Alain Boulier, Frankreich—DIE HERRLICHKEIT DES ALLMÄCHTIGEN

 

Einleitung

 

Die Botschaft der Heiligen Schrift hebt die unermeßliche Erhabenheit Gottes über die ganze Schöpfung hervor. "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündet seiner Hände Werk.’ { Ps 19:1}

 

Das Studium des Wortes Gottes macht es möglich unter anderem, Gott besser zu erkennen, den Allmächtigen, den Ewigen, und sich seiner Herrlichkeit bewußt zu werden.

 

Vom Beginn des ersten Buches der Bibel an erfahren wir, daß Gott den Menschen Adam in seinem Bild erschaffen hat. Bedauerlicherweise waren Adam und seine Gefährtin Eva Gott gegenüber ungehorsam, obwohl er sie vor den Folgen des Ungehorsams gewarnt hatte: sie sündigten und verloren so die bis dahin bestehende Gemeinschaft mit Gott.

 

In diesem tragischen Moment, in dem alles umgestürzt wurde, ließ Gott seine Gerechtigkeit walten: Der Mensch, der geschaffen worden war, um zu leben, wurde zum Sterben verurteilt (1.Mose 3:19).

 

Aber der Ungehorsam des Menschen brachte nicht nur seine Verurteilung mit sich.

 

Sie brachte auch die Offenbarung des Planes Gottes mit sich, den damals die Engel nicht kannten (vgl. Offenbarung 5:1-5), einen Plan, in dem wir alles sehen, im dem Gerechtigkeit, Weisheit, Macht und Liebe des Allmächtigen zusammenwirken.

 

Und in der Tat hatte Gott durch sein Vorherwissen aller Dinge die Möglichkeit des Fallens des Menschen vorausgesehen, denn er hatte ihm einen freien Willen gegeben.

 

Wenn auch Gott diese Freiheit den Nachkommen des von ihm geschaffenen Menschengeschlechts nicht wegnahm, behielt er dennoch die Herrschaft über die Ereignisse, die anschließend aufeinanderfolgten.

 

"Gott regiert über die Nationen; Gott hat sich auf den Thron seiner Heiligkeit gesetzt...’, lesen wir in  Ps 47, Verse 8 und 9.)

 

Er griff sogar ein, um der Bosheit, die sich auf Erden ausbreitete, ein Ende zu setzen-wie es in  Ps 29:10 heißt: "Jehova thront auf der Wasserflut, und Jehova thront als König ewiglich.’ -"Denn Jehovas sind die Säulen der Erde, und auf sie hat er den Erdkreis gestellt.’ (1.Samuel 2:8)

 

Gliederung des Vortrags  

 

Wir beginnen unsere Betrachtung mit Auszügen aus der Vision über die Herrlichkeit des ewigen Gottes auf seinem Thron aus Hesekiel, Kap. 1.

 

Daran anschließen werden sich allgemeine Bemerkungen, und wir untersuchen in diesem Abschnitt die Einzelheiten, die möglicherweise die vier Grundeigenschaften Gottes abbilden, in dieser Reihenfolge:

 

die Macht  die Weisheit

 

die Gerechtigkeit und  

 

die Liebe  

 

Danach werden wir die wesentlichen Gedanken zusammenfassen und wollen dann zum Abschluß kommen.

 

Lesung von Hesekiel 1:4-22 und 26-28

 

"Und ich sah: und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke und ein Feuer, sich ineinander schlingend und ein Glanz rings um dieselbe; und aus seiner Mitte, aus der Mitte des Feuers her, strahlte es wie der Anblick von glänzendem Metall.

 

Und aus seiner Mitte hervor erschien die Gestalt von vier lebendigen Wesen; und dies war ihr Aussehen: sie hatten die Gestalt eines Menschen.

 

Und jedes hatte vier Angesichter, und jedes von ihnen hatte vier Flügel.

 

Und ihre Füße waren gerade Füße, und ihre Fußsohlen wie die Fußsohlen eines Kalbes; und sie funkelten wie der Anblick von leuchtendem Erze.

 

Und Menschenhände waren unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; und die vier hatten ihre Angesichter und ihre Flügel.

 

Ihre Flügel waren verbunden einer mit dem anderen; sie wandten sich nicht, wenn sie gingen: sie gingen ein jeder stracks vor sich hin.

 

Und die Gestalt ihres Angesichts war eines Menschen Angesicht; und rechts hatten die vier eines Löwen Angesicht, und links hatten die vier eines Stieres Angesicht, und eines Adlers Angesicht hatten die vier.

 

Und ihre Angesichter und ihre Flügel waren oben getrennt; jedes hatte zwei Flügel miteinander verbunden und zwei, welche ihre Leiber bedeckten.

 

Und sie gingen ein jedes stracks vor sich hin; wohin der Geist gehen wollte, gingen sie; sie wandten sich nicht, wenn sie gingen.

 

Und die Gestalt der lebendigen Wesen: ihr Aussehen war wie brennende Feuerkohlen, wie das Aussehen von Fackeln. Das Feuer fuhr umher zwischen den lebendigen Wesen; und das Feuer hatte einen Glanz, und aus dem Feuer gingen Blitze hervor.

 

Und die lebendigen Wesen liefen hin und her wie das Aussehen von Blitzstrahlen.

 

Und ich sah die lebendigen Wesen, und siehe, da war ein Rad auf der Erde neben den lebendigen Wesen, nach ihren vier Vorderseiten.

 

Das Aussehen der Räder und ihre Arbeit war wie der Anblick eines Chrysoliths, und die vier hatten einerlei Gestalt; ihr Aussehen und ihre Arbeit war, wie wenn ein Rad inmitten eines Rades wäre.

 

Wenn sie gingen, so gingen sie nach ihren vier Seiten hin: sie wandten sich nicht, wenn sie gingen.

 

Und ihre Felgen, sie waren hoch und furchtbar; und ihre Felgen waren voll Augen ringsum bei den Vieren.

 

Und wenn die lebendigen Wesen gingen, so gingen die Räder neben ihnen; und wenn die lebendigen Wesen sich von der Erde erhoben, so erhoben sich die Räder.

 

Wohin der Geist gehen wollte, gingen sie, dahin, wohin der Geist gehen wollte; und die Räder erhoben sich neben ihnen, denn der Geist des lebendigen Wesens war in den Rädern.

