"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.’

 

Joh. 15:1-11, 15

 

Der Apostel gibt dies als eine der Erklärungen unseres Herrn wieder, welche dem Gedächtnismahl folgten in der letzten Nacht seines irdischen Lebens. Es ist wahrscheinlich in Anlehnung an das Trinken des "Bechers’, welcher das Blut des Neuen Bundes repräsentiert, gesagt worden, nachdem Judas gegangen war und bevor der Herr und die Elf nach Gethsemane gingen. Oder es ist in Anlehnung an die Weingärten gesagt worden, welche sie auf ihrem Weg nach Gethsemane durchquerten. Oder es ist möglich, daß es in Anlehnung an den großen goldenen Weinstock gesagt wurde, welcher sich über dem Türflügel am goldenen Tor im Tempel (der "schönen Pforte’) befand, welcher Weinstock, wie Josephus sagt, ein sehr großer gewesen ist, dessen "Trauben so groß wie ein Mann waren.’ Ein anderer Schreiber sagt: "Die Blätter und die Knospen waren von schimmerndem rötlichen Gold, aber seine Trauben von gelbem Gold, und seine Fruchtkerne von kostbaren Kernen.’ Der Mond befand sich in seiner Fülle und wird diesem Weinstock ein gutes Aussehen gegeben haben. Die Erklärung in Kap. 18:1, "als Jesus dieses gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus’, scheint den ersten Vorschlag zu bekräftigen. Diese Ansicht würde bedeuten, daß sie eine beträchtliche Zeitlang im Obersaal verweilt haben, nachdem das Mahl beendet gewesen war, wahrscheinlich nahezu bis Mitternacht-und danach sagte unser Herr: "Stehet auf, lasset uns von hier aufbrechen.’ - Joh 14:31???

 

"Ich bin der wahre Weinstock’ stellt einen Vergleich auf und legt den Gedanken an eine Nachahmung oder einen falschen Weinstock nahe; und dies erinnert uns an die Tatsache, daß unser Herr durch denselben Schreiber später erklärte, daß es zwei Ernten gibt-ein Sammeln der Früchte des wahren Weinstockes, und danach folgend ein Sammeln der Trauben des "Weinstockes der Erde’.( Offb. 14:18-20) Wenn, wie wir sehen werden, der wahre Weinstock die Herauswahl repräsentiert, dann stellt der Weinstock der Erde eine falsche Kirche, eine unwahre, eine unechte dar.

 

Der himmlische Vater ist der Weingärtner, welcher pflanzte, welchem der wahre Weinstock gehört und welchen er pflegt, und für ihn bringt dieser seine Früchte hervor. Das Wort "Weingärtner’ bedeutet hier nicht nur denjenigen, der den Weinstock bebaut, sondern mehr den Eigentümer des Weingartens. Dies ist in Übereinstimmung mit all den Erklärungen der Schriften. Gott wird darin als der Urheber von der Hoffnung des Menschen, als seinen Erlöser, dargelegt, durch welchen allein die Errettung aus Sünde und Tod kommt. Die Tatsache, daß Gott dies durch ein geehrtes Werkzeug, einen geehrten Stellvertreter, hinausführt, seinen geliebten Sohn, und die weitere Tatsache, daß er beabsichtigt, eine Herauswahl als eine königliche Priesterschaft zu benutzen unterhalb seines Sohnes, dem fest bestimmten Hohepriester, ändert nicht die Tatsache, daß er selbst die Quelle ist, aus welcher jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk hervorgeht. -1. Kor. 8:6; Jak. 1:17

 

"Jede Rebe an mir’, sollte nicht verstanden werden, als ob jeder Namenchrist damit angedeutet ist, jeder Professor, noch auch diejenigen, welche nur dem Namen nach und zahlenmäßig zur Christenheit gehören und welche sich in Sympathie mit ihr befinden. Der "gerechtfertigte’ Gläubige ist genau derjenige, welcher zu einer Rebe am Weinstock geworden ist, aber sein Glaube und die Rechtfertigung aus diesem Glauben machen aus ihm noch keine Rebe. Die Reben sind allein diejenigen, welche zuerst den Schritt der Rechtfertigung aus Glauben gemacht haben und welche danach sich selbst als ein lebendiges Opfer Gott dargestellt haben, und auf diese Weise durch die Weihung wurden sie "in Christus getauft’ und "begraben in seinen Tod.’  Diese Vorgehensweise, durch welche wir als Glieder in Christus betrachtet werden (als Reben von seinem Weinstock), wird sehr klar ausgedrückt durch den Apostel in Röm. 6:3-5. Es ist zu beachten, daß wir genauso wenig wie der Apostel an dieser Stelle meinen, daß das Untertauchen im Wasser die Bedingung von dem Eingang in den Leib des Christus sei (wie unsere baptistischen Brüder es irrtümlicherweise tun); wir bestehen darauf, wie der Apostel darauf besteht, daß es keinen anderen Eingang in den Leib des Christus gibt als durch das Untertauchen des eigenen Willens in den Willen des Christus-die Weihung, mit ihm tot zu sein-ein sich selbst Übergeben als gerechtfertigte Menschen, um tot zu sein und von nun an eine Neue Schöpfung in Christus Jesus zu sein, von ihm gelenkt zu werden als dem Haupt und Anführer in allen Dingen.

 

Unter denjenigen, welche auf diese Weise in Übereinstimmung mit der göttlichen Anordnung Reben von dem wahren Weinstock werden, gibt es zwei Klassen-fruchtbringende Reben und Reben, welche keine Früchte hervorbringen und als "Schößlinge’ (laut Duden: "Ein senkrecht wachsender, langer junger Trieb’) bekannt sind. Aber beide von diesen Zuständen sind Entwicklungen: jede Rebe beginnt als ein sehr kleiner Sproß; jede Rebe entwickelt Blätter; jede Rebe hat die gleiche Gelegenheit zur Ernährung, Saft von dem Hauptstamm, Christus, und von derselben Wurzel der göttlichen Absicht und Verheißung. Alle Reben des Weinstockes haben die sich abzeichnende Entwicklung, ihre Kraft für sich selbst zu verwenden-mehr in das Hervorbringen von Reben als in das Hervorbringen von Früchten, und dennoch gibt es einen Unterschied. Weinzüchter haben uns erzählt, daß sie sehr leicht die Knospen erkennen können, welche Frucht tragen, auf der richtigen Rebe, und ebenso die Schößlinge, welchen diese fruchttragenden Knospen fehlen.

 

Genauso ist es mit des Herrn geweihtem Volk; er erwartet von ihnen nicht sofort viele und schöne Früchte, aber er hält Ausschau nach den Knospen oder Beweisen für die Bemühung in Richtung von dem Hervorbringen von Früchten; und diese Knospen, welche Frucht bringen werden, offenbaren sich selbst sehr früh in denjenigen, welche wahre Reben an dem wahren Weinstock sind. Und diejenigen, welche nicht den Wunsch offenbaren, Früchte zur Ehre Gottes hervorzubringen, indem sie ihm und seiner Sache gehorsam sind, sondern welche im Gegensatz dazu die Erkenntnis und die Segnungen, welche sie durch die Gemeinschaft mit Christum erhalten haben, einfach dazu nutzen, sich selbst den Menschen gegenüber hervorzutun und im Fleische zu glänzen, werden als unwürdig betrachtet, weiterhin am Weinstock zu bleiben, und werden abgeschnitten und hinausgeworfen-sie hören auf, in irgendeiner Weise des Wortes als Rebe betrachtet zu werden. Sie mögen ihre frischen, grünen Blätter usw. für eine kurze Zeit behalten, nachdem sie von dem Herrn verworfen worden sind, aber es ist nur eine Frage der Zeit bis sie jeden Beweis von Treue verlieren-sie welken dahin. Noch hilft die Tatsache, daß sie Reben gewesen sind. Nachdem sie aufhören, Reben zu sein, sind sie für den Weinstock nicht mehr von Bedeutung. Sie werden verbrannt, zerstört.

 

Wie auch die beste Rebe am Weinstock, welche Beweise dafür bringt, daß sie Frucht trägt, das Stutzen und Beschneiden benötigt, so auch die am meisten Aufrichtigen und Ehrlichen von des Herrn Volk, sie benötigen des Herrn Führung und Vorsehung-andererseits würden sie nach kurzer Zeit dazu übergehen, Holz hervorzubringen, und würden verfehlen, mehr Frucht hervorzubringen. Die Fähigkeit des Weingärtners erkennt, wieviel der Reben und Sprosse und Blätter notwendig sind, um das richtige Heranreifen der Frucht, welche er sucht, hervorzubringen, und auf diese Weise weiß unser Himmlischer Vater vollkommen die Zustände usw., welche für uns am meisten vorteilhaft sind, damit wir die gute Frucht hervorbringen möchten. Er sieht die Sprosse unserer Absichten in die verschiedenen Richtungen und weiß, wie wir es nicht tun, wohin uns diese führen; und durch seine Vorsehung knipst er viele unserer Unternehmungen ab, wenn sie zu knospen anfangen, es für besser erachtend, daß die Kraft und Stärke, welche wir auf diese Weise hervorzubringen beabsichtigen, eher in anderen Richtungen verwendet werden sollten-um unsere guten Früchte, die bereits begonnen haben und im Aufbau begriffen sind, zur Reife zu bringen.

 

Das wahre Kind Gottes, welches vollständig in den Willen des Herrn eingetaucht worden ist, ist weder verletzt noch entmutigt durch dieses Bescheiden. Es hat einiges gelernt, zumindest von seiner eigenen Unklugheit, und es hat Vertrauen in die Weisheit des großen Weingärtners; daher, wenn die göttliche Vorsehung seine Bemühungen in bestimmten Richtungen anhält, nimmt er die Durchkreuzung seiner Pläne freudig auf, versichert, daß des Herrn Wille und des Herrn Weg die besten sind und beabsichtigt sind, um zu eine Segnung zu bewirken.

 

Als der Stellvertreter des Vaters hatte Jesus die ersten Reben des Weinstockes bewahrt. Er hatte sie gereinigt oder beschnitten durch seine Ermahnungen oder Ratschläge, so daß er jetzt am Ende seiner 3 und 1/2 jährigen Tätigkeit sagen konnte: "Jetzt seid ihr rein um des Wortes willen (der Belehrung), das ich zu euch geredet habe.’ Wie er erneut in seinem Gebet zum Vater sagte: "Die, welche du mir gegeben hast, habe ich bewahrt (als Reben, Jünger), und niemand ist verloren gegangen, als nur der Sohn des Verderbens.’ Aber von da an, wie das Gebet denselben Gedanken ausdrückte, sollte das Beschneiden und die Fürsorge für die Reben nicht mehr durch unseren Herrn Jesus in derselben Art und Weise wie bisher hinausgeführt werden, sondern durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes-der Geist des Vaters und des Sohnes.

 

Aber es ist nicht ausreichend, daß wir zuerst gerechtfertigt und danach geheiligt werden durch eine Weihung an unseren Herrn; noch ist es ausreichend, daß wir zu dem Leib Christi dazu gehörend betrachtet werden und Reben an dem Weinstock werden. Es ist gut für einen kleinen Sproß, es ist gut, Knospen der Verheißung zu haben, es ist gut, als eine Rebe zu wachsen und Ranken hervorzubringen, aber ganz gleich wie groß oder wie klein die Rebe sein mag, wie alt oder wie jung, wir müssen uns daran erinnern, daß der Saft, welcher die Frucht hervorbringt, nur durch eine fortwährende Gemeinschaft mit dem Weingärtner und den Wurzeln der Verheißung erlangt werden kann. Wenn jemand davon abgetrennt ist, müssen alle Hoffnungen welken. Nur wenn wir in Christus sind, und durch ihn Erben von Gott, haben wir Anteil oder einen Platz in dieser Sache; und nur auf diese Weise können wir die Früchte hervorbringen, welche der große Weingärtner sucht. Es würde eine Ende für die Rebe bedeuten zu sagen: Zuerst benötigte ich die Gemeinschaft mit Christus, dem Weinstock, aber jetzt kann ich allein stehen. Wer immer allein steht, wer immer vom Weinstock und den anderen Reben getrennt ist, wird sehr schnell dahinwelken; und wer immer am Weinstock verbleibt, muß gewißlich fortfahren, Vertrauen an den Weinstock zu haben, muß in derselben Gesinnung sein wie die anderen wahren Reben des gleichen Weinstockes. Und hierin sehen wir die Wichtigkeit davon, an dem wahren Weinstock zu sein und in derselben Gesinnung wie die wahren Reben.

 

Der falsche Gedanke zu diesem Thema des Weinstockes und den Reben wird sehr häufig durch die verschiedenen Konfessionen ausgedrückt, welche behaupten, daß die Reben des Weinstockes die verschiedenen Konfessionen der Christenheit seien. Dies prägt einen ernsten Fehler ein, und zwar, daß es die Pflicht jedes einzelnen Christen sei, ein Mitglied in einer dieser Reben zu sein-wie zum Beispiel die presbyterianische Rebe, die methodistische Rebe, oder die evangelisch lutherische Rebe, oder die römisch katholische Rebe, oder die griechisch orthodoxe Rebe. Im Gegensatz dazu ist der richtige Gedanke der, daß jeder einzelne Christ in seiner eigenen Weihung zum Herrn eine einzelne Rebe an dem wahren Weinstock wird; und seine Arbeit sollte von da an nicht konfessionelle oder sektiererische Früchte hervorbringe, sondern die Früchte der Gnade des Geistes Gottes in seinem eigenen Charakter und Leben.

 

Ein Schreiber sagt, indem er diesen falschen Gedanken hinsichtlich der Reben verfolgt: "Gott wünscht nicht, daß fruchtlose Kirchen groß sind und gedeihen; er läßt sie verwelken. Die Kirchen, welche sich am Nähesten an Christus halten, werden am meisten wachsen.’ Es sollte nicht schwierig sein für irgend Jemanden, die Haltlosigkeit solch einer Argumentation zu erkennen. Wenn dies die richtige Ansicht wäre, würde es bedeuten, daß die Kirchenorganisationen, welche eine große Anzahl an Mitgliedern haben und am meisten wohlhabend sind in Ansehen und Ehre unter den Menschen diejenigen sind, welche die meiste Wahrheit haben und welche am meisten auf direkte Weise vom Saft des Heiligen Geistes vom Herrn erhalten. Aber laßt uns sehen: innerhalb der Christenheit würde der Katholizismus am heiligsten, besten und Nähesten am Herrn sein; die griechisch orthodoxe Kirche würde behaupten, daß sie an zweiter Stelle steht; der Methodismus an dritter und so weiter. Vernünftige Menschen benötigen kaum die Erklärung, daß solch eine Interpretation Irrtum ist.

 

Aber was unpassend ist, wenn es auf die Konfessionen als Reben angewendet wird, ist durch und durch logisch und in Harmonie mit den Tatsachen, wenn es auf die einzelnen Christen und deren geistiges Leben angewendet wird. Diejenigen, welche in Christus bleiben im Glauben und Vertrauen und Weihung in seinem Dienst-um die Früchte hervorzubringen, welche vor dem großen Weingärtner angenehm sind-befinden sich selbst tatsächlich auf einem schmalen Weg, häufig durch die Vorsehung beschützt, und ihre Bemühungen werden in verschiedene Richtungen geändert, oder vielmehr, ihre Absichten werden durchkreuzt; aber sie finden als das Ergebnis aller dieser Erfahrung, wenn richtig erhalten, daß sie in der Gnade wachsen-in der Erkenntnis und in der Liebe Gottes, den Früchten des Geistes. -Röm. 8:28

 

Die enge Gemeinschaft zwischen dem Weinstock und den Reben wird durch die Worte unseres Herrn unserer Aufmerksamkeit nähergebracht: "Derjenige, der in mir bleibt, und ich in ihm’. Der Weinstock und seine Reben haben solch ein Einssein, daß wo immer wir eine Rebe berühren, wir den Weinstock selbst berühren. Es ist ein Wein, welcher sich aus Reben zusammensetzt, und so ist der Leib des Christus ein Leib, zusammensetzt aus vielen Gliedern. Wo immer ein Glied oder eine Rebe des Leibes des Christus gefunden wird, werden alle die verschiedenen Charakterzüge von Christus selbst gefunden-im Geist, in der Absicht, als "Neue Schöpfungen’. Dieses Einssein in Christus ist das Geheimnis der Kraft und der Fruchtträger und der Annahme als Reben bei dem Vater, dem Weingärtner.

 

"Ohne mich könnt ihr nichts tun’, ist eine Anmerkung, welche sehr würdig ist, daß sie tief in das Herz jedes aufrichtig geweihten Gliedes des Leibes Christi eingegraben wird. Aber in Christus bleiben bedeutet, sich in allem dem Willen des großen Weingärtners zu unterwerfen, um gerne und geduldig sich allen Beschneidungen zu beugen, welche seine Weisheit als das Beste für uns zulassen mag. Hinsichtlich dieser Notwendigkeit der Beschneidung und der Belehrung, hat Trench, der hoch geehrte Theologe, gesagt:  "Die Menschen sehen die Gnadengaben von Gottes auserwählten Dienern, welche die Gnadengaben der gewöhnlichen Menschen so über die Maßen übersteigen, und sie wundern sich manchmal, warum diese immer noch leiden sollen, warum sie scheinbar jedes Mal verfehlen von einer Prüfung zur nächsten. Aber Er schaut in sie hinein-was kein anderes Auge sehen kann-die Gnadengabe, welche fähig ist, immer noch kostbarer zu werden; und in seiner weit vorausschauenden Liebe für sein Eigentum, welches ihn preisen soll, nicht für einen Tag, sondern für eine Ewigkeit, wird er das Ausharren nicht vor dem bestmöglichen aufhören lassen, wozu sie fähig sind. Sie sind fruchttragende Reben, und gerade weil sie dies sind, reinigt er sie, damit sie mehr Frucht bringen möchten.’

 

Anmerkend zu der Tatsache, daß manchmal ein Weinstock oder Weinbaum versucht, mehr Frucht hervorzubringen, als er fähig ist, zur Vollkommenheit zu bringen, schlägt ein anderer Schreiber (H.L. Hastings) vor, indem er dies mit der Erfahrung und den Bemühungen des Christen vergleicht:

 

"Der beste Weg ist der, den Baum zu schütteln, um ihn von zusätzlicher Frucht zu befreien. Die Frucht wird beschnitten, abgeschnitten, geschnitten, gepflückt und reduziert, bis sie leicht zu handhaben ist, bis der Baum seine Last tragen kann, und dann laß jede Rebe mit Früchten beladen sein, welche zur Vollkommenheit gelangen, aber laß ihn nicht überladen sein mit Früchten, welche niemals seine volle Entwicklung erlangen.’

 

Dies ist ein sehr richtiger Gedanke, wie er sich auf die Frucht der Bemühungen bezieht, welche in dem Dienst des Herrn für andere hervorgebracht werden; denn viele vergeuden ihre Bemühungen, weil sie dieselben nicht ausreichend lenken.

 

Der begabte Apostel Paulus gibt sein Zeugnis für die Weisheit von dem Abschütteln solcher unserer Pläne und Vorbereitungen und Bemühungen, für welche wir wenig Begabung haben, und zum Hinlenken unserer Bemühungen auf solche Dinge, welche wir am besten zur Vollkommenheit, zur Reife, bringen können, sagend: "Eines aber tue ich.’ { Php 3:13} Des Apostels einzige Beschäftigung im Leben war, soweit als er dazu fähig war, dem Herrn persönlich annehmbar zu sein, und in seiner Macht das hinauszuführen, was er konnte, um anderen in derselben Situation zu helfen. Wir verstehen das jedoch nicht so, als ob die Werke für andere, welche Frucht tragen, der Hauptgedanke dieser Lektion ist. Der erste Gedanke ist, daß wir die Früchte von des Herrn Geist in unseren eigenen Herzen und die Gnadengaben des Geistes gut entwickelt haben. Dies jedoch bedeutet Tätigkeit und Selbstaufopferung in des Herrn Dienst, denn nur auf diese Weise können durch des Herrn Anordnung unsere persönlichen Früchte und Gnadengaben zur Reife gebracht werden.

 

Unser Herr gibt uns eine Andeutung dafür, daß das Wachstum von größerer Frucht nicht gänzlich von uns selbst abhängt, und daß auch während wir in ihm als eine fruchttragende Rebe bleiben, die Qualität und das Ausmaß der Frucht verbessert werden kann, indem wir die Vollkommenheit vor unserem Auge haben und aufrichtig danach trachten, diese zu verwirklichen. Deshalb sagt er: "Wenn ihr in mir bleibt, und meine Worte in euch bleiben, dann werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.’ Die Andeutung ist, daß der Wunsch und das Bitten des Vaters am Throne der himmlischen Gnade eine Möglichkeit ist, durch welche wir mehr und mehr Saft vom Weinstock, dem Heiligen Geist, erhalten mögen, damit wir fähig gemacht werden, um die Früchte des Geistes zu entwickeln. Es wird bemerkt werden, daß hier in keinster Weise auf das Suchen oder Finden von irdischen guten Dinge hingewiesen wird. Diese werden gänzlich des Herrn Weisheit und Vorsehung überlassen, und sein Volk, die wahren Reben des Weinstockes, begehren und suchen nach dem Heiligen Geist, welchen der Vater ihnen bereitwilliger gibt, als irdische Eltern ihren Kindern gute Gaben geben. - Lu 11:13???

