DER PLAN DER ZEITALTER

 

1886

SCHRIFTSTUDIEN

 

"Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe."

 

BAND 1.

 

DER PLAN DER ZEITALTER

 

Eine Rechtfertigung des göttlichen Charakters und seiner Herrschergewalt. Eine Darstellung unter der Anerkennung und in Übereinstimmung mit der ganzen Heiligen Schrift, daß die Zulassung des Bösen in der Vergangenheit und Gegenwart die Menschheit belehrt und vorbereitet hat für ihre Ein- führung in das

 

GOLDENE ZEITALTER DER PROPHFZEIUNG,  

 

in welchem alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen mit einer vollen Erkenntnis Gottes und mit einer vollen Gelegenheit, durch den Erlöser das ewige Leben zu erlangen, welcher dann der große Erretter und Lebengeber sein wird. - Apg. 3:19-21

 

Dem König

 

ALLER KÖNIGE UND HERRN ALLER HERREN

 

zum Besten

 

seiner ihm geweihten  "Heiligen",

 

die da warten auf die Kindschaft,

 

-und-

 

"aller, die an allen Qrten den Namen unseres Herrn Jesus

 

Christus anrufen",

 

   "für die Hausgenossen des Glaubens",

 

-und-

 

,, der harrenden Kreatur, die zusammenseufzt und in Geburtswehen

 

liegt, wartend auf die Offenbarung der

 

Söhne Gottes",

 

IST DIESES WERK GEWIDMET

 

,, Alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott". ,, Nach dem Reichtum seiner Gnade, welche er gegen uns hat überströmen lassen in aller Weisheit und Einsicht, indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens nach seinem Wohlgefal- len, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst, für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzu- bringen in dem Christus,"

 

 Eph 3:4, 5, 9; 1:8-10.

Vorwort des Verfassers.

 

Der Verfasser und die Herausgeber möchten öffentlich die Gnade Gottes rühmen, die es ihnen gestattet hat, einen Anteil zu haben an der Verbreitung dieses Bandes und an seinen Ergebnissen-dem Licht, der Freude, dem Frieden und der Gemeinschaft mit Gott, an viele hungernde, dürstende und irrende Seelen. Die erste Auflage in seiner jetzigen Form wurde im Jahre 1886 herausgegeben. Seitdem  folgte eine Auflage auf die andere in schneller Reihenfolge und in zwanzig verschiedenen Sprachen, bis jetzt sind ungefähr fünf Millionen Exemplare in den Händen der Menschheit in der ganzen Welt.

 

Wir können nicht hoffen, daß alle diese Bücher gelesen worden sind; aber die uns ständig zugehenden Briefe versichern uns, daß sie überall in den Herzen und in dem Verständnis der Menschen eine mächtige Wirkung ausüben. Tausende schreiben uns von dem Einfluß, den das Buch auf sie gehabt hat. Einige von ihnen waren hinsichtlich der Bibel, als einer göttlichen Offenbarung für die Menschen, völlig ungläubig. Andere schreiben uns, daß sie entweder Atheisten gewesen oder nahe daran gewesen sind, solche zu werden, weil sie vorher nicht den wahren Gott und seinen wahrhaftigen Plan der Zeitalter gekannt hatten, und den Charakter, der ihnen gewöhnlich in den Glaubensbekenntnissen gezeigt worden war, weder annehmen, noch wertschätzen oder anbeten konnten.

 

Etwa fünf Jahre vor der ersten Veröffentlichung dieses Bandes war im wesentlichen das gleiche schon einmal im Druck erschienen, nur unter einem anderen Namen und in einer anderen Form. Das Buch war betitelt: ,, Speise für denkende Christen". Der Inhalt war insofern verschieden, als zuerst der Irrtum angegriffen und niedergerissen wurde, und an dessen Stelle dann das Gebäude der Wahrheit errichtet wurde. Wir lernten schließlich jedoch, daß dies nicht der beste Weg ist, daß einige bestürzt waren, als sie ihre Irrtümer zusammenbrechen sahen, und sie unterließen es, weiterzulesen und damit einen Blick auf das wundervolle Gebäude der Wahrheit zu werfen anstelle ihrer niedergerissen Irrtümer.

 

Der vorliegende Band wurde von dem entgegengesetzten Standpunkt aus geschrieben. Er zeigt die Wahrheit, ihre Kraft und Schönheit, und dann empfiehlt er die Beseitigung des Irrtums, weil derselbe nicht nur unnötig, sondern absolut nutzlos und sehr schädlich ist. So findet der Leser des ,, GÖTTLICHEN PLANES DER ZEITALTER" bei jedem Schritt eine Stärkung seines Glaubens und empfindet eine größere Nähe zum Herrn und findet deshalb auch das Vertrauen, daß er auf dem richtigen Wege ist. Nachdem die Wahrheit erkannt worden ist, erscheinen die Irrtümer immer törichter, wertloser und schädlicher, und sie werden mit Freude abgelegt.

 

Der große Widersacher hat natürlich keine Liebe für irgendetwas, das die Augen von Gottes Volk öffnet, ihre Ehrfurcht vor Gottes Buch erhöht und ihr Vertrauen auf menschliche Glaubensbekenntnisse zerbricht. Deshalb widersteht der große Widersacher diesem Buch sehr, wie wir es haben erwarten dürfen. Nur wenige erkennen des Satans Macht und Gerissenheit; nur wenige erkennen die Bedeutung der Worte des Apostels bezüglich dieses Fürsten der Finsternis, der sich als ein Diener des Lichts darstellt, um die Wahrheit zu bekämpfen und ihren Einfluß zu zerstören. Nur wenige erkennen, daß unser schlauer Widersacher danach trachtet, die Besten, Tatkräftigsten und Einflußreichsten vom Volke Gottes zu benutzen, um das Leuchten des Lichtes zu verhindern und den göttlichen Plan der Zeitalter dem Volk vorzuenthalten.

 

Nur wenige erkennen, daß seit der Zeit, als das Aufstellen von Glaubensbekenntnisses anfing, im Jahre 325  n. Chr., es praktisch für 1.260 Jahre kein Bibelstudium gegeben hat. Nur wenige erkennen, daß sich während dieser Zeit die Glaubensbekenntnisse in das Verständnis von Millionen befestigt haben, sie an schreckliche Irrtümer gebunden haben und sie blind gemacht haben. Nur wenige erkennen, daß seit der Reformation, seitdem die Bibel begann, wieder in die Hände des Volkes zurückzugelangen-gut gesinnte, aber getäuschte Reformatoren durch die Irrtümer der Vergangenheit verblendet und gehemmt worden sind, und daß diese ihrerseits wieder dazu beigetragen haben, das Volk in Finsternis zu halten.

 

Nur wenige erkennen, daß ein wirkliches Bibelstudium, so wie es in den Tagen der Apostel in der frühen Herauswahl stattfand, erst jetzt wieder durch die Bibelforschern zurückgekommen ist.

 

In den ersten Auflagen dieses Bandes wurde der Titel ,, Millennium Tagesanbruch" gebraucht; aber wir fanden heraus, daß einige dadurch getäuscht worden sind, meinend, es  handle sich um einen Roman. Damit niemand getäuscht werde und niemand durch solch  eine Täuschung sich zum Kaufe bewegen lassen möge, haben wir ihm später den jetzigen Titel "Schriftstudien" gegeben, welchen niemand mißverstehen kann.

 

Viele Frage haben uns erreicht, warum diese Bücher nicht in den Buchhandlungen gefunden werden können. Unsere Antwort lautet, daß, während die Buchverleger sich freuen würden, diese Bücher zu haben, es doch gewisse religiöse Zeloten (Eiferer) gibt, die ihren Verkauf nicht erlauben wollen und deren Boykott androhen. Zuerst erschien das als ein großes Mißgeschick-als ob es der Macht des Widersachers gestattet wäre, die Ausbreitung der Wahrheit zu verhindern. Aber Gott lenkte in seiner Gnade die Angelegenheit, so daß heute wahrscheinlich kein anderes Buch so weit verbreitet ist, wie dieser Band. Diejenigen, welche sich aus Vorurteil weigerten, das Buch zu lesen, und gegen dasselbe ankämpften, taten es, weil sie an Unwahrheiten und falsche Darstellungen glaubten.

 

Viele von diesen Büchern sind von Menschen verbrannt worden, die sie niemals gelesen haben, weil sie durch falscher Darstellungen beeinflußt waren. Genauso war es während des Finsteren Mittelalters in bezug auf die Nachfolger Jesu, die als Märtyrer litten. Ja, Jesus selbst litt durch die Hände solcher, die weder Ihn noch seine Lehren verstanden, wie der Apostel Petrus sehr deutlich erklärt. ,, Und jetzt Brüder, ich weiß, daß ihr in Unwissenheit gehandelt habt, gleichwie auch eure Obersten." (Apg. 3:17.) ,, Denn wenn sie es erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben." (1. Kor. 2:8.)

 

Wenn aber die Feinde dieses Buches bitter, ungerecht und unaufrichtig gewesen sind, so sind seine Freunde in gleichem Maße warm und eifrig. Die Millionen von Kopien in den Händen des Volkes wurden nahezu alle durch die Freunde dieses Buches verbreitet, welche aus Liebe zur Wahrheit Zeit und Kraft für seine weite Verbreitung gegeben haben. Während wir diese Zeilen schreiben, haben wir Kenntnis von der Tatsache, daß ungefähr 600 Christen verschiedener Lebenswege ,, alles verlassen haben", irdische Geschäfte, Berufe und Aussichten, damit sie den Herrn verherrlichen und seine hungrigen Heiligen segnen mögen, indem sie diesen kleinen Band in ihre Hände legen. Sie schließen Ärzte, Schullehrer, Krankenschwestern, Prediger, Friseure, Mechaniker, Leute aus allen Lebenswegen mit ein, die selbst im Herzen durch die Liebe Gottes berührt wurden und jetzt darauf bedacht sind, den Segen auch anderen Herzen und Köpfen weiterzugeben.

 

Die Bücher werden zu einem niedrigen Preis verkauft, und diese Kolporteure, die sie der Öffentlichkeit anbieten, können damit kaum ihre Kosten bestreiten. Sie freuen sich jedoch umso mehr, wenn sie manchmal Entbehrungen erdulden und würdig erachtet werden, einige Unannehmlichkeiten und Verluste um des Herrn, der Wahrheit und der Brüder willen zu erleiden. Das gute Werk geht weiter, die Botschaft von dem Leben in Christus geht von Hand zu Hand. Das gegenwärtige Ergebnis von diesem Band ist enorm groß. Möge seine Segnung in zukünftigen Tagen ebenso groß sein wie in der Vergangenheit. Der Verfasser und die Herausgeber können nicht um mehr bitten.

 

Mit den besten Wünschen für alle Leser,

 

Euer Diener im Herrn Charles T, Russell

 

Brooklyn N. Y., 1. Oktober 1916

STUDIE 1—Die Sündennacht der Erde soll in einem Freudenmorgen zu Ende gehen.