 

... denn der Geist des lebendigen Wesens war in den Rädern.

 

Und über den Häuptern des lebendigen Wesens war das Gebilde einer Ausdehnung, wie der Anblick eines wundervollen Kristalls, ausgebreitet oben über ihren Häuptern.

 

Und oberhalb der Ausdehnung, die über ihren Häuptern war, war die Gestalt eines Thrones, wie das Aussehen eines Saphirsteines; und auf der Gestalt des Thrones eine Gestalt wie das Aussehen eines Menschen obendrauf.

 

Und ich sah wie den Anblick von glänzendem Metall, wie das Aussehen von Feuer innerhalb desselben ringsum; von seinen Lenden aufwärts und von seinen Lenden abwärts sah ich wie das Aussehen von Feuer; und ein Glanz war ringsum denselben.

 

Wie das Aussehen des Bogens, der am Regentage in den Wolken ist, also war das Aussehen des Glanzes ringsum. Das war das Aussehen des Bildes der Herrlichkeit Jehovas. -Und als ich es sah, fiel ich nieder auf mein Angesicht’

 

Anmerkungen

 

Diese Beschreibung ist sehr beeindruckend. Versuchen wir uns diese Gefühle Hesekiels vorzustellen: Schon ab Vers 4 gibt er uns einen entscheidenden Hinweis: "Und ich sah, und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke und ein Feuer, sich ineinander schlingend, und ein Glanz rings um dieselbe....’

 

Würde uns nicht Furcht ergreifen angesichts einer solchen Vision? "..um Gott ist furchtbare Pracht!’ (Hiob 37:22)

 

Tatsächlich ist der Herkunftsort dieses gewaltigen Windes, dieser großen Wolkenmasse und dieser Feuergarbe der Norden, der Wohnsitz des Allmächtigen (siehe Hiob 26:7: "Er spannt den Norden aus über der Leere, hängt die Erde auf über dem Nichts’ und Hiob 37:22).

 

Wir lesen auch: "Das Siebengestirn läßt ihn glänzen wie Gold.’ Wir erinnern uns, daß der Neid Satans seinen Sturz nach sich zog-Jesaja 14:13. Alle diese Textstellen bestätigen, daß, der Aussage der Schrift nach, Gott im Norden wohnt.

 

Aus diesem Grund fiel der Prophet auf sein Angesicht nieder, und stellen wir fest, wie heilig die göttliche Offenbarung war, die ihm zuteil wurde.

 

Damit der Leser sich seine Vision vorstellen kann, gebraucht Hesekiel die gleiche Technik wie ein Schriftsteller, der eine Szene beschreibt: zuerst läßt er die Umgebung erstehen; dann beschreibt er die Einzelheiten nacheinander, die seine Aufmerksamkeit erregen.

 

Im weiteren Fortschreiten seines Berichts kommt bei Hesekiel zwölf Mal das Wort ‘vier’ vor. Wir meinen, daß das kein Zufall sein kann. Diese Wiederholung der Zahl ‘vier’ hat zum Zweck, nachdrücklich auf ihren Symbolgehalt hinzuweisen.

 

Was Hesekiel sieht, ist einerseits das Bild von etwas Irrealem, anderseits erscheint diese Zahl ‘vier’ wiederholt und gibt eine Konstante an, eine Art Ausgleichselement in dieser Vision von außergewöhnlichen Kreaturen, die es auf der Erde nicht gibt.

 

Außer für diese Eigenschaft gebraucht Hesekiel einfache (aber genaue) Worte, die das Empfindungsvermögen des Menschen erfassen kann, und durch die wir uns ganz realistisch hineindenken können in das, was er sah.

 

Aber, wie wir schon gesagt haben, er beschreibt uns etwas, das es auf der Erde nicht gibt.

 

Oder können wir uns vorstellen, wie ein Tier aussieht, das "die Gestalt eines Menschen’ hat (Vers 5), das "wie brennende Feuerkohlen’ aussieht, das "vier Angesichter’ hat und "vier Flügel’, die "verbunden waren einer mit dem anderen’ und dessen Füße "gerade Füße waren und ihre Fußsohlen wie die Fußsohle eines Kalbes’, mit Menschenhänden unter ihren Flügeln an den vier Seiten?

 

Das ist schwierig; wir können nicht begreifen, daß solche Wesen existieren und sich von der Stelle bewegen können.

 

Warum? Weil sich die Menschen und die meisten Tiere nach vorne, in die Richtung der Sichtachse ihrer Angesichter fortbewegen.

 

Ein Löwe, ein Stier oder ein Adler können sich nicht vom Standort nach rückwärts bewegen; wenn sie zurückgehen wollen, müssen sie sich umdrehen; dann bewegen sie sich wieder nach vorne, und zwar in die andere Richtung.

 

Wir Menschen müßten ständig den Kopf drehen, um zu sehen wohin wir laufen, aber dabei könnten wir nicht mehr sehen, was vorne geschieht.

 

Außerdem sind die Gelenke unserer Beine so gestaltet, daß wir gut vorwärts und nicht nach Belieben gleichermaßen vorwärts und rückwärts laufen können.

 

Nun haben die beschriebenen Wesen vier Gesichter, was ihnen erlaubt, zugleich in alle Richtungen zu schauen, und sie müssen nicht einmal den Kopf drehen, um zu sehen, wohin sie gehen.

 

Hesekiel schreibt: "...sie gingen ein jedes stracks vor sich hin.’ Ihre Aufmerksamkeit bleibt ungeteilt, was auch immer vor sich geht, und sie behalten ihr Ziel bei und beobachten dabei, was um sie herum passiert.

 

Daher fährt er fort: "...sie wandten sich nicht, wenn sie gingen.’ Zusätzlich haben sie vier Flügel, was vermutlich bedeutet, daß sie auch in jede Richtung fliegen können.

 

Mit dieser Fähigkeit ist kein auf der Erde lebender Vogel begabt. Außerdem fügt Hesekiel hinzu, daß diese Wesen "hin und her liefen wie das Aussehen von Blitzstrahlen.’

 

Das ist einerseits furchterregend, andererseits bedeutet es aber, daß sie mit einer außergewöhnlichen Geschicklichkeit und vor allem einer Schnelligkeit ausgestattet sind wie kein anders Geschöpf auf der Erde.