 

Übrigens weist unser Herr hier seine wahren Reben oder Jünger auf den Wert der Schriftstellen hin, wenn er sagt: "Wenn meine Worte in euch bleiben.’ Es ist nicht nur notwendig und richtig, daß wir die göttliche Gnade suchen, sondern es ist gleichfalls richtig, daß wir die göttliche Offenbarung nutzen hinsichtlich dessen, was der gute und annehmbare und vollkommene Wille Gottes, unseres Vaters, ist, dem Weingärtner des wahren Weinstockes. Daher wird erkannt werden, daß diejenigen, die mehr Frucht und gute Frucht bringen, nicht nur durch Glauben gerechtfertigt und durch Weihung geheiligt und daher als Glieder des wahren Weinstockes angenommen worden sind, sondern daß sie außerdem danach trachten, Fruchtträger zu sein-danach trachten, am Weinstock zu bleiben und alle Charakterzüge des Weinstockes zu besitzen, nach der Gnade zu trachten, welche in jeder Zeit der Not hilft, und sich selbst nicht nur den Saft zunutze machen, welcher von der Wurzel her fließt, sondern auch das Licht der Wahrheit und Gnade, welches auf sie scheint durch das Wort des Herrn. Und nur durch ein Befolgen dieser Bedingungen können wir Fruchtträger werden, und nur indem wir Träger von Frucht sind, können wir des Herrn Jünger sein-bis zum Ende; denn wir möchten uns daran erinnern, daß die Herauswahl in der gegenwärtigen Zeit nur eine auf Probe ist, welche sich aus denjenigen zusammensetzt, welche kundtun, daß sie treu sind und Liebe und Gehorsam ausüben. Der Herr wird Prüfungen zulassen, um die Aufrichtigkeit ihrer Bekenntnisse zu beweisen, und nur diejenigen, welche auf diese Weise die Aufrichtigkeit ihres Bekenntnisses beweisen, werden als Glieder der verherrlichten Herauswahl angenommen werden, symbolisiert durch den goldenen Weinstock von der "schönen Pforte’ des Tempels.

 

Unser Herr möchte, daß alle wahren Reben seine Liebe, sein Interesse, sein Fürsorge für sie, seinen Wunsch erkennen möchten, daß sie ihre Berufung und ihre Erwählung festmachen möchten durch ein Einhalten der Bedingungen, unter welchen sie Glieder am Weinstock sein können; daher versichert er ihnen seine Liebe in der stärkst möglichen Sprache. Er berichtet ihnen, daß seine Liebe für sie von derselben Art und Weise ist, wie des Vaters Liebe für ihn. Auch mit allen verschiedenen Beweisen von der Wahrhaftigkeit dieser Erklärung, bekräftigt durch die "überaus großen und kostbaren Verheißungen’ aus den Herrn Wort, ist es für uns zu wundervoll, um es völlig zu verstehen. Wir können leicht sehen, wie und warum unser Herr Jesus so sehr vom Vater geliebt wurde und ihn seinen geliebten Sohn genannt hat, aber es erstaunt uns, zu wissen, daß dieselbe Liebe durch unseren Herrn für uns vorhanden ist. "Sehet, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, daß wir Kinder Gottes heißen sollen’; denn unser Herr Jesus brachte des Vaters Liebe zum Ausdruck und offenbarte sie vollständig. - _ 1Jo 3:1 Joh 14:7???

 

Aber dann kommt eine Einschränkung, nämlich, daß diese überaus große Liebe nur für die "kleine Herde’ ist. Wahrlich, "Gott hat die Welt so sehr geliebt’, und unser Herr Jesus liebte auch die Welt, in dem Sinne von mitfühlender Liebe und einem Wunsch, ihnen Gutes zu tun. Aber die Liebe, von welcher der Herr hier erklärt, ist eine Unterschiedliche. Sie ist nur für diejenigen, welche eine volle Weihung an ihn gemacht haben-tatsächlich ist diese Weihung das Geheimnis seiner besonderen Liebe. Der Vater liebte den einzig gezeugten Sohn, weil er voll Glauben und Vertrauen und Gehorsam war-"bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz’. Und gleichermaßen reicht dieselbe Liebe auch bis zu denjenigen, welche gerechtfertigt sind, welche, erfüllt mit des Meisters Geist, wünschen, in seinen Fußstapfen zu wandeln, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm zu folgen. Gottes Liebe, von derselben Art und Weise wie die, welche für unseren liebreichen Erlöser tätig war, ist für sie alle in Wirksamkeit; und die Liebe des Erlösers ist für sie tätig; und die gute Botschaft kommt zu ihnen: Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.’ "Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gottes ist es, welcher rechtfertigt...Es ist Christus, der gestorben ist.’ -1. Kor. 3:22; Röm. 8:33,34.

 

Aber wie diese besondere Liebe im Zusammenhang mit der Weihung und dem Gehorsam dieser Klasse steht, so ist sie abhängig von dem beständigen Verbleiben in diesem Geist der Weihung und des Gehorsams. Wenn ihre liebende Ergebenheit kalt wird, und sie mit Eigenliebe und dem Geist der Welt erfüllt werden bis zu dem Ausmaß hin, daß sie den Heiligen Geist betrüben { Eph 4:30} -dann wenden sie sich von dieser besonderen Liebe des Herrn ab: und daher die Anordnung von unserem Herrn: "Bleibet in meiner Liebe.’ Diese Worte zeigen, daß es für uns möglich ist, des Herrn Liebe zu verwirken und schiffbrüchig zu werden-zu verfehlen, unsere Berufung und Erwählung zu den überaus großen Dingen festzumachen, welche Gott in Bereitschaft hält für diejenigen, welche ihn lieben mit dieser höchsten Liebe. -2. Petr. 1:4-11; 1. Kor. 9:27.

 

Es ist wichtig, daß wir im Gedächtnis behalten, daß wahre Liebe sich von unserer Seite aus im Gehorsam offenbart, und daher ist Ungehorsam ein Beweis für den Verlust der Liebe, von Gottes Standpunkt aus betrachtet; und wir müssen alle zugeben, daß dies ein vernünftiger Standpunkt des Gerichts ist. Einige mögen sagen: Was ist, wenn wir auf Grund von Unwissenheit ungehorsam sind? Wir antworten, daß der Herr Vorkehrung getroffen hat gegen unsere Unwissenheit: Erstens hat er uns das Wort der Wahrheit gegeben, "damit der Mensch Gottes vollkommen sei (völlig informiert), zu jedem guten Werke völlig geschickt’; zweitens hat er verheißen, solche Hilfen in dem Geist der Heiligkeit und dem Verständnis aus seinem Wort bereitzustellen, daß wir fähig sind, die Dinge zu tun, welche ihm wohlgefällig sind. { 2Ti 3:17 Joh 16:13} Daher ist Sorglosigkeit hinsichtlich dem Worte des Herrn gegenüber ein Beweis für den Mangel an Liebe. Unser Herr betont, daß sein Verbleiben in des Vaters Liebe als der geliebte Sohn, mit alle dem, was dies bedeutet, wegen seines Gehorsams dem Willen des Vaters gegenüber war und daß demselben Grundsatz folgend er verlangen muß, daß wir ihm gehorsam sind, wenn wir in seiner Liebe bleiben möchten und an seinem Thron und an seiner Herrlichkeit Anteil haben möchten.

 

"Dies habe ich zu euch geredet, auf daß meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde.’ Unseres Herrn Anweisungen und Gebote sind nicht beabsichtigt, um uns Angst zu machen, noch um uns Freude vorzuenthalten. Ganz im Gegenteil, wie die Reben, die am meisten Frucht hervorbringen, es sehr genau wissen, ist die größte Freude die, gehorsam gegenüber den Worten des Herrn zu sein und das Vorrecht, auf diese Weise in ihm und seiner Liebe zu bleiben-eine Freude, welche völlig alle geringfügigen Annehmlichkeiten überwiegt, welche die Welt zu bieten hat. Es ist die Freude und der Friede, welche alles Verstehen übersteigt, welche im Herzen entscheidet, und welche die Verheißung, die Zusicherung des Lebens mit sich bringt, nicht nur des Lebens, welches jetzt besteht, sondern auch des Lebens, welches kommt.

 

Übersetzt aus dem amerikanischen Zionswachtturm vom 01. Mai 1899 von Bruder Sven Kruse im Februar 2000.

Das "gute Bekenntnis’ vor Pilatus

 

Joh. 18:28-40; 1. Tim 6:13

 

"Ich finde keinerlei Schuld an ihm.’  Joh 19:4.

 

Pilatus, der oberste römische Befehlshaber in Judäa, hatte in seinen Händen die Macht über Leben und Tod. Dem jüdischen Sanhedrin war es gestattet, das Land in einer religiösen Weise zu regieren in Übereinstimmung mit dem jüdischen Gesetz und nach jüdischem Brauch, aber er hatte keine Macht, öffentliche Hinrichtungen anzuordnen. Ganz offensichtlich hatten sie die Macht, zu Tode zu steinigen auf Grund von Gotteslästerung (die Anklage, mit welcher sie Jesus verurteilten) wie in dem Fall des Stephanus (Apg. 7:58); und daher mögen wir annehmen, dass sie hinsichtlich Jesus solch eine Macht gehabt hatten, aber diese nicht ausgeübt haben aus Furcht davor, dass sich das Volk dieser Ungerechtigkeit widersetzt hätte. Außerdem erkannten sie ganz wahrscheinlich den weitreichenden Einfluss, den seine Lehren schon erlangt hatten, und sie wünschten, seine Hinrichtung sowohl öffentlich als auch so schmachvoll wie möglich zu machen-mit der Absicht, dass sowohl seine Nachfolger eingeschüchtert und gedemütigt werden sollten, als auch er selbst, weil es nur einige Wenige wagen würden, sich selbst als Jünger zu bekennen von einem, der öffentlich als ein Verbrecher hingerichtetworden ist-verurteilt durch beides, bürgerliche und geistige Richter. Auf diese Weise hofften sie, das neue System religiöser Lehren im Keim zu ersticken, welches, wenn es fortgesetzt werden würde, ganz offensichtlich ihren eigenen Einfluss auf das Volk ganz beseitigt hätte. Auf diese Weise führten diese Übeltäter ganz ahnungslos die feststehenden Pläne aus, welche von Gott zuvor festgelegt worden waren-sie taten dies in der völligen Ausübung ihres eigenen bösen Willens.

 

Wie bereits bemerkt, geschah die förmliche Verurteilung unseres Herrn vor dem jüdischen Sanhedrin am Tagesanbruch, zwischen fünf und sechs Uhr, und sofort danach beeilten sie sich, ihn in den Palast des Herodes zu bringen, mit der Absicht, ihn in die Hände der römischen Soldaten zur Hinrichtung zu übergeben zum schnellst möglichen Zeitpunkt, so dass die Menge erkennen möchte, dass dieser Fall jenseits der Macht ihres Eingreifens liege. Die jüdischen Anführer hatten keinen besonderen Grund daran zu zweifeln, dass Pilatus überhaupt zögern würde, eine Hinrichtung anzuordnen. Pilatus scheint einen Hang zur Grausamkeit gehabt zu haben. Es ist berichtet worden von "seiner Bestechlichkeit, seinen unverschämten Taten, seiner Gewohnheit, das Volk zu beleidigen, seiner Grausamkeit, seinen fortwährenden Mordtaten an Menschen, ohne die Vorwürfe zu prüfen und ohne Verurteilung, und seiner niemals endenden und immer überaus schwerwiegenden Unmenschlichkeit-ein Mensch mit überaus bösartigen Veranlagungen, sowohl sehr erbarmungslos als auch sehr starrköpfig.’ Ganz offensichtlich hatten die Anführer der Juden häufig Grund dazu gehabt, Pilatus darum zu bitten, gnädig zu sein, und gewöhnlich war dies ohne Wirkung gewesen; es scheint, dass sie sicher sein konnten, dass, wenn irgend ein Gefangener zu ihm mit der Bitte gebracht wurde, dass dieser hingerichtet werden sollte, es ihm Freude bereitete, diesem nachzukommen.

 

Wir werden an die Worte unseres Herrn an die Pharisäer erinnert: "Von außen scheint ihr gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit’, wenn wir lesen, dass diese bestimmten Personen, welche mörderisch waren, die Vernichtung des Gerechten planten. Sie gingen nicht hinein in den Palast des Herodes, "auf dass die sich nicht verunreinigten’, und auf diese Weise daran gehindert worden wären, das Passahfest zu feiern. Wie widersprüchlich und heuchlerisch sie gewesen sind! Sie befürchteten, dass in dem Palast des Herodes, welcher unter der Gerichtsbarkeit der Nationen stand, etwas Sauerteig (ein Symbol für die Sünde) vorhanden sein könnte, und sie erkannten nicht, dass der wahre Sauerteig der Sünde ihre eigenen Herzen durchdrungen und gänzlich durchtränkt hatte-Zorn, Bosheit, Hass, Neid und Streit.

 

Welch eine Lektion des Herrn Volk hier hat: denn wir werden daran erinnert, dass diese im Herzen verdorbenen Verschwörer das bekennende heilige Volk ihrer Tage und ihres Systems war. Während es heute niemand mehr in der Macht hat, unseren Herrn zu kreuzigen und ihm offen Schaden zuzufügen, ist es in unserer Macht, den "Geschwistern’ Schaden zuzufügen und sie zu kreuzigen-die Glieder seines Leibes. Und wir befürchten, dass einige heutzutage dies mit solch einer Selbsttäuschung hinausführen, wie es durch die Hohepriester und Pharisäer ausgeübt wurde, welche die Kreuzigung unseres Herrn bewirkten. Wahrlich, die Pharisäer wußten nicht, was sie taten, wie Petrus sagt: "Ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, gleichwie auch eure Obersten.’ (Apg. 3:17) Und gleicherweise sind heutzutage wahrscheinlich diejenigen unwissend, von dem was sie tun, welche den Gliedern "des Leibes des Christus’ Schaden zufügen. Nichtsdestotrotz bringen sie sich selbst unter die Verurteilung durch den Herrn: "Es wäre besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde.’ { Lu 17:2} Deshalb nehmen wir uns davor in acht und bewahren wir das Herz, von welchem die Ausgänge des Lebens sind.

 

Wären die Herzen dieser Pharisäer im richtigen Zustand gewesen, voll von Liebe zur Gerechtigkeit und Wahrheit, und wertschätzend alles, was wahr ist; alles, was ehrlich ist; alles, was gerecht ist; alles, was rein ist; alles, was liebreich ist; alles, was einen Lob gibt; dann hätten sie nicht den Fehler von der Verwerfung des Lammes Gottes gemacht. In gleicher Weise werden diejenigen, welche den Geist der Liebe für die Geschwister haben, daran gehindert, in irgend einer Weise ihre Verfolger zu werden. Nur ein solcher kann in richtiger Art und Weise von dem gegenbildlichen Passahlamm essen.

 

Der oberste römische Befehlshaber kannte den besonderen Brauch der Juden hinsichtlich der Zeit ihres Passahs, und deshalb kam er ihnen entgegen und hatte seinen Richterstuhl außerhalb von seinem Palast gebracht hin zu der Stelle, die als "Steinpflaster’ oder "Hochpflaster’ bekannt ist, einem erhöhten Platz außerhalb von dem Palast des Herodes. Jesus wurde auf diesen erhöhten Platz gerufen, damit die Angelegenheit näher betrachtet wurde, während die Juden außerhalb von diesem unheiligen Platz standen und dem Pilatus ihre Anschuldigung bekannt machten. Sie erwarteten ganz offensichtlich, dass schon die Darstellung von Jesus als einem Gefangenen für die Kreuzigung ausreichen würde. Anscheinend hatten sie auch nicht erwartet, dass sie eine Anschuldigung gegen ihn erheben müssten; daher ihre Antwort: "Wenn dieser nicht ein Übeltäter wäre, würden wir ihn dir nicht überliefert haben.’ In Übereinstimmung mit dem Charakter von Pilatus und seiner wahrscheinlichen Verachtung für die Pharisäer deutet die "New Jerusalem Bibelübersetzung’ an, dass seine Frage eher gewesen ist: "Welche Anklage bringst du gegen ihn hervor?’, als ob Jesus eher einen Grund zur Anklage gegen die Pharisäer gehabt hätte, was selbstverständlich der Fall gewesen ist. Der abgehärtete Römer war ohne Zweifel zu einem ausgezeichnetem Kenner des menschlichen Charakters geworden, und er konnte leicht erkennen, dass es keine verbrecherischen Züge in dem Angesicht unseres Herrn gab, sondern viele in denen seiner Ankläger.

 

Zur Überraschung der Priester und Pharisäer übergab Pilatus ihnen Jesus zurück, im wesentlichen sagend: Dies ist eine so unbedeutende religiöse Auseinandersetzung, mit welcher ich nichts zu tun haben möchte; nehmt den Gefangenen und handelt mit ihm in Übereinstimmung mit euren eigenen Gesetzen und Gebräuchen-haltet ihn gefangen oder veranlaßt, dass er geschlagen wird oder was immer ihr für richtig haltet gemäß eurem Gesetz. Aber nach des Herrn Tod trachtend offenbarten seine Verfolger ihren wahren Herzenszustand, sagend: "Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu töten.’

 

Hart, grausam und unbarmherzig wie er war, erkannte Pilatus die wahre Situation-dass der Schuldige darauf aus war, den Unschuldigen zu töten. Damit er eine bessere Gelegenheit zum Nachdenken in Ruhe haben möchte und ebenso zum Anhören, was Jesus zu seiner eigenen Verteidigung sagen würde, verließ Pilatus die Juden und rief Jesus zu sich in seinen Palast, wo sie mit einander sprachen. Es muß etwas sehr Auffallendes an unseres Herrn persönlichem Erscheinen gegeben haben, was Pilatus dazu veranlaßte, für einen Augenblick die Zurückweisung der Forderungen des jüdischen Gerichts oder des Sanhedrin in Betracht zu ziehen, denn, obwohl er die völlige Macht über Leben und Tod hatte, war es für ihn die erste Pflicht, den Frieden und die Ruhe seiner Herrschaft zu bewahren; und dies deutet an, dass er im allgemeinen zumindestens die weitverbreitete Ansicht einhalten mußte, besonders, wenn die weitverbreitete Ansicht von den wichtigsten Personen der Region vertreten wurde, und besonders, wenn diese wichtigsten Personen die Hinrichtung von einem wünschten, welchen sie als einen Friedensstörer verurteilten. Pilatus Stellung war in vieler Hinsicht eine durchaus schwierige: er mußte der Regierung in Rom gefallen, und er mußte unnötige Streitigkeiten mit den örtlichen Machthabern vermeiden, welche in dem gegenwärtigen Beispiel ganz offensichtlich so entschlossen gewesen sind, dass sie eher eine allgemeine Unruhe ausgelöst hätten als ihren bösen Plan zu zerschlagen. Die Tatsache ist, dass sechs Jahre später diese Leute solch eine Beschwerde gegen Pilatus an den römischen Herrscher gesandt haben, dass sie seine Absetzung bewirkte.

 

Pilatus Frage an Jesus war, als sie allein waren: "Bist du der König der Juden?’ Die Juden hatte keine solche Anklage gegen Jesus erhoben; tatsächlich waren sie weit davon entfernt zu wünschen, dass der Galiläer als König der Juden anerkannt wurde, oder als solcher von einer gewissen Anzahl von Leuten betrachtet wurde; sie hatten deshalb lediglich die Anklage erhoben, dass Jesus ein Übeltäter gewesen sei, ein Aufständischer, dessen Tod notwendig sei für den Frieden der Nation. Deshalb erscheint es, als ob Pilatus schon früher aus irgendeiner Richtung von dem auf einem Esel reitenden Jesus gehört hätte, und wie er bejubelt worden war von dem Volk als den Sohn Davids ein paar Tage zuvor. Dass dies kein Teil der Anklage der Juden gewesen ist, erscheint ganz offensichtlich aus unseres Herrn Antwort an Pilatus: "Sagst du dies von dir selbst, oder haben dir andere von mir gesagt?’ Bist du ein interessierter Frager hinsichtlich der Wahrheit von diesem Thema, oder berufst du dich nur auf eine Angelegenheit, die du gehört hast? Pilatus Antwort: "Bin ich ein Jude?’, kommt den Worten gleich: "Was weiß ich über eure jüdischen Hoffnungen und Aussichten? Ich bin der oberste römische Befehlshaber, und wenn du ein König bist, so ist es deine eigene Nation und dessen hauptsächliche Repräsentanten, die dich mir überliefert haben. "Was hast du getan?’, wenn du ihr König bist, dass deine Untertanen dir gegenüber so untreu sind? Anscheinend gibt es keine große Gefahr vor dir, dass du irgend eine Macht gegen das römische Reich ausübst; du bist sanftmütig, freundlich, demütig, leistest keinen Widerstand, und dein Volk schreit gegen dich. König der Juden, erkläre diese besondere Situation!

 

Dann erklärte Jesus, dass sein Königreich nicht von dieser Ordnung der Dinge ist, sonst hätten seine Diener gekämpft und ihn verteidigt, und er wäre nicht wie im Moment seinen Feinden ausgeliefert; und dass sein Königreich bis jetzt noch nicht begonnen hatte. Erstaunt und vielleicht mit einem gewissen Mass an Mitgefühl für einen großen Herrscher unter solch demütigen Bedingungen, fragt Pilatus, "Du erhebst also den Anspruch, dass du ein König bist?’ Unser Herr antwortet: "Du sagst es’, das bedeutet, "deine Bemerkung ist richtig: Ich bin ein König.’ "Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, auf dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme.’