 

Eine Nacht des Weinens und ein Morgen der Freude. -Zwei Wege, die Wahrheit zu suchen. -Der Weg, der hier eingeschlagen wird. -Der Umfang des Werkes. -Unterschied zwischen dem ehrfurchtsvollen Forschen in der Schrift und der gefährlichen Gewohnheit der Mutmaßung. -Der Zweck der Prophezeiungen. - Der gegenwärtige religiöse Zustand der Welt von zwei Standpunkten aus betrachtet. -Ägyptische Finsternis. -Ein Bogen der Verheißung. -Der Pfad der Gerechten ist ein fortschreitender. -Ursache des großen Abfalls. -Die Reformation. -Die gleiche Ursache verhindert erneut einen wirklichen Fortschritt. -Vollkommenheit in der Erkenntnis nicht eine Sache der Vergangenheit, sondern der Zukunft.

 

Der Titel von der Reihe der Schriftstudienbände- ,, Der Göttliche Plan der Zeitalter" -deutet auf einen Fortschritt in der göttlichen Anordnung hin, welche von Gott zuvor gekannt und festgelegt worden ist. Wir glauben, daß die Lehren der göttlichen Offenbarung nur von diesem Standpunkt aus und von keinem anderen als schön und harmonisch anerkannt werden können. Die Zeitspanne, in welcher die Sünde zugelassen ist, ist für die Menschheit eine finstere Nacht gewesen, die nie vergessen werden wird; aber der herrliche Tag der Gerechtigkeit und der göttlichen Gnade wird durch den Messias herbeigeführt werden, welcher sich als die Sonne der Gerechtigkeit erheben wird und vollkommen und sehr klar in und über allen scheinen wird, Heilung und Segnung herbeiführend, so daß dieser Tag bei weitem die schreckliche Nacht des Weinens und des Seufzen, der Schmerzen und der Krankheit und des Todes ausgleichen wird, in welchem Zustand sich die seufzende Schöpfung so lange befunden hat. ,, Das Weinen mag für eine Nacht lang anhalten, aber am Morgen kommt Freude."  Psl. 30:5 (Living-Bible-Übersetzung)

 

Obwohl die ganze Schöpfung, während sie sich in Schmerzen plagt und abmüht,  gefühlsmäßig auf den Tag wartet, sich nach ihm sehnt und auf ihn hofft, den sie ,, das goldene Zeitalter" nennt, tasten die Menschen bis jetzt blindlings um sich herum, weil sie nicht die gnadenvollen Absichten des großen Jehova kennen. Aber ihre höchsten Vorstellungen von solch einem Zeitalter liegen weit hinter dem zurück, was die Wirklichkeit sein wird. Der große Schöpfer bereitet ,, ein Mahl von Fettspeisen" vor (Jes. 25:6), welches seine Geschöpfe in Staunen setzen wird und über die Maßen und überaus reichlich jenseits dessen sein wird, was sie vernünftigerweise erbitten oder erwarten könnten. Und seinen erstaunten Geschöpfen, welche die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe der Liebe Gottes betrachten, welche alle Erwartung übertrifft, erklärt er: ,, Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken." -Jes. 55:8-9

 

Obgleich wir uns in diesem Werke darum bemühen werden, und wir glauben mit Erfolg, dem interessierten und vorurteilsfreien Leser den Plan Gottes, wie er sich auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft seiner Handlungen bezieht und sie erklärt, in einer harmonischeren,  schöneren  und  vernünftigeren Weise darzustellen als er gewöhnlich verstanden wird, so wird doch ganz klar darauf hingewiesen, daß dies nicht das Ergebnis außergewöhnlicher Weisheit oder Fähigkeit auf der Seite des Verfassers sei. Es ist das Licht von der Sonne der Gerechtigkeit in dieser Morgendämmerung  des Millenniumtages (des Tausendjährigen Tages), welches diese Dinge als ,, gegenwärtige Wahrheit" (2. Pet. 1:12) offenbart, die jetzt an der Zeit sind, von den Aufrichtigen, die reines Herzens sind, gewürdigt zu werden.

 

Seitdem es verbreitet ist, alles anzuzweifeln, wird oft sogar von Aufrichtigen die Grundlage von dem wahren Glauben und die Grundlage der Wahrheit in Frage gestellt. Wir haben uns darum bemüht, genug von dieser Grundlage, auf welcher aller Glauben aufgebaut sein sollte-dem Worte Gottes-zum Vorschein zu bringen, um selbst den Ungläubigen Vertrauen und Zuversicht in sein Zeugnis zu geben. Und wir haben uns darum bemüht,  das in einer Weise zu tun, daß es ansprechend ist und durch den Verstand als Grundlage angenommen werden kann. Dann haben wir uns darum bemüht, auf dieser Grundlage die Lehren der Schrift in solch einer Weise aufzubauen, daß, soweit als möglich, selbst rein menschliches Urteil seine Ecken und Kanten prüfen mag mit dem genauesten Maßstab der Gerechtigkeit, der ihm zur Verfügung steht.

 

In der Überzeugung, daß die Schrift einen feststehenden und harmonischen Plan offenbart, der, wenn erkannt, sich jedem geheiligten Gewissen von selbst empfiehlt, ist dieses Werk in der Hoffnung veröffentlicht worden, den Forschern des Wortes Gottes durch die Darlegung von Denkrichtungen, die mit einander und mit dem inspirierten Worte in Harmonie sind, eine Handleitung zu geben. Diejenigen, welche die Bibel als die Offenbarung von Gottes Plan anerkennen-und an solche wenden wir uns ganz besonders-werden zweifelsfrei zugeben,  daß die Lehren, wenn sie von Gott eingegeben sind, als Ganzes genommen einen harmonischen und mit sich selbst und mit dem Charakter des göttlichen Urhebers übereinstimmenden Plan offenbaren müssen. Unser Ziel als Wahrheitssucher sollte sein, den ganzen von Gott geoffenbarten Plan in seiner Vollkommenheit und Harmonie zu erkennen; und als Kinder Gottes haben wir allen Grund dafür, dies zu erwarten, weil es verheißen worden ist, daß der Geist der Wahrheit uns in die ganze Wahrheit leiten wird.  Joh. 16:13

 

Als Fragende, eröffnen sich uns dabei zwei Methoden. Die eine ist, unter allen Ansichten, die von den verschiedenen Sekten der Kirchen vorgeschlagen werden, zu suchen, und von jeder den Bestandteil anzunehmen, welchen wir als die Wahrheit betrachten mögen-eine endlose Aufgabe. Eine Schwierigkeit, auf welche bei dieser Methode treffen würden, ist die, daß, wenn unser Urteil verzerrt und verdreht ist, oder unsere Vorurteile nach irgend einer Seite hin eingeschlagen sind-und bei wem ist das nicht der Fall-diese Schwierigkeiten unsere richtige Wahl verhindern würden, und wir so den Irrtum wählen würden und die Wahrheit verwerfen. Außerdem, wenn wir dies als unsere Methode wählen würden, würden wir viel verlieren, weil die Wahrheit voranschreitet und bis zum vollkommenen Tag immer heller leuchtet für diejenigen, welche nach ihr suchen und in ihrem Lichte wandeln (Spr. 4:18), während die verschiedenen Glaubensbekenntnisse der vielen Sekten feststehend und stillstehend sind, und in dieser Weise  schon vor Jahrhunderten aufgestellt wurden. Und jedes von ihnen muß einen großen Teil von Irrtum enthalten, da eins dem andern in wichtigen Punkten widerspricht. Diese Methode würde in ein Labyrinth von Verwirrung und Unklarheit führen. Die andere Methode ist die, daß wir unser Verständnis von allen Vorurteilen befreien und bedenken, daß niemand mehr über Gottes Pläne wissen kann, als er in seinem Wort geoffenbart hat, und daß es den Sanftmütigen und von Herzen Demütigen gegeben worden ist; und nur als solche, welche ernstlich und aufrichtig seine Leitung und Belehrung suchen, werden wir von seinem großen Urheber geführt zu einem Verständnis desselben, wie es an der Zeit ist, verstanden zu werden, indem wir von den verschiedenen Hilfsmitteln, welche von Gott bereitgestellt wurden, Gebrauch machen. Siehe  Eph 4:11-16

 

Als ein Hilfsmittel für diese Klasse von Bibelforschern ist dieses Werk ganz besonders bestimmt. Man wird bemerken, daß die Beweisführungen nur aus der Schrift genommen sind, ausgenommen da, wo die Weltgeschichte angeführt werden kann als Erfüllung der Erklärungen der Schrift. Dem Zeugnis der modernen Theologen ist kein Gewicht beigelegt und das der sogenannten Kirchenväter ist beiseite gelassen worden. Viele von ihnen haben in Übereinstimmung mit den Gedanken, die hier ausgedrückt werden, Zeugnis abgelegt, aber wir glauben, daß es ein allgemeiner Irrtum dieser und aller Zeit ist, daß die Menschen bestimmte Lehren glauben, weil andere es taten, zu denen sie Vertrauen hatten. Das ist sehr eindeutig eine                                      fruchtbare Ursache für den Irrtum gewesen, weil viele gute Menschen Irrtum geglaubt und gelehrt haben mit einem ganz guten Gewissen. (Apg. 26:9) Die Wahrheitssucher sollten ihre Gefäße von den schlammigen Wassern der Tradition entleeren, und sie an der Quelle der Wahrheit-dem Worte Gottes-füllen. Keine religiöse Belehrung sollte Gewicht haben, es sei denn, daß sie die Wahrheitssucher zu dieser Quelle führe.

 

Auch wenn für eine allgemeine und schnelle Untersuchung der ganzen Bibel und ihrer Lehren, dieses Werk viel zu klein ist; so haben wir uns aber trotzdem darum bemüht, die Eile unserer Zeit erkennend, uns so kurz zu fassen, als die Wichtigkeit der Themen es zuzulassen erschien.

 

Dem interessierten Bibelforscher möchten wir darauf hinweisen, daß es für ihn nutzlos sein würde, dieses Werk nur zu überfliegen und zu hoffen, die Kraft und die Harmonie des dargelegten Planes und der darin angeführten Schriftbeweise zu erhalten. Wir haben uns stets darum bemüht, die verschiedenen Teile der Wahrheit nicht nur in solch einer Sprache, sondern auch in einer solcher Reihenfolge darzulegen, daß es für alle Leserkreise möglichst leicht werde, den Gegenstand und allgemeinen Plan sehr klar zu begreifen. Während für die Wertschätzung irgendeiner Wissenschaft ein durchgängiges und ordentliches Studium erforderlich ist, so ist das ganz besonders bei der Wissenschaft der göttlichen Offenbarung der Fall. Und bei diesem Werk ist es doppelt notwendig aus der Tatsache heraus, daß es zusätzlich zu seinem Wesen von einer Abhandlung über göttlich geoffenbarte Wahrheiten auch noch eine Untersuchung der Themen ist, und das von einem ganz unterschiedlichen Standpunkt heraus, als, soweit wie wir wissen, es in irgendeinem anderen Werk der Fall ist. Wir müssen keine Entschuldigung für die Behandlung vieler Themen anbieten, welche gewöhnlich durch Christen vernachlässigt werden-unter anderem das Kommen unseres Herrn, die Prophezeiungen und die symbolischen Darstellungen des Alten und Neuen Testaments. Kein theologisches System sollte aufgestellt oder angenommen werden, das die wichtigsten Züge der Lehren der Schrift übersieht oder ausläßt. Wir vertrauen aber darauf, daß ein großer Unterschied erkannt werden wird zwischen dem aufrichtigen, vernünftigen und ehrfurchtsvollen Studium der Prophezeiung und anderer Schriftstellen in dem Licht erfüllter, historischer Tatsachen, um zu Schlußfolgerungen zu gelangen, denen der geheiligte, gesunde Menschenverstand zustimmen kann, und im Gegensatz dazu einer sehr weitverbreiteten Ausübung allgemeiner Spekulation und Mutmaßung, welche, wenn sie auf die göttlicher Prophezeiung angewandt wird, sehr leicht dazu führt, die Zügel loszumachen hin zu unsicherer Theorie und zu ungenauer Phantasie. Diejenigen, welche in diese gefährliche Gewohnheit verfallen sind, entwickeln sich gewöhnlich zu Propheten (?) anstatt zu Forschern der Propheten.