 

Es ist ein Bild für die Überlegenheit der Geistwesen im Dienste Gottes verglichen mit den irdischen Geschöpfen: die Engel handeln und greifen in dem von Gott geschaffenen Universum ein, ohne die Zwänge, denen wir Menschen unterliegen, wenn wir uns von einem Ort zu einem anderen begeben wollen.

 

Für Gott und seine Engel gibt es diese Schranke der Distanz nicht! Er betrachtet seine Schöpfung, das ganze Universum, als ob er es in der Hand hätte.

 

Vier; die Zahl der Eigenschaften Gottes

 

Hesekiel erkennt im Zentrum der Vision:

 

0. vier Wesen (Vs.5)

 

1. die vier Gesichter haben (Vs.6)

 

2. vier Flügel (Vs.6)

 

3. vier Seiten (Vs.8)

 

4. alle vier hatten ihre Gesichter und ihre Flügel (Vs.8)

 

5. Was das Aussehen ihrer Gesichter anbelangt, so haben alle ein    Menschengesicht (Vers 10)

 

6. alle vier rechts ein Löwengesicht (Vers 10)

 

7. alle vier links ein Stiergesicht (Vers 10)

 

8. und alle vier ein Adlergesicht (Vers 10)

 

9. es gab ein Rad auf der Erde, nahe bei den Wesen und vor ihren    vier Gesichtern (Vers 15)

 

10. und alle vier Räder hatten die gleiche Form (Vers 16)

 

11. die Räder waren von furchtauslösender Höhe und     furchteinflößendem Umfang. Sie waren umlaufend mit lauter Augen     bestückt (Vers 18)

 

Wir meinen, daß die Zahl vier das Handeln Gottes darstellen kann, das sich in seinen vier Wesensmerkmalen ausdrückt, denn es heißt in Vers 20, daß die vier Wesen kamen und gingen "wohin der Geist gehen wollte.’

 

Beachten wir, daß Johannes in Offenbarung 4:7 eine ähnliche Vision vom Thron Gottes beschreibt; dem Bibelkommentar zufolge repräsentiere jedes der vier vom Apostel-in anderer Reihenfolge-dargestellten Wesen eine der Grundeigenschaften Gottes.

 

Erste Eigenschaft Gottes: die Macht-der Stier  

 

Im Allgemeinen finden Gläubige, daß Gottes Macht in seiner Schöpfung sichtbar zum Ausdruck kommt. Die Bibel beginnt auch mit der Feststellung: "Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.’ (1.Mose 1:1)

 

Die Auffassung vom "Urknall’ oder die 1929 von Edwin Hubble aufgestellte Theorie von der Ausdehnung des Universums ist vielleicht die Erklärung DES "Anfangs’. Und tatsächlich sei, diesem Astrophysiker nach, eine unermeßliche Kraft von einer nicht erfassbaren Macht am Werk gewesen, die jene gewaltige Explosion als eine Art glühend heißem Gasball hervorgebracht habe.

 

"...die Feuergarbe, sich ineinander schlingend, und ein Glanz rings um dieselbe...’ (Vers 4) scheint uns ein ausgewogenes Bild zu sein, um diesen Gasball zu beschreiben, der, wenn sich die Hypothese von Hubble als richtig erweist, explodiert ist, um den "Urknall’ "am Anfang zu erzeugen...’

 

Diese Explosion habe eine unerschöpfliche Energiequelle geschaffen, sowie die Ausdehnung des Weltraumes nach sich gezogen, in dem alle Galaxien, Sterne und Planeten nach und nach durch Erkalten entstanden seien.

 

Wir sehen, daß im ersten Satz der Bibel die Erklärung dafür enthalten ist, was einige als das Geheimnis der Schöpfung bezeichnen. Wenn die Hypothese von Hubble richtig ist, können wir sagen, daß dieser "Ball’ von Gott geschaffen wurde.

 

Es ist interessant festzustellen, daß die Entdeckungen verschiedener Wissenschaftler in diesem Jahrhundert schließlich mit der Aussage der Schrift zur Übereinstimmung kommen.

 

Die Sonne, eine weitere Bekundung der Macht:

 

Wir sehen auch eine Äußerung der Macht Gottes, wenn wir die Sonne betrachten. Das Larousse-Lexikon sagt, daß sie 150 Millionen Kilometer von unserem Planeten entfernt ist, daß ihre Masse das 333.000-Fache der Erdmasse ausmacht und ihr Durchmesser 1.392.000 Kilometer beträgt.

 

Die Temperatur im Innern der Sonne beträgt 15 Millionen Grad Celsius.

 

Wir sind angesichts dieser Zahlen fassungslos, die die außerordentlich große Energiereserve der Sonne illustrieren; und dennoch berichtet uns das Lexikon weiter, dass die Sonne in dieser Galaxie "ein Sternenzwerg (!) ist’," völlig bedeutungslos’," deren Besonderheit nur darin liegt, der erdnäheste Stern zu sein.’

 

In dem Bewußtsein, dass es Milliarden und Abermilliarden von Sternen gibt, die von Gott geschaffen worden sind, wird uns klar, welche Macht er hat.

 

Eine weitere Offenbarung der Macht Gottes können wir in der unermeßlichen Zahl der Heere des Himmels sehen, die ihm dient. (Vgl. 1.Könige 22:19) Deshalb "... herrscht er durch seine Macht auf ewig.’ { Ps 66:7}

 

Wenn auch bei Hesekiel nur von wenigen Wesen die Rede ist, so ist doch ihr Kommen und Gehen durch überhaupt nichts gestört. ("Und sie gingen ein jeder stracks vor sich hin.’ (Vers 12) Der Hörer dieser Vision bekommt einen starken Eindruck von Macht.

 

Seit der Antike und in manchen Ländern bis heute wurden auf der Erde die Ochsen vom Menschen für solche Arbeiten für Haus und Hof hergenommen, für die Kraft erforderlich war, wie z.B. Pflügen, Wasserschöpfen aus Brunnen oder Ziehen von Wagen.

 

Daher ist dieses Tier in der Vision von Hesekiel ein Symbol der Macht.