 

Das war das gute Bekenntnis, welches unser Herr vor Pontius Pilatus bezeugte, und auf welches sich der Apostel bezieht { 1Ti 6:13} Er bezeugte sein Königreich und seine göttliche Macht. Wir wundern uns nicht darüber, dass Pilatus an dem Anspruch unseres Herrn auf ein Königreich zweifelte und dass er wahrscheinlich dachte, dass er ein Fanatiker sei. Wir sollten uns vielmehr daran erinnern, dass nur bemerkenswert Wenige von denjenigen, welche von Jesus gehört haben, die Wahrheit seiner Erklärung erkannten haben, dass er ein König ist. Wie wenige, gerade unter den bekennenden Christen, erkennen das königliche Amt von unserem Herrn! Viele derjenigen, die erkennen, dass Jesus tatsächlich der Mann der Leiden gewesen ist, welcher mit Kummer vertraut gewesen ist, und einige derjenigen, welche erkennen, dass er für unser Sünden starb, haben bis jetzt noch nicht erkannt, dass er nicht nur die Menschheit erkauft hat, sondern auch die ursprüngliche Herrschaft, die Adam im Anfang gegeben worden war. Viele können unseren Herrn in der Stellung eines Priesters erkennen, welche jedoch verfehlen zu erkennen, dass er auch ein König ist und dass er das Millenniumszeitalter hindurch als ein Priester auf seinem Thron sitzen wird "nach der Ordnung Melchisedeks’, und seine Herauswahl und Braut mit ihm sein wird und an beidem Anteil haben wird sowohl an seinem priesterlichen als auch an seinem königlichen Amt.

 

Das priesterliche Amt verspricht Barmherzigkeit, Vergebung und Gnade als Hilfe; aber das königliche Amt ist genauso wichtig für die Errettung der Welt-die Menschheit muß aus den Fesseln der Sünde und des Todes befreit werden-und zu ihrer Entwicklung und Befähigung zur Erlangung des ewigen Lebens muß sie mit der eisernen Rute regiert werden; und alles hinsichtlich dieses Werkes gehört dem, der uns errettet hat mit seinem eigenen kostbaren Blut. Es ist gut, dass wir uns auch daran erinnern, dass sich ein sehr großer Teil von den Gleichnisses unseres Herrn auf das Königreich in seinen verschiedenen Schritten bezieht-jetzt gleichsam wie in einem Embyrozustand, und Schritt für Schritt wird es mit vollständiger Macht und Autorität aufgerichtet, um das Böse zu überwinden und die ewigwährende Gerechtigkeit herbeizuführen.

 

Dies Königreich muss ein Königreich der Wahrheit sein, der Gerechtigkeit und der Liebe, welches für das Wohlergehen seiner Untergebenen tätig ist, und unseres Herrn Aufgabe bei seiner Ersten Gegenwart war, die Grundlage für dieses Königreich zu legen durch das Bezeugen der Wahrheit-der Wahrheit, dass Gott beides ist, sowohl gerecht als auch liebend, und dass er bereitwillig ist, alle diejenigen in Harmonie mit ihm selbst zurückzubringen, welche die Wahrheit und die Gerechtigkeit lieben. Es war unseres Herrn Treue für die Wahrheit, welche ihm den Widerstand derjenigen brachte, welche durch den Widersacher verblendet gewesen sind, daher seine Erklärung, dass er kam, um der Wahrheit Zeugnis zu geben, welches eine kurze Erklärung seiner Aufgabe war. Es war sein Bezeugen der Wahrheit, welches ihm sein Leben kostete, und es war das freiwillige Dahingeben seines Lebens zur Verteidigung der Wahrheit, welches den entsprechenden Loskaufpreis ausmachte. In gleicher Weise geben alle Nachfolger des Herrn ein Zeugnis für die Wahrheit-die Züge von diesem Plan, welche bei der Ersten Gegenwart zur Erlösung der Welt bereits erfüllt wurden, und die Züge von diesem Plan, welche jetzt in der Zeit der Zweiten Gegenwart erfüllt werden, zur Erlösung der Welt aus den Fesseln der Sünde und der Erniedrigung. Es ist solch ein Bezeugen der Wahrheit, welches die Leben aller derjenigen kostet, welche wahre Nachfolger von Jesus sind, indem sie sich selbst als lebendige Opfer darstellen, heilig und annehmbar für Gott durch Jesus Christus. Laßt uns ein jeder von uns hoffen, ein Erbe mit dem Fürsten des Lebens in dem Königreich zu sein und ein Zeugnis zu geben von der Wahrheit-ein gutes Bekenntnis hinsichtlich des Königreiches, seiner Grundlage und seiner kommenden Errichtung in Herrlichkeit.

 

Ein sehr kurzes Gespräch war völlig ausreichend für Pilatus. Er hatte nicht den Wunsch, ein Gespräch über Glaubenslehren zu beginnen, welches nur unvorteilhaft für ihn werden konnte wegen seiner eigenen Vergangenheit. Er brach die Unterhaltung plötzlich ab, sagend: "Was ist Wahrheit?’ -als ob er sagen würde: Wer ist wahrhaftig? Wo wird völlige Gerechtigkeit gefunden, völlige Wahrheit, völlige Aufrichtigkeit? Und ohne eine Antwort abzuwarten, ließ er ihn im Palast zurück, ging raus auf das Steinpflaster und redete zu dem wartenden Sanhedrin und ihrer Menge an Dienern und Anhängern, welche sie mit sich geführten hatten, um einen Beweis zu geben von einer weitverbreiteten Unruhe.

 

Pilatus gab seine Entscheidung bekannt: "Ich finde keinerlei Schuld an ihm.’ Da befürchteten sie, dass sie keinen Erfolg gehabt hatten und dachten über Anklagen nach, welche sie noch formulieren könnten. Sie erwähnten nicht die Anklage, wegen welcher sie selbst Jesus fälschlicherweise verurteilt hatten, nämlich die der Gotteslästerung; denn dies wäre in den Augen des obersten römischen Befehlshabers niemals ein Verbrechen gewesen. Stattdessen erhoben sie drei Anklagen: 1) Aufwiegelung-Aufruhr des Volkes gegen die bestehende Ordnung der Dinge; 2) dass er das Eintreiben der Steuern behindere, indem er das Volk lehre, dass es nicht richtig sei, einer ausländischen Macht Abgaben zu zahlen; und 3) dass er den Anspruch erhebe, ein König zu sein. - Lu 23:2???

 

Als Pilatus jedoch erfuhr, dass Jesus Zuhause und seine hauptsächliche Tätigkeit in Galiläa gewesen war, dachte er, sich selbst dadurch aus der Lage zu bringen, indem er die ganze Angelegenheit an Herodes übergab, welcher die Verantwortung für die Gegend von Galiläa hatte und welcher damals in Jerusalem war an einem Ort, welcher nicht weit entfernt gewesen ist. Dieser Herodes hatte den Tod von Johannes, dem Täufer, veranlaßt. Lukas erzählt uns davon, dass Herodes sich sehr darüber gefreut hat, Jesus zu sehen, weil er von ihm bereits viel gehört hatte, und er hoffte, einige Wunder von ihm vollbracht zu bekommen. { Lu 23:8} Herodes fragte unseren Herrn mit vielen Worten, aber er erhielt überhaupt keine Antwort, während die Hohepriester und Schriftgelehrten immer heftiger wurden in ihren Anschuldigungen erkennend, dass Jesus nichts von dem abstritt, was sie sagten, und dass sie auf diese Weise um keine Beweise gefragt wurden.

 

Herodes war ohne Zweifel sowohl beleidigt als auch enttäuscht durch das Verhalten unseres Herrn, und er war nicht in der Lage, eine Unterhaltung mit ihm zu beginnen, wie er es erhofft hatte, und seine Leibwachen machten sich einen Spaß daraus, die Ansprüche des Erlösers hinsichtlich der hohen Stellung und des Königreiches zu verspotten.

 

Aber mit dem Wunsch, die Geste des Pilatus zu erwidern, und vielleicht mit einem kleinen Gefühl der Reue im Gewissen wegen seiner Handlung gegenüber Johannes, dem Täufer, wollte Herodes seine Verantwortung in diesem Fall loswerden durch das Zurücksenden unseres Herrn zu Pilatus. Es war bei unseres Herrn Rückkehr in den Palast des Herodes anscheinend als eine abschließende Bemühung, um die Juden zu besänftigen und den Frieden des Landes zu wahren und um einen gehen zu lassen, von welchem er deutlich erkannt hatte, dass dieser unschuldig war, dass Pilatus ankündigte, dass er in Betracht des Aufschreies gegen Jesus veranlassen würde, dass dieser bestraft werden würde, obwohl er keine Schuld an ihm gefunden habe. Er hoffte ganz offensichtlich, dass durch dieses Auferlegung der Bestrafung (des Schlagens) und der Demütigung der Geist der Bosheit auf Seiten der Ankläger zufriedengestellt sein würde, und dass sie seiner Freilassung friedlich zustimmen würden. Anscheinend wurde das Schlagen durch römische Soldaten in einem Innenraum hinausgeführt; und wahrscheinlich mit der vollen Zustimmung von Pilatus wurde unserem Herrn ein königliches Gewand umgetan und eine Krone aus Dornen aufgesetzt. Ganz offensichtlich bereitete dieses Vorgehen den niedrig gesinnten Soldaten Freude, und so viel Schande und Verachtung, welche unserem Herrn entgegengebracht wurde, hätte seine Verfolger zumindestens zufriedenstellen sollen, wenn nicht sogar Mitgefühl erwecken sollen.

 

Pilatus handelte in Harmonie mit diesem Gedanken und kam erneut vor die Ankläger und veranlaßte, dass unser Herr herbeigeführt wurde, schwach, erschöpft, sehr schlecht aussehend von den prüfenden Erfahrungen der Nacht und zusätzlich noch durch die schmerzvollen und schwächenden Auswirkungen der Schläge, die er gerade eben erhalten hatte. Mit seiner Krone aus Dornen und dem verschmutzten purpurroten Umhang muß er tatsächlich ein mitleidserregendes Angesicht gehabt haben, aber wegen der vornehmen Züge von seiner menschlichen Vollkommenheit muß er noch immer beeindruckt haben, und ohne Zweifel deuteten die Worte von Pilatus dies an, welche seit Jahrhunderten hindurch wiederholt worden sind: "Sehet diesen Menschen.’ { Joh 19:5} Pilatus war ganz offensichtlich beeindruckt von der Persönlichkeit unseres Herrn; niemals zuvor hatte er ein so herrliches Ebenbild aus dem Menschengeschlecht gesehen. Er war wahrlich solch einer, wie ihn jeder Mensch gerne als seinen König geehrt hätte. Er hoffte ganz offensichtlich, dass ein gewisser Eindruck auf die schreiende Menschenmenge, welche Jesus anklagte, gemacht werden würde. Aber er irrte sich; sie schrien noch lauter: "Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!’ In der Zwischenzeit hatte die Frau von Pilatus von dem Verfahren gehört und hatte dem Pilatus einige Worte hinsichtlich ihres Traumes gesandt und ihm geraten, dass er keinen Anteil haben möchte an der Beschädigung dieser gerechten Person. - Mt 27:19???.

 

Die Verantwortung von dem Tod unseres Herrn.

 

Sofort sagte Pilatus: "Nehmt ihn und kreuzigt ihn, wenn das euer Gesetz ist.’ Obwohl die Pharisäer auf diese Weise sicher davon ausgehen konnten, dass der oberste römische Befehlshaber in die Angelegenheit nicht eingreifen würde, zögerten sie damit, diese Einstellung hinzunehmen; sie zogen es vor, dass die Kreuzigung in den Händen des obersten römischen Befehlshaber und seiner Soldaten sein sollte, aus Furcht vor den Freunden von Jesus und der Menschenmenge, welche von ihm geheilt und belehrt worden war, damit diese nicht zu seiner Hilfe kommen und die Pharisäer überwältigen würden; daher antworteten sie dem Pilatus, dass in Übereinstimmung mit ihrem Gesetz Jesus sterben solle, weil er sich selbst zum Sohn Gottes gemacht habe. Sie verdrehten die Wahrheit in ihrem Bemühen, ihren Weg aufrechtzuerhalten, denn das Gesetz schreibt nicht den Tod als eine Strafe für die Behauptung vor, der Sohn Gottes zu sein. Hätte unser Herr behauptet, der Vater zu sein, dann wäre er unter die Bedingungen der Todesstrafe für Gotteslästerung gekommen, aber es gab keine solche Strafe, noch war es eine Gotteslästerung, von sich selbst zu sagen, wie er es tat, der Sohn Gottes zu sein.

 

Als Pilatus von diesem hörte, war er noch mehr in Unruhe. Die Charakterzüge von Jesus waren für sich selbst sehr beeindruckend, aber wenn jemand solche Charakterzüge besitzt, wodurch der Anspruch auf eine enge Verbindung zu Gott gemacht wird, da gab es wahrlich einige Gründe zum Fürchten. Pilatus widerstand den Forderungen immer noch und versuchte, unseren Herrn freizulassen. Danach wurde als letztes dem Pilatus durch eine Andeutung gedroht, indem ihm zugerufen wurde: "Wenn du diesen Mann freigibst, bist du des Kaisers Freund nicht; jeder, der sich selbst zum König macht, spricht gegen den Kaiser.’ Sie deuteten auf diese Weise an, dass wenn Pilatus ihre Wünsche zunichte mache und sich er weigere, Jesus zu kreuzigen, wie sie es forderten, dann würden sie dem Kaiser von ihm als einen Feind seines Reiches berichten, als einem Unterstützer von aufwieglerischen Personen, einem Förderer von anderen Königen in dem Reich. Pilatus konnte gegenüber diesem Argument nicht standhalten und wusch seine Hände in der Gegenwart der Menge, sowohl durch diese Tat als auch durch die Worte sagend: "Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr nun zu.’ Und als die Antwort kam: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder’, lieferte Pilatus ihn der Kreuzigung aus.

 

Wir gehören nicht zu denjenigen, welche Pilatus verdammen; er war ein Diener seines Reiches und war dafür verantwortlich, alles Vernünftige zu tun, um den Frieden in seinem Herrschaftsgebiet zu erhalten, und nur von einem deutlich erleuchteten und völlig geweihtem Heiligen könnte mehr erwartet werden zu tun als Pilatus für die Freilassung von Jesus getan hat. Die Verantwortung wurde von den Hohepriestern und Pharisäern der damaligen Zeit übernommen, und wahrlich hat die Strafe dafür schwer auf ihnen und ihren Kindern für einen Zeitraum von mehr als 18 Jahrhunderten gelastet, und der Kelch ihrer Leiden ist nahezu voll. "Die Trübsal Jakobs’ ist keine unwichtige in der großen Zeit der Trübsal, welche jetzt erreicht wird; aber wir danken Gott dafür, dass ihre Errettung nahe herbeigekommen ist, und ebenso die für alle Anderen von der seufzenden Schöpfung. Wie gesegnet ist der Gedanke, dass, wenn sie auf den blicken werden, den sie durchbohrt haben, sie um seinetwegen weinen werden und dies nicht mit Tränen der hoffnungslosen Leiden; denn der Herr "wird den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen, und sie werden über ihn wehklagen, gleich der Wehklage über den Erstgeborenen.’ -Sach. 12:10

 

Übersetzt aus dem amerikanischen Zionswachtturm vom 15. Mai 1899 durch Bruder Sven Kruse.

Der Herr wurde verraten

 

Joh. 18:1-14.

 

"Er war verachtet und verlassen von den Menschen.’ -Jes. 53:3

 

Nach dem letzten Mahl und nach seiner Erklärung an die Jünger hinsichtlich des Weinstockes und seiner Reben kam das wundervolle Gebet unseres Herrn, welches im 17. Kapitel von Johannes berichtet worden ist. Danach, wahrscheinlich nach Mitternacht, ging Jesus mit den Elfen durch das Tor von Jerusalem nach draußen, überquerte einen kleinen Bach, Kidron genannt, und an dem weiter entfernten Hügel über ihm gingen sie in den Olivengarten, welcher als der Garten von Gethsemane bekannt ist; vielleicht war es ein öffentlicher Garten, oder möglicherweise das Eigentum von einem, welcher freundlich gegenüber unserem Herrn gewesen ist. Das, was darauf hindeutet, daß es dieser bestimmte Ort gewesen ist, ist heute als ein Garten erhalten und ist seit Jahrhunderten erhalten worden. Er liegt in der Verantwortung von Mönchen, welchen es eine Freude bereitet, Besucher zu empfangen, welche denselben besichtigen wollen. Es gibt ungefähr sechs oder acht sehr große und ganz offensichtlich sehr alte Olivenbäume in diesem Garten unserer Zeit-sie geben Zeugnis davon, daß sie mindestens ein Tausend Jahre alt sind, aber möglicherweise sind sie älter.

 

Während unser Herr mit seinen Jüngern redete und für sie betete, scheint er ganz guten Mutes gewesen zu sein: während er sie ermahnte, daß ihre Herzen nicht erschüttert werden sollten, war ganz offensichtlich sein eigenes Herz nicht niedergeschlagen. Aber als sich die kleine Gruppe auf ihren Weg nach Gethsemane begab, können wir uns gut vorstellen, daß ein großes Gewicht von Verantwortung auf unseren liebreichen Erlöser fiel. Wir können uns ihn vorstellen, sagend: "Meine Seele ist überaus betrübt bis zum Tode.’ { Mt 26:38} Deshalb war der gegenwärtige Aufenthalt in Gethsemane sehr unterschiedlich von früheren Aufenthalten. Einiges Verständnis für das bedeutsame Ereignis war ohne Zweifel in den Herzen der Elf durch des Meisters Niedergeschlagenheit vorhanden, aber sie verstanden nicht wirklich, sondern nur ein wenig von dem, was dabei war, sich zu ereignen.

 

Bei dem Garten angekommen, erfahren wir aus den anderen Evangelien, daß unser Herr acht von den Elfen in der Nähe des Tores zurückließ, und Petrus, Jakobus und Johannes, seine engsten Vertrauten, ein wenig weiter mit sich nahm, und er ermahnte sie alle, zu wachen und zu beten, weil es eine Stunde der besonderen Prüfung war. Er selbst ging ein wenig weiter, er betete zum Vater im Geheimen. Seine Gefühle waren nicht und konnten nicht geteilt werden, auch nicht durch seine geliebten Jünger; sie konnten die Schwierigkeit nicht erkennen, durch welche er hindurchging; sie waren noch nicht von dem Geist gezeugt worden. Auf diese Weise war Jesus in seiner schwierigsten Stunde allein-"Von den Menschen war keiner mit mir.’ (Jes. 53:3)

 

Es ist schwierig für die Mehrheit, auch von den Christen, den wahren Charakter von der Prüfung unseres Herrn zu erkennen, welche in diesem Fall so gewichtig auf seinem Nervensystem lag, daß es blutigen Schweiß hervorbrachte. Viele vergleichen den Lauf unseres Herrn mit denen von vielen seiner Nachfolger, die Märtyrer geworden sind, welche in den Tod gegangen sind mit bemerkenswertem Mut, und im Vergleichen der Angelegenheiten sind sie geneigt, sich darüber zu wundern, warum unser Herr, der vollkommen war, soviel mehr eine Leidensgeschichte erdulden mußte als seine unvollkommenen Nachfolger. Um die wahre Situation zu erfassen, ist es notwendig, daß verschiedene Dinge im Gedächtnis festgehalten werden:

 

Erstens: Für unseren Herrn, der ein vollkommenes Recht auf Leben hatte, war das Niederlegen desselben in dem Tod eine ganz verschiedene Angelegenheit als wie das Niederlegen eines verwirkten und beeinträchtigten Lebens auf der Seite derjenigen, welche keine Hoffnung darauf haben konnten, es in irgend einer Weise lange zu erhalten. Zweitens: Unser Geschlecht, bereits zu 9/10 tot, hat doch nur eine schwache Wertschätzung von dem wahren Wert dafür, was Leben bedeutet-alle seine Erfahrungen sind in Zusammenhang mit dem Sterben gewesen, es ist dazu gelangt, den Tod mit Gleichgültigkeit zu betrachten. Aber nicht so unser Herr, der "Fürst des Lebens’, welcher von Anfang an bei dem Vater gewesen war, und durch welchen alle Dinge erschaffen worden sind-er erkannte das Leben als einen sehr kostbaren Segen, ein Vorrecht, eine Freude. Daher muß der Tod für ihn schrecklicher gewesen sein als für uns, welche bereits zu 9/10 tot sind und dementsprechend in allen unseren Gefühlen abgestumpft sind. Wahrlich, er hatte die Zusicherung des Vaters, daß, wenn treu bis in den Tod, er eine Auferstehung haben sollte, und ohne Frage er liebte des Vaters Verheißung-in seinem Leben gab er bei jeder Gelegenheit in seinem Lauf reichlich Beweis von seinem unbedingten Glauben an den Vater. Und dennoch muß dies in diesem Fall für seinen Glauben eine sehr große Prüfung gewesen sind, viel mehr als es mit uns ist. Weil wir nur einen Funken von einem verwirkten Leben niederlegen, haben wir auf der anderen Seite nicht nur des Vaters Verheißung von einem zukünftigen Leben durch Christus, sondern wir haben auch ein Beispiel für die Macht des Vaters in der Auferstehung unseres liebreichen Erlösers; aber unser Herr Jesus hatte nicht solch einen Beweis für die göttliche Macht. Er selbst war in Übereinstimmung mit der göttlichen Verheißung der "Erstgeborene aus den Toten’, eine Erstlingsfrucht Gott und seinen Geschöpfen. -Kol. 1:18; 1. Kor. 15:20

 

Aber dies alles war bereits seit dem ersten Anfang seiner Tätigkeit von ihm in Betracht gezogen, abgewogen und angenommen worden. Er hatte seine Jünger bereits davon unterrichtet, daß es notwendig war, daß er sein Leben für die Schafe niederlegen wird, und daß er dabei war, dies zu tun. { Joh 10:15} Daher sollten wir nicht annehmen, daß, als unser liebreicher Erlöser betete: "Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber’, er gemeint hätte, wenn es möglich wäre, möchte er nicht sterben. Er wußte gut und hatte bereits den Jüngern erklärt, daß das Ziehen der Welt nicht stattfinden konnte, außer daß er als das Sündopfer erhöht worden ist-daß es absolut notwendig war, daß er für unsere Sünden sterben und in seine Herrlichkeit eingehen sollte. - Joh 3:14 12:32???.

