"Ich
bin der Weinstock, ihr seid die Reben.’
Joh. 15:1-11,
15
Der Apostel
gibt dies als eine der Erklärungen unseres Herrn wieder, welche dem
Gedächtnismahl folgten in der letzten Nacht seines irdischen Lebens. Es ist
wahrscheinlich in Anlehnung an das Trinken des "Bechers’, welcher das Blut
des Neuen Bundes repräsentiert, gesagt worden, nachdem Judas gegangen war und
bevor der Herr und die Elf nach Gethsemane gingen. Oder es ist in Anlehnung an
die Weingärten gesagt worden, welche sie auf ihrem Weg nach Gethsemane
durchquerten. Oder es ist möglich, daß es in Anlehnung an den großen goldenen
Weinstock gesagt wurde, welcher sich über dem Türflügel am goldenen Tor im Tempel
(der "schönen Pforte’) befand, welcher Weinstock, wie Josephus sagt, ein
sehr großer gewesen ist, dessen "Trauben so groß wie ein Mann waren.’ Ein
anderer Schreiber sagt: "Die Blätter und die Knospen waren von
schimmerndem rötlichen Gold, aber seine Trauben von gelbem Gold, und seine
Fruchtkerne von kostbaren Kernen.’ Der Mond befand sich in seiner Fülle und
wird diesem Weinstock ein gutes Aussehen gegeben haben. Die Erklärung in Kap.
18:1, "als Jesus dieses gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus’,
scheint den ersten Vorschlag zu bekräftigen. Diese Ansicht würde bedeuten, daß
sie eine beträchtliche Zeitlang im Obersaal verweilt haben, nachdem das Mahl
beendet gewesen war, wahrscheinlich nahezu bis Mitternacht-und danach sagte
unser Herr: "Stehet auf, lasset uns von hier aufbrechen.’ - Joh 14:31???
"Ich bin
der wahre Weinstock’ stellt einen Vergleich auf und legt den Gedanken an eine
Nachahmung oder einen falschen Weinstock nahe; und dies erinnert uns an die
Tatsache, daß unser Herr durch denselben Schreiber später erklärte, daß es zwei
Ernten gibt-ein Sammeln der Früchte des wahren Weinstockes, und danach folgend
ein Sammeln der Trauben des "Weinstockes der Erde’.( Offb. 14:18-20) Wenn,
wie wir sehen werden, der wahre Weinstock die Herauswahl repräsentiert, dann
stellt der Weinstock der Erde eine falsche Kirche, eine unwahre, eine unechte
dar.
Der himmlische
Vater ist der Weingärtner, welcher pflanzte, welchem der wahre Weinstock gehört
und welchen er pflegt, und für ihn bringt dieser seine Früchte hervor. Das Wort
"Weingärtner’ bedeutet hier nicht nur denjenigen, der den Weinstock
bebaut, sondern mehr den Eigentümer des Weingartens. Dies ist in
Übereinstimmung mit all den Erklärungen der Schriften. Gott wird darin als der
Urheber von der Hoffnung des Menschen, als seinen Erlöser, dargelegt, durch
welchen allein die Errettung aus Sünde und Tod kommt. Die Tatsache, daß Gott
dies durch ein geehrtes Werkzeug, einen geehrten Stellvertreter, hinausführt,
seinen geliebten Sohn, und die weitere Tatsache, daß er beabsichtigt, eine
Herauswahl als eine königliche Priesterschaft zu benutzen unterhalb seines
Sohnes, dem fest bestimmten Hohepriester, ändert nicht die Tatsache, daß er
selbst die Quelle ist, aus welcher jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk
hervorgeht. -1. Kor. 8:6; Jak. 1:17
"Jede Rebe
an mir’, sollte nicht verstanden werden, als ob jeder Namenchrist damit
angedeutet ist, jeder Professor, noch auch diejenigen, welche nur dem Namen
nach und zahlenmäßig zur Christenheit gehören und welche sich in Sympathie mit
ihr befinden. Der "gerechtfertigte’ Gläubige ist genau derjenige, welcher zu
einer Rebe am Weinstock geworden ist, aber sein Glaube und die Rechtfertigung
aus diesem Glauben machen aus ihm noch keine Rebe. Die Reben sind allein diejenigen,
welche zuerst den Schritt der Rechtfertigung aus Glauben gemacht haben und
welche danach sich selbst als ein lebendiges Opfer Gott dargestellt haben, und
auf diese Weise durch die Weihung wurden sie "in Christus getauft’ und
"begraben in seinen Tod.’ Diese
Vorgehensweise, durch welche wir als Glieder in Christus betrachtet werden (als
Reben von seinem Weinstock), wird sehr klar ausgedrückt durch den Apostel in
Röm. 6:3-5. Es ist zu beachten, daß wir genauso wenig wie der Apostel an dieser
Stelle