 

Gehen wir zu der nächsten Eigenschaft Gottes, die in dieser Vision dargestellt wird.

 

Die Weisheit-der Adler

 

Zunächst könnten wir überrascht sein, daß der Adler, ein unreines Tier (3.Mose 11:13) und eines, das Blut zu sich nimmt (Hiob 39:30), eine der Eigenschaften Gottes darstellt.

 

Aber der Allmächtige hat sich des Bildes eines Adlers bedient, um die Hinausführung seiner Werke zu verdeutlichen. Vgl. 2.Mose 19:4: "Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch getragen auf Adlers Flügeln und euch zu mir gebracht habe.’

 

Ebenso lesen wir in  Jer 48:40: "Denn so spricht Jehova: Siehe, wie der Adler fliegt er daher und breitet seine Flügel aus über Moab.’

 

Ein anderes Merkmal des Adlers ist sein scharfer Blick, durch den er geradewegs auf die Sonne zufliegen kann. Daher kommt der Ausdruck vom "Adlerblick’ in dem Sinne, daß jemand ein scharfes Auge hat.

 

Wenn man den Gedanken weiter verfolgt, meint man mit dem "Adlerblick’, daß jemand einen scharfsinnigen Geist besitzt.

 

Solche Fähigkeiten passen zu der bildhaften Darstellung der göttlichen Weisheit, die alles durchdringt. "Denn Jehova erforscht alle Herzen, und alles Gebilde der Gedanken kennt er,’ 1. Chronik 28:9; und in  Jer 20:12 lesen wir: "Und du Jehova der Heerscharen, der du...Nieren und Herz siehst....’

 

Fügen wir noch hinzu, daß der Adler eine Fluggeschwindigkeit von 120 km/h erreichen kann, und daß er sich auch die aufsteigenden Ströme warmer Luft zu Nutze macht, um sehr hoch und ohne Anstrengung zu schweben.

 

So wie der Adler uns in seinem Flug überlegen ist, gehen Wissen und Weisheit Gottes weit über unseren Verstand.

 

Um zu unserem Kommentar über das Offenbarwerden der Macht Gottes im Kosmos und im Bild der Sonne zurückzukommen, betrachten wir die Weisheit Gottes in seiner Schöpfung: Leben hier auf der Erde ist möglich unter anderem dank der Sonne, die sich in einer ganz bestimmten Distanz befindet, nicht zu nahe und auch nicht zu weit entfernt.

 

Das Licht der Sonne braucht ungefähr sieben Minuten und dreißig Sekunden bis zur Erde, und die Sonne befindet sich dreißigtausend Lichtjahre vom Inneren der Galaxis entfernt, d.h. etwa zwei Milliarden Mal weiter weg.

 

Nun geht man nach bestimmten Untersuchungen davon aus, daß, wenn der Abstand zwischen Erde und Sonne nur um wenige Prozent verändert würde, ein Leben auf der Erde nicht möglich wäre. (Es wäre entweder zu heiß oder zu kalt.)

 

Als Beispiele dienen uns die anderen Planeten des Sonnensystems, wo es kein Leben gibt.

 

Ist es ein Zufall, wie viele behaupten, oder ist es vielmehr die ungeheure Weisheit Gottes, der es unternommen hat, erst ein Mal die Schöpfung in Gang zu setzen, nachdem er all die folgenden Dinge vorherbedacht und berücksichtigt hat?

 

Vor dem berühmten Urknall hatte Gott die Gesetze der Astrophysik, der Thermodynamik, der Kernkraft sowie die in der Chemie herrschenden Gesetzmäßigkeiten etc. aufgestellt.

 

Die Erde ist also im Weltraum mit sehr viel größerer Genauigkeit als der eines Uhrmachers positioniert, da sie durch verschiedene Luftschichten vor der Strahlung der Sonne gut geschützt ist; daher kommen wir in den Genuß eines relativ gemäßigten Klimas, das geeignet ist, auf dem größten Teil des Erdballs das Leben angenehm zu machen, was wir jeden Tag feststellen können.

 

Preisen wir unseren ewigen Gott für seine Weisheit, dass er ein so wunderbares Universum geschaffen hat, in dem es gut ist zu leben!

 

Obwohl manche es behaupten, brauchen wir nicht zu befürchten, dass ein Asteroid oder ein anderer Planet auf der Erde aufschlägt, denn Gott hat sie in Übereinstimmung mit seinen zuvor festgelegten Gesetzen geschaffen, damit sie bewohnt wird, und nicht, um sie zerstören zu lassen.

 

Ist all dies nicht erstaunlich, wenn man das gewaltige Reservoir an (scheinbar unkontrollierter) Energie betrachtet, die im Universum enthalten ist? Die gewaltige Aktivität, die Hesekiel sieht, scheint diese unerschöpfliche und überall wirksame Energiequelle abzubilden:

 

Dieses Feuer, das sich zwischen den Wesen bewegt, dieses funkelnde Licht, von dem Blitz ausgehen, und dieses Getöse, durch das die Wesen unbeirrt bleiben; so verhält es sich auch mit Gott, der seine Schöpfung völlig beherrscht, dessen Gewalt und Energie, wie wir schon gesagt haben, für den Menschen beängstigend sind. Nichts kann die alles beherrschende Macht Gott herabsetzen.

 

Wir haben auch das scharfe Auge des Adlers angesprochen; dieses scharfe Sehen, das eine bildliche Darstellung des unbegrenzten Wissens (der unbegrenzten Weisheit) sein kann, wird unterstrichen durch die in Vers 17 und 18 angegebenen Einzelheiten:

 

Hesekiel sieht Räder, besteckt mit Augen; sie gingen "nach ihren vier Seiten hin’ und "sie waren hoch und furchtbar’. Warum waren Augen an den Rädern? Wir vermuten, dass diese große Anzahl von Augen an den Rädern, die sich in jede Richtung bewegen konnten, und sich sogar "erhoben’, die Tatsache wiedergibt, daß vor Gott nichts verborgen ist; seine Augen beobachten Nationen und durchlaufen die ganze Erde. ( Ps 66:7; Sacharja 4:10)

 

Die Gerechtigkeit-der Löwe  

 

Über Salomo lesen wir in 1.Könige 10:18: "Und der König machte einen großen Thron von Elfenbein und überzog ihn mit gereinigtem Gold.