 

Von dem Kelch, von welchem er betete, daß er an ihm vorbeigehen möchte, wenn es möglich ist, müssen wir daher annehmen, daß er die Schande, die Schmach der Festnahme als ein Gesetzesbrecher bedeutet; ein öffentliches Gericht und die Verurteilung, und in Folge dessen die Kreuzigung als ein Missetäter. Es war eine Sache, für unsere Sünden zu sterben, ganz allgemein als ein Mensch zu sterben, ohne besondere Schande oder Schmähungen; es war eine andere Sache, daß er mit solcher Schande, Unehre und Verachtung sterben sollte. Sehr wahrscheinlich war dieser letzte Zug in des Vaters Weisheit mehr oder weniger verborgen gewesen vor unserem liebreichen Erlöser bis gerade zu der Zeit seiner Hinausführung. Und ganz offensichtlich sah unser Herr Jesus nicht irgendeine genaue Notwendigkeit für sein Leiden über das Leiden hinaus, was die Sünder erleiden, um den Lösegeldpreis für die Menschen zu zahlen. Deshalb war sein Gebet für eine Zeitlang: "Wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.’ Der Apostel macht ebenfalls diesen Unterschied deutlich, sagend, "er war gehorsam bis zum Tode’, und er fügt hinzu, "ja, bis zum Tode am Kreuze.’ { Php 2:8}

 

Der Tod am Kreuz mit seinen Begleitumständen, Unehre, Vorwürfe usw., so weit als wie wir in der Lage sind zu urteilen, war nicht notwendig als unser Lösegeldpreis, weil die Strafe nicht lautete: An dem Tage, wo du ißt, wirst du gewißlich mit öffentlicher Verdammung und die Unehre durch Kreuzigung sterben. Weil die Strafe der Tod war (1. Mose 2:17), mögen wir annehmen, daß unseres Herrn Tod, durch welches Mittel auch immer, völlig den Lösegeldpreis für den Menschen bezahlt hätte. Aber die zusätzlichen Züge wurden durch den Vater als notwendig erachtet, und der "Kelch’ ging nicht vorüber. Der Vater erforderte diesen äußersten Gehorsam als eine Prüfung, einen Beweis nicht nur für sich selbst, sondern vor allen seinen intelligenten Geschöpfen von der absoluten Herzenstreue seines "geliebten Sohnes’, welchem er beabsichtigte, kurz danach die großen Segnungen und die hohe Erhöhung zu seiner eigenen göttlichen Natur und Miterbschaft in seinem Königreich zu übertragen. Und die Treue von unserem liebreichen Erlöser wurde vollständig bestätigt, wie der Apostel erklärt: "Er achtete die Schande für nichts’, das bedeutet, die Schande war in seinen Augen nichts im Vergleich mit der Hinausführung von des Vaters Absicht, dem Wohlgefallen des Vaters. { Heb 12:2} Solange wie er dachte, daß es eine Möglichkeit gab für die Ausschaltung der Schande, war er nervös und bestrebt, dies zu tun, wenn es möglich ist; aber sobald er erkannt hatte, daß dies nicht des Vaters Wille war, antwortete sein Herz sofort: "Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.’ Die Entscheidung hinsichtlich des Vaters Willen brachte sofort Kraft; er war jetzt für jede Erfahrung vorbereitet, "stark in dem Herrn und in der Kraft seiner Macht.’

 

Inzwischen hatte Judas, welcher sich einige Tage zuvor mit dem Hohepriester geeinigt hatte, Jesus zu verraten, und welcher den Obersaal sofort nach dem Mahl verlassen hatte, um seinen schändlichen Plan hinauszuführen, eine Menge von Menschen von dem Hohepriester und den Pharisäern erhalten, mit einer Person als Verantwortlichen, dessen Aufgabe es war, Jesus in der Nacht gefangenzunehmen und seine Hinrichtung vor dem Passah sicherzustellen. Wir stimmen der allgemeinen Ansicht in keinster Weise zu, daß diese Menge von Menschen aus einer Armee von drei oder sechshundert römischen Soldaten bestanden haben soll. Sie handelten sicherlich sehr unterschiedlich im Gegensatz zu den Soldaten, wie diese unter solchen Umständen gehandelt hätten. Daneben lautet der Bericht aller Evangelien, daß diese Volksmenge nicht von Pilatus, noch von Herodes, dem römischen Repräsentanten, gesandt worden war, sondern von dem Hohepriester und von den Pharisäern, welche, wie wir wissen, in keinster Weise irgendeinen Befehl hatten über die römische Truppe. Für unser Verständnis war diese Volksmenge, welche Jesus festnahm, sehr ähnlich zu der einen, die in  Joh 7:32-46 erwähnt wird.

 

Es erscheint, als ob der jüdische Sanhedrin ein bestimmtes Maß an Macht hinsichtlich religiöser Angelegenheit ausgeübt hat, und daß es ihm erlaubt war, Verhaftungen vorzunehmen, jedoch nicht die Hinrichtung von Kriminellen ohne die Einwilligung des römischen Statthalters. Wir erinnern uns daran, daß die Apostel bei verschiedenen Gelegenheiten durch solche Bedienstete der Juden verhaftet worden sind. Siehe Apg. 5:17,18,22,25-20.

 

Sowohl Matthäus als auch Markus sprechen von dieser "Menge’, unter ihnen Bedienstete der Hohepriester und der Pharisäer, und unseres Herrn Worte zeigen an, daß sie mit Stöckern und Schwertern bewaffnet waren, wie dies für das Volk im allgemeinen sehr üblich war, und er erwähnt kein Speer und keine Lanze, welche wahrscheinlich ein Teil der Bewaffnung von einer Truppe von römischen Soldaten gewesen wäre. Dieser Gedanke wird außerdem durch die Tatsache betont, daß es die Diener des Hohepriesters waren, welche ganz offensichtlich die erste Körperverletzung gegen Jesus begingen und einen Schlag von Petrus Schwert empfingen. Wenn römische Soldaten anstelle von den Dienern des Hohepriesters in dieser Angelegenheit tätig gewesen wären, so wären sie ohne Zweifel weniger eifrig gewesen sein als diese es waren.

 

Es ist anzunehmen und zwar aus guten Gründen, daß diese Volksmenge Jesus suchte unter der Leitung des Judas, welcher sehr früh den Obersaal verlassen hatte und welchen Obersaal unser Herr und die Elf wahrscheinlich erst vor weniger als einer Stunde verlassen hatten. Als Judas und die Menge erkannt hatten, daß Jesus und die Elf gegangen waren, wußte Judas, daß er sie sehr wahrscheinlich im Garten Gethsemane finden würde, weil "Jesus oft mit seinen Jüngern dort zusammengekommen war.’ Der Bericht von Johannes läßt die Einzelheiten von dem Verrat aus, welche von den anderen Evangelisten gegeben wird: Möglicherweise fühlte sich der liebende Jünger so sehr beschämt über das Geschehen, daß er es vorzog, sie nicht zu erwähnen. Wahrlich, nur sehr wenige Taten des Verrates sind diesem einen vergleichbar, und alle Menschen, selbst in ihrer verkehrten Gesinnung, scheinen zu erkennen, daß die Stellung eines Verräters eine der verabscheungswürdigsten ist, und wir mögen dafür dankbar sein, daß solch ein Verrat, wie der des Judas, gegen solche eine Güte, Liebe und Liebenswürdigkeit wie die von seinem Meister, nicht sehr üblich ist. Und dennoch gibt es vergleichbare Erfahrungen bei des Herrn Volk, "in Gefahr unter falschen Brüdern.’

 

Es ist für einen jeden von uns sehr angebracht, daß wir darauf Acht geben, daß wir nicht zulassen, daß unser Herz erfüllt wird mit einer Gesinnung, die dem Geist des Judas ähnelt.

 

Unser Herr stellt die "Glieder seines Leibes’ in solchen Angelegenheiten auf eine Stufe mit sich selbst und versichert uns, daß wer auch immer einen der Kleinsten dieser seiner Brüder verletzt, es besser für ihn wäre, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt würde, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.  Mt 18:6.

 

Selbstverständlich gibt es immer einen Grund, gut oder schlecht, welcher jeder Tat zugrunde liegt, welche sowohl gegen das Haupt selbst, als auch gegen die Unterglieder seines Leibes hinausgeführt werden. Diese starken Gründe herauszufinden, bedeutet nicht, eine begründete Entschuldigung für Verrat zu finden. Soweit unsere Erfahrung und unser Urteil geht, ist die Lektion, daß solch ein Verrat von "falschen Brüdern’ gewöhnlich seinen Ursprung in der Begierde hat, im Verlangen nach Einfluß, Macht oder Ansehen, und der Wunsch, solche unheilige Absichten zu verherrlichen, wird auf jeden Fall jedes Herz irreführen, welches sich in einem solchen Zustand befindet. Wie jemand gesagt hat:

 

"Säe einen Gedanken, und du erntest eine Tat;

 

säe eine Tat, und du erntest eine Gewohnheit;

 

säe eine Gewohnheit, und du erntest einen Charakter;

 

säe einen Charakter, und du erntest einen bestimmten Lebensweg.

 

Judas hatte auf diese Weise einige üble Gedanken für eine beträchtliche Zeit gesäet, bevor seine Gedanken eine äußere Form der üblen Taten annahm. Er war begierig nach Wohlergehen und Einfluß; er wurde der Schatzmeister dieser kleinen Gruppe von Jüngern, und die Andeutung der Schrift ist, daß er einen Teil der Einnahmen zu seinem eigenen privaten Gebrauch entwendete. Wie gewöhnlich, seine Liebe für das Geld wuchs immer mehr, je mehr er in dieser Weise handelte, bis er willens war, seinen Meister für 30 Stücke Silber zu verraten-vergleichbar von etwas mehr als 20 Dollar von unserem heutigen Geld, obwohl es im Wert der Arbeit eine größere Summe darstellt. Es erscheint auch, als ob Judas das verheißene Königreich erwartete und wahrscheinlich eine hohe Stellung als der Schatzmeister des Königs in jenem Königreich einnehmen wollte.

 

Wir meinen, daß es leicht möglich und sehr wahrscheinlich ist, daß Judas sehr enttäuscht gewesen ist hinsichtlich des Ergebnisses von seinem Verrat. Ganz offensichtlich erwartete er, daß unser Herr sich selbst durch wunderbare Macht aus den Händen seiner Feinde befreien würde. Dies ist die großzügigste Ansicht, welche wir kennen, um sein verräterisches Verhalten zu betrachten: Es schwächt die Dunkelheit dieser Tat nur sehr wenig, denn er war bereitwillig, seinen besten Freund für Geld zu verraten, und er gibt Beweise dafür, daß er jedes gute und annehmbare Gefühl seines Wesens seiner Liebe nach Geld unterordnete. Wahrlich, die Liebe nach Ehre mag in Betracht gezogen werden bei dieser Angelegenheit, weil er gehofft haben mag, daß durch die Herbeiführung dieser schwierigen Situation unser Herr gezwungen sei, das langverheißene Königreich aufzurichten, oder daß er andererseits eingestehen müsse, daß alle seine Behauptungen und Verheißungen betrügerisch seien.

 

Judas ist sicherlich erfolgreich gewesen in der Beschleunigung der Ereignisse und in der Herbeiführung von der Errichtung des Königreiches Gottes in seinem Embryozustandes; aber nicht in der Weise, wie er es erwartet hatte, noch in irgendeinem anderen Maß zu seiner eigenen Ehre oder zu seinem eigenen Vorteil. Auf diese Weise geschieht es auch mit denjenigen, welche die Wahrheit empfangen und bekennen, daß sie Jünger sind-nicht aus Liebe zur Wahrheit, sondern aus Liebe zur Ehre, welche entweder für die jetzige Zeit oder für die Zukunft erhofft wird. Laßt uns alle, die wir mit dem Namen des Christus genannt werden, Acht geben und wachen und beten, damit nicht in irgend einem von uns irgendeine Veranlagung dieses verabscheuungswürdigen Charakters vorhanden ist. Und laßt uns daran denken, daß es sowohl verschiedene geheime Wege gibt, als auch äußere, in welchen wir den Herrn und die "Brüder’ verraten können.

 

Der Evangelist erklärt, daß Jesus zuvor alle Dinge wußte, welche über ihn kommen würden. Uns ist auch berichtet worden, daß während er betete, "ein Engel vom Himmel ihm erschien und ihn stärkte.’ { Lu 22:43} Dieser Dienst mag darin bestanden haben, ihn hinsichtlich des Vaters Willen zu unterrichten hinsichtlich der Dinge, die er erleiden sollte, und in welcher Weise sie zu erwarten seien, und daß er die Erkenntnis habe, daß die Angelegenheit festbestimmt ist. Die Zusicherung, daß der Vater alles überwaltet, stärkte sein Herz und gab ihm die große Ruhe, welche wir in allen seinen nachfolgenden Ereignissen in seinem Lauf beobachten.

 

Die Menge, welche gesandt worden war, um ihn festzunehmen, erwartete ganz offensichtlich, daß sie gezwungen sei, ihn zu suchen zwischen den Bäumen usw., und aus diesem Grund waren sie mit Fackeln und Laternen ausgerüstet. Ohne Frage waren sie sehr überrascht darüber, daß unser Herr anstatt vor ihnen zu fliehen, ihnen entgegenkam und fragte, wen sie suchten. Sehr wahrscheinlich kannten einige in der Menge den Herrn von früher-durch seine Wunder, seine Macht über die Teufel usw., und dies mag der Grund für ihre Kundgebung der Schwäche gewesen sein, so daß sie zurückwichen und zu Boden fielen. Oder es ist möglich, daß unser Herr eine ihnen überlegende Kraft ausübte, welche diese Wirkung zur Folge hatte, zu dem Zweck, ihnen zu zeigen, daß er die volle Macht hat, ihnen zu widerstehen, wenn er sich dazu entschließen würde, sie zu nutzen.

 

Dieselbe Lektion, glauben wir, wird durch den Gebrauch von dem Schwert des Petrus gegen den Diener des Hohepriesters gelehrt. Wir erinnern uns daran, daß einer der Evangelisten berichtet, daß unser Herr die Elf anwies, das Schwert mit sich zu führen, und daß, nachdem zwei in dieser Weise gefunden wurden, er sagte: "Es ist genug.’ { Lu 22:36,38} Unser Herr hatte nicht den Gedanken daran, daß seine Jünger einen fleischlichen Kampf für ihn kämpfen sollten, weil er danach erklärte: "Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft, auf daß ich den Juden nicht überliefert würde.’ { Joh 18:36} Die zwei Schwerter warn ausreichend, um zu zeigen, daß die Ergreifung unseres Herrn nicht aus dem Grund geschah, weil es keine Möglichkeit zur Verteidigung gab, sondern lediglich aus dem Grund, weil er sich ergab-wissend, daß seine Stunde gekommen war und daß es ihm auf diese Weise geziemte, für unsere Sünden zu leiden und in seine Herrlichkeit einzugehen. - Lu 24:46???.

 

Nach dieser einen Kundgebung der Macht, welche seine völlige Fähigkeit zeigte, es mit dieser Menge aufzunehmen, und daß er tatsächlich die Macht habe, mehr als zwölf Legionen von Engeln zu seiner Verteidigung zu haben, wenn er es wünschte, { Mt 26:53} finden wir unseren Herrn völlig ergeben in seiner Gefangennahme, lediglich die Bedingung stellend, daß die Jünger ihren Weg gehen möchten. Wie großartig ist der Charakter, welcher in solch einem Moment, unter solch prüfenden Bedingungen, sich selbst so völlig vergessen kann und lediglich an dem Wohlergehen der anderen interessiert ist! Wie ähnlich, was wir von ihm erwarten sollten!

 

"Auf daß das Wort erfüllt würde, welches er sprach: Von denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren.’ Wir verstehen den Schreiber, daß er meint, daß wir hier erneut in des Meisters Lauf eine Veranschaulichung von seiner Fürsorge für seine Jünger finden, wie er es in seinem Gebet ausgedrückt hatte, kurz bevor sie den Obersaal verlassen hatten. Während der Gedanke seines Gebetes hauptsächlich hinsichtlich ihrer geistigen Interessen war, daß keiner von ihnen verloren gehen soll, tun wir gut daran zu bemerken, daß dies eine bestätigende Darstellung von unseres Herrn Fürsorge für die körperliche Interessen aller derer ist, welche seine Jünger werden. Nicht ein Haar auf ihrem Haupt soll fallen; nichts soll zugelassen werden, um sie zu verletzen-alle Ereignisse und Angelegenheiten des Lebens werden für ihr Bestes überwaltet. - Mt 6:32,33???.

 

Es ereignete sich wahrscheinlich, als damit begonnen wurde, Jesus festzubinden, daß Petrus sein Schwert zur Verteidigung zog; vielleicht erinnerte er sich an des Herrn Worte wenige Stunden zuvor mit dieser Auswirkung, daß alle seine Nachfolger ihn allein lassen würden, und an seine eigene Verheißung: "Wenn sich auch alle ärgern werden, ich aber nicht.’ { Mr 14:29} Wohlgefälliger, eifriger Petrus! Wir lieben ihn für seine wohlgefällige Ausdrucksweise seiner Gefühle und für seine heldenhafte Verteidigung des Meisters mit dem Schwert gegen eine überlegene Anzahl. Es ist die Gewohnheit von vielen, die Tat des Petrus schlechtzumachen, als einen weiteren seiner überstürzten Fehler. Wir erinnern uns jedoch daran, daß die Elf damals noch nicht den Heiligen Geist empfangen hatten und deshalb noch nicht die Tatsache klar erkennen konnten, daß das Königreich, zu welchem sie berufen waren, ein geistiges Königreich ist. Außerdem haben wir gesehen, daß er lediglich dem Ratschlag des Herrn befolgte, als er das Schwert mit sich nahm, und ganz offensichtlich führte er die göttliche Absicht hinaus, als er es benutzte. Wir sehen nichts Beschuldigendes, sondern nur Empfehlenswertes. Es war ein Zeichen von größerer Bedeutung, als Petrus und die anderen damals erkannten.

 

Aber nachdem er es zugelassen hatte, daß die Begebenheit in dieser Weise fortschritt, hielt unser Herr Petrus jetzt zurück, sagend: "Auf diese Weise ist genug gelitten worden. Stecke das Schwert in die Scheide. Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?’ { Lu 22:51 Joh 18:11} Indem er dies sagte, berührte er seinen verwundeten Feind und heilte ihn. Die Jünger sahen, verstanden und hatten die volle Gewißheit, daß unser Herr seine Überlieferung an seine Feinde freiwillig tat, und daher ist der Ablauf der Ereignisse genauso wie er für diese Lektion notwendig ist.

 

Wie sehr erscheint doch die Gnade der Demut in allen kleinen Angelegenheiten unseres liebreichen Erlösers; auch in diesem Moment seiner Übergabe an seine Feinde rühmt er sich nicht damit, daß er dies freiwillig hinausführt, noch trachtet er danach, als ein Märtyrer gepriesen zu werden

 

Er erklärt die einfache Tatsache, daß der Vater dies von ihm erwartet als ein Beweis von seiner persönlichen Treue zu ihm. Er bekennt sich selbst als ein Diener von Gott, ein Sohn, welcher Gehorsam gelernt hat durch die Dinge, die er erlitten hat. "Der Kelch, welchen der Vater mir gegeben hat, soll ich den nicht trinken?’ In der Tat war dies die Kraft für seinen Sieg-sein Wille war völlig dem Willen des Vaters unterworfen, und sein Glaube erfaßte die Tatsache, daß der Vater keine unnötigen Übel zulassen würde, welche über ihn kommen, sondern nur solche, als er zu bestehen vermag und welche zum Guten überwaltet wurden.

 

Es gibt eine wertvolle Lektion hierin für alle, welche danach trachten, in den Fußstapfen des großen Hohepriesters nachzufolgen-für alle von der königlichen Priesterschaft. Wir erinnern uns auch daran, daß solange als wir in Christus bleiben, und danach trachten, in seinen Fußstapfen zu folgen, alle prüfenden Erfahrungen des Lebens sehr sorgfältig bemessen sind für uns durch den Herrn-daß er nicht mehr in unseren Kelch der Leiden und Prüfungen und bitteren Erfahrungen einschenkt, als wie für uns notwendig ist, so daß dadurch ein über die Maßen überschwengliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit bewirkt wird. (2. Kor. 4:17) Mit diesen Zusicherungen und mit den Beweisen für die Treue des Vaters an unserem verherrlichten Meister und Vorläufer mögen wir tatsächlich den starken Trost haben, die wir Zuflucht genommen haben zu der Hoffnung, welche uns im Evangelium vorgesetzt worden ist. - Heb 6:18-20???.

