erde durch „den Samen Abrahams“ gesegnet werden – Jesus und die Glieder seines Leibes, die Herauswahl (1. Mose 22:18; Galater 3:27-29).

 Anmerkungen:

 1)      5. Mose 32:11,12 stellt sehr schön den Sinn dieses Wortes dar: „Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie trägt auf seinen Schwingen; so leitete ihn der Herr …“

2)      Gemäß der Internationalen Standard Bibel Enzyklopädie finden wir in den meisten Büchern der Bibel den Ausdruck Geist oder Geist Gottes oder Heiliger Geist. Im Alten Testament wird das hebräische Wort ruach übersetzt, welches „Atem“, „Wind“ oder „Brise“ bedeutet. Das Verb zu diesem Wort ist ruach oder riach. Es bedeutet „atmen“ oder „wehen.“ Das Wort, welches immer im Neuen Testament für das Wort Geist benutzt wird, ist das griechische neutrale Hauptwort pneuma mit oder ohne Artikel davor, für Heiliger Geist wird pneuma hagion oder to pneuma to hagion benutzt. Im Neuen Testament finden wir auch die Ausdrücke „der Geist Gottes“, „der Geist des Herrn“, „der Geist des Vaters“, „der Geist Jesu“, „der Geist Christi.“ Das Wort für Geist im Griechischen stammt von dem Verb pneo, was „atmen“ oder „wehen“ bedeutet. Das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament sagt, dass dieses Wort kein Sinn enthält hinsichtlich eines persönlichen Heiligen Geistes.

3)      Siehe die ausgezeichnete Abhandlung dazu im Schriftstudienband 5, Studie 8, mit der Überschrift: „Der Kanal der Versöhnung.“

4)      Der Geist hat seinen „Willen“ (obwohl das „Fleisch“ ebenfalls seinen Willen hat [siehe auch Galater 5:16,17], ist die Neue Schöpfung unabhängig von dem „Fleisch“ notwendigerweise eine persönliche Kraft) und kann „betrübt“ werden (Epheser 4:30). Paulus sagt dies nicht als eine Auslegung, als ob der Geist eine Person ist, sondern er erwähnt es mehr beiläufig als eine Ergänzung zu seinem Hauptgegenstand. Seine Beweisführung ist gewöhnlich mehr pragmatisch als spekulativ. Einige Gelehrte meinen, dass diese Anmerkungen nicht auf den Heiligen Geist als eine Person hindeuten, sondern eher auf die Kraft der Sünde oder die Kraft des Fleisches hinzuweisen scheinen, allerdings in personalisierter Form. Ganz gewiss wollte Paulus nicht eine Erklärung zu den göttlichen „Personen“ abgeben, wie dies später in der christlichen Theologie gemacht worden ist (siehe Wörterbuch über Paulus und seine Briefe).

  Übersetzt von Sven Kruse