 

Vers 19: Sechs Stufen waren an dem Throne, und der obere Teil des Thrones war hinten gerundet; und Armlehnen waren auf dieser und auf jener Seite an der Stelle des Sitzes, und zwei Löwen standen neben den Armlehnen;

 

Vers 20: und zwölf Löwen standen da auf den sechs Stufen, auf dieser und auf jener Seite. Desgleichen ist nicht gemacht worden in irgend einem Königreiche.’

 

In der Darstellung der Weihe des Tempels, ist Salomo ein Bild der verherrlichten Kirche, die gemäß 2.Tim. 4:1 "richten wird Lebendige und Tote.’

 

Diese Beschreibung von Salomos Thron, geschmückt mit Löwen, scheint uns ganz besonders gut übereinzustimmen mit einer anderen Textstelle, nämlich mit  Ps 89:14 und 15, wo es heißt: "Gerechtigkeit und Gericht sind Gottes Thrones Grundfeste.’

 

Wir erinnern uns, daß die Weisheit Salomos in der ganzen Welt bekannt war, besonders weil er gerechte Urteile sprechen konnte.

 

Der König besaß die unumschränkte Macht über sein Königreich, und dann, wenn er auf seinem herrlichen, von Löwen flankierten Thron saß, hielt er Gericht. Daher meinen wir, daß die Verzierung des Thrones mit diesen Tieren als Symbol für das Schaffen von Gerechtigkeit gelten kann.

 

Das Beispiel für dieses Gericht-Halten durch einen Löwen finden wir in 1.Könige 13:24, wo es um einen Mann Gottes geht, der, nachdem er dem bösen König Jerobeam geweissagt hatte, sich gegen Gott auflehnte und die bestehende Anweisung, unverzüglich nach Hause zurückzukehren, nicht beachtete: dieser Prophet begegnete einem Löwen, der ihn auf seinem Rückweg tötete. Seine Leiche lag auf dem Weg, .... und der Löwe stand daneben.

 

In Jesaja 31:4 und  Ho 11:10 wird der Ewige mit einem Löwen verglichen:

 

"Denn also hat Jehova zu mir gesprochen; wie der Löwe und der junge Löwe, wider den Hirten der Menge zusammengerufen wird, über seinem Raube knurrt, vor ihrer Stimme nicht erschrickt und sich vor ihrem Lärmen nicht ergibt, also wird Jehova der Heerscharen herniedersteigen, um auf dem Berge Zion und auf seinem Hügel zu streiten.’

 

"Sie werden Jehova nachwandeln: wie ein Löwe wird er brüllen; denn er wird brüllen, und zitternd werden die Kinder herbeieilen vom Meere.’

 

In Jeremia, Kap. 4 erfahren wir, daß Gott Israel das Kommen seines Gerichts ankündigt. In Vs. 7 steht geschrieben: ‘Ein Löwe steigt herauf aus seinem Dickicht, und ein Verderber der Nationen bricht auf; er zieht von seinem Ort aus, um dein Land zur Wüste zu machen, daß deine Städte zerstört werden, ohne Bewohner’. Gott schickt vom Norden aus sein Gericht durch einen Zerstörer in Löwengestalt.

 

Wir meinen, daß diese Verse die Übereinstimmung zwischen der Vision von Kap. 1 in Hesekiel und dem Löwen zeigt, der ein Symbol für die Gerechtigkeit, eine der Grundeigenschaften Gottes, ist.

 

Fügen wir noch hinzu, daß bei uns der Löwe immer als König der Tiere, die Furcht vor ihm haben, gesehen wird.

 

Die Liebe-der Mensch  

 

Warum symbolisiert der Mensch die Liebe, eines der vier Eigenschaften Gottes? Liegt es daran, daß der Mensch Gott gegenüber eine besondere Liebe an den Tag gelegt hat?

 

Leider nicht, ganz im Gegenteil, denn "hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, auf daß wir durch ihn leben möchten.

 

Hierin ist die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.’ (1.Joh. 4:8, 9) Und Vers 19: ".... weil Gott uns zuerst geliebt hat’, d.h. noch bevor wir ihn geliebt haben.

 

Darin sehen wir, wie sehr wir ihm gegenüber verpflichtet sind. Diese Verse schließen in sich den wunderbaren Plan der Wiederherstellung aller Dinge für den Menschen.

 

Das Wunderbarste (und zuweilen für einige das, was am schwersten zu begreifen ist) an diesem Plan ist, daß Gott bewilligt hat, daß das Loskaufopfer sein eigener geliebter Sohn ist. (Vgl. Hebräer 10:5-10)

 

In Philipper 2:7 und 8 heißt es von diesem einzigen Sohn Jesus Christus: "... welcher.... sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und.... sich selbst erniedrigte, indem er gehorsam ward, bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.’

 

Wir sehen es: Die Liebe Gottes zu den Menschen hat sich in ganz besonderer Weise kundgetan. Daher erhält diese Grundeigenschaft sein stimmigstes Bild in Form eines (vollkommenen) Menschen; diese Gestalt nahm Jesus an, um den Plan Gottes zu erfüllen. (vgl. den vorausgehenden Vers)

 

Grundgedanken, die in der Vision von der Herrlichkeit des Allmächtigen enthalten sind.  

 

Bevor wir schließen, fassen wir die Grundgedanken, die wir in dieser Vision finden, zusammen:

 

1. Die Beschreibung dessen, was Hesekiel sieht, stellt sich in    unseren Augen als Bilder von etwas Irrealem dar. Das ist normal,    denn es handelt sich um die göttliche Natur, die ohne Grenzen ist,    unendlich vielfältig, eine unerschöpfliche Energiequelle, und die    Leben in sich selbst hat. Für unser Verständnis als Menschen, das    "beschränkt’ ist, ist sie tatsächlich nicht zugänglich (irreal).  2. Wir sehen die Einheit im harmonischen Zusammenwirken der    Eigenschaften Gottes. Bei ihrer Betrachtung haben wir gesehen, daß    sie nicht nur miteinander tätig sind, sondern sich in vollkommenem    Gleichgewicht gegenseitig ergänzen.