 

Die Heilung von dem abgeschlagenen Ohr ist das letzte Wunder unseres Herrn und stellt sehr wundervoll seinen Charakter und seine Lehren dar. Es veranschaulicht seine Worte: "Liebet eure Feinde, tuet Gutes denen, die euch verfolgen.’ Es zeigt, daß er mit der göttlichen Liebe erfüllt gewesen ist, welche seine Lehren einprägen, und daß er keine Bitterkeit hatte gegen diejenigen, welche ihn verfolgten.

 

Das Binden unseres Herrn scheint völlig unnötig gewesen zu sein, höchstens aus dem Grund, weil die "Menge’ wünschte, eine Vorführung ihrer Macht denjenigen gegenüber zu geben, von welchen sie gesandt worden waren. Unser Herr scheint hinsichtlich dieses Bindens Vorbehalte gehabt zu haben, wie dies der Bericht in Markus 14:48,49 wiedergibt: "Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber, mit Schwertern und Stöcken, mich zu fangen? Ich war täglich bei euch im Tempel lehrend, und ihr habt mich nicht ergriffen; -aber auf daß die Schriften erfüllt würden.’ Es geschah an dieser Stelle, daß ihn die Elf verließen und flohen. Judas ging mit der Menge zum Haus von Annas, dem Priester, welcher zweifelsohne ein Abkommen mit Judas geschlossen hatte, und ohne Zweifel war es bei dieser Begebenheit, daß die 30 Stücke Silber gezahlt wurden, Judas hatte jetzt die Erfüllung des Abkommens bewiesen. Armer, elender Mensch. Der Sohn des Menschen kam wahrhaftig auf die Art und Weise zu Tode, wie es von ihm geschrieben stand, aber das verringert in keinster Weise den schrecklichen Verrat, den begierigen und mörderischen Geist, welcher ihn seinen Feinden auslieferte. So ist es auch mit den Gliedern des Leibes Christi: Es ist notwendig, daß Ärgernisse kommen-es ist ein Teil des göttlichen Planes, daß der Leib des Christus erfüllt werden wird mit dem, was noch übrig ist von den Drangsalen des Hauptes (Kol. 1:24) -aber dies macht ein Abkommen derjenigen, welche an solch einem Verrat beteiligt sind, weniger sündenvoll-besonders wenn es sich um "falsche Brüder’ handelt, welche sich einiger Erkenntnis der Wahrheit erfreut haben. In jedem Fall wird jedoch beobachtet werden, daß obwohl die Prüfungen für den Herrn zum Segen gereichten und es ebenso für alle Getreuen ist, welche mit ihm leiden, der Lohn der Ungerechtigkeit, welcher von denjenigen begehrt wird, welche den Lauf des Judas einnehmen, niemals zu Ehre und Segnung führt, nach welcher sie begierig sind und für welche sie sich selbst verkaufen, um Böses hinauszuführen.

 

Aus dem amerikanischen Zionswachtturm vom 15. Mai 1899 übersetzt von Bruder Sven Kruse im März 2000.

Der große Hohepriester wurde angeklagt.

 

Joh. 18:15-27

 

Obwohl erklärt worden ist, daß alle Jünger geflohen sind, führt Johannes aus, daß Petrus und er selbst mit einem Abstand gefolgt sind. Ihr tiefes Interesse an dem Meister ließ es nicht zu, daß sie zu ihren Häusern zurückgekehrt sind; sie mußten ihn im Auge behalten und sehen, wie die Dinge bis zum letzten Ende mit ihm weitergingen. Sie waren machtlos, um ihm zu helfen gegen solch große Gegner und im Angesicht seiner eigenen Verweigerung hinsichtlich Hilfe, aber sie waren nicht machtlos darin, ihn weiterhin zu lieben. Es scheint, daß Johannes einigermaßen bekannt gewesen ist mit dem Palast des Hohepriesters und leicht den Eintritt erlangte, nicht nur für sich selbst, sondern auch für Petrus.

 

Aber diese Begünstigung und dieses Vorrecht wurde für Petrus zur Prüfung und führte zu seiner Verleugnung des Herrn. Und so ist es mit einigen von des Herrn Nachfolger von heute. Wenn sie bei sich sind oder mit anderen des gleichen kostbaren Glaubens sind, sind sie mutig und eifrig, den Herrn zu bekennen und ihm zu dienen, aber wenn sie vielleicht in die Paläste oder unter die Diener und Bedienstete der Hohepriester der Namenchristenheit kommen, schämen sie sich des Meisters und fürchten sich davor, ihn zu bekennen, damit sie nicht von den Vorrechten ausgestoßen werden, welcher sie sich in der Gesellschaft derjenigen erfreuen, welche bis jetzt noch nicht die Wahrheit erkannt haben. Es wäre für den armen Petrus weit besser gewesen, hätte er offen erklärt: "Ja, ich bin einer seiner Jünger, und weil ich annehme, daß keiner von ihnen hier erwünscht ist, werde ich von hier weggehen.’ Wie sehr hätte sich ein solch ehrenhafter und richtiger Wandel zu seiner Ehre in den Augen aller gerechten Personen ausgewirkt, und wieviel Segen hätte es ihm gebracht!

 

Der Fehlschlag von Petrus, daß er nicht den richtigen Weg nahm, brachte ihm später eine noch größere prüfende Begebenheit ein, als ein Verwandter des Mannes, dessen Ohr er abgeschlagen hatte, ihn direkt fragte: "Sah ich dich nicht im Garten bei ihm?’ Die Fragen ging dem armen Petrus ziemlich nahe. Jetzt war es mehr als eine Frage des Weggehens von dem Feuer und dem Vorrecht und der Ehre des Hofes des Hohepriesters; es war jetzt eine Frage seiner Identität als demjenigen, welcher Jesus mit einem Schwert verteidigt hatte, und daher eine Frage seiner eigenen Gefangennahme und seines eigenen Gerichtsverfahrens vor demselben Gericht mit dem Meister. Ein falscher Schritt führt natürlich zu einem weiteren; wenn er sich jetzt für Jesus erklärt hätte, wäre das ein öffentliches Zeugnis dafür gewesen, daß er zuvor ein Lügner gewesen ist, und hätte außerdem dazu geführt, daß er erkannt worden wäre. Deshalb entschloß sich Petrus dazu, daß er als Selbstverteidigung nicht nur die Lüge wiederholen mußte und wieder seinen Meister verleugnen mußte, sondern um die Angelegenheit gegenüber seinen Anklägern kräftiger zu machen, begann er zu fluchen und zu schwören, daß er Jesus nicht kenne.

 

Armer Petrus! Wahrlich, wie unser Herr ihm gesagt hatte, hatte der Satan danach getrachtet, ihn einzunehmen, ihn zu versuchen, und wahrlich wurde er zu jener Zeit sehr schwer versucht. Es erscheint meist als ein Wunder, daß er sein Gleichgewicht wiedererlangte und bereute und Vergebung für seine Sünden gefunden hat. Es erscheint, als ob das Gebet unseres Herrn für ihn wirksam war auf Grund seiner dem Petrus vorher gemachten Ankündigung, daß er ihn verleugnen werde, denn nachdem er auf diese Weise unseren Herrn verleugnet hatte und nachdem er den Hahn krähen hörte, erinnerte sich Petrus an des Herrn Worte: "Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.’

 

Mit Gefühlen, die besser vorgestellt als beschrieben werden können, verließ Petrus von selbst sehr eilig den Hof des Hohepriesters und ging hinaus im Dunkel des frühen Morgens, damit er bitterlich weinen und inständig um des Herrn Vergebung flehen konnte.

 

Hier ist eine Lektion für uns in der Tatsache, daß Petrus Fehlschlag sehr eng mit seiner Stärke verbunden war. Er war von Natur aus sehr mutig und war stolz darauf, und bis jetzt hatte er noch nie aus Mangel an Mut einen Fehler begangen. "Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark’, deutet an, daß derjenige, welcher sich selbst stark fühlt, in Wirklichkeit schwach ist, wie in Petrus Fall. Laßt uns alle lernen, ganz besonders auf unsere angeblichen Stärken im Charakter achtzugeben, in der Erinnerung, daß wir einen schlauen Fuchs haben. Wir müssen unsere Schwachheit erkennen, unsere Verwundbarkeit in jedem Punkt, es sei denn, daß wir wachsam sind in jedem Punkt und uns auf den großen Anführer unseres Heils verlassen, damit er uns hilft.

 

Johannes erzählt nicht die ganze Begebenheit; er läßt Petrus Fluchen und Schwören aus. Seine Liebe für den Bruder Johannes beeinflußte ihn ganz offensichtlich dahin, daß er den Teil der Begebenheit ausließ, welcher nicht absolut notwendig ist, um des Herrn Prophezeiung zu bestätigen. Der Bericht über das Fluchen und Schwören ist in Markus gegeben, von dem man annimmt, daß sein Evangeliumsbericht von Petrus selbst angegeben worden ist, weil Markus in einem weiten Maße Petrus Gehilfe gewesen ist. - Mr 14:66-72???

 

Jesus wurde von dem Hohepriester verhört; dieser war von Herzen übel und mörderischer, aber er fühlte sich wenigstens an die Formen der Gerechtigkeit gebunden, um diese einzuhalten, obwohl wir aus den Berichten an anderer Stelle her wissen, daß er selbst und seine Verbündeten unter den Priester und Pharisäern schon bereits beschlossen hatten, daß Jesus zu Tode kommen muß, weil sein Einfluß unter dem Volk für ihre eigenen Interessen schädlich war-weil seine Lehren ihre eigenen Lehren in den Schatten warfen und ihre Scheinheiligkeit und Heuchelei offenbarten. Unser Herr antwortete gemäß seinen Fragen; er lehnte es ab, irgendwelche besonderen Erklärungen zu machen, so daß er sich lediglich auf seine Lehren bezog und auf diese Weise um seine Rechte als ein Jude bat. Seine Antwort war eine vollkommen Richtige und Gesetzesmäßige; er war ohne einen berechtigten Grund gefangengenommen worden, und das Gericht suchte jetzt danach, einen Grund zu finden. Unser Herr führte lediglich aus, daß der Grund für seine Gefangennahme zeigen wird, daß dieselbe mit etwas zu tun gehabt haben muß, was der Gefangennahme vorausging.

 

Es ist nicht notwendig für uns anzunehmen, daß der Bedienstete, welcher Jesus mit der Innenfläche seiner Hand schlug und ihn für die unpassende Sprache gegenüber dem Hohepriester tadelte, absichtlich ungerecht in der Angelegenheit gewesen ist. Wir möchten eher annehmen, daß, beeinflußt durch seinen Wunsch als eifrig in der Unterstützung von der Stellung des Hohepriesters und sein Gericht zu erscheinen, dieser Wunsch sein geistiges gestörtes Gleichgewicht als ein gefallener Mensch dazu veranlaßte, sich etwas Böses vorzustellen, wo es dort doch gar nichts gab. Dieser Umstand jedoch gibt uns die Gelegenheit, um genau das zu erkennen, was unser Herrn mit seiner Erklärung in der Bergpredigt gemeint hatte: " Wer irgend dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin.’ { Mt 5:39} Unser Herr hielt dem Mann nicht wortwörtlich die andere Wange hin und bat ihn, auch diese zu schlagen, noch schwieg er zu dem Schlagen. Er war nicht bereitwillig dazu, daß über sein gutes Benehmen und seine richtige Sprache schlecht gesprochen wurde, ohne daß er sich wenigstens darum bemühte, die Angelegenheit richtigzustellen. Deshalb bat er den Schlagenden, daß dieser aufzeigen solle, wo er Übles gesprochen habe, und schlug ihm vor, daß, wenn er das Üble nicht aufzeigen könne, er sein Unrecht zugeben solle, indem er ihn geschlagen hat für ein Übel, welches er gar nicht gibt.

 

In dem Lichte dieser Darstellung versteht das Volk des Herrn den Rat, daß die andere Wange hinhalten einfach bedeutet, daß sie Böses nicht mit Bösen vergelten sollen; vielmehr sollen sie das Böse ertragen als es zurückzugeben. Sie sollen Böses mit Gutem vergelten; sie sollen sich, wie unser Meister es tat, mit den Übeltätern in Freundlichkeit und Sanftmut auseinandersetzen, damit diese das Recht und das Unrecht erkennen.

 

Es erscheint, als ob das Gerichtsverfahren gegen unseren Herrn durch die Juden vor Kaiphas abgehalten wurde, dem eingesetzten Hohepriester, dem Schwiegersohn des Hannas, dem richtigen Hohepriester in Übereinstimmung mit dem jüdischen Gesetz; und der vierzehnte Vers offenbart, daß Kaiphas derjenige war, welcher zuvor erklärt hatte: "Es ist nützlich für uns, daß ein Mensch für das Volk sterbe und nicht die ganze Nation umkomme. Dies sagte er aber nicht aus sich selbst, sondern da er jenes Jahr Hohepriester war, weissagte er, daß Jesus für die Nation sterben sollte; und nicht für die Nation allein, sondern auf daß er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte.’ - Joh 11:50-53???.

 

Hier ist eine Darstellung davon, wie eine große Wahrheit von zwei ganz unterschiedlichen Standpunkten aus gesehen werden kann. Die Prophetie des Kaiphas war absolut wahrhaftig, genau in Übereinstimmung mit all den Erklärungen von des Herrn Wort und wurde durch eines der Werkzeuge gesandt, welche der Herr besitzt, um sie zu benutzen, (in diesem Fall das Amt des Hohepriesters), auch wenn sich die Person das Amt mißbräuchlich angeeignet hat und nicht von Herzen in Harmonie mit dem Herrn ist und auch nicht in Harmonie mit den verschiedenen Zügen des göttlichen Planes und zu einem Anstifter und Mitwirkenden an einem bösen Werk geworden ist, welches nichtsdestotrotz in Harmonie mit dem göttlichen Vorherwissen und Plan hinausgeführt wurde.

 

Es gibt eine Lektion hierin für alle von des Herrn Volk hinsichtlich jedes Zuges des göttlichen Planes. Es ist nicht ausreichend, daß wir bestimmte Tatsachen erkennen; es ist ebenso notwendig, daß wir in Herzensharmonie mit dem Herrn sind, sonst möchten wir, gleich Kaiphas, eine Hilfe sein in der Erfüllung von des Herrn Plan, aber nichtsdestotrotz nehmen wir eine falsche Stellung ein und dies mag uns selbst mit anderen unter einen Fluch bringen, während wir noch Mitwirkende in der Erfüllung des göttlichen Planes sind. Laßt alle, die von dem Licht sind, und welche die Wahrheit empfangen haben, mehr und mehr danach trachten, in dem Lichte und in des Meisters Fußstapfen zu wandeln, sorgsam die Übel vermeidend, welche wir in dem Falle des Judas, Petrus und Kaiphas dargestellt sehen.

 

Das Gerichtsverfahren vor den Juden bestand aus drei Teilen:

 

1. Die Vorladung vor Hannas, dem rechtmäßigen Hohepriester, welche    völlig unrechtmäßig war. Er sandte Jesus gebunden zu Kaiphas, dem    eingesetzten Hohepriester, welcher von Rom ernannt worden war, und    als solcher der Vorsitzende des Sanhedrin (des sogenannten Hohen    Rates) war, dessen Gerichtsraum wahrscheinlich an derselben Stelle    war, gegenüber von dem Gang, wo Petrus stand und sich wärmte.

 

2. Das vorbereitende Gerichtsverfahren vor Kaiphas, nimmt man an,    wurde zwischen zwei und drei Uhr am Freitag morgen abgehalten-   die Mitglieder des Sanhedrin (des Hohen Rates) wurden durch    Botschafter herbeigerufen, sofort nachdem Jesus ergriffen worden    war. Dieses Zusammenkommen war in dem Sinne vorbereitend, als daß    die Anklagen gegen Jesus geprüft, formuliert und beschlossen    wurden, mit welchen sie ihn im eigentlichen Gerichtsverfahren am    Tagesanbruch verurteilen wollten, denn das jüdische Gesetz verbot    ein Gerichtsverfahren bei Nacht. - Lu 22:66-71???.

 

3. Das eigentliche Gerichtsverfahren vor dem Sanhedrin am    Tagesanbruch war lediglich ein Schauspiel-Die Festlegung darauf,    Jesus zu töten, war schon lange Zeit vor seiner Festnahme    gefallen. Die Anlegenheit von seiner Verurteilung wurden aus zwei    Gründen beschleunigt. a) Die verantwortlichen Juden befürchteten,    daß das gewöhnliche Volk Jesus verteidigen würde gegenüber der    erfundenen Anklage, welche die einzige war, die sie finden    konnten. b) Das Passah war herbeigekommen, und sie wollten ihn    vorher töten. Oh! Wie wenig erkannten sie, daß es ihnen von Gott    gestattet worden war, die bösen Absichten ihrer Herzen    hinauszuführen, um auf diese Weise die Vorbilder und    Prophezeiungen an diesem bestimmten Tag zu erfüllen.

 

Eine Lektion für Gottes Volk besteht hierbei darin, daß es nicht ausreichend ist, daß wir eine Form der Gerechtigkeit hervorbringen; noch ist es ausreichend, daß wir im voraus wissen, daß wir den göttlichen Plan nicht umgehen und seine Erfüllung nicht verhindern können. Viele werden an dem Tag der Abrechnung und Offenbarmachung einsehen, daß sie Gottes Absichten ohne Ehre oder Vorteil gedient haben-in einer Weise, daß über sie die Verdammnis anstatt des Beifalls gebracht worden ist. Auch der große Widersacher, Satan, wird schließlich einsehen (aber nicht in irgendeinem Maße zu seiner Anerkennung oder Segnung), daß all sein Widerstand gegen Gott, gegen Christus und gegen die "Brüder’ von der göttlichen Weisheit und Macht zum Guten gelenkt worden ist, durch ihn, welchen "selbst der Zorn des Menschen preisen wird.’

 

Daher ist überaus wichtig, daß wir mehr als nur eine Form der Gerechtigkeit und der Rechtschaffenheit haben; wir müssen den Geist der Gerechtigkeit, eine Liebe zur Gerechtigkeit haben-einen aufrichtigen Wunsch, Gottes Willen zu kennen und zu tun, sonst werden wir gleich den Juden, die den Gerechten nicht annahmen, seine "Brüder’ mit einer Form der Gerechtigkeit verdammen und verletzen. Den erwünschten Zustand der Liebe für Gott und die Gerechtigkeit zu haben, bedeutet eine volle Weihung des Herzens an den Herrn. Auf diese Weise bringt uns eine genaue Betrachtung des Gegenstandes zurück zu der Tatsache, daß eine völlige Weihung an den Herrn, eine völlige Selbstübergabe in seinen Willen, wie es in seinem Wort geoffenbart worden ist, der einzig richtige und der einzige sichere Weg ist, welchen jeder nachstreben sollte, wenn wir darauf hoffen, des Meisters Worte zu hören: "Wohlgetan, du guter und treuer Knecht, gehe ein in die Freude deines Herrn.’

 

Es geschah in der Zwischenzeit, zwischen seiner Vorladung um drei Uhr morgens und dem eigentlichen Gerichtsverfahren um fünf Uhr morgens gegen unseren Herrn durch seine einflußreichen Feinde, daß er zwei Stunden lang beschimpft und verspottet worden ist, wie es von drei Evangelien berichtet wird. { Mt 26:67,68 Mr 14:65 Lu 22:63-65} Diese Beschimpfungen wurden durch die "Diener’ begangen und stellen sehr passend die Tatsache dar, daß der niedrige Verstand sich am Unglück derjenigen erfreut, von welchen er wahrnimmt, daß diese in seine Gewalt gegeben sind. Diese Diener offenbarten denselben Geist wie ihre Meister-die Hohepriester und die Pharisäer-ihre Methoden waren primitiver, weil sie unwissender und gröber waren. Im Gegensatz dazu ist der Geist des Christus, der Geist der Liebe sowohl bei dem sehr Gebildeten als auch bei dem weniger Gebildeten ein Geist der Liebe, der Sanftmut, des Wohlwollens, der Freundlichkeit. An ihren Früchten wird erkannt werden, welche der beiden Gesinnungen vorhanden ist. "Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.’

 

Übersetzt aus dem amerikanischen Zionswachtturm vom 15. Mai 1899 durch Bruder Sven Kruse.

"Er wurde zu den Übertretern gerechnet.’

 

Joh. 19:17-30

 

Die Kreuzigung war die schrecklichste Methode der Hinrichtung in früheren Zeiten für die schlimmsten Verbrechen-seine Härte ist beabsichtigt worden, um die Übeltäter einzuschüchtern und abzuschrecken. Farrar sagt darüber:

 

"Der Tod durch die Kreuzigung scheint alles mit einzuschließen, was der Schmerz und der Tod an schrecklichem und entsetzlichem Schwindel, Krämpfen, Durst, Hunger, Schlaflosigkeit, öffentlicher Schande, lang anhaltender Qual, schrecklicher Erfahrungen, Demütigung und vernachlässigter Wunden haben kann -alles wird derart verstärkt bis zu dem Punkt hin, wo sie ganz und gar alles ertragen können, aber alles endet gerade kurz vor dem Punkt, an welchem dem Leidenden die Erleichterung der Bewußtlosigkeit gegeben werden würde. Solch ein Tod war es, zu welchem Christus verurteilt worden war.’

 

Wie bereits angemerkt, wünschten die neidischen und mörderischen Hohepriester und Gelehrten der damaligen Zeit gerade solch eine öffentliche Verurteilung des großen Lehrers, welcher derart furchtlos ihre Heucheleien und Widersprüchlichkeiten bei dem gewöhnlichen Volk aufdeckt hatte. Sie befürchteten wahrscheinlich, dass er in den Augen der Menge zu einem Märtyrer werden würde, wenn sie ihn zu Tode gesteinigt hätten als einen Gotteslästerer, während sie hofften, dass Jesus, seine Lehren und seine Nachfolger für immer mit Schande versehen werden würden, wenn er als ein Verbrecher öffentlich hingerichtet wird, verurteilt durch den Sanhedrin und hingerichtet durch die höchste bürgerliche Gewalt in der Welt. Wir mögen uns deshalb vorstellen, wie ihre bösen Herzen frohlockten, als sie schließlich Pilatus dazu gezwungen hatten, die Zustimmung zur Hinrichtung von Jesus zu geben.