 

Keine Arbeit ist edler und erhebender als das ehrfurchtsvolle Studium der geoffenbarten Absichten von Gott, ,, in welche Dinge die Engel hinauszuschauen wünschen." (1. Petr. 1:12) Die Tatsache, daß Gottes Weisheit sowohl Prophezeiungen über die Zukunft bereitgestellt hat als auch Aussagen über die Gegenwart und die Vergangenheit, ist an sich selbst ein Tadel von Jehova betreffend die Torheit einiger seiner Kinder, welche ihre Unwissenheit und Nachlässigkeit beim Studium seines Wortes damit entschuldigt haben, daß sie sagten: ,, Es ist genug im fünften Kapitel des Matthäus enthalten, um irgend einen Menschen selig zu machen." Ebensowenig dürfen wir annehmen, daß die Prophetie lediglich dazu gegeben worden ist, um die Neugierde über die Zukunft zu befriedigen. Ihr Zweck ist ganz offensichtlich der, das Gott geweihte Kind mit dem Plane seines Vaters vertraut zu machen und so sein Interesse und seine Anteilnahme an diesem Plan hervorzurufen und es so zu befähigen, sowohl die Gegenwart als die Zukunft von Gottes Standpunkt aus zu betrachten. Wenn es auf diese Weise an des Herrn Werk interessiert worden ist, dann mag es auch mit dem Geiste und mit dem Verstand dienen; nicht nur als ein  Knecht, sondern als ein Kind und als ein Erbe. Die Offenbarung dessen, was kommen soll, hebt für dasselbe den Einfluß auf, den die Gegenwart ausübt. Die Wirkung des sorgfältigen Studiums kann nicht anders als stärkend für den Glauben und antreibend zur Heiligung sein.

 

In Unwissenheit über Gottes Plan hinsichtlich der Befreiung der Welt aus der Sünde und ihren Folgen und unter der falschen Vorstellung, daß die Namenchristenheit in ihrem jetzigen Zustand das einzige Werkzeug für ihre Bekehrung sei, ist der Zustand der Welt von heute, nachdem das Evangelium seit fast neunzehn Jahrhunderten gepredigt worden ist, der, daß in jedem nachdenkenden Verstand, das in dieser Weise so falsch belehrt worden ist, ernste Zweifel entstehen. Und solche Zweifel sind nicht leicht von etwas anderem zu beseitigen als von der Wahrheit allein. In der Tat, jedem nachdenkenden Beobachter muß eins von beiden einleuchten: Entweder die Kirche hat einen großen Fehler gemacht, indem sie annahm, daß ihre Aufgabe im gegenwärtigen Zeitalter und in ihrem gegenwärtigen Zustand die gewesen sei, die Welt zu bekehren, oder aber Gottes Plan ist ein kläglicher Fehlschlag gewesen. Welche Seite von diesen zwei Situationen sollen wir annehmen? Viele haben und noch viele mehr werden ohne Zweifel die letztere annehmen und die Reihen des Unglaubens werden zunehmen, sei es heimlich oder öffentlich. Um solchen zu helfen, die auf diese Weise straucheln, ist eine der Absichten von diesem Band.

 

Auf der nächsten Seite stellen wir ein Diagramm dar, welches zuerst von der ,, Londoner Missions-Gesellschaft" und danach in den Vereinigten Staaten von dem ,, Presbyterianischen Frauen-Missions-Verein" veröffentlicht wurde. Er wurde ,, ein stummer Hilferuf von seiten der ausländischen Missionen" genannt. Er erzählt eine traurige Geschichte von der Finsternis und Unwissenheit von dem einzigen Namen unter dem Himmel, in welchem wir errettet werden können.

 

,, The Watchman" - eine Zeitschrift des Y. M. C. A. (des Christlichen Vereins Junger Männer-C. V. J. M.) von Chicago-veröffentlichte  auch dasselbe Diagramm und kommentierte es mit folgenden Worten:

 

"Die Vorstellungen, die manche von dem religiösen Zustand der Welt haben, sind sehr nebelig und unbestimmt. Wir hören von großartigem Erweckungswerk in der Nähe und Ferne, von neuen Missionsbestrebungen nach allen Seiten hin, von einem Land nach dem anderen, das sich dem Evangelium auftut, und von großen Summen, die zu seiner Verbreitung verwendet werden; und wir erhalten die Vorstellung, daß zur Bekehrung der Völker der Erde genügende Anstrengungen gemacht werden. Man schätzt die heutige Bevölkerung der Erde auf eine Milliarde vierhundertvierundzwanzig Millionen (1.424.000,000); und wenn man das Diagramm genau betrachtet, so wird man erkennen, daß bedeutend über die Hälfte-nahezu zwei Drittel-noch ganz heidnisch sind, und der Rest zum größten Teil entweder Nachfolger Mohammeds oder Glieder der beiden großen abtrünnigen Kirchen sind, deren Religion tatsächlich ein Götzendienst im christlichen Gewande ist, und von denen man kaum sagen kann, daß sie an dem  Evangelium von Christus noch festhalten oder lehren. Auch muß man, was die einhundertundsechzehn Millionen (116.000.000) Protestanten dem Namen nach anbetrifft, bedenken, welch ein großer Teil in Deutschland, England und in diesem Land in den Unglauben versunken ist-eine Finsternis, womöglich noch dichter als die des Heidentums-und wieviele durch Aberglauben verblendet oder in äußerster Unwissenheit geknechtet sind. Während also acht Millionen Juden Jesus von Nazareth verwerfen, und mehr als dreihundert Millionen, die seinen Namen tragen, vom Glauben an ihn abgefallen sind, beugen sich weitere hundertsiebzig Millionen vor Mohammed; und die ungeheuren Massen der übrigen Menschheit sind bis auf den heutigen Tag Anbeter von Stock und Stein, ihrer eigenen Vorfahren, toter Helden oder selbst des Teufels; alle

 

haben in der eine Weise oder in der anderen das Geschöpf angebetet und ihm gedient anstatt dem Schöpfer, welcher ist der Gott über allen und gesegnet für immer. Ist das nicht genug, um das Herz des denkender Christen tieftraurig zu machen."

 

Wahrlich, dies ist ein trauriges Bild! Und wenn das Diagramm auch unterschiedliche Schatten zwischen Heiden, Mohammedanern und Juden darstellt, so sind doch in der gänzlichen Unwissenheit über Christus alle gleich. Im ersten Augenblick möchten wohl manche meinen, daß diese Ansicht über das Zahlenverhältnis der Christenheit zu schwarz und übertrieben sei, wir hingegen glauben das gerade Gegenteil. Es zeigt die Namenchristenheit in möglichst glänzenden Farben. Die als Protestanten aufgezählten 116 Millionen zum Beispiel übersteigen bei weitem die wirkliche Zahl. Sechzehn Millionen, glauben wir, würde viel eher die Zahl der erwachsenen, bekennenden Kirchenmitglieder treffen; und eine Million, befürchten wir, wäre viel zu hoch eingeschätzt für die "kleine Herde", die "Geheiligten in Christo Jesu", die ,, nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist." Man sollte im Gedächtnis behalten, daß ein großer Teil der Kirchenmitglieder, welche in der Berechnung immer mitgezählt werden,  junge Kinder und Minderjährige sind. Besonders ist dies in den Ländern Europas der Fall. In einigen dieser Länder werden die Kinder von ihrer frühesten Kindheit an als Kirchenmitglieder angesehen.

 

Aber so dunkel wie dieses Bild auch erscheint, es ist noch nicht das dunkelste Bild, das die gefallene Menschheit darbietet. Das jetzt folgende Diagramm stellt nur die gegenwärtig lebende Generation dar. Wenn wir die Tatsache betrachten, daß Jahrhundert für Jahrhundert in den vergangenen sechstausend Jahren weitere große Mengen dahin geschwommen sind, die fast alle in derselben Unwissenheit und Sünde verstrickt gewesen sind, wie dunkel ist der Überblick dann! Vom allgemein üblichen Standpunkt aus gesehen ist es wahrlich ein schreckliches Bild! Das Diagramm, welches die Zahl der Menschheit im Jahre 1886 und ihr Zahlenverhältnis in religiöser Beziehung veranschaulicht.

 

Die verschiedenen Glaubensbekenntnisse von heute lehren, daß alle diese Milliarden der Menschen, unbekannt mit dem einzigen Namen unter dem Himmel, in welchem wir errettet werden können, sich auf dem direkten Weg zur ewigen Qual befinden; und nicht nur das, sondern auch all die 116 Millionen Protestanten, ausgenommen die verschwindend kleine Zahl der Heiligen, seien des gleichen Schicksals gewiß. Kein Wunder daher, daß diejenigen, welche solch schreckliche Gedanken über Jehovas Plan und Absichten haben, in der Förderung von Missionsunternehmungen sehr eifrig sind-das Wunder dabei ist, daß sie daran nicht verzweifeln. In Wirklichkeit an dies zu glauben und solche Schlußfolgerungen wertzuschätzen, würde jegliche Freude im Leben rauben und würde jeden heiteren Ausdruck des Wesens in Trauer hüllen.

 

Zum Beweis dafür, daß wir die sogenannte "Orthodoxie" in bezug auf das Schicksal der Heiden nicht falsch dargestellt haben, zitieren wir den Schlußsatz der Flugschrift ,, Ein stummer Hilferuf von seiten der ausländischen Missionen" an, in dem das Diagramm veröffentlicht worden war. Derselbe lautet: "Bekehrt die mächtigen Generationen im Ausland  - die 1.000 Millionen Seelen, von denen pro Tag 100.000 in Verzweiflung ohne Christus dahinsterben."

 

Aber obwohl dies vom Standpunkt menschlicher Glaubensbekenntnisse aus eine traurige Aussicht ist, so bietet die heilige Schrift doch einen viel tröstlicheren Ausblick dar, welchen darzulegen, die Absicht dieser Seiten ist. Durch das Wort belehrt können wir nicht glauben, daß Gottes großer Plan der Errettung je solch ein Fehlschlag sein sollte. Es wird für das erstaunte Kind Gottes eine Erleichterung sein festzustellen, daß der Prophet Jesaja diesen bestimmten Zustand der Dinge und seine Heilung genau voraussagt mit den Worten: ,, Siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Nationen (Heiden) werden in deinem Lichte wandeln." (Jes. 60:2,3) In dieser Prophezeiung wird die dichte Finsternis durch den Bogen der Verheißung erleuchtet: "Die Nationen (alle Nationen der Erde überhaupt) werden in deinem Lichte wandeln."