 

Sollte sich auch ein vorherrschendes Merkmal dieser Grundeigenschaften in den vier Gesichtern der Wesen abbilden, so hat doch kein Merkmal ein nur ihm eigenes und begrenztes Wirkungsgebiet, und es scheint nicht so zu sein, daß eines mehr Gewicht hat als das andere (oder die anderen).

 

Macht und Weisheit (Wissen) waren unabdingbar, damit Gott das Universum so vollkommen erschaffen konnte, wie es ist.

 

Ebenso gibt Gott uns durch seinen Plan kund, daß Gerechtigkeit nicht ohne Liebe ausgeübt werden kann. Wir lesen in Römer 5:20,21: "Das Gesetz aber kam daneben ein, auf daß die Übertretung überströmend würde. Wo aber die Sünde überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwenglicher geworden, auf daß, gleichwie die Sünde geherrscht hat im Tode, also auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben, durch Jesum Christum, unseren Herrn.’

 

So handeln die Gerechtigkeit und die Liebe (die Gnade) gemeinsam, und dieses Prinzip offenbart die wunderbare Weisheit Gottes (gemeinsames Handeln von drei Grundeigenschaften).

 

3. Die Schriftstellen, die von Gottes Gerechtigkeit sprechen, wie    z.B.  Ps 45:6, Ps 89:14 und  Ps 97:2, fügen dem ein    weiteres wichtiges Element hinzu: die Billigung. Gott hat für die    Menschen vollkommene Gesetze aufgestellt. {vgl.  Ps 19:8}

 

Jede Gesetzesübertretung bringt Verurteilung mit sich, die Gott billigerweise ausspricht, denn er hat seine Gesetze nicht nach einem diktatorischen Prinzip aufgestellt: Er hat dem Menschen Grundsätze gegeben, um ihm ewiges Leben in Glück und Glückseligkeit zu ermöglichen.

 

4. Vers 15: Neben den vier Wesen auf der Erde waren vier Räder,    die "wie der Anblick eines Chrysoliths’ waren, eines olivgrünen    durchscheinenden Edelsteins.

 

Beim Studium dieser Vision in unserer Versammlung haben wir angenommen, daß diese Räder vermutlich den Plan Gottes darstellten, der sich kompromißlos erfüllt.

 

Diese Räder, die so aussahen "wie wenn ein Rad inmitten eines Rades wäre’ (Vers 16), bewegten sich oder standen still im gleichen Rhythmus wie die Wesen: "...und wenn die lebendigen Wesen sich von der Erde erhoben, so erhoben sich die Räder.’ (Vers 19), "...denn der Geist der lebendigen Wesen war in den Rädern.’ (Vers 21) Auch der Plan Gottes läuft im Rhythmus des Uhrwerks Gottes ab.

 

5. Verse 22, 26, 27 und 28: Hesekiel sieht ".... eine Ausdehnung    wie den Anblick eines funkelnden Kristalls.’ "Und oberhalb der    Ausdehnung (des Himmels)... die Gestalt eines Thrones wie das    Aussehen eines Saphirsteines’ und "eine Gestalt wie das Aussehen    eines Menschen’, und "den Anblick von glänzendem Metall, wie das    Aussehen von Feuer... und ein Glanz war rings um denselben’, und    "wie das Aussehen des Bogens, der am Regentage in der Wolke    ist....’

 

Diese ganze Beschreibung gibt die Heiligkeit Gottes wieder, und wir denken, daß sich hier eine Parallele herstellen läßt zu dem "Strom von Wasser des Lebens, rein wie Kristall, der hervorging aus dem Throne Gottes und des Lammes.’ Aus Offenbarung 22:1.

 

Die Transparenz von Kristall und der strahlende Glanz von Saphir erinnern an die Klarheit und Reinheit der Wahrheit, die Bestandteil der Grundfeste des Thrones Gottes sind (vgl. 2.Mose 24:10).

 

(6) Poliertes Metall, Erz, ist ebenso kostbar wie Gold-gemäß Esra 8:27-,das die göttliche Natur darstellt.

 

(7) Der Bogen symbolisiert den Frieden, der sich nach dem Aufruhr des Gewitters wieder einstellt,

 

um nach der stürmischen Zeit der Sünde die Aufrichtung von Gottes Frieden anzukündigen, wenn sein Reich beginnt.

 

Schlußbemerkung  

 

Lassen wir uns anregen von den Grundeigenschaften Gottes, und handeln wir in der Einheit des Glaubens mit gesundem Menschenverstand und ohne Überschwang auf dem einen oder dem anderen Gebiet:

 

1. Laßt uns nicht nur stark sein (wie der Stier).

 

2. Laßt uns nicht Rächer sein (wie der Löwe) und die andern nicht    verurteilen, wenn wir uns für Opfer von Ungerechtigkeit halten.

 

3. Seien wir nicht überzeugt, die beste Erkenntnis der Schrift zu    haben, weil wir wissen, wie sie im Urtext zu lesen ist oder weil    wir sie scharfsinnig studiert haben (wie der Adler).

 

4. Akzeptieren wir keine der Wahrheit entgegenstehenden Gedanken,    handeln wir nicht nach Zu- oder Abneigung (wie es der Mensch    macht): Stellen wir immer die Gerechtigkeit und die Weisheit neben    die Liebe, so wie es Gott macht, um seinen Willen zu tun.

 

5. Laßt uns nach Reinheit streben und heiligen wir uns durch das    Studium der Heiligen Schrift.

 

6. Versuchen wir immer, bessere Nachahmer dessen zu sein, der in    seinem irdischen Leben diese vier Grundeigenschaften vollkommen in    die Tat umgesetzt hat, unseres Erlösers Jesus Christus.

 

7. Laßt uns geradewegs vorangehen wie die vier Wesen, indem wir    den Heiligen Geist in uns wirken lassen (Vers 12) und unserer    Weihung treu bleiben, "vergessend, was dahinten’ (Philipper    3:13-14).

 

Dann können wir hoffen, an der Hochzeit des Lammes teilzunehmen und uns niederzuwerfen und Gott auf seinem Thron anzubeten, indem wir sprechen: Amen! Halleluja! Und wir werden hören: "... eine Stimme kam aus dem Throne hervor, welche sprach: Lobt unseren Gott, alle seine Knechte, und die ihr ihn fürchtet, die Kleinen und die Großen!’ (Offenbarung 19:5)

 

Amen.