 

In Übereinstimmung mit Markus Bericht (15:25) wurde die Zustimmung zum Tod von Pilatus um neun Uhr morgens gegeben-die Gerichtsverhandlung von Jesus und Pilatus verschiedenen Versuche, seine Befreiung von seinen Feinden zu sichern, nahm drei Stunden in Anspruch. Sie begannen sofort damit, die zwei Räuber trugen ihre Kreuze, und Jesus trug sein Kreuz, er nahm den Platz des Barabbas ein, welcher hingerichtet werden sollte, aber welcher freigelassen wurde. Es war in früheren Zeit die Gewohnheit, dass die Verurteilten dazu gezwungen wurden, den Gegenstand ihrer eigenen Qual zu tagen. Die Kreuze waren jedoch nicht so groß und schwer, wie sie üblicherweise in modernen Gemälden dargestellt werden. Ganz im Gegenteil dazu steht der Beweis, dass die Füße des Gekreuzigten üblicherweise ca. 30 bis 45 cm über dem Boden waren. Obwohl klein, so bildeten diese Kreuze eine gute Last für einen recht starken Mann; aber unser Herr, nachdem er seine Gethsemane Erfahrungen durchgemacht hatte, sowie die schwere Nacht und die schweren Mißhandlungen später durch Pilatus Soldaten, war krank, erschöpft und geschwächt. Ganz offensichtlich hatten die abgehärteten Soldaten Mitleid mit ihm, und sie zwangen Simon von Kyrene, welchen sie auf dem Wege antrafen, Jesus sein Kreuz zu tragen als Erleichterung für ihn.

 

Wir wissen nichts hinsichtlich Simon, außer dem, was Markus erzählt, dass er der Vater von Alexander und Rufus war, was die Andeutung macht, dass diese, seine zwei Söhne, später zu Nachfolgern von Jesus geworden sind und unter den Jüngern gut bekannt gewesen sind. In jedem Fall erfreute sich Simon eines großen Vorrechtes, um welches Tausende ihn seither beneidet haben. Wie die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes und andere die Furchtsamkeit ihres Herzens bedauert haben werden, welche sie alle auf Abstand hielt und sie daran hinderte, ihre Hilfe dem Meister in seiner prüfenden Stunde anzubieten! Wir wissen, dass Johannes nicht weit entfernt gewesen ist, wahrscheinlich waren die anderen auch nahe dabei; aber welch eine Gelegenheit sie versäumt haben!

 

Und sehr ähnliche Gelegenheiten sind bei uns allen vorhanden-Gelegenheiten, Christus zu dienen-Gelegenheiten, den Gliedern des Leibes Christi zu dienen. Wie jeder, der den Fußstapfen des Meisters nachfolgt, einige Gethsemane Erfahrungen benötigt, so muß auch jeder Einzelne zumindest von allen Erfahrungen des Meisters seinen Teil erfahren. Laßt uns daher nicht vergessen, nach den Gelegenheiten Ausschau zu halten, um den "Geschwistern’ zu dienen, den Geringen, den Gliedern des Leibes des Christus. Laßt jeden von uns darauf achten, dass wir nichts zu den Vorwürfen dazutun, welche auf alle Nachfolger des Lammes kommen, sondern ganz im Gegensatz dazu laßt uns Worte des Mitgefühles aussprechen, und laßt uns übrigens helfen, jeder des anderen Kreuz, Schwierigkeit und Prüfung zu tragen. Auf diese Weise können wir am besten unserem Herrn und Haupt zeigen, wie wir die Gelegenheit wertgeschätzt hätten, ihm dabei zu helfen, sein Kreuz auf dem Weg nach Golgatha zu tragen.

 

Die Stelle der Kreuzigung wurde Golgatha genannt, das hebräische Wort deutet einen Schädel an, und das lateinische Wort für einen Schädel ist Kalvarie. Dieser Name wurde dem Ort, einem Hügel, wahrscheinlich auf Grund seines äußeren Aussehens gegeben, welcher gerade außerhalb von Jerusalem lag, und welcher einem Schädel gleicht, wenn man ihn aus der Entfernung betrachtet. Es war auf dem Weg zu dieser Stelle Golgatha, Kalvarie, dass einige gut gesinnte Frauen in Übereinstimmung mit ihrer allgemeinen Gewohnheit dem Verurteilten säuerlichen Wein gemischt mit bitterer Myrrhe anboten-ein Getränk, welches die Wirkung hat, die Nerven zu betäuben, um auf diese Weise die Qual der Hinrichtung zu verringern. Die zwei Räuber tranken wahrscheinlich von dem Getränk, aber Markus (15:23) erklärt, dass unser Herr dies verweigerte-er hatte gelernt, dass seine Erfahrungen des Herrn Wille waren, und er hätte nichts getan, was ihn daran gehindert hätte, sie in der Fülle zu empfangen.

 

Wahrscheinlich Maria, die Mutter von Jesus; Maria Magdalena; Maria, die Mutter von Jakobus, dem Kleinen, und von Joses; die Mutter von Jakobus und Johannes; und Salome, die Frau des Kleopas { Mt 27:56 Mr 15:60???} und andere von den Freunden von Jesus bekamen zu dieser Zeit Mut und mischten sich unter die Frauen, die den Wein und die Myrrhe anboten, so dass Lukas sagt: "Es folgte ihm aber eine große Menge des Volkes und Frauen, welche auch um ihn wehklagten und weinten. Da wandte sich Jesus zu ihnen um und sagte: Töchter von Jerusalem, weinet nicht um mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder.’ - Lu 23:27,28???

 

Auf diese Weise und mit weiteren Worten berichtet, deutete unser Herr die große Zeit der Trübsal an, welche über das jüdische Volk kam. Durch den Ausdruck: "Denn wenn man dies tut an dem grünen Holze, was wird an dem dürren geschehen?’,{ Mr 23:31???} deutet er an, dass, wenn ihre Anführer solch einer Ungerechtigkeit und Gesetzlosigkeit in der Zeit ihrer Blüte, ihrer Frische und ihrer Kraft zustimmen konnten, denn die Nation war erst fünf Tage zuvor dahingegeben worden, als er ausrief: "Euer Haus wird euch öde gelassen’, was mag in der Zukunft erwartet werden, nachdem ihre Kraft vertrocknet ist und die Nation sich als ein Ganzes für das große "Verbrennen’ an ihrem Tag der Trübsal bereit gemacht hat, welcher vorausgesagt worden war und ihren Staat völlig vernichtet hat. Und wie buchstäblich ist die Prophetie unseres Herrn erfüllt worden: Josephus, ohne den Gedanken daran, dieses Zeugnis zu bestätigen, sagt uns mit aller Deutlichkeit die Einzelheiten von dem schrecklichen Leiden, welches über die Frauen und die Kinder während der großen Zeit der Trübsal kam, welche mit der Zerstörung von Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. endete.

 

Wenn wir über die Prophetie nachdenken: "Er wurde zu den Übertretern gerechnet’ (Jes. 53:12), und dann die schreckliche Hartnäckigkeit betrachten, mit welcher die Anführer danach trachteten, die Hinrichtung des liebreichen Erlösers zu erreichen, so gründet sich hierin für uns ein erneuter Beweis von dem göttlichen Vorherwissen, welche, ohne die freie moralische Ausübung eines jeden Menschen zu beeinflussen, nichtsdestotrotz alle Dinge in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes hinausführt. Wir erkennen erneut, wie Gott den Zorn des Menschen nutzt, um ihn zu preisen und um seine Weisheit und sein Vorherwissen zu bestätigen.

 

Es war die Gewohnheit, vier Soldaten zu haben, welche die Gefangenen zu ihrer Hinrichtung begleiteten; einer ging vor, welcher ein weißes Brett trug, auf welchem das Vergehen geschrieben war, für welches der Gefangene hingerichtet wurde, und welches über seinem Haupt am Kreuz befestigt wurde; dann folgten drei Soldaten mit dem Hammer und den Nägeln usw., und diese alle befanden sich unter dem Befehl eines Anführers oder eines Befehlhabers über hundert Mann, früher Zenturio genannt. Das Brett, welches über Jesus auf dem Kreuz angebracht wurde, erklärte ihn zum König der Juden und war in drei Sprachen geschrieben-in Hebräisch, der Sprache des Landes, in Griechisch, weil es die Sprache der Besucher und der Gebildeten aus allen Richtungen war, und in Lateinisch, weil es die Sprache des Reiches und der Soldaten war. Es gibt einen kleinen Unterschied in den Erklärungen der verschiedenen Evangelisten hinsichtlich der Worte, welche auf diesem Brett benutzt wurden, was durch die Annahme erklärt werden mag, dass die Wörter in den verschiedenen Sprachen ein wenig unterschiedlich gewesen sein mögen, und dass die Evangelisten aus den verschiedenen original Sprachen zitiert haben.

 

Pilatus verstand nur wenig von der großen Wahrheit, welche er der Welt vorsetzte in den Worten: "Jesus von Nazareth, der König der Juden.’ Wenige haben bis jetzt die Wahrheit von dieser Erklärung erkannt, dass Jesus ein König ist; vergleichsweise wenige haben ihm bis jetzt die Treue gehalten, die Knie ihrer Herzen in Aufrichtigkeit und Wahrheit gebeugt: und doch, so gewiß, wie der Herr es ausgesprochen hat, kommt die Zeit, wenn jedes Knie sich beugen und jede Zunge ihn als Herr, Meister und König bekennen wird zur Herrlichkeit Gottes, dem Vater. Und damit dies erreicht werden wird, wird es geschehen, dass, nachdem allen die volle Erkenntnis über diese Angelegenheit gegeben worden sein wird, jeder, der diesem Propheten nicht gehorchen wird, aus der Mitte des Volkes in den zweiten Tod abgeschnitten werden wird. (Apg. 3:23) Er wurde in der Tat verworfen, aber nichtsdestotrotz wird die volle Anzahl der Herauswahl für die zwölf Stämme der wahrhaftigen Israeliter gefunden werden, welche als der Same Abrahams den Messias als König annehmen und ihm treu ergeben sind in dem gegenwärtigen Leben und ihre Leben in seiner Nachfolge und für die Brüder niederlegen, und welche von ihm als Miterben in seinem Königreiche anerkannt werden. Weil es nicht genügend von den natürlichen Israelitern gab, um diese zwölf Stämme der wahrhaftigen Israeliter zu vollenden, vollendet Gott die Anzahl durch die Annahme von solchen, welche aus den Nationen stammen während der vergangenen 18 Jahrhunderten. Schließlich wird die vollständige Anzahl vollendet werden. -Offb. 7:4-8.

 

Die Gelehrten der Theologie der damaligen Zeit waren bereitwillig genug, Jesus als König der Juden zu verurteilen, aber sie waren überhaupt nicht bereitwillig, dass dieser Urteilsspruch öffentlich bekannt gemacht werden sollte, und auf diese Weise zeigten sie, dass sie seinen Anspruch und Einfluß so sehr gefürchtet hatten, dass sie nach seinem Tod trachteten. Pilatus Ablehnung, die Anklage zu ändern, war gerecht; wenn es keine Bedeutung in diesem Anspruch gab, warum sollten sie ihn fürchten, und warum sollte er gekreuzigt werden? Wenn es eine ausreichende Bedeutung in dem Anspruch gab, um seine Kreuzigung herbeizuführen, dann sollte die Angelegenheit sehr deutlich erwähnt werden.

 

Die Aufteilung der Beute war bei jeder Kreuzigung üblich gewesen und gab einen Beweis für die Gleichgültigkeit und Hartherzigkeit der Soldaten in der Anwesenheit der Leiden. Das Gewand teilte sich und bestand aus Kopfschmuck, äußerer Kleidung, Gürtel und Sandalen; das Gewand, welches hier ein "Unterkleid’ genannt wird, war ein unteres Gewand, welches vom Hals bis zu den Füßen reichte. Es war offensichtlich von feiner Qualität und Beschaffenheit, wie es durch die Tatsache angedeutet wird, dass es ohne Naht in einem Stück gewoben worden ist. Das Lose ziehen um dieses Gewand kennzeichnet die Erfüllung von einer Prophetie, auf welche Johannes aufmerksam macht. (Psl. 22:18) Das nahtlose Gewand scheint die Gerechtigkeit von Christus darzustellen, welche nur als ein Ganzes angeeignet werden kann; sie ist ein einziges Stück und kann nicht geteilt werden. Wer immer es sich aneignet, erhält ein überaus kostbares Kleid, und wer immer verfehlt, es zu erhalten, verfehlt die Gerechtigkeit zu erhalten, welche von Gott in Christus ist. Aber nicht durch das Losen oder durch Zufall oder durch Glück kommt dieses Kleid zu des Herrn Volk. Wie die Schriften deutlich hervorheben, wird es nur durch die Ausübung des Glaubens erlangt und nur durch den Gehorsam des Glaubens wird es behalten. Wir möchten es vielleicht als ein Symbol des Hochzeitskleides betrachten, welches nur einer Klasse zugesprochen wird, der kleinen Herde, welche durch Glauben und Ausdauer das Königreich als Glieder des Leibes des Christus ererben, bedeckt durch dieses nahtlose und tadellose Kleid der Gerechtigkeit.

 

Johannes war mutiger geworden als am vorhergehenden Tag, und während unser Herr gekreuzigt wurde, zog es ihn näher zu ihm und er befand sich in einer Reichweite, wo man miteinander sprechen konnte-ganz wahrscheinlich ermutigt durch das Erkennen "der Frau des Kleopas’, von welchem angenommen wird, dass sie miteinander verwandt gewesen sind. Es war eine traurige Versammlung von denjenigen, deren Herzen bedrückt waren und voll Mitgefühl für den Meister, den sie liebten, aber sie waren nicht in der Lage, ihn zu trösten oder ihm eine Erleichterung zu verschaffen. Sie weinten und waren sehr betrübt, während andere ihn verhöhnten und verspotteten, indem sie sagten: "Wenn du der Messias bist, dann komm vom Kreuz herunter’ -ohne Zweifel in der Meinung, dass unseres Herrn Kreuzigung durch seine Feinde der bestmögliche Beweis dafür sei, dass sein Anspruch, der Messias zu sein, ein betrügerischer gewesen sei-beweisend, dass er ein Betrüger gewesen sei.

 

Für die Glieder des Leibes des Christus ist es manchmal ebenfalls wahr, dass der Vater in gleicher Weise Erfahrungen auf sie zukommen zuläßt, welche andeuten möchten, dass sie sich nicht in seiner Gnade befinden und wahrhaftig Betrüger seien. Aber wie die wahren Jünger eine Herzensgemeinschaft mit dem Herrn hatten, welche durch äußere Umstände und Unannehmlichkeiten nicht gebrochen werden konnte, und eine Liebe für ihn, welche der Widersacher nicht abkühlen konnte, so ist dies auch mit seinen "Brüdern’, denjenigen, welche in Herzensharmonie sind, in der Einheit des Geistes, sie werden auch unter den am meisten prüfenden Umständen und Unannehmlichkeiten als treu erfunden, weil sie einen Geist, den Geist der Liebe für die Brüder, haben, durch welchen sie in der Lage sind, sich gegenseitig als Glieder des einen Leibes zu erkennen.

 

Wie sehr gibt uns dies einen Einblick in den mitfühlenden Charakter unseres Herrn, indem wir erkennen, dass er an das Wohlergehen der anderen dachte in einer Zeit, als er selbst durch die Trübsal überwältigt wurde! Sein eigenes Leid hinderte ihn nicht daran, an seine Mutter und an eine Vorkehrung für ihren Trost zu denken, indem er sie der Fürsorge des liebevollen Jünger Johannes übergab. Wir sehen auf diese Weise in dem Meister die Lehre der Schriften veranschaulicht, dass jeder danach trachten sollte, Vorkehrung für diejenigen zu treffen, welche von ihm abhängig sind, und wie der Apostel sagt: "Wenn irgend jemand für die Seinigen und besonders für diejenigen aus seinem eigenen Haus nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger.’ { 1Ti 5:8} "Der Glaube’ schließt die Gedanken der Liebe, des Mitgefühls, des Interesses und der Vorkehrung für andere mit ein, besonders für diejenigen vom Haushalt des Glaubens. Wir bemerken die Wahl des Johannes: Es geschah ohne Zweifel zuallererst wegen seines ausgesprochen liebevollen Charakters; zweitens wegen seinem Eifer für den Herrn und die Wahrheit, und drittens, wegen seinem Mut, in der Nähe zum sterbenden Meister in seinen letzten Stunden zu sein, selbst unter der Gefahr des eigenen Lebens. Laßt uns diese Charaktermerkmale als solche erkennen, welche der Herr empfiehlt, damit wir sie in uns selbst hervorbringen möchten, und damit sie uns besondere Gelegenheiten in der Nachfolge desselben Meisters sichern.

 

Es war am Ende von den Leiden unseres Herrn, dass er sagte: "Mich dürstet’, und dies gab die Gelegenheit zur Erfüllung der Prophetie, welche erklärt: "Sie gaben mir Essig zu trinken.’ (Psl. 69:21) Dies war nicht der gewöhnliche Essig, sondern mehr richtiger saurer Wein, der übliche, billige Wein der Soldaten. Der Schwamm wurde mit dem sauren Wein gefüllt und wurde an den Mund unseres Herrn gereicht an einem Ysop Zweig, um seine Lippen und seine Zunge anzufeuchten, und war ganz offensichtlich als eine Tat der Freundlichkeit, der Barmherzigkeit, beabsichtigt.

 

Die verschiedenen Berichte geben zusammen das wieder, was als "die sieben Worte am Kreuz’ bekannt ist.

 

Der erste Wort vom Kreuz ist: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.’ { Lu 23:34} Während diese Worte ohne Zweifel wahrhaftig unseres Herrn Gedanken hinsichtlich seiner Feinde darstellen, ist es nichtsdestotrotz richtig an dieser Stelle anzumerken, dass die älteste griechische Übersetzung MSS diese Worte nicht enthält.

 

Das zweite Wort vom Kreuz ist: "Wahrlich, ich sage dir heute, du wirst mit mir im Paradies sein.’ - Lu 23:43???. (Neue-Welt-Übersetzung)

 

Das dritte Wort vom Kreuz ist: "Frau, siehe dein Sohn!...Siehe, deine Mutter!’

 

Das vierte Wort vom Kreuz ist: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?’ { Mr 15:34} Von diesem Ausdruck hat ein bedeutender Theologe gesagt: "Es gibt in der Bibel keinen anderen Satz, der so schwierig zu erklären ist.’ Dennoch ist die Bedeutung von diesem und der Grund dafür sehr leicht zu erkennen, wenn wir nur die richtige Ansicht von dem Lösegeld haben. Von diesem Standpunkt aus erkennen wir, dass der Logos ein Mensch wurde, "er ward Fleisch’, damit er durch die Gnade Gottes für jeden Menschen den Tod erlitt. { Heb 2:9} Wir erkennen auch, dass die Todesstrafe über Vater Adam die Erfahrung war, welche Jesus machen mußte, um eine Genugtuung für die Gerechtigkeit und die Befreiung von Adam und derjenigen zu erreichen, welche unter die Verurteilung in und durch Adam kamen. Wie die Strafe gegen Adam der Tod in dem vollsten und völligsten Sinne war, so starb Christus für unsere Sünden, und er litt als der Gerechte für den Ungerechten, damit er uns von der Todesstrafe befreien möchte und eine Auferstehung aus dem Tode möglich mache. Wie die Strafe gegen Adam seine Abgeschiedenheit von dem Vater als ein verurteilter Aufrührer beinhaltete, so war es notwendig, dass unser Herr Jesus, indem er die Stellung von Adam einnahm, die volle Bedeutung von der Abgeschiedenheit des Sünders von Gott (wenn auch nur für einen kurzen Augenblick) erfahren mußte.

 

In seiner großen Barmherzigkeit ließ der Vater es nicht zu, dass dieser Zug von Adams Strafe auf unserem Erlöser den ganzen Zeitabschnitt von seinem Opfer hindurch lag, sondern nur an seinem schließlichen Ende. Es war die Tatsache von seiner Gemeinschaft mit dem Vater, welche es Jesus gestattete, durch all die prüfenden Erfahrungen dieses Tages und der vorhergehenden Nacht mit solch großem Mut hindurchzugehen, aber jetzt, nachdem des Vaters erhaltende Gnade und Gemeinschaft des Geistes mit ihm zurückgezogen worden war, und unser Erlöser mit allen seinen vollkommenen Empfindungen völlig das Fehlen des Trostes seines liebreichsten Freundes bemerkte, führte dies sein gebrochenes Herz dazu, diese Worte des Schmerzes aufzurufen. Ganz offensichtlich war es ihm bis zu diesem Zeitpunkt verborgen gewesen, dass er diesen Zustand von der Bestrafung für Adams Übertretung erleiden mußte.

 

Das fünfte Wort am Kreuz: "Mich dürstet’, haben wir bereits betrachtet.

 

Das sechste Wort am Kreuz: "Es ist vollbracht’, deutet uns an, dass unseres Herrn irdische Tätigkeit vollendet worden ist. Er kam, um zu sterben, das zum Tode verurteilte Geschlecht von Adam zu erlösen, es mit seinem eigenen kostbaren Blut zu erkaufen, seinem Leben. Er hatte sich selbst zu diesem Werk geweiht in Harmonie mit des Vaters Plan und mit seinem sterbenden Atem ausatmend konnte er sagen, dass er das Werk vollendet hatte, welches der Vater ihm zur Hinausführung gegeben hatte. Wie sehr es uns erfreut zu wissen, dass unser liebreicher Erlöser das Werk vollendet hat, dass er denjenigen den Spott nicht übel nahm, welche sagten: "Wenn du der Messias bist, komme vom Kreuz herunter’," Rette dich selbst.’ Wir erfreuen uns daran, dass, weil das große Opfer vollendet worden ist (und besonders angesichts der Tatsache, dass der Himmlische Vater anschließend erklärte, dass es annehmbar vollendet worden ist) wir erkennen können, dass es deshalb jetzt keine Verurteilung mehr gegen diejenigen gibt, welche in Christus Jesus sind. -Röm. 8:1.

 

Aber obwohl das Sündopfer vor 18 Jahrhunderten vollendet worden ist durch das Opfer von unserem Herrn, dem Lamm Gottes, gibt es einen anderen Teil, welcher bis jetzt noch nicht vollendet ist; aber in Harmonie mit dem göttlichen Plan wartet unser Herr auf die Herauswahl, welche ist sein Leib, um "zu erfüllen, was noch übriggeblieben ist von den Drangsalen des Christus.’ (Kol. 1:24) Und wenn wir uns umschauen in dem Lichte des Wortes Gottes, möchten wir sagen, dass sein Werk ebenfalls nahezu vollendet ist. Sehr bald wird das letzte Glied des Leibes des Christus mit dem Haupt um der Gerechtigkeit willen gelitten haben: dann wird das gesamte Werk der Opfer, welches für dieses Evangeliumszeitalter oder dem Tag der Versöhnung bestimmt worden war, vollendet sein, und das Millenniumszeitalter der Herrlichkeit und der Segnung, herrschend und aufrichtend, wird beginnen; es wird die große Segnung für die Welt der Menschheit herbeiführen, den Loskaufpreis, welcher auf Golgatha vollendet worden ist. Laßt uns ein jeder, geliebte Nachfolger in des Meisters Fußstapfen, geduldig und ausharrend auf dem Weg der Selbstverleugnung bleiben bis der Lauf vollendet sein wird-bis der Meister sagen wird, es ist genug: "Wohl getan, du guter und treuer Knecht. Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn.’ - Mt 25:21???

 

Das siebente Wort vom Kreuz ist: "Vater, in deine Hände überantworte ich meinen Geist.’ { Lu 23:46} Diese letzten Worte unseres Herrn waren ein Zitat aus den Schriften (Psl. 31:5) In anderen Worten, es ist bereits von ihm erklärt worden, dass er auf diese Weise sich selbst des Vaters Gnade und Wahrheit überantwortete. Unser Herr beendete das Niederlegen seines menschlichen Lebens als ein Lösegeld für viele Sünder, aber der Vater hatte ihm ein neues Leben auf einer höheren Stufe verheißen als eine Belohnung für seinen Glauben, seine Treue und sein Opfer. Dies neue Leben oder das Leben als eine "Neue Schöpfung’ wurde als zu der Zeit von des Herrn Taufe beginnend gerechnet, als er den Heiligen Geist empfing; dieses neue Leben war als fortwährend und als wachsend angesehen worden während der Jahre der Aufopferung seines irdischen Lebens, während er tagtäglich gemäß dem Fleische starb; der äußere Mensch wurde zerstört, aber die innere Neue Schöpfung wurde Tag für Tag gestärkt. Jetzt war der äußere Mensch dabei, vollständig aufzuhören-vollständig dahingegeben zu werden, das Opfer wurde vollendet.

 

Unseres Herrn Interesse an und Hoffnung auf ein zukünftiges Leben freute sich in Harmonie mit des Vaters Verheißung auf das neue Leben nach der Auferstehung; die neue Gesinnung oder der neue Geist wurde in dem Augenblick seiner Taufe und Weihung als beginnend angesehen und hatte die göttliche Verheißung, in einer Auferstehung einen vollkommenen geistigen Leib zu bekommen, welcher für und in Harmonie mit der neuen Gesinnung, dem neuen Willen, passend sein wird.

 

Aber dieser Wechsel konnte nicht sofort stattfinden; das göttliche Gesetz hatte es angeordnet, dass er nicht vor dem dritten Tag als eine Neue Schöpfung in einem geistigen Leib auferweckt werden konnte. Er mußte dies durch Glauben hinnehmen; niemand war jemals zuvor diesen Weg gegangen: aber mit vollem Vertrauen schaute unser liebreicher Erlöser auf den Vater und erklärte voll von Glauben, dass er alles an Leben und alle diese gesegneten Hoffnungen für die Zukunft in des Vaters Liebe und des Vaters Macht überantworte-damit alles in Harmonie mit des Vaters Plan und Wort hinausgeführt wird. Und so müssen wir uns, als die Nachfolger in unseres Herrn Fußstapfen, im Glauben freuen und in unserer Todesstunde alle unsere Interessen ihm überlassen, welcher seine Liebe für uns darin geoffenbart hat, dass er uns nicht nur die Gabe von seinem Sohn gegeben hat als unserem Erlöser, sondern dass er uns auch unseren ganzen Lauf hindurch in seiner göttlichen Vorsehung erhalten hat durch die überaus großen und kostbaren Verheißungen, welche vor uns liegen und uns umgeben und uns Kraft, Trost und Hilfe geben.

 

Übersetzt aus dem amerikanischen Zionswachtturm vom 15. Mai 1899 durch Bruder Sven Kruse.

"Nun ist Christus auferstanden von den Toten.’

 

Joh. 20:11-20; 1. Kor. 15:20

 

Unter der göttlichen Aufsicht sind uns die genauesten Beweise für den Tod von Jesus gegeben worden-obgleich die Jünger und Freunde keine besondere Notwendigkeit dafür sahen, und in der Tat alle solche Beweise von seinem Tod als viele Widersprüche in ihren Hoffnungen und als viele Beweise für ihre Enttäuschung betrachtet hätten. Aber der Tod von Christus war ein überaus wichtiges Ereignis, und daher war es notwendig, dass vom göttlichen Standpunkt aus die entsprechenden Beweise über jeden Zweifel erhaben sind.

 

Laßt uns einige dieser Beweise anmerken:

 

1. Seine Seite wurde mit einem Speer durchbohrt, und aus der Wunde    floß Blut und Wasser-ein eindeutiger Beweise dafür, dass der    Tod, die Auflösung, stattgefunden hat. - Joh 19:34,35???.

 

2. Der Hauptmann, welcher Zenturio genannt wurde und die    Verantwortung von der Hinrichtung gehabt hat, war ohne Zweifel ein    Mann mit großer Erfahrung in solchen Angelegenheiten, und der    Bericht sagt, dass er von unseres Herrn Tod überzeugt war und dies    dem Pilatus, dem obersten Befehlshaber, mitgeteilt hat. - Mr    15:39,44,45???

 

3. Der Leichnam wurde in Josephs neuem Grab gelegt, welches keine    anderen Leichname enthielt, und daher konnte es keine Frage geben    hinsichtlich des Leibes von Christus und seinem Begräbnis.

 

4. Die Hohepriester, welche sehr darum bestrebt waren, jede    Ausbreitung der Lehre von Jesus zu vermeiden, erinnerten sich an    seine Worte hinsichtlich seiner Auferstehung; und während sie kein    Vertrauen in die Angelegenheit hatten und davon ausgingen, dass    die Jünger genauso betrügerisch wären wie sie selbst, vermuteten    sie, dass die Jünger versuchen würden, den Leichnam zu stehlen und    zu behaupten, die Auferstehung ihres Meisters habe in Harmonie mit    seinen früheren Erklärungen stattgefunden. Als eine    Vorsichtsmaßnahme dagegen baten sie Pilatus, das Grab zu sichern    und eine Wache der römischen Soldaten dort aufzustellen; aber    Pilatus weigerte sich, öffentlich in dieser Angelegenheit zu    handeln, nichtsdestotrotz gab er ihnen, wie es wahrscheinlich    üblich gewesen ist, das Vorrecht, einige der Soldaten als Wachen    auszuleihen-ziemlich gleich, als wenn heute jemand einen    Polizisten einstellen und bezahlen kann für einen besonderen    Dienst als Wachmann: auf diese Weise stellten die Pharisäer die    Wache auf und sicherten den Stein und hatten die volle Kenntnis    von der Auferstehung von Jesus. - Mt 27:62-66???

 

5. Die Freunde von Jesus waren von seinem Tod völlig überzeugt,    sie wickelten seinen Leib in leinerne Tücher mit    Spezereien. { Joh 19:40} Ganz offensichtlich wurde seine    Erklärung, dass er von dem Tode am dritten Tag auferstehen wird,    von seinen Nachfolgern nicht verstanden bis zu dem Zeitpunkt,    nachdem er auferstanden war. Ihr Verstand war auf die Verheißung    von dem Königreich ausgerichtet; sie waren über seine    Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung verwundert, und es    erscheint, als ob sie für diese Zeit viele seiner köstlichen Worte    vergessen hätten. Wir werden in der Tat daran erinnert, dass die    Lehren unseres Herrn meistens völlig in Gleichnissen und dunklen    Reden gewesen sind, und dass sie seinen Hinweis auf eine    Auferstehung falsch verstanden haben mögen. { Mr 4:13} Nach    seiner Auferstehung erinnerten sie sich an seine Worte, und dies    ganz besonders nach Pfingsten-nachdem sie den Heiligen Geist    empfangen hatten, welcher in Übereinstimmung mit der Verheißung    ihnen die Dinge in Erinnerung brachte, welche er zu ihnen    gesprochen hatte, während er bei ihnen gewesen war. - Joh    14:26???

 

Wenn es gut war, dass die Tatsachen hinsichtlich unseres Herrn Tod sehr deutlich als ein Teil des Evangeliums dargelegt wurden, so ist es auch gut, dass alle von des Herrn Volk eine völlige Erkenntnis von der Tatsache seines Todes haben möchten, sowie von der Notwendigkeit seines Todes, seinem Wert als Ausgleich oder als der entsprechende Preis für die Erlösung von Adam und indirekt von der Erlösung aller derjenigen, welche in Adam waren, als die Verurteilung zum Tode auf ihn kam-alle sind durch das eine Opfer erlöst worden, welches in der Zukunft für alle angewendet werden wird. Es ist merkwürdig, aber sehr viele sogenannte Christen sprechen von unseres Herrn Tod und von seiner Auferstehung, aber trotzdem glauben sie nicht daran. Zu glauben, dass unser Herr aus dem Tode am dritten Tag auferstanden ist, bedeutet zu glauben, dass er tot war von der Zeit seiner Kreuzigung an am Freitag nachmittag bis zu der Zeit von seiner Wiederbelebung oder Auferstehung am frühen Sonntag morgen, den ersten Tag der Woche. Und wenn er "tot war’( Offb. 2:8) in jenem Zeitabschnitt (den Teilen der drei Tage) und nicht aus dem Tode auferweckt worden ist vor dem Morgen des dritten Tages, so bedeutet dies, dass unser Herr Jesus nicht in irgendeiner Weise lebendig gewesen ist während jener Zwischenzeit, eines Zeitabschnittes von mehr als 38 Stunden. Es scheint sonderbar, dass es notwendig ist, einen Punkt zu betonen, der so nachdrücklich und wiederholt in den Schriften dargelegt ist. Die Notwendigkeit ist eine zweifache:

 

1. Auf Grund einer falschen und nicht schriftgemäßen Theorie, an    welcher viele von den sogenannten Christen festhalten, dass es    keine solche Sache wie den Tod gibt-sie behaupten, dass das, was    als der Tod erscheint, lediglich eine Verwandlung sei hin zu einem    größeren Ausmaß von Leben-dass das wirkliche Wesen nicht sterben    könne und dass lediglich der Leib sterbe, und dass so unser Herr    Jesus nicht für unsere Sünden starb, sondern lediglich eine    äußere Hülle des Fleisches abgelegt habe.

 

2. Es ist für den Glauben des wahren Christen wichtig, dass die    Tatsache von dem Tod unseres Herrn nicht nur vollständig bewiesen    ist durch die Erklärungen der Schriften, sondern dass des Christen    Glauben daran vollständig und durch und durch fest gegründet ist;    weil nur diejenigen, welche erkennen, dass unseres Herrn Tod für    eine Zeitlang eine Auslöschung seines Wesen bedeutete, erkennen    können, wie sein Tod die Bezahlung von Vater Adams Strafe war.    Vater Adams Strafe war der Tod, die Auslöschung, und diese Strafe    kam durch die Vererbung auf alle seine Nachkommen: "Christus    starb für unsere Sünden’ -Er erlitt die Todesstrafe für Vater    Adam (und außerdem für alle diejenigen, welche durch Adams    Übertretung unter die Verurteilung zum Tode gekommen sind).

 

Auch sollte es nicht so verstanden werden, als ob die Strafe über Vater Adam eine Auslöschung des Lebens für lediglich 38 Stunden gewesen sei: es war eine fortwährende, ewigwährende Auslöschung des Lebens und aller jener Vorrechte des Lebens, welche er von seinem Schöpfer erhalten hatte. Unseres Herrn Opfer-der Tod des Menschen Christus Jesus-war auch ein ewigwährender Tod, ein Tod, welcher vollständig die Strafe über Vater Adam ausglich, und weil der Mensch Jesus zum Vertreter von Adam wurde, kann der Mensch Jesus nie wieder zurückgegeben werden; denn als der Vertreter für den Menschen nahm "der Mensch Christus Jesus’ die ganze Strafe von Adams Übertretung auf sich und trug sie bis zum vollständigen Todesfluch, welcher auf Adam ruhte und indirekt auf seinem Geschlecht. Daher begreift der Glaube ganz fest den Gedanken, dass unser Herr Jesus des Menschen Loskaufpreis nicht zurück erhalten hat- er erhielt das Opfer für Sünden, die menschliche Natur, nicht zurück-in seiner Auferstehung.

 

Damit er dies darbringen konnte, das einzig wahre und annehmbare Lösegeld für den Menschen, verließ unser Herr die Herrlichkeit, welche er bei dem Vater hatte, er verließ seine höhere Natur und "ward Fleisch’," auf dass er durch Gottes Gnade den Tod erlitt für jeden Menschen.’ { Joh 1:14 Heb 2:9} Wenn er in der Lage gewesen wäre, des Menschen Strafe dadurch zu zahlen, dass er 38 Stunden lang tot gewesen ist, dann hätte der Mensch seine eigene Strafe bezahlen können, indem er für 38 Stunden lang tot gewesen wäre, und es hätte keine Notwendigkeit für ein Sündopfer gegeben, einem Loskaufpreis, welcher bezahlt werden mußte. Dann hätte Adam in der Tat seine Strafe mehr als tausendmal selbst bezahlt. Aber weil die Strafe der Tod war in dem höchsten Sinne und nicht in der Zeit begrenzt war, so war es notwendig, dass ein Lösegeld für Adam bezahlt wurde, ohne welches die Strafe niemals eine Wiederherstellung von Leben an Adam zugelassen hätte-dass ein anderes Leben für das Leben von Adam eintrat und es vertreten hat-dass ein anderes Leben, ein vollkommener Mensch, sterben mußte und für immer tot bleiben muß, damit Adam und das in ihm verurteilte Geschlecht von dem Tode durch eine Auferstehung befreit werden kann.

 

Es war genau dies Werk, welches in Harmonie mit dem göttlichen Plan durch den Menschen Christus Jesus vollendet worden ist in seinem Tod; und in Übereinstimmung mit der göttlichen Verheißung wird dieses Lösegeld, dieses Opfer, niemals seine Wirkung verlieren, es wird niemals zurückgegeben werden: und infolgedessen haben alle diejenigen, welche dem Verdienst des großen Versöhnungsopfers vertrauen, die volle Zuversicht, dass es eine Auferstehung der Toten (Menschen) geben wird, sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten; weil der Gerechtigkeit der volle Preis bezahlt worden ist, und weil Gott durch das Evangelium von Christus verheißen hat, dass es eine Gelegenheit zur Rückkehr in das ewige Leben geben wird, welche Gelegenheit jedem Glied von Adams Geschlecht schließlich angeboten werden wird. - _ 1Ti 2:6???

 

Angesichts dieser Tatsachen, wie und warum sprechen wir von der Auferstehung von Jesus als unbedingt erforderlich für des Menschen Errettung? Wir antworten, dass weder wir noch die Schriften von der Auferstehung von Christus Jesus als ein Mensch sprechen. Wie sein Kommen zu unserem niedrigen Zustand der Menschheit lediglich zu dem Zweck geschah, unser Lösegeld zu werden, und wie das Zurückbringen dieses einen Menschen Christus Jesus durch eine Auferstehung das ganze Werk der Erlösung zunichte machen würde, so ist es völlig unvernünftig von unseres Herrn Auferstehung als einer Auferstehung zu menschlicher Natur zu denken.

 

Ganz im Gegensatz dazu zeigen alle Beweise der Schriften, richtig und sorgfältig in unserem Verständnis geordnet, sehr eindeutig, dass unser Herr als ein Geistwesen auferweckt worden ist-nicht nur höher als der Mensch, sondern auch höher als die Engel, Erzengel, Fürstentümer und Gewalten, als ein Teilhaber an der göttlichen Natur. Als solcher war er in der Tat eine "Neue Schöpfung’, und dies deutet überhaupt in keinster Weise oder in irgendeinem Sinne des Wortes an, dass er unseren Loskaufpreis zurückerhalten habe. Die Schriften erklären, dass er "getötet wurde nach dem Fleische, aber lebendig gemacht wurde nach dem Geiste’ -als ein Geistwesen: und der Apostel Paulus erklärt, dass die Auferstehung unseres Herrn ein Vorbild oder Beispiel für die Auferstehung der Herauswahl ist, welche sein Leib ist. (Röm. 6:5) Er erklärte, dass wir mit ihm die Erste (Haupt) Auferstehung bilden werden; und dann erklärt er unsere Auferstehung, und deshalb muß jene Erklärung genau die gleiche Erklärung für die Auferstehung unseres Herrn sein, denn er ist das Haupt, der Erstgeborene aus dem Tode unter vielen Brüdern: und die Erfahrung von den "Brüdern’ in der Auferstehung wird lediglich eine Abbildung von der Erfahrung von ihrem Herrn sein. Mit diesem im Gedächtnis laßt uns des Apostels Erklärung hinsichtlich der Ersten Auferstehung und seiner Wirksamkeit für die Herauswahl betrachten und zuversichtlich sein, dass dieselbe Schilderung wenigstens in allgemeinen Zügen auf die Auferstehung unseres Herrn anwendbar ist. Er sagt: "Ebenso ist die Auferstehung aus den Toten: Es wird gesät in Verwesung, es wird auferweckt in Unverweslichkeit; es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft; es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib.’ -1. Kor. 15:42-44; Phil. 3:10,11.

 

Von diesem Standpunkt aus und von keinem anderen aus können die Tatsachen, welche in den Schriften hinsichtlich der Auferstehung unseres Herrn erzählt werden, miteinander in Harmonie gebracht werden und in Harmonie mit dem Grund, aus welchem er in die Welt gekommen ist und den Tod erlitten hat.

 

Unseres Herrn Auferstehung war eine unmittelbare Gabe von dem Vater und nichts, was unser Erlöser noch irgendwie aus einem früheren Leben besessen hätte: es war die Wieder-Erschaffung auf einer höheren Stufe des Lebens. Als er die Herrlichkeit seines geistigen Zustandes verließ und der Mensch Jesus wurde, hatte er ein Recht auf Leben unter dem göttlichen Gesetz, weil er immer die Bedingungen zum Leben erfüllt hatte. In Harmonie damit versichern uns die Schriften, dass seine Erniedrigung von einer höheren Natur zu der menschlichen Natur keine Bestrafung war, sondern sein eigener Wille; nicht im Gehorsam gegenüber einem Befehl des Vaters, sondern in Gehorsam dem Willen des Vaters gegeben. Als ein Mensch hatte er das Recht auf Leben, weil das göttliche Gesetz das Leben allen denjenigen garantiert, welche gehorsam ihm gegenüber sind; daher war sein menschliches Leben in keinem Sinne des Wortes verwirkt. Ganz im Gegenteil, er gab es, er opferte es, er legte es nieder in Harmonie mit des Vaters Plan als des Menschen Loskaufpreis. Aber an dieser Stelle verlor er alle Rechte auf Leben: das war das Besondere, was er niederlegte um der Menschen willen. Und als er seine Rechte auf Leben um der Menschen willen niedergelegt hatte, blieben ihm keine solche Rechte mehr übrig und infolgedessen konnte er aus dieser Quelle kein Recht auf ein zukünftiges Leben durch eine Auferstehung haben-er hatte seine Rechte für Adam und sein Geschlecht dahingegeben.

 

Aber während die vollkommenen menschlichen Rechte unseres Herrn aufgeopfert worden waren und in die Hände der Gerechtigkeit gelegt worden sind als Adams Lösegeld, waren die Macht und die Gerechtigkeit des Himmlischen Vaters in keinem Sinne des Wortes daran gehindert, unseren Herrn auf einer höheren Stufe wiederzuerschaffen. Die Gerechtigkeit verweigerte mit Recht die Auferstehung von Jesus als einen Menschen, aber sie hatte keinen Grund, die Auferstehung als eine Neue Schöpfung zu verweigern-einer höheren Natur als alle anderen Schöpfungen von Gott-der göttlichen Natur. Und dies ist es, was der Apostel uns sagt, was sich ereignet hat; nachdem er die Demut unseres Herrn und seinen Gehorsam dem Vater gegenüber bis zum Tode beschrieben hat, selbst bis zum Tod am Kreuz, erklärt der Apostel: "Darum hat Gott ihn auch hoch erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf dass in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters.’ - Php 2:9-11???.

 

Während es bis jetzt noch nicht erschienen ist, was wir sein werden, wenn wir verwandelt werden zu einem Anteil an der Ersten Auferstehung zu derselben göttlichen Natur und während es uns infolgedessen bis jetzt noch nicht deutlich ist, wie unser Herr in seiner hohen Erhöhung ist, so können wir nichtsdestotrotz die Tatsache erkennen, dass es unter allen denjenigen, welche mit der Bezeichnung von Söhnen Gottes auf den verschiedenen Stufen und Naturen geehrt werden, ein Erkennen der jeweiligen Identität geben wird. Auf diese Weise zum Beispiel konnte unser Herr aus seiner vormenschlichen Existenz als der Michael, dem Logos, auf eine niedrigere Stufe, dem Menschen, verwandelt werden, und dennoch eine gute Kenntnis seiner früheren Erfahrungen behalten, und er tat dies, wie die Schriften erzählen. { Joh 8:58 17:5,24} Und in gleicher Weise war es dem vollkommenen Menschen Jesus, dem Abbild Gottes im Fleisch, möglich, dass, nach seiner Erhöhung zu einem noch größeren Abbild Gottes in der göttlichen Natur, zu dem "genauen Ebenbild von des Vaters Person’, seine Identität vollständig dieselbe geblieben ist. Die Schriften erklären eindeutig, dass die Erfahrungen unseres Herrn als ein Mensch und die Lektionen des Ausharrens, des Gehorsams und des Mitgefühles, welche er damals lernte, ihm jetzt noch gegenwärtig sind, obwohl er nicht mehr Fleisch, sondern ein Geistwesen der höchsten Rangordnung ist. Nur von diesem Standpunkt aus können wir die verschiedenen Tatsachen richtig wertschätzen, welche in dieser Lektion dargestellt sind.

 

Der Frauen Liebe und Güte, der besondere Charakterzug dieses Geschlechtes, der sie beliebt macht, werden in dieser Lektion gut dargestellt-in dem Kommen von den weiblichen Freunden von Jesus "sehr früh am Morgen’," als es noch finster war’, am "Tagesanbruch’. Sie kamen mit keinem Gedanken an des Herrn Auferstehung, sondern um seinen Körper einzubalsamieren, was nun besser hinausgeführt werden konnte als an dem Abend seines Begräbnisses, als sie keine Zeit und keine Gelegenheit dazu gehabt hatten. Sie waren daran gehindert worden, am vorherigen Tag zu kommen, weil es der jüdische Sabbath gewesen war (der Tag, welcher heute als Samstag bekannt ist), der siebente Tag der Woche. Es scheint nicht so, als ob sie alle zusammen kamen, sondern eher so, als ob Maria Magdalena die erste war, die dort ankam; aber vor ihrer Ankunft hatte es ein Erdbeben gegeben, die Wächter waren erschrocken und flohen zu den Hohepriestern. { Mt 28:2,11-15} Marias Verwirrtheit hinsichtlich der Ereignisse in Verbindung mit der Kreuzigung wurde ganz offensichtlich dadurch, dass sie den Stein von dem Grab hinweggerollt fand, noch verstärkt und erfüllt mit dem Gedanken, dass des Herrn Feinde ihn immer noch verfolgten und seinen Leib hinweggenommen hatten, rannte sie mit Eile zu Petrus und Johannes, um ihnen die Angelegenheit mitzuteilen, sagend: "Sie haben den Herrn aus dem Grab hinweggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.’ In der Zwischenzeit kamen die anderen Frauen dort an und sahen den Engel, welcher ihnen erklärte, dass Jesus auferweckt worden war, wie er es vorausgesagt hatte, und sie kehrten auch in die Stadt zurück, um es den Jüngern zu berichten. - Lu 24:2-10???.

 

Petrus und Johannes wurden durch die Erzählung von Maria sofort interessiert und eilten zum Grab; Johannes, der jüngere und schnellere, kam dort zuerst an, schaute hinein und sah den Platz leer und die leinernen Tücher liegen; aber Petrus, der voll Eifer war, kam an und war der Erste, der in das Grab hineinging. Jetzt begannen sie, an die Worte zu denken, welche unser Herr gesprochen hatte hinsichtlich seiner Auferstehung am dritten Tage, und Johannes sagt uns von sich selbst, dass er, als er diese Beweise schaute, "glaubte’ -trotzdem zweifelsfrei im Anfang mit viel Verwirrung in den Gedanken. Die zwei Jünger kehrten nach Hause zurück, aber Maria blieb am Grab, und als sie hineinschaute, sah sie etwas, was Petrus und Johannes nicht gesehen hatten-zwei Engel. Sie sind ohne Zweifel dort gewesen, als Petrus und Johannes in das Grab hineingegangen waren, aber wie wir bisher aus dem Zeugnis der Schrift gesehen haben, sind Engel dem Angesicht der Menschen unsichtbar, außer wenn ein Wunder vollbracht wird. Solch ein Wunder wurde in diesem Fall vollbracht, und die zwei Engel nahmen menschliche Form an mit weißen Kleidern und fragten Maria, warum sie weine. Während sie ihnen erzählte, dass sie aus dem Grund weine, weil jemand den Leichnam des Herrn hinweggenommen habe, hörte sie einen Schritt in der Nähe von ihr, und als sie sich umdrehte, sah sie jemanden, von welchem sie annahm, dass er der Gärtner sei, der Erhalter von Josephs Garten, in welchem dieses Grab war. Sie erkannte ihn nicht als den Herrn, aber sie fragte ihn, ob er den Leib weggetragen habe, um ihr zu sagen wohin, damit sie ihn übernehme könne-ihr Gedanke schien zu sein, dass Joseph nicht mehr bereitwillig gewesen sei, sein Grab länger zur Verfügung zu stellen und aus diesem Grund angeordnet hatte, dass der Leib unseres Herrn hinweggetragen werden sollte und dass der Gärtner vielleicht an dieser Angelegenheit beteiligt gewesen war.

 

Es wird in diesem Fall und in den verschiedenen Fällen von unseres Herrn Erscheinungen nach seiner Auferstehung bemerkt werden, dass ihn seine am meisten nahestehenden und liebsten Freunde nicht erkannten. Er erschien in verschiedenen Formen und unter verschiedenen Umständen. Er sprach zu ihn nur kurz bei jeder Gelegenheit, und er wurde während der vierzig Tage seiner Anwesenheit von der Zeit seiner Auferstehung an bis zu der Zeit seiner Auffahrt nur einige wenige Male von seinen Jüngern gesehen, und alle seine Gespräche zusammen dauerten wahrscheinlich nicht länger als eine Stunde. Diese Erscheinungen waren nichtsdestotrotz für den Zweck, um ihnen wichtige Lektionen zu lehren. 1) Sie erkannten die Tatsache, dass er nicht mehr länger tot war, sondern lebendig. 2) Er war nicht mehr länger der Mensch Jesus und den menschlichen Begrenzungen unterworfen, wie in der Zeit vor seiner Kreuzigung, sondern in derselben liebevollen Einstellung und denselben liebevollen Charakterzügen war er jetzt eine "Neue Schöpfung’ und nicht den irdischen Bedingungen und Einschränkungen unterworfen-er war, wie die Engel, in der Lage, zu erscheinen und wieder zu verschwinden, zu kommen und zu gehen wie der Wind, wie er selbst erklärt hatte, dass alle diejenigen, welche in der Auferstehung als "ein Geistwesen geboren’ werden, dies vollbringen können. - Joh 3:8???.

 

Angesichts dieser Tatsache sind wir nicht überrascht darüber, dass Maria den Herrn nicht erkannte, bis er sich selbst offenbarte durch das Aussprechen ihres Namens in einer sehr bekannten Art und Weise. Wie schnell überwand danach ihre Glaube jenes Wunder. Mit dem Gefühl einer Frau hielt sie sich nicht damit auf zu fragen, warum es keine Merkmale der Nägel in seinen Händen und seinen Füßen gab, sondern rief: "Meister’, und sie umklammerte ihn bei den Füßen mit einer Ergebenheit, die meint: "Jetzt, da ich dich wiedergefunden habe, werde ich dich nicht gehen lassen!’ Ihre Liebe, ihre Ergebenheit, ihr Ausharren verschaffte der Maria die große Ehre, die Erste zu sein, welcher sich der Herr selbst offenbarte nach seiner Auferstehung. Ihr war viel vergeben worden, und sie liebte sehr, und unser Herr offenbarte seine Wertschätzung für ihre Ergebenheit. Nichtsdestotrotz mußte er ihr sagen, dass sie ein großes Vorrecht und eine große Pflicht vernachlässige, denn unter der göttlichen Vorkehrung ist es ihr zugefallen, die Erste zu sein, durch welche den Jüngern ganz gewiß bekannt gemacht wird, dass der Herr wieder lebendig ist. Anstatt den Herrn an den Füßen festzuhalten und daran zu denken, ihn nie wieder zu verlassen, sollte sie sich lieber darüber freuen, zu einem Diener sowohl für den Herrn als auch für die Jünger zu werden und die guten Botschaften zu überbringen.

 

Und dies ist es im wesentlichen, was unser Herr ihr sagte. Unsere gewöhnliche Übersetzung: "Rühre mich nicht an’ ist falsch: die Stelle sollte mehr so wiedergegeben werden: "Klammere dich nicht an mir fest (siehe die "Kleine Jerusalemer Bibelübersetzung’ und die Übersetzung des "Neuen Testaments’ von Otto Karrer), sondern gehe zu meinen Brüdern und sage ihnen, dass ich noch nicht zu meinem Vater aufgefahren bin, sondern dass ich zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott hinauffahren werde. Verkündige ihnen die Tatsache von meiner Auferstehung, und dass ich mit ihnen sein werde eine Zeitlang bis ich zum Vater gehe: auf diese Weise vollbringst du ein vorbereitendes Werk für sie und für meine nachfolgenden Kundgebungen.’ Weil Maria die wahre Liebe hatte, welche sich im Gehorsam offenbart, nahm sie sofort die Aufgabe auf sich, welche ihr übertragen worden war. In Übereinstimmung mit dem Bericht des Matthäus { Mt 28:1,9} muß die "andere Maria’ in ihrer Nähe gewesen sein und zu dieser Zeit ebenfalls mit dieser Sache vertraut gewesen sein, denn sie erhielt mit Maria Magdalena den Auftrag, es den Jüngern zu erzählen.

 

Wir werden keine besondere Aufmerksamkeit den Worten unseres Herrn zuwenden, in welchen er erklärt, daß unser himmlischer Vater sein himmlischer Vater ist, und unser Gott sein Gott ist, denn der Ausdruck ist einfach genug für jeden vorurteilsfreien Verstand. Wir gehen weiter und bemerken, dass das zweite Erscheinen von unserem Herrn am Nachmittag des gleicher Tages war, am Abend, als er zwei Jünger einholte, welche nach Emmaus gingen, in einen benachbarten Ort: einer von ihnen war Kleopas, und der andere war ganz offensichtlich Simon Petrus. - Lu 24:13-32,34???.

 

Das dritte Erscheinen war am Abend desselben Tages. Während Petrus und Kleopas (welche sofort nach Jerusalem zurückgekehrt waren, um es den Jüngern zu erzählen) beim Erzählen ihrer Erfahrungen waren, erschien Jesus in ihrer Mitte. Die Jünger waren von den Erfahrungen der vorhergehenden Tage beunruhigt und waren besorgt darüber, was die Anführer gegen sie als die Nachfolger von Jesus unternehmen würden und waren zusammen in Unterredung darüber, "die Türen waren verschlossen’ -verriegelt und sehr gut verschlossen, das dürfen wir vernünftigerweise annehmen. Was kann sie mehr erstaunt haben, als dass ein Fremder in ihrer Mitte erschien? Und obwohl er sagte, "Friede sei mit euch’, so waren sie doch zweifelsfrei sehr bestürzt darüber. Sie haben von diesem als an die Kundgebung eines Engels in ihrer Mitte gedacht, denn wer als ein Geistwesen ist in der Lage zu erscheinen, während die Türen verschlossen sind? Sie hatten noch nicht die Lektion gelernt, dass unser Herr in seiner Auferstehung zu ein Geistwesen geworden war und nicht mehr länger ein Mensch war, und dass er jetzt gleich den Engeln die Macht hatte, zu erscheinen und zu verschwinden-einen menschlichen Leib anzunehmen mit Kleidung und so weiter, und denselben nach Belieben wieder aufzulösen. Diese Lektion mußten sie lernen, und es war notwendig, dass sie ihnen durch praktische Darstellungen gelehrt wurde. Petrus, welcher bei Emmaus gewesen war, und welcher bemerkt hatte, wie der Herr vor ihren Augen verschwunden war, sowie sie ihn erkannt hatten, ist ohne Zweifel besser vorbereitet gewesen als die anderen, denn dieses wunderbare Erscheinen geschah, während die Türen verschlossen waren. Er wußte, dass dieser Eine, der vor ihren Augen bei Emmaus verschwunden war, sich auflösen konnte und daher in gleicher Weise die Macht hat, an jeder Stelle zu erscheinen.

 

Das Gespräch mit unserem Herrn war kein langes; es war eine erste Lektion, und die Jünger erhielten mehr Gutes daraus, indem sie darüber nachdachten, nachdem er sie wieder verlassen hatte. Er wünschte jedoch, dass sie sich in seiner Gegenwart beruhigten und dass sie wissen, dass sie nicht ein Geistwesen sahen, denn, wie er erklärte, "ein Geist hat nicht Fleisch und Bein.’ Was sie sahen,  war nicht ein Geistwesen, sondern ein Leib. Das bedeutet jedoch nicht, dass unser Herr kein Geistwesen war zu dieser Zeit, wie dies sehr deutlich hervorgehoben wird durch andere Schriftstellen ( 1Pe 3:18 2. Kor. 3:17 Php 3:21): es meint nur das, was es sagt, nämlich, das, was sie sahen,  kein Geist war, und sie aus diesem Grund keine Ursache zur Beunruhigung hatten.

 

Bei dem Erscheinen unseres Herrn bei Maria und auf dem Weg nach Emmaus gibt es keine Andeutung dafür, dass er in einem Leib erschienen ist, welcher mit den Merkmalen der Nägel gezeichnet gewesen ist. Können wir annehmen, dass Maria, als sie seine Füße umarmte, nicht die großen Wunden bemerkt hätte, welche durch die Nägel entstanden waren? Können wir annehmen, dass die zwei Jüngern am Weg nach Emmaus, welche sehr neugierig ihren Begleiter betrachtet haben und ihn gefragt haben, ob er ein Fremdling sei, nicht bemerkt haben würden, wenn seine Hände und seine Füße große Wunden gehabt hätten? Daher scheint der Beweis überzeugend zu sein, dass unser Herr in keiner dieser Kundgebungen in Leibern erschienen ist, welche verwundet gewesen sind und auf diese Weise seinem gekreuzigten Leib ähnlich gewesen sind. Aber bei diesem dritten Erscheinen wünschte der Herr deutlich zu machen, dass er als der Auferstandene genau derselbe ist, der gekreuzigt wurde, und er erschien seinen Nachfolgern in einem Leib, welcher dem genau ähnlich war, der gekreuzigt worden war, und er zeigte ihnen die Stelle, wo das Speer in seiner Seite gewesen war, und die Abdrücke der Nägel in seinen Händen und Füßen. Und während sie sich noch wunderten und sich davor fürchteten, dass das, was sie sahen, lediglich eine Vision sei, bat er sie darum, ihm etwas zu essen zu geben, und er aß ein wenig Fisch und etwas Honig vor ihren Augen. - Lu 24:39-43???.

 

Nichts von diesem deutet die Notwendigkeit davon an, dass der Leib, welchen sie sahen, der gleiche Leib gewesen ist, welcher am Kreuz gehangen hat. Ganz im Gegenteil, jener gekreuzigte Leib war den Gesetzen der Natur unterworfen und konnte nicht in den Raum gebracht werden, während die Türen verschlossen waren und konnte sich infolgedessen auch nicht auflösen. Der Leib von Fleisch, welchen unser Herr den Jüngern gezeigt hat, wurde ganz offensichtlich in ihrer Gegenwart erschaffen und ebenso seine Kleidung und wurde wieder aufgelöst, als er vor ihren Augen nach dem Gespräch verschwand. Eine solche Machtfülle ist jenseits des menschlichen Verstehens, aber durchaus in dem Einflußbereich der göttlichen Macht.

 

Was aus dem Leib von Fleisch geworden ist, welcher gekreuzigt und in Josephs Grab gelegt wurde, und welcher aus demselben verschwunden ist, wird uns nicht gesagt, außer, dass der Apostel und der Prophet erklären, dass "dein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat.’ (Apg. 2:31; Psl. 16:10.) Wir neigen zu der Meinung, dass das Fleisch des Menschen Lösegeldpreis war.

 

Dieses unterschiedliche Erscheinen von unserem Herr unter besonderen Umständen wurden während der vierzig Tage mit langen Zwischenräumen fortgesetzt. Ganz offensichtlich erschien er insgesamt vier oder fünf mal nach den oben erwähnten Erscheinungen, welche am Tage seiner Auferstehung stattgefunden hatten, und der Apostel Paulus versichert uns, dass zu der Zeit, als er seinen Brief an die Korinther geschrieben hat, mehr als zwei hundert und fünfzig Zeugen von unseres Herrn Auferstehung noch am Leben waren, und dieser Brief wurde ungefähr vierundzwanzig Jahre nach der Kreuzigung geschrieben. Wenn wir uns daran erinnern, wie vernünftig und zuverlässig der Apostel Paulus gewesen ist, und wie vernünftig alle seine Schlußfolgerungen waren, dann können wir zuversichtlich sein, dass er dieses Zeugnis hinsichtlich der Auferstehung unseres Herrn nicht auf Grund irgendeines kleinen Beweises empfangen hatte, sondern dass er die völlige Bestätigung hierüber erhalten hatte. Überdies, er bestätigt sich selbst als ein Zeuge für die Auferstehung, sagend: "Zu allerletzt aber ist er gleichsam einer Geburt vor der rechten Zeit auch mir erschienen.’ 1. Kor. 15:6-8 (nach der englischen Kings-James-Bibelübersetzung)

 

Der Apostel Paulus sah Jesus nicht in einem Leib von Fleisch, wie er den anderen zuvor erschienen ist, bevor das Zeitalter des Geistes begonnen hatte. Dem Paulus offenbarte er sich selbst in der Herrlichkeit seines Geistwesens, "als ein Licht vom Himmel her, das den Glanz der Sonne übertraf." Die Auswirkung, welche gut bekannt ist, war für die Augen des Apostels eine verheerende, weil, obwohl er den Herrn sah als jemand, der vor der Zeit geboren worden ist, welcher noch nicht wie er selbst durch eine Auferstehung geboren worden ist und den Wechsel zur Neuheit der Natur gemacht hat, diese Sichtweise für sein Fleisch zu groß gewesen ist.

 

Es ist sicherlich eine große Erleichterung für uns, hinsichtlich der Auferstehung unseres liebreiches Erlösers ein richtiges Verständnis zu haben, und dies aus mehreren Gründen:

 

(1) Es erlaubt uns, zu erkennen, wie er auferweckt worden ist, ohne unser Lösegeldpreis zurückzunehmen.

 

(2) Es zeigt uns, dass, obwohl er im Gehorsam gegenüber den Anordnungen des Vaters bereitwillig und freiwillig eine höhere Daseinsstufe verließ, um Fleisch zu werden und ein Lösegeld zu geben, es nicht zugelassen wurde, dass ihm durch diese Anordnung das Leben in alle Ewigkeit verloren gegangen wäre-er hat den vollkommenen menschlichen Leib niedergelegt und hat in seiner Auferstehung die höchste Form der geistigen Natur erhalten, die göttliche Natur. - Php 2:8-11 3:8,9???.

 

(3) Es ist ein Trost für uns, zu wissen, dass er jetzt in Herrlichkeit nicht mehr die Narben der Dornen, des Speeres und der Nägel trägt; noch irgendeinen der Beweise von den Dingen, die er für uns gelitten hat: sondern dass er stattdessen eine überaus große Herrlichkeit hat und das "genaue Ebenbild von der Person des Vaters’ ist. - Heb 1:3???.

 

(4) Es tröstet uns auch, zu wissen, dass die Herauswahl, der Leib des Christus, nicht in alle Ewigkeit die Merkmale der Unvollkommenheit, die Makel von Sünde, noch die Merkmale der Wunden tragen wird, welche sie um der Gerechtigkeit willen ertragen haben. Nein, die Verheißung an die Herauswahl ist die gleiche wie die Verheißung an ihren Herrn, dass der Vater in der Auferstehung (nicht den Leib, der gestorben ist, mit Wunden und Unvollkommenheiten geben wird, sondern) "einen Leib, wie er es gewollt hat’, einen herrlichen Leib, in der Gleichheit unseres Herrn. "Wir werden ihm gleich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er ist’ -nicht wie er war. 1. Kor. 15:38; Phil. 3:21; 1. Joh. 3:2.

 

Aus dem amerikanischen Zionswachtturm vom 01. Juni 1899 von Bruder Sven Kruse übersetzt.