 

Der ständige Kummer und die andauernde Finsternis der Welt und der langsame Fortschritt der Wahrheit war ein Geheimnis, aber auch die Welt selbst hat ihren Zustand erkannt und gefühlt. Ähnlich der Dunkelheit, die Ägypten einhüllte, und die gefühlt werden konnte. Als Beweis für dies erkenne den Geist der folgenden Zeilen, ein Ausschnitt aus einer Zeitung aus Philadelphia. Der Zweifel und die Finsternis, welche durch die verschiedenen Glaubensbekenntnisse der verschiedenen Schulen zugenommen hat, ist bis jetzt in dem Verstand des Schreibers noch nicht beseitigt worden durch Strahlen von der göttlichen Wahrheit direkt aus dem Worte Gottes:

 

"Leben! Ein großes Geheimnis! Wer wir sagen: Wozu braucht Gott diesen armseligen Ton? Geformt aus seiner Hand mit mächtiger Geschicklichkeit- Verstand, Materie, Seele und einem sturen Willen; Geboren, aber am Sterben: sicheres Schicksal-der Tod. Dann, wohin, wohin flieht dieser Atem? Niemand von all den zahllosen Menschen, welche leben und sterben und lange leiden, kehrt zurück, um den großen Plan zu erzählen- die Zukunft, welche Dir und mir gehört. Wir bitten Dich, o Gott! um einige neue Lichtstrahlen, damit unser Weg erleuchtet wird; nicht auf Glauben gegründet, sondern auf klarer Sicht, um diese dunklen Wolken der Nacht zu vertreiben; dieser Zweifel, diese Angst, diese bebende Furcht; diese Gedanken, die trüben unsere Segnungen hier. Der ruhelose Verstand, welcher hin und her geworfen wird, verwirft die Glaubenssätze des Tages, welche durch sich widersprechende Sekten und Schulen gelehrt werden, um den Verstand mit ihren Regeln zu fesseln. Wir trachten danach, Dich zu erkennen, wie Du bist- unseren Platz bei Dir-und dann die Rolle, welche wir in diesem phantastischen Plan spielen, unendlicher Schöpfer. Hebe den Vorgang hoch, welcher die Sicht verdeckt; befehle erneut: Es werde Licht! Offenbare diese Geheimnisse deines Thrones; wir suchen in der Finsternis nach dem Unbekannten."

 

Wir antworten an diesen:

 

Es wird bald gesagt werden, das Geheimnis des Lebens ist unverschlüsselt, welche Freude hat Gott in seinem armseligen Ton, geformt aus seiner Hand mit mächtiger Geschicklichkeit, in seinem Ebenbild ausgezeichnet-Verstand und Willen; nicht geboren, um zu sterben-nein, eine zweite Geburt folgt auf den Satz-"Erde zu Erde." Einer von all den mächtigen Heerscharen, welcher lebte und starb und viel erlitt, wurde auferweckt und beweist Gottes großartigen Plan. - Deshalb gehört die Zukunft Dir und mir. Sein Wort gibt diese neue Lichtstrahlen bekannt, um uns auf unserem Weg zu leiten; jetzt auf Glauben gegründet, aber zuversichtlich in Aussicht, diese dunklen Wolken der Nacht vertreibend, diesen Zweifel, diese Angst, diese bebende Furcht, diese Gedanken, welche unsere Segnungen hier betrübt haben. Jetzt, Herr, verwirft dieser Verstand, welcher hin und her geworfen war, die Glaubenssätze dieser Zeit, welche von den verschiedenen Sekten und Schulen gelehrt wurde, um den Verstand mit ihren Regeln zu fesseln, Man suche und lerne Dich kennen, wie Du bist, unseren Platz bei Dir und dann die Rolle, die wir in diesem phantastischen Plan spielen, unendlicher Schöpfer. Hebe den Vorhang hoch, offenbare völlig, denjenigen, die in des Himmels Licht wandeln, das herrliche Geheimnis von deinem Thron, verborgen seit Zeitaltern, jetzt aber bekannt gemacht.

 

Solch ein Segen kommt jetzt zu der Welt durch die Entfaltung der göttlichen Absicht und der Öffnung des göttlichen Wortes, von dessen Segen und Offenbarung dieser Band ein Teil ist, wie wir zuversichtlich sind.

 

Derjenige, welcher sich von bloßer menschlicher Mutmaßung wegwendet und seine Zeit auf das Suchen in der Schrift verwendet und dabei seinen Verstand nicht ausschließt, den zu gebrauchen Gott geradezu einlädt (Jes. 1:18), der wird feststellen, daß ein gesegneter Bogen der  Verheißung die Himmel umspannt. Es ist ein Fehler anzunehmen, daß solche, die ohne Glauben und infolgedessen ohne Rechtfertigung sind, in der Lage sind, die Wahrheit klar zu erfassen: Für solche ist es nicht. Der Psalmist sagt: "Licht (Wahrheit) ist gesät dem Gerechten." (Psl. 97:11) Für das Kind Gottes ist eine Leuchte bereitet, deren Licht von seinem Wege viel Dunkelheit verscheucht. "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege." (Psl. 119:105) Aber es ist nur ,, der Pfad der Gerechten", der immer "heller leuchtet bis zum vollen Tag." (Spr. 4:18) In Wirklichkeit gibt es keinen Gerechten; "da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer" (Röm. 3:10); die "durch den Glauben Gerechtfertigten" sind damit gemeint. Diesen allein ist das Vorrecht gegeben, auf dem heller und heller werdenden Pfad zu wandeln-und nicht nur die gegenwärtigen Entfaltungen des Planes Gottes, sondern auch die Dinge zu sehen, die kommen. Während es wahr ist, daß der Pfad eines jeden einzelnen Gläubigen wie ein Licht ist, so gilt die besondere Anwendung dieser Aussage jedoch den Gerechten (Gerechtfertigten) als einer Klasse. Patriarchen, Propheten, Apostel und Heilige der Ver-gangenheit und Gegenwart wandelten in seinem zunehmenden Licht; und dieses Licht wird auch noch über die Gegenwart hinaus-"bis zum vollen Tag" hin-zunehmen. Es ist ein sich fortsetzender Pfad, und auf ihm leuchtet das beständig heller leuchtende Licht als die göttliche Urkunde, so wie es an der Zeit ist.

 

Darum "freuet euch des Herrn, ihr Gerechten", erwartend die Erfüllung seiner Verheißung. Viele haben so wenig Glauben, daß sie nicht nach mehr Licht suchen, und wegen ihrer Untreue und ihrer Gleichgültigkeit ist es zugelassen, daß sie in der Finsternis sitzen bleiben, während sie in dem zunehmenden Lichte hätten wandeln können.

 

Der Geist Gottes, gegeben um die Herauswahl in die ganze Wahrheit zu leiten, wird von dem nehmen, was geschrieben steht, und es uns offenbaren; aber über das hinaus, was geschrieben steht, bedürfen wir nichts, denn die Heilige Schrift ist fähig, uns weise zu machen für unsere Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. -2. Tim. 3:15

 

Während es immer noch wahr ist, daß ,, Finsternis die Erde bedeckt und Dunkel die Völker", so wird die Welt jedoch nicht immer in diesem Zustand verbleiben, Wir sind gewiß, daß "der Morgen kommt" (Jes. 21:12). Wie Gott jetzt die natürliche Sonne über Gerechte und Ungerechte scheinen läßt, so wird im Tausendjahrtag die Sonne der Gerechtigkeit scheinen zum Heil der ganzen Welt und "ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist". (1. Kor. 4:5)  Sie wird die schädlichen Dünste des Bösen zerstreuen und Leben, Gesundheit, Friede und Freude bringen.

 

Wenn wir zurück in die Vergangenheit blicken, so finden wir, daß damals das Licht nur schwach leuchtete. Dunkel und unbestimmt waren die früheren Verheißungen. Die dem Abraham gegebenen Verheißungen und andere, vorbildlich in dem Gesetz und den Anordnungen des fleischlichen Israel dargestellt, waren nur Schatten und gaben nur eine schwache Vorstellung von Gottes wunderbaren und herrlichen Plänen. Sobald wir die Tage von Jesus erreichen, nimmt das Licht zu. Bis dahin war die höchste Erwartung die gewesen, daß Gott einen Erretter senden würde, der Israel von seinen Feinden befreien und sie zur ersten Nation der Erde erhöhen würde, in welcher Stellung der Macht und des Einflusses Gott sie benutzen würde als sein Werkzeug in der Segnung aller Geschlechter der Erde. Das ihnen angebotene Erbteil in dem Königreich Gottes war so unterschiedlich in dem Zustand, welcher gefordert wurde, von dem, was sie erwartet hatten, und die Aussichten für die "kleine Herde", die auserwählt wurde, waren äußerlich und menschlich betrachtet so unwahrscheinlich, daß sie jemals die verheißene Größe erreichen würden, daß dadurch alle, mit Ausnahme der Wenigen, der frohen Botschaft gegenüber verblendet wurden. Und ihre Blindheit und Feindseligkeit ihr gegenüber nahm natürlich noch zu, als in dem Fortgang des Planes Gottes die fest bestimmte Zeit kam, um die Botschaft auszuweiten, und die Einladung, an dem verheißenen Königreich teilzuhaben und durch die Ausübung des Glaubens zu einem Kind des gläubigen Abraham und zu einem Erben der ihm gegebenen Verheißung zu werden, an jedes Geschöpf unter dem Himmel erging.

 

Als aber das Evangelium, welches Jesus verkündigt hatte, nach Pfingsten verstanden wurde, wurde von der Herauswahl erkannt, daß die Segnungen für die Welt von andauerndem Charakter sein sollten und daß zur Vollendung dieser Absicht das Königreich ein geistiges sein wird und aus "rechten Israeliten", einer "kleinen Herde", bestehen würde, die sowohl aus Juden als auch aus den Nationen heraus gewählt werden, um zur geistigen Natur und Macht erhöht zu werden. Daher lesen wir, daß Jesus Leben und Unsterblichkeit an das Licht gebracht durch das Evangelium. (2. Tim. 1:10) Und noch helleres Licht leuchtet seit Jesus Tagen, wie er es selbst vorausgesagt hatte:

 

"Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in die ganze Wahrheit leiten, ... und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen." -Joh. 16:12, 13

 

Nachdem die Apostel entschlafen waren, kam jedoch eine Zeit, da die Mehrzahl in der Herauswahl ihre Lampen zu vernachlässigen anfingen und nach menschlichen Lehrern um Führung ausschaute; und diese Lehrer, von Hochmut aufgeblasen, nahmen Titel und Ämter an und begannen, über Gottes Erbe zu herrschen. Danach wurde durch Rangordnungen ein besonderer Stand ins Leben gerufen, "die Geistlichkeit" genannt, die sich selbst als geeignete Führer in Glauben und Leben ansahen und von anderen so angesehen wurden, und die das Wort Gottes beiseite geschoben haben. Auf diese Weise wurde mit der Zeit das große System des Papsttums hervorgebracht durch diese unpassende Wertschätzung für die Lehren fehlbarer Menschen und durch die Vernachlässigung des Wortes des unfehlbaren Gottes.

 

Die üblen Auswirkungen sind tatsächlich sehr ernst gewesen, die durch diese Vernachlässigung der Wahrheit entstanden sind. Wie alle wissen sind sowohl die Kirche als auch die zivilisierte Welt durch jenes System fast vollständig versklavt und zur Anbetung menschlicher Überlieferungen und Glaubensbekenntnisse geführt worden. Aus dieser Sklaverei heraus wurde ein starker und gesegneter Streit für die Freiheit und für die Bibel geführt durch das, was man als die Reformation kennt. Gott erweckte starke Verfechter für sein Wort, unter ihnen waren Luther, Zwingli, Melanchton, Wycliff, Knox und andere. Diese lenkten die Aufmerksamkeit auf die Tatsache hin, daß das Papsttum die Bibel beiseite geschoben und sie mit Glaubensbekenntnissen und Glaubenssätzen der Kirche ersetzt hatte, und sie zeigten einige der falschen Lehren und verkehrten Gebräuche des Papsttums auf, indem sie zeigten, daß diese auf Menschentradition aufgebaut worden waren und mit dem Worte Gottes, der Wahrheit, im Widerspruch stehen.

 

Diese Reformatoren und ihre Nachfolger wurden ,, Protestanten" genannt, weil sie gegen das Papsttum öffentlich protestiert hatten und Gottes Wort als die einzige sichere Richtschnur des Glaubens und Lebens anerkannten. Viele treue Seelen wandelten in den Tagen der Reformation im Licht, so weit es damals leuchtete. Aber seit ihren Tagen haben die Protestanten wenig Fortschritte gemacht, weil sie, statt im Lichte zu wandeln, sich um ihre geliebten Lehrer geschart hatten und nur so viel sehen wollten, als diese sahen, und nicht mehr. Sie setzten ihrem Fortschritt auf dem Wege der Wahrheit Grenzen und zäunten dadurch mit dem kleinen Teil Wahrheit, den sie besaßen, einen große Menge Irrtum ein, den sie von der "Mutterkirche" mitgebracht hatten. Für diese vor vielen Jahren gebildeten Glaubensbekenntnisse hat die Mehrheit der Christen eine abergläubische Ehrerbietung, meinend, man könne heutzutage nicht mehr über Gottes Plan erkennen, als die Reformatoren damals erkannt haben.

 

Dieser Fehler ist teuer zu stehen gekommen. Denn abgesehen von der Tatsache, daß damals nur wenige Grundwahrheiten aus dem Schutthaufen des Irrtums wiedergefunden wurden, gibt es besondere Züge der Wahrheit, die fortwährend fällig und zeitgemäß werden, und durch ihre Zäune in Form der Glaubensbekenntnisse sind diesen Christen diese Wahrheiten vorenthalten geblieben. Um das zu verdeutlichen: Es war die Wahrheit in Noahs Tagen, daß eine Flut kommen wird, die den Glauben von allen denen erforderte, die damals im Lichte wandelten, während Adam und andere nichts davon gewußt haben. Es wäre nicht die Wahrheit, jetzt zu predigen, daß eine Flut kommt, aber es gibt andere Wahrheiten, die fortwährend an der Zeit sind, fällig und erkannt zu werden, welche wir, wenn wir im Licht der Leuchte wandeln, erkennen sollen. Wenn wir also all das Licht hätten, das vor mehreren hundert Jahre zeitgemäß war und weiter nichts, so wären wir in deutlicher Finsternis.

 

Gottes Wort ist eine große Vorratskammer für die hungrigen Pilger auf dem leuchtenden Pfad. Es gibt in ihr Milch für Säuglinge und starke Speise für die mehr Entwickelten (1. Pet. 2:2; Hebr. 5:14); und nicht nur dies, die Bibel enthält auch die Speise, welche den verschiedenen Zeiten und Zuständen angemessen ist; und Jesus sagte, daß der treue Knecht Speise zur rechten Zeit für den Haushalt des Glaubens hervorbringen wird  -" Altes und Neues" aus der Vorratskammer. (Luk. 12:42; Matth. 13:52) Es wäre unmöglich, solche Dinge aus dem Glaubensbekenntnis oder der Vorratskammer irgendeiner Sekte hervorzubringen. Etwas Altes und Gutes möchten wir wohl aus jeder hervorbringen, aber nichts Neues. Die in den Glaubensbekenntnissen der verschiedenen Sekten enthaltene Wahrheit ist so mit Irrtum vermischt und davon bedeckt, daß die in ihr wohnende Schönheit und ihr wahrer Wert nicht zu erkennen sind. Die verschiedenen Glaubensbekenntnisse widersprechen sich ständig und sind grundsätzlich verschieden; und weil jedes behauptet, es gründe sich auf die Bibel, so wird die Gedankenverwirrung und der offensichtliche Widerspruch dem Worte Gottes zur Last gelegt. Dies hat das Sprichwortes entstehen lassen: "Die Bibel ist eine alte Fiedel, auf der man jede Melodie spielen kann."

 

Wie drückt das doch den Unglauben unserer Zeit aus, verursacht durch falsche Darstellungen des Wortes und des Charakter Gottes durch menschliche Überlieferungen, zusammen mit der Zunahme an Erkenntnis, die sich nicht länger in blinder und abergläubischer Ehrfurcht vor den Meinungen der Mitmenschen beugen will, sondern einen Grund fordert für die Hoffnung, die in uns ist. Der treue Bibelforscher sollte immer in der Lage sein, einen Grund für "die Hoffnung zu geben, die in ihm ist". (1. Pet. 3:15) Das Wort Gottes allein ist in der Lage, "uns weise zu machen zur Errettung und ist nützlich zur Lehre, zur Überführung, auf daß der   Mensch Gottes vollkommen sei und durch und durch fest gegründet sei." (2. Tim. 3:l5-17 nach der King-James-Übersetzung). Nur diese Vorratskammer enthält einen unerschöpflichen Vorrat sowohl von Altem als auch Neuem-der Speise zur rechten Zeit für den Haushalt. Sicherlich wird keiner behaupten, der dem Schriftworte glaubt, daß der ,, Pfad des Gerechten" immer heller leuchtet ,, bis zum vollen Tag", daß der volle Tag zu Luthers Zeiten herbei gekommen war; und deshalb ist es richtig für uns, wenn wir auf unsere Leuchte achthaben, ,, als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche". -2. Pet. 1:19

 

Doch ist es nicht genug, daß wir uns jetzt auf dem Pfade des Lichts befinden; wir müssen auch fortwährend ,, im Lichte wandeln", Fortschritte machen, ansonsten wird das Licht, das nicht stille hält, vorwärts eilen und uns in Finsternis zurücklassen. Die Schwierigkeit bei vielen ist, daß sie sich hinsetzen und nicht dem Pfade des Lichts weiter folgen. Nimm eine Konkordanz (alphabetisches Wörterverzeichnis zum Aufsuchen von Bibelstellen) und prüfe die Texte unter den Worten Sitzen und Stehen, und dann vergleiche sie mit denen unter Wandeln und Laufen, und du wirst einen gewaltigen Gegensatz herausfinden: Menschen "sitzen in Finsternis" und ,, unter den Spöttern", aber ,, wandeln im Licht" und ,, laufen nach dem Kleinod".  - Jes. 42:7; Psl. 1:1; Hebr. 12:1

 

Die Vollkommenheit in der Erkenntnis ist nicht eine Sache der Vergangenheit, sondern der Zukunft-wir glauben zuversichtlich, der sehr nahen Zukunft; und bis wir diese Tatsache erkennen, sind wir unvorbereitet, um neue Entfaltungen des Planes unseres Vaters zu würdigen und zu erwarten. Wohl ist es wahr, daß wir noch immer auf die Worte der Propheten und der Apostel zurückgehen, um eine ganze Erkenntnis der Gegenwart und Zukunft zu erlangen; dies geschieht zwar nicht, weil sie Gottes Pläne und Absichten immer besser verstanden hätten als wir, sondern weil Gott sie als seine Mundstücke gebraucht hat, um uns und der ganzen Herauswahl während des Evangeliumszeitalters die Wahrheit mitzuteilen, die sich auf seinen Plan bezieht, sobald sie fällig und zeitgemäß geworden ist.

 

Diese Tatsache wird vielfach durch die Apostel bewiesen. Paulus sagt uns, daß Gott der Herauswahl des Evangeliums das Geheimnis seines Willens kundgetan hat, das Er bei sich selbst zuvor beschlossen hatte, und welches Er nie zuvor geoffenbart hatte, obgleich Er es in dunklen Sprüchen niedergelegt hatte, welche nicht eher verstanden werden konnten bis die rechte Zeit dafür herbei gekommen war, um die Augen unseres Verständnisses zum Erfassen und Wertschätzen der "hohen Berufung" zu öffnen, die ausschließlich für Gläubige dieses Evangeliumszeitalters bestimmt ist. ( Eph 1:9, 10,17, 18; 3:4-6) Dies zeigt uns klar und deutlich, daß weder die Propheten noch die Engel die Bedeutung der von ihnen ausgesprochenen Prophezeiungen verstanden haben. Petrus sagt uns, daß, als sie begierig danach forschten, um ihre Bedeutung zu erkennen, Gott ihnen sagte, daß die in ihren Prophezeiungen verborgenen Wahrheiten nicht für sie selbst bestimmt seien, sondern für uns im Evangeliumszeitalter. Und er ermahnt die Herauswahl, in dieser Richtung noch weitere Gnade (Gunst, Segen) -noch mehr Erkenntnis über Gottes Plan zu erhoffen. -1. Pet. 1:10-13

 

Es ist ganz offensichtlich, daß, obwohl Jesus verheißen hat, daß die Herauswahl in die ganze Wahrheit geleitet werden wird, dies eine allmähliche Entfaltung gewesen ist. Wenn auch die Herauswahl in den Tagen der Apostel frei war von vielen der Irrtümer, die unter und in dem Papsttum aufgekommen sind, so können wir trotzdem nicht annehmen, daß die frühe Herauswahl einen so tiefen oder deutlichen Einblick in den Plan Gottes hatte, als es heutzutage möglich ist. Es ist ebenso offensichtlich, daß die verschiedenen Apostel in unterschiedlichem Ausmaß Einblick in Gottes Plan gehabt haben, obgleich alle ihre Schriften von Gott überwacht und eingegeben waren, gleichwie wie dies wahr gewesen ist von den Worten der Propheten. Um den Unterschied an Erkenntnis zu erläutern, brauchen wir nur an das schwankende Verhalten des Petrus und der anderen Apostel für eine kurze Zeit zu erinnern, mit Ausnahme des Paulus, als das Evangelium anfing, zu den Nationen zu gehen. (Apg. 10:28; 11:1-3;  Ga 2:11-14) Die Unsicherheit von Petrus war in einem bemerkenswerten Gegensatz zu der Gewißheit von Paulus, welche aus den Worten der Propheten und aus Gottes früheren Handlungen mit ihm und aus der direkten Offenbarungen an ihn eingegeben worden war.

 

Paulus hatte ganz offensichtlich reichlichere Offenbarungen empfangen als irgend ein anderer Apostel. Es war ihm nicht erlaubt, diese Offenbarungen der Herauswahl mitzuteilen, noch sie völlig und klar selbst den anderen Aposteln bekanntzugeben (2. Kor. 12:4;  Ga 2:2); dennoch können wir den Wert für die gesamte Herauswahl in den Visionen und Offenbarungen erkennen, welche dem Paulus gegebenen worden sind; denn obwohl es ihm nicht erlaubt war, zu sagen, was er sah, noch im Einzelnen  alles zu erklären, was er von Gottes Geheimnissen über die "Zeitalter, die kommen", wußte, so gab doch das, was er gesehen hatte, seinen Worten eine kräftige und tiefe Bedeutung, in welcher die Einzelheit für uns mehr klar erkennbar werden in dem Lichte der darauffolgenden Ereignisse und der prophetischen Erfüllungen und unter der Leitung des Geistes, als wie es in der frühen Herauswahl möglich war.

 

Zur Bekräftigung der vorangegangenen  Aussage erinnern wir an das letzte Buch der Bibel-die Offenbarung, die ungefähr im Jahre 96 n. Chr. geschrieben wurde. Die einleitenden Worte kündigen eine besondere Offenbarung solcher Dinge an, die vorher nicht verstanden wurden. Dies beweist eindeutig, daß Gottes Plan, bis zu jener Zeit wenigstens, noch nicht vollständig geoffenbart worden war. Ebensowenig ist das Buch bis auf diesen Tag das gewesen, was sein Name andeutet: eine Entfaltung, eine Offenbarung. Soweit die frühe Herauswahl in Betracht kommt, so hat wahrscheinlich niemand irgend einen Teil des Buches verstanden. Selbst Johannes, der die Visionen sah, kannte wahrscheinlich nicht die Bedeutung dessen, was er sah. Er war beides zugleich, ein Prophet und ein Apostel; und während er als Apostel das verstand und lehrte, was damals "Speise zur rechten Zeit" war, verkündigte er als Prophet Dinge, die erst in der Zukunft den Haushalt des Glaubens mit ,, Speise zur rechter Zeit" versorgen würden.

 

Während des Evangeliumszeitalters versuchten einige der Heiligen durch Erforschung dieses sinnbildlichen Buches die Zukunft der Herauswahl zu verstehen, und zweifellos wurden alle, die es gelesen haben, wie es verheißen war, reichlich gesegnet, auch wenn sie nur einen Teil seiner Lehren verstanden haben. (0ffb. 1:3) Das Buch öffnete sich solchen immer mehr, und in den Tagen der Reformation war es ein wichtiges Hilfsmittel für Luther, um das Papsttum, dessen aufrichtiger Diener er gewesen war, als den wirklichen, vom Apostel erwähnten ,, Antichrist" zu erkennen, dessen Geschichte einen sehr großen Teil dieser Prophezeiung ausfüllt, wie wir jetzt sehen.

 

Auf diese Weise eröffnet Gott ganz allmählich seine Wahrheit und offenbart uns den überaus großen Reichtum seiner Gnade; und folglich ist jetzt mehr Licht an der Zeit fällig und zeitgemäß zu werden, als in irgend einer vorangegangenen Zeit in der Geschichte der Herauswahl.

 

"Wir werden immer neue Schönheiten sehen, und das Licht wird immer mehr leuchten."

 

Mut! Der Morgen bricht an.

 

Obwohl die Nacht dunkel und trüb ist, obwohl der Weg lang und ermüdend ist, der Morgen wird dir Licht und Ermutigung bringen; Kind, blicke hinauf, der Morgen ist nahe.

 

Obwohl deine Augen vor Traurigkeit weinen, obwohl die Nacht über dir wacht, Gott wird deine Tränen abwischen, deine Dunkelheit in den Tag umwandeln.

 

Obwohl dein Geist schnell ermattet, obwohl die Stunden so langsam vergehen, der Morgen bringt ein herrliches Fest herbei; Du wirst als ein geehrter Gast dabei sitzen.

STUDIE II. —Das Dasein eines allerhöchsten intelligenten

 

Schöpfers nachgewiesen.

 

Beweise außerhalb von der Bibel im Lichte der Vernunft geprüft. -Eine unhaltbare Theorie.-  Eine vernünftige Anschauung. -Gottes Charakter dargestellt. -Vernünftige Schlussfolgerungen.

 

Der unbefangene und verständige Denker wird durch ein vernünftiges und aufrichtiges Erforschen des Unbekannten in dem Lichte bekannter Tatsachen selbst vom Standpunkte des Zweiflers aus in die Richtung der Wahrheit geführt. Aber es ist offensichtlich, daß sich der Mensch ohne eine direkte Offenbarung der Pläne und Absichten Gottes der Wahrheit nur nähern und nur zu ungewissen Schlußfolgerungen gelangen kann. Doch laßt uns für einen Augenblick die Bibel beiseite legen und die Dinge allein vom Standpunkte des Verstandes aus betrachten.

 

Derjenige, welcher mit einem Fernrohr oder auch nur mit seinem natürlichen Auge zum Himmel hinaufblickt und die Unermeßlichkeit der Schöpfung, ihre Gleichmäßigkeit, ihre Schönheit, ihre Ordnung, ihre Harmonie und ihre Vielseitigkeit sieht und dann noch daran zweifelt, daß der Schöpfer dieser Dinge sowohl an Weisheit als auch an Macht weit über ihm steht, oder wer für einen Augenblick annehmen kann, daß solche Ordnung durch Zufall ohne einen Schöpfer zustande kam, der hat die Fähigkeit seines Verstandes so weit verloren oder beiseite gelegt, daß er mit Recht als das betrachtet wird, was die Bibel ihn nennt, einen Toren (einen, der keinen Verstand hat oder ihn nicht gebraucht): ,, Der Tor spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott." Wie dem auch immer sei, jeder Verständige muß wenigstens zugeben, daß vieles in der Bibel wahr ist; denn es ist eine selbstverständliche Wahrheit, daß Wirkungen ihre entsprechenden Ursachen haben müssen, Jede Pflanze und jede Blume spricht Bände zum Zeugnis zu diesem Thema.

 

Kompliziert im Aufbau, überaus schön in ihrer Form und Beschaffenheit, alles zeugt von übermenschlicher Weisheit und Geschicklichkeit. Wie kurzsichtig ist die Ungereimtheit derjenigen, welche von menschlicher Geschicklichkeit und überragender menschlicher Veranlagung prahlen und die Regelmäßigkeit, Gleichförmigkeit und Harmonie der Natur anerkennen, und welche die Gesetze der Natur kennen, aber gleichzeitig leugnen, daß die Natur einen intelligenten Gesetzgeber hat.

 

Einige von denen, welche das Daseins eines intelligenten Schöpfers leugnen, behaupten, daß die Natur der alleinige Gott sei und daß alle Formen der Entwicklungen von Tier und Pflanze von der Natur aus hervorgebracht worden seien ohne die Anordnung eines intelligenten Wesens und, wie sie sagen, allein von dem Gesetz regiert werde, daß in dem Fortgang der Evolution der Stärkere den Schwächeren überlebt.

 

Diese Theorie ermangelt jeglichen Beweises; denn überall um uns herum sehen wir, daß die verschiedenartigen Geschöpfe fest bestimmte Naturen besitzen, die sich nicht zu höheren Naturen fortentwickeln; und obwohl die Vertreter dieser Theorie auch wiederholte Versuche angestellt haben, so ist es ihnen doch weder gelungen, die verschiedenen Gattungen zu vermischen, noch eine neue feste Art hervorzubringen. Kein Fall ist bekannt, wo eine Art sich in eine andere verwandelt hat. (Um einiger Leser willen bemerken wir, daß solche Veränderungen wie die Verwandlung der Raupen in Schmetterlinge keine Veränderungen der Natur sind; die Raupe ist nur die aus dem Ei des Schmetterlings ausgekrochene Larve.) Obwohl es Fische gibt, die einen Augenblick lang ihre Flossen als Flügel gebrauchen und aus dem Wasser fliegen und Frösche singen können, hat man doch noch nie erlebt, daß sie sich in Vögel verwandelt haben; und wenn es auch in der Tierwelt einige gibt, welche eine geringfügige  Ähnlichkeit mit dem Menschen haben, so fehlt doch  der  Nachweis  gänzlich,  daß  sich  der Mensch

 

aus solchen Geschöpfen entwickelt habe. Im Gegenteil beweisen Untersuchungen, daß, obwohl unterschiedliche Vielseitigkeiten in derselben Gattung hervorgebracht werden können, es aber unmöglich ist, die verschiedenen Gattungen zu vermischen oder eine aus der anderen hervorzubringen. Aus demselben Grund kann man vom Esel und Pferd, obgleich sie einander ähnlich sind, nicht behaupten, sie seien verwandt, denn es ist sehr gut bekannt, daß ihre Nachkommen unvollkommen sind und sich auch nicht fortpflanzen können.

 

Wenn die unvernünftige Natur der Schöpfer oder Entwickler wäre, so würde sie sicherlich den Entwicklungsgang fortsetzen, und dann würde es nichts dergleichen wie eine fest bestimmte Gattung geben, da ohne Intelligenz nichts zu feststehenden Zuständen gelangen würde. Die Fortentwicklung, die Evolution, würde heutzutage noch eine Tatsache sein, und um uns herum würden wir sehen, wie Fische zu Vögeln und Affen zu Menschen werden. Diese Theorie, schließen wir daher, ist sowohl wider den menschlichen Verstand als auch wider die Bibel, weil diese Theorie behauptet, daß intelligente Wesen von einer Macht erschaffen wurden, welche keine Intelligenz hat.

 

Eine Theorie in bezug auf die Schöpfung (den Menschen ausgenommen) durch eine Fortentwicklung, gegen die wir keine ernsteren Bedenken haben, stellen wir kurz wie folgt dar: Es wird angenommen,  daß die verschiedenen Gattungen der Gegenwart fest und unveränderlich sind, soweit die Natur oder die Art betrachtet wird, und obwohl die gegenwärtigen Naturen noch  zu einem viel höheren Standpunkt, bis zur Vollkommenheit hin, gebracht werden mögen, so werden diese Gattungen oder Naturen für immer dieselben bleiben. Diese Theorie nimmt ferner an, daß keine dieser fest bestimmten Gattungen ursprünglich so erschaffen waren, sondern daß sie in ferner Vergangenheit durch die Erde entwickelten wurden, und zwar durch eine allmähliche Evolution aus einer Form in die andere. Diese Evolutionen, nach göttlich festgelegten Gesetzen, bei welchen die Veränderungen in der Nahrung und in dem Klima eine wichtige Teil gespielt haben, mag sich fortgesetzt haben bis die fest bestimmten Gattungen, so wie sie jetzt zu sehen sind, erreicht waren, worüber hinaus ein Wechsel unmöglich ist, nachdem die endgültige Absicht des Schöpfers in dieser Hinsicht allem Anschein nach erreicht worden ist.

 

Obgleich jede der verschiedenen Pflanzen- und Tierfamilien der Verbesserung oder Verschlechterung fähig ist, so ist es doch unmöglich, sie in andere Arten oder Familien zu verwandeln oder aus ihnen andere hervorzubringen. Wenn auch jede derselben die Vollkommenheit ihrer eigenen fest bestimmten Natur erreichen mag, so ist doch die Absicht des Schöpfers erreicht worden und ein weiterer Wechsel in dieser Hinsicht ist unmöglich.

 

Es wird behauptet, daß die ursprünglichen Pflanzen und Tiere, von denen die gegenwärtigen, fest bestimmten Arten stammen, vor der Erschaffung des Menschen untergegangen sind. Skelette und Versteinerungen von jetzt nicht mehr vorhandenen Tieren und Pflanzen, tief unter der Erdoberfläche gefunden, begünstigen diese Theorie. Diese Ansicht vernachlässigt und verwirft in keinster Weise die Schriftlehre, daß der Mensch eine direkte und vollkommene Schöpfung war und in dem geistigen und moralischen Ebenbild seines Erschaffers erschaffen worden ist und nicht das Ergebnis eines Entwicklungsvorganges ist, den die übrige Schöpfung wahrscheinlich miteinander teilte. Diese Ansicht macht in keinster Weise die Behauptung der Bibel hinfällig, sondern stützt sie vielmehr, daß die Natur, wie sie heute ist, lehrt, daß ein intelligentes Wesen sie anordnete und ihre erste Ursache war. Laßt die menschliche Vernunft ihr Bestes tun, um bekannte Tatsachen auf vernunftgemäße und passende Ursachen zurückzuführen und dabei in jedem Fall den Naturgesetzen volle Rechnung tragen; aber im Hintergrund von all der verwickelten Maschinerie der Natur ist die Hand seines großen Urhebers, der intelligente, allmächtige Gott.

 

Deshalb behaupten wir, daß das Dasein eines intelligenten Schöpfers eine klar bewiesene Wahrheit ist. Der Beweis dafür liegt überall um uns herum; ja, auch in uns, denn wir selbst sind sein Werk, und jede Fähigkeit unseres Geistes und Körpers zeugt von einer wundervollen Geschicklichkeit, welche jenseits unseres Verständnisses liegt. Er ist auch der Entwerfer und Schöpfer dessen, was wir Natur nennen. Wir behaupten, daß er die Gesetze der Natur geordnet und festgelegt hat, deren herrliches und harmonisches Zusammenwirken wir sehen und bewundern. Diesen Einen, dessen Weisheit das Weltall geplant, und dessen Macht es erhält und leitet, dessen Weisheit und Macht unser eigenes Verstehen so unermeßlich übersteigen, diesen Einen verehren und bewundern wir, wenn auch unbewußt oder instinktiv.

 

Das Dasein dieses mächtigen Gottes zu erkennen, heißt aber vor seiner allmächtigen Kraft zu erbeben, bis wir erkennen können, daß er auch seiner Macht entsprechend von Wohlwollen und Güte erfüllt ist. Von dieser Tatsache werden wir völlig durch denselben Beweis überzeugt, welcher sein Dasein, seine Macht und seine Weisheit beweist. Nicht nur sind wir zu der Schlussfolgerung gezwungen, daß es einen Gott gibt und daß seine Macht und Weisheit unermeßlich weit über uns stehen, sondern unsere Vernunft zwingt uns auch zu der Schlussfolgerung, daß das größte erschaffene Ding seinem Schöpfer nicht überlegen ist; folglich müssen wir schließen, daß die größte Kundgebung von Wohlwollen und Gerechtigkeit unter den Menschen derjenigen des Schöpfers an Entfaltungsmöglichkeit untergeordnet ist, ebenso wie des Menschen Weisheit und Macht der seinigen nachstehen. Und auf diese Weise haben wir vor unserem Geiste den Charakter und die Eigenschaften des großen Schöpfers. Er ist weise, gerecht, liebend und mächtig: und die Entfaltungsmöglichkeit seiner Eigenschaften ist natürlich unendlich größer als die seiner großartigsten Schöpfung.

 

Doch weiter: Da wir hinsichtlich des Daseins und des Charakters unseres Schöpfers zu dieser vernunftgemäßen Schlussfolgerung gekommen sind, lasst uns fragen, was sollten wir von solch einem Wesen erwarten? Die Antwort ist, daß der Besitz solcher Eigenschaften vernünftigerweise ihre Ausübung, ihren Gebrauch erkennen lässt. Gottes Macht muß ausgeübt werden, und zwar in Harmonie mit seinem eigenen Charakter, welcher weise, gerecht und liebevoll ist. Was immer die Mittel zu diesem Zweck sein mögen, was auch immer die Wirkung von Gottes Macht sein mag, das abschließende Ergebnis muß mit seinem  Wesen und Charakter im Einklang stehen, und jeder Schritt muß die Zustimmung seiner unendlichen Weisheit haben.

 

Was könnte vernünftiger sein als die Ausübung der Macht, wie wir sie um uns herum in der Schöpfung des Weltalls und in der wundervollen Vielfalt der Erde geoffenbart sehen? Was könnte vernünftiger sein als die Erschaffung des Menschen, ausgestattet mit Vernunft und Urteilsvermögen, fähig, seines Schöpfers Werke zu würdigen, und über seine Geschicklichkeit-seine Weisheit, Gerechtigkeit, Macht und Liebe-nachzusinnen? Alles dies ist vernunftgemäß und vollkommen in Übereinstimmung mit den uns bekannten Tatsachen.

 

Und nun kommt unser Schlusssatz. Ist es nicht vernünftig, anzunehmen, daß solch ein unendlich weises und gutes Wesen, welches ein Geschöpf erschaffen hat, das imstande ist, ihn und seinen Plan zu begreifen, durch seine Liebe und Gerechtigkeit bewegt worden ist, das von ihm selbst in die Natur jenes Geschöpfes eingepflanzte Verlangen zu stillen und ihm eine solche Offenbarung zu geben? Wäre es nicht ganz vernunftgemäß, anzunehmen, daß Gott den Menschen über den Zweck ihres Daseins und seiner Pläne für ihre Zukunft Auskunft gäbe? Im Gegenteil, fragen wir, würde es nicht geradezu unvernünftig sein, zu denken, daß solch ein Schöpfer ein Geschöpf wie den Menschen macht, ihn ausstattet mit Vernunft, über die Zukunft nachzudenken, und ihm doch keine Offenbarung seiner Pläne gibt, um diesem Verlangen gerecht zu werden? Solch eine Handlungsweise wäre unvernünftig, weil es im Gegensatz steht zu dem Charakter, welchen wir vernünftigerweise Gott zuschreiben: im Gegensatz zu der rechten Handlungsweise eines von Gerechtigkeit und Liebe geleiteten Wesens.

 

Wir mögen schlussfolgern, dass, wenn die göttliche Weisheit bei der Erschaffung des Menschen es für ungeeignet geachtet hätte, ihm eine Kenntnis seiner zukünftigen Bestimmung und seines Anteils an seines Schöpfers Plan zu geben, dann hätten sicherlich sowohl die göttliche Gerechtigkeit als auch die göttliche Liebe darauf bestanden, daß das Geschöpf in seiner Fähigkeit so begrenzt worden wäre, daß es nicht beständig mit Zweifel, Furcht und Ungewißheit geplagt und verwirrt werde; und als eine Folge davon wäre die göttliche Macht mit solchen Einschränkungen gebraucht worden. Die Tatsache also, daß der Mensch die Fähigkeit besitzt, eine Offenbarung des göttlichen Planes zu erfassen, im Zusammenhang betrachtet mit dem zugegebenen Charakter seines Schöpfers, ist dies ein sehr großer Grund für die Erwartung, daß Gott solch eine Offenbarung bereit ist zu geben, in solcher einer Weise und zu solch einer Zeit, als seine Weisheit es zuläßt. Auf diese Weise würde uns unsere Vernunft in Hinsicht auf diese Betrachtungen selbst dann, wenn wir nichts von der Bibel wissen würden, zu der Erwartung und zu der Suche nach solch einer Offenbarung führen, wie die Bibel sie zu sein beansprucht. Und ferner, wenn wir die Ordnung und die Harmonie der allgemeinen Schöpfung bemerken, wie die Gestirne und Sternensysteme in großartiger Aufeinanderfolge Zeit und Raum einhalten, dann können wir nicht anders als folgern, daß die geringeren Unregelmäßigkeiten, wie Erdbeben, Wirbelstürme usw., nur Anzeichen dafür sind, daß das Zusammenwirken der verschiedenen Elemente in dieser Welt gegenwärtig nicht vollkommen ist. Das Fragen nach einer Zusicherung dafür, daß schließlich alles auf Erden so vollkommen und harmonisch sein wird wie in den Himmeln, mit einer Erklärung dafür, warum es gegenwärtig nicht so ist, wird verlangt und ist nicht unvernünftig für denkende Menschen, noch für den Schöpfer, dessen Weisheit, Macht und Liebe sich in der Antwort zeigt. Daher sollten wir erwarten, daß die gesuchte Offenbarung solch eine Zusicherung und Erklärung einschließt.

 

Indem wir nun gesehen haben, wie vernünftig es ist, eine Offenbarung über Gottes Willen und Plan unser Geschlecht betreffend zu erwarten, werden wir im nächsten Kapitel den allgemeinen Charakter der Bibel untersuchen, die behauptet, genau solch eine Offenbarung zu sein. Und wenn sie den Charakter Gottes in vollkommener Harmonie mit dem darstellt, was, wie oben betrachtet, die Vernunft vorschreibt, so sollten wir daraus schließen, daß sie sich auf diese Weise selbst als die Offenbarung ausweist, welche wir benötigen und vernünftigerweise erwarten sollten, und wir sollten dann ihr Zeugnis als solches annehmen. Wenn sie von Gott stammt, dann werden ihre Lehren, wenn völlig wertgeschätzt, mit seinem Charakter übereinstimmen, von welchem die Vernunft uns zusichert, daß er vollkommen ist an Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe und Macht.

 

"Ihr neugierigen Köpfe! Ihr wandelt draußen, und sinnt nach über die Wunder der Schöpfung, bekennt die Fußstapfen von unserem Gott, und kniet nieder vor ihm und betet an.

 

Die Himmel verkündigen die Herrlichkeit des Herrn; in jedem Stern erscheint deine Weisheit; aber wenn unsere Augen Dein Wort sehen, lesen wir deinen Namen in Klarheit."

STUDIE III—Die Bibel als eine göttliche Offenbarung im Lichte der Vernunft betrachtet.

 

Die Ansprüche der Bibel und die deutlichen Beweise von ihrer Glaubwürdigkeit. -Ihr Alter und ihre Erhaltung. -Ihr moralischer Einfluß. -Die Beweggründe der Verfasser. -Allgemeiner Charakter der Schriften. -Die Bücher von Mose. -Das Gesetz von Mose. -Besonderheiten der von Mose eingesetzten Regierung. -Es war nicht ein System der Priesterlist. -Vorschriften für die bürgerliche Regierung. -Reich und arm vor dem Gesetz auf gleicher Stufe. -Schutzmaßnahmen gegen das Verändern der Rechte des Volkes. -Die Priesterschaft war keine bevorzugte Klasse, in welcher Weise sie unterstützt wurde usw. -Schutz vor der Unterdrückung der Fremden, Witwen, Waisen und Diener. -Die Propheten der Bibel. -Gibt es ein gemeinsames Band der Einigkeit zwischen dem Gesetz, den Propheten und Schreibern des Neuen Testaments? -Wunder sind nicht unvernünftig. -Die vernünftige Schlussfolgerung.

 

Die Bibel ist die Fackel der Zivilisation und der Freiheit. Ihr Einfluß zum Guten in der menschlichen Gesellschaft wurde von den größten Staatsmännern anerkannt, obwohl sie dieselbe hauptsächlich durch die verschiedenen Brillen der sich widersprechenden Glaubensbekenntnisse betrachtet haben, welche, während sie die Bibel hochhalten, ihre Lehren sehr falsch darstellen. Das bedeutsame alte Buch ist ohne Absicht, aber bedauerlicherweise, von seinen Freunden, von welchen viele ihr Leben für dasselbe niederlegen würden, falsch dargestellt worden; und bis jetzt beschädigen sie dasselbe schwerwiegender als seine Feinde, indem sie behaupten, daß es ihre lang verehrten falschen Darstellungen von seiner Wahrheit unterstützen würde, welche sie durch die Überlieferungen ihrer Vätern empfangen haben. Möchten solche erwachen und ihre Behauptungen erneut prüfen und die Feinde dadurch in Verlegenheit bringen, indem sie ihnen ihre Waffen hinweg nehmen!

 

Weil das Licht der Natur uns dazu geführt hat, eine vollständigere Offenbarung von Gott zu erwarten als diejenige, welche uns die Natur darbietet, wird auch der vernünftige, denkende Verstand bereit sein, die Behauptungen von allem zu prüfen, was darauf hindeutet, dass es eine göttliche Offenbarung ist, welche einen vernünftigen äußerlichen Beweis von der Wahrhaftigkeit solcher Ansprüche aufweist. Die Bibel beansprucht, solch eine Offenbarung von Gott zu sein, und kommt zu uns mit ausreichend äußerlichen Beweisen für die wahrscheinliche Richtigkeit ihrer Ansprüche und gibt uns eine vernünftige Hoffnung dafür, dass eine genauere Untersuchung vollständigere und bestimmtere Beweise offenbaren wird, dass es in der Tat das Wort Gottes ist.

 

Die Bibel ist das älteste Buch, das es gibt; es hat die Stürme von 30 Jahrhunderten überlebt. Die Menschen haben sich durch alle möglichen Mittel darum bemüht, es von der Oberfläche der Erde zu verbannen; sie haben es verborgen, verbrannt, haben seinen Besitz zu einem Verbrechen gemacht, welches mit dem Tode bestraft wurde, und die bittersten und erbarmungslosesten Verfolgungen sind geführt worden gegen diejenigen, welche Glauben an dasselbe hatten; aber das Buch lebt noch. Während heutzutage viele seiner Feinde im Tode schlummern und Hunderte von Bänden, geschrieben, um es in einen schlechten Ruf zu bringen und seinen Einfluß zu Fall zu bringen, schon längst vergessen sind, hat die Bibel ihren Weg in jedes Volk und jede Sprache der Erde gefunden, über 200 verschiedene Übersetzungen sind von ihr gemacht worden. Die Tatsache, dass dieses Buch so viele Jahrhunderte überlebt hat, ungeachtet solch unvergleichlicher Anstrengungen, es zu verbannen und zu zerstören, ist mindestens ein starker und einzigartiger Beweis dafür, daß der Allmächtige, von welchem es behauptet, dass es sein Urheber ist, auch sein Retter gewesen ist.

 

Es ist auch wahr, daß die Bibel überall einen guten moralischen Einfluß ausgeübt hat. Diejenigen, welche ihre Seiten sorgfältig durchforschen, werden beständig zu einem reineren Leben erhoben. Andere Schriften über Religion und die verschiedenen Wissenschaften haben  bis zu einem gewissen Grad unter der Menschheit Gutes vollbracht, sie erhoben und gesegnet; aber alle anderen Bücher zusammengenommen waren nicht imstande, der seufzenden Schöpfung die Freude, den Frieden und den Segen zu bringen, den die Bibel sowohl dem Reichen als auch dem Armen, dem Gebildeten wie Ungebildeten gebracht hat. Die Bibel ist kein Buch, welches lediglich gelesen werden muß; es ist ein Buch, das mit Sorgfalt und Nachdenken studiert werden muß; denn Gottes Gedanken sind höher als unsere Gedanken und seine Wege höher als unsere Wege. Und wenn wir den Plan und die Gedanken des unendlichen Gottes begreifen möchten, müssen wir alle unsere Kräfte für dieses wichtige Werk gebrauchen. Die reichsten Schätze der Wahrheit liegen nicht auf der Oberfläche.

 

Das ganze Buch hindurch weist es beständig auf einen hervorragenden Charakter hin, Jesus von Nazareth, welcher, wie es erklärt, der Sohn Gottes war. Vom Anfang bis zum Ende wird sein Name, seine Aufgabe und sein Werk hervorgehoben. Dass ein Mensch, Jesus von Nazareth genannt, lebte und um die Zeit herum, die von den Schreibern der Bibel angegeben wird, bekannt geworden war, ist eine Tatsache der Geschichte außerhalb der Bibel und ist verschiedentlich und vollständig bestätigt. Dass dieser Jesus gekreuzigt wurde, weil er den Juden und ihrer Priesterschaft anstößig geworden war, ist eine weitere von der Geschichte bestätigte Tatsache außer dem Beweis, den uns die Schreiber des Neuen Testaments liefern. Die Schreiber des Neuen Testaments (mit Ausnahme von Paulus und Lukas) waren persönliche Bekannte und Jünger von Jesus von Nazareth, dessen Lehren ihre Schriften darlegen.

 

Das Bestehen irgendeines Buches setzt einen Beweggrund auf Seiten des Schreibers voraus. Wir fragen daher, welche Beweggründe konnten diese Männer haben, für die Sache dieser Person einzutreten?  Er war zum Tode verurteilt und von den Römern als ein Übeltäter gekreuzigt worden, die jüdischen Anführer überlieferten ihn und forderten seinen Tod, als eines Menschen, der das Leben verwirkt hatte. Indem diese Männer für seine Sache eintraten und seine Lehren verkündigten, waren sie mutig in bitterer Verfolgung, Verachtung und Entbehrung, sie riskierten selbst ihr Leben und erduldeten sogar in einigen Fällen den Märtyrertod.

 

Zugebend, dass, während Jesus lebte, er eine bemerkenswerte Person war, sowohl in seinem Lebenswandel als auch in seiner Lehre, was für einen Beweggrund konnte es für irgend jemanden gegeben haben, für seine Sache einzutreten, nachdem er tot war? -Besonders, da sein Tod ein so schmachvoller gewesen war? Und wenn wir annehmen, dass diese Schreiber ihre Erzählungen erfunden hätten und dass Jesus ihr frei erfundener oder idealer Held war, wie völlig fern wäre es anzunehmen, dass diese Menschen mit gesundem Verstand, nachdem sie behaupten haben, dass er der Sohn Gottes war, dass er in einer übernatürlichen Weise gezeugt worden ist, dass er übernatürliche Kräfte gehabt hat, durch welche er Aussätzige geheilt hat, denjenigen das Augenlicht wiederhergestellt hat, welche blind geborenen worden waren, und Taube hörend gemacht hat und sogar Tote auferweckt hat-wie völlig fern ist es anzunehmen, dass die Geschichte eines solchen Charakters mit der Feststellung zu Ende gebracht werden würde, dass ihn eine kleine Menge seiner Feinde als Verbrecher hinrichten liess, während ihn alle seine Freunde und Jünger, und unter ihnen die Schreiber selbst, verlassen haben und in dem Augenblick der Prüfung geflohen sind!

 

Die Tatsache, daß die Weltgeschichte in gewisser Hinsicht mit diesen Schreibern nicht übereinstimmt, sollte uns nicht gleich dazu führen, ihre Berichte als unwahr zu betrachten. Diejenigen, welche auf diese Weise schlussfolgern, sollten auf Seiten dieser Schreiber irgendwelchen Beweggrund zum Aufstellen falscher Erklärungen feststellen und beweisen. Was für Beweggründe könnten sie veranlasst haben? Konnten sie vernünftigerweise damit auf Reichtum, Ruhm oder Macht oder irgend einen irdischen Vorteil hoffen?

 

Solch einem Gedanken widerspricht schon die Armut von Jesus Freunden und die Unbeliebtheit ihres Helden selbst hinsichtlich der großen Religionssyteme in Judäa; währenddessen die Tatsache, dass er als ein Übeltäter und als ein Friedensstörer starb und dass er kein Ansehen erlangt hat, keine Hoffnung auf beneidenswerten Ruhm oder irdischen Vorteilen für diejenigen anbot, welche versuchen sollten, sich für seine Lehre wieder einzusetzen. Ganz im Gegenteil, wenn das die Absicht derer gewesen wäre, die Jesus predigten, hätten sie es nicht sehr schnell aufgegeben, als sie feststellten, daß es Schande, Verfolgung, Gefängnis, Entbehrung und sogar den Tod mit sich brachte? Der Vernunft lehrt uns sehr klar, daß Männer, die ihr Heim, ihren Ruf, ihre Ehre und ihr Leben opferten; die nicht für die gegenwärtige Zufriedenstellung lebten; sondern deren wichtigsten Ziel es war, ihre Mitmenschen emporzuheben, und welche die moralischen und sittlichen Grundsätze der höchsten Art vorlebten; diese Männer hatten nicht nur einen Beweggrund, sondern vielmehr muß ihr Beweggrund ein reiner und ihre Absicht höchst erhaben gewesen sein. Der Vernunft erklärt außerdem, daß das Zeugnis von solchen Männern, die nur auf Grund von reinen und guten Beweggründen veranlaßt worden sind, zehnmal mehr das Gewicht hat und der Beachtung wert ist als das der gewöhnlichen Schreiber. Diese Männer waren in keinster Weise Fanatiker; sie waren Männer von gesundem und vernünftigem Verstand und gaben in jedem Falle einen Grund für ihren Glauben und ihre Hoffnung; und sie waren treu im Ausharren in Übereinstimmung mit ihren vernünftigen Überzeugungen.

 

Und was wir hier bemerkt haben, ist in gleicher Weise auf die verschiedenen Schreiber des Alten Testamentes anwendbar. Sie waren im großen und ganzen Männer, die wegen ihrer Treue zum Herrn bedeutsam gewesen sind; und die biblische Geschichte berichtet und straft unvoreingenommen ebenso ihre Schwachheiten und Zukurzkommen, wie sie auch ihre Tugenden und ihre Treue lobt. Das muß diejenigen erstaunen, welche annehmen, die Bibel sei eine erfundenen Geschichte zu dem Zweck entworfen, um den Menschen Furcht vor einem religiösen System einzuflössen. Es ist eine Aufrichtigkeit und Einfachheit und Klarheit in und an der Bibel, die sie als die Wahrheit ausweist. Betrüger, welche einen Mann als groß darstellen wollen, und besonders wenn einige seiner Schriften als von Gott eingegeben dargestellt werden sollen, würden den Charakter desselben ohne allen Zweifel tadellos und im höchsten Maße edel dargelegt haben. Die Tatsache, daß solch ein Weg in der Bibel nicht verfolgt wurde, ist ein vernünftiger Beweis dafür, daß sie nicht auf betrügerische Weise zurechtgemacht worden ist, um zu verführen.

 

Da wir einen Grund dazu haben, eine Offenbarung von Gottes Willen und Plan zu erwarten, und wir festgestellt haben, daß die Bibel, welche beansprucht, diese Offenbarung zu sein, von Männern geschrieben worden ist, deren Beweggründe wir aus keinem Grund in Zweifel ziehen, sondern die wir ganz im Gegenteil dazu mit Grund empfehlen, laßt uns den Charakter der Schreiben prüfen, welche beanspruchen, eingegeben zu sein, und laßt uns erkennen, ob ihre Lehren mit dem Charakter übereinstimmen, welchen wir vernunftgemäß Gott zugeschrieben haben u