Br. Eugene Burns, U.S.A. —Josephs Silberbecher

 

Die Geschichte von Joseph, die 14 Kapitel einnimmt (1. Mose 37 bis 50), ist eine der längsten im Alten Testament.

 

Es ist eine zu Herzen gehende Geschichte, die von Gemeinheit und großem Charakter zeugt. Haß und Liebe beherrschen die Geschichte, während göttliche Vorsehung sich bewegt Gottes Vorsatz zu erfüllen.

 

Am Ende setzt sich die Liebe durch. Es ist der schöne Teil von Gottes Plan, daß Liebe am Ende triumphiert. Es gibt auch ein glückliches Ende für Jakob.

 

Er glaubte, daß Joseph tot sei und fand ihn lebend in Ägypten. Als Jakobs Leben endet, ist es Joseph, der durch Gottes mitfühlende Barmherzigkeit Jakobs Augen schließt. 1. Mose 46:4)

 

Jakobs Leib wird in das verheißene Land zurückgebracht und in der Höhle Machpela bei Abraham und Isaak begraben. Dies stärkte seine Hoffnung in Gottes Verheißungen.

 

Jakobs Liebe für Joseph

 

Joseph war ein Kind von Jakobs geliebter Rachel. Er war jünger als die meisten seiner Brüder, weil Rachel eine Zeit lang unfruchtbar war.

 

Als Rachel schließlich Joseph gebar, bedingte dies ihn besonders zu lieben. Und was sogar noch wichtiger war, er war ein entzückendes Kind.

 

Dies mag für Joseph schön gewesen sein, aber es schuf Eifersucht unter seinen Brüdern. Folglich tendierten sie dazu ihn ins Verderben zu stürzen.

 

Es ist jedoch wichtig zu verstehen, daß Josephs enge Bindung an Jakob das Mittel war, durch welches er zu einem Verständnis und einer Wertschätzung seiner Erbschaft kam, der Abrahamischen Verheißung.

 

In all den Jahren, die er in Ägypten verbrachte, verging wahrscheinlich kein Tag, an dem er sich nicht an die kostbaren Verheißungen erinnerte.

 

Vielleicht fühlte er, daß sich die Abrahamischen Verheißungen zu erfüllen begannen, als er der Retter Ägyptens wurde.

 

Eifersucht ist so grausam wie das Grab

 

Wenn Eifersucht zuzunehmen beginnt, so kann sie ein normales gutes Herz in ein böses verwandeln.

 

Wir alle erinnern uns, wie Josephs Brüder ihn haßten und schließlich überein kamen, ihn zu töten. Ruben, der älteste Sohn, wollte nicht zulassen, daß seine Brüder Joseph töteten.

 

Er flüsterte ihnen ein, Joseph in eine Grube zu werfen, in der Hoffnung ihn später zu befreien. Hier erkennen wir, wie Gott den Zorn des Menschen zu Seiner eigenen Herrlichkeit wendet. Gott wollte Joseph in Ägypten haben. Er erlaubte den Zorn von Josephs Brüdern ihn in die Sklaverei zu verkaufen. Dies zu tun war eine gemeine und verächtliche Sache.

 

Es wird angenommen, daß Brüder zusammenhalten und einer dem anderen hilft. Dies ist eine Aufgabe, die wir im Sinn haben sollten. Wenn wir jemals finden, daß wir einem Bruder oder einer Schwester Unrecht zu tun wünschen, so sind wir sicherlich nicht vom Tod zum Leben hinübergegangen, weil wir die Brüder lieben.

 

Uns selbst verletzen wir am meisten, wenn die Liebe bei der Erprobung fehlt. Wir müssen die Brüder lieben. Es mag nicht immer mit der Maserung unserer alten Natur gehen, aber ohne Liebe sind wir nichts.

 

Joseph wurde für zwanzig Silberlinge verkauft. Das war der Preis für einen Sklaven, der weniger als dreißig Jahre alt war. Joseph war zu dieser Zeit siebzehn Jahre alt. Jesus wurde für dreißig Silberlinge verkauft, da er ein reifer Mann war.

 

Die Lektion ist die gleiche, außer daß wir für einen Altersunterschied berücksichtigen. Es wird uns nicht mitgeteilt, wie sie das Geld aufteilten. Da es zehn Brüder gab, würde jeder zwei Silberlinge bekommen haben, wenn sie dieselben gleichmäßig aufgeteilt hätten. Vielleicht wiesen einige das Geld zurück, als die Qualen der Schuld sie zu bedrücken begannen.

 

Joseph erlaubte seinem Umfeld nicht seinen Charakter zu gestalten  

 

Modern gedacht tendierte es dahin, daß zu erwarten sei, daß die persönliche Verrichtung durch das Umfeld beherrscht werden würde. Es wird gesagt, daß Leute auf Grund ihres Umfeldes sich schlecht oder gut benehmen.

 

Einerlei in welcher Umgebung wir leben, können wir auf der höheren Ebene unserer Ideale und Hoffnungen leben. Das ist die Lehre von Joseph. Er wurde kein Verbrecher, weil er mit Kriminellen im Gefängnis war. Während seine Brüder gemein und gehässig waren, handelte Joseph nicht in gleicher Weise.

 

Er behielt seine Ehrlichkeit, obwohl es keinen Lohn für sein Tun gab, sondern nur Bestrafung. Warum? Weil er auf einer höheren Ebene lebte und es sich selbst nicht erlauben würde auf die Ebene herabzusteigen, wo Zähne und Klauen vorherrschen.

 

Er plante nicht mit denen, die ihn mißhandelten, gleichförmig zu werden. Er hätte viele Gründe gehabt verbittert und rachsüchtig zu sein.

 

Er war von seinen Brüdern, von Potiphar und seiner bösen Frau, und von dem Mundschenk schlecht behandelt worden, der ihn zwei Jahre lang bei dem Pharao zu erwähnen vergaß.

 

Der Bericht in 1. Mose sagt uns, daß Gott mit ihm war, und er in allem Gelingen hatte, was er tat. Es mag nicht so erscheinen, daß Gott mit ihm war, weil er nach Ägypten gebracht wurde.

 

Es mag nicht so erscheinen, daß Gott mit ihm war, weil Potiphars Frau ihn fälschlich anklagte. Es mag nicht so erscheinen, daß Gott mit ihm war, als er für zwei weitere Jahre im Gefängnis war. Doch Gott war mit ihm, und er hatte Gedeihen im Gefängnis.

 

Er war ein Mann von unfehlbarem Charakter und erstaunlicher Fähigkeit zu organisieren und in einer fairen und brillianten Weise zu beaufsichtigen. Noch war er im Gefängnis und verbrachte einige der besten Jahre seines Lebens als ein Sklave oder Krimineller.

 

Wieviele von uns würden im Stande sein unter solch widrigen Umständen zu überwinden?

 

Es ist menschlich zu wünschen, daß Gott den Berg für uns fortbewegt, aber Gott wünscht, daß wir auf den Berg steigen, während Er uns die Kraft dazu gibt. Ihr wißt, wie Joseph aus dem Gefängnis genommen wurde, um Pharaos Traum zu deuten und dann Herrscher über Ägypten zu werden.

 

In 1.Mose 41:44 lesen wir: "Ich bin der Pharao, aber ohne dich soll kein Mensch im ganzen Land Ägypten seine Hand oder seinen Fuß erheben!’

 

Pharao stellt hier Gott dar. Joseph stellt Christus dar. Was für ein wunderbares Verhältnis bahnte sich hier zwischen dem Pharao und Joseph an. Denkt daran welche gewaltige Macht ein Mann in den Händen hielt, der gerade ungefähr dreißig Jahre alt war, der als ein Sklave und Gefangener dreizehn Jahre lang dahingesiecht hatte.

 

Stellt euch vor, wie weit die Macht reichte, die ihm gegeben wurde, daß niemand "seine Hand oder seinen Fuß erheben konnte,’ ausgenommen durch Josephs Einwilligung.

 

Dies war natürlich eine übertriebene Sprache, aber es bedeutete für den Einzelnen und für alle, daß Joseph vollkommene Macht und Autorität besaß.

 

Die sieben Jahre der Fülle stellen die Gnade und Wohltätigkeit Gottes bildlich dar, die in Christo während des Evangelium-Zeitalters ist, die Zeit der Gnade.

 

Die sieben Jahre der Hungersnot stellen das Mittlerkönigreich dar, wenn Christus mit oberster Herrschergewalt regieren wird. In dieser Zeit wird keiner im Stande sein in seiner eigenen Gerechtigkeit zu stehen. Der Mittler wird sie vor der exakten Forderung der Gerechtigkeit beschützen.

 

Christus wird sie aufrechterhalten. Wie die Hungersnot schädigte, so mußte das Volk alle seine Besitztümer verkaufen und sich selbst zu Sklaven des Pharao machen.

 

Dies stellt bildlich dar, wie alle Menschen sich Gott übergeben und völlig geweiht sein müssen, wenn Christus das Königreich dem Vater übergibt.

 

Ihre einzige Chance zu überleben wird sein die Bedingungen anzunehmen, die der gegenbildliche Joseph über sie bringt.

 

Die Welt braucht die Vorsorge, die der Mittler für sie trifft, dessen Gerechtigkeit sie stützen wird, um vor dem Thron Jehovas zu stehen, bis daß sie ihre eigene menschliche Vollkommenheit erlangen. Ohne die Vorsorge des gegenbildlichen Joseph würden sie alle umkommen, sie könnten niemals Vollkommenheit oder ihre eigene Gerechtigkeit erlangen.

 

Wir hingegenen sind im Stande jetzt unser Leben zu weihen. Wir gaben unseren Besitz ab und übergaben unseren Willen Gott während der Zeit der Gnade, und unser Platz wird daher bei Joseph sein. Es wird unsere Aufgabe im Königreich sein, die Menschen in Bezug auf Eigenwillen arm zu machen, und sie unter den Willen Gottes zu bringen.

 

Um Josephs Vorrat an Nahrung zu bekommen, (die, wenn sie diese Nahrung essen, sie in Gerechtigkeit wachsen läßt), müssen sie sich von ihren aufgehäuften Hilfsmitteln entladen, um sich schließlich ganz der Oberherrschaft Gottes zu übergeben. (1. Mose 47:24,25)

 

Israel mußte ein Zehntel (den Zehnten) den Priestern und Leviten geben. Joseph brachte die Ägypter dazu ein Fünftel dem Pharao zu geben, ein doppeltes Zehntel in Gottes Königreich. Ich weiß, nichts von dem stellt Joseph sehr freigiebig dar, aber dies sind die Bedingungen für ewiges Leben.

 

Die "Böcke’ werden diese Anordnung nicht mögen. Sie werden sich ein wenig unter der Königreichsherrschaft wund reiben und begierig sein, für sich selbst bessere Bedingungen zu schaffen.

 

Was wir verstehen müssen ist, daß die gegenwärtige Menschheit vier Fünftel haben wird, was reichlich mehr ist, als was sie jemals nutzen können.

 

Wenn die Menschheit nur ein Fünftel ihrer Arbeit zu dem allgemeinen Gut weihen würde, wie reich würde diese Welt sein! Hat Gott jemals nur soviel wie einen Pfennig von der Erde genommen? Nein! Und Er wird es niemals tun.

 

Gott und Christus werden jedoch das, was zur Förderung der Menschheit getan wird, so bewerten, als ob es ihnen getan würde. 1. Mose 44:18: "denn du bist dem Pharao gleich.’ Dies sind die Worte, die Juda zu Joseph sprach. Ja, Christus übt die ihm von Gott gegebene Macht und Autorität aus.  Wahrscheinlich nahmen die Ägypter es Joseph übel, solch eine Macht auszuüben. Ich bin sicher, daß sie versuchten, diese Autorität zu umgehen. Der Pharao würde jedoch nicht einem Ägypter Josephs Autorität entziehen, -nicht einem. Christus ist jetzt unser Haupt.

 

Wir können nicht erwarten, daß die Welt seine Vormachtstellung anerkennt, wenn wir das Haupt jetzt nicht anerkennen.

 

Diejenigen, die danach trachten die Braut Christi zu sein, müssen eifrig sein, die überragende Stellung jetzt und für immer zu akzeptieren. Die hier anders denken brauchen nicht zu hoffen, seine Braut zu sein.

 

Das Ringen um höchste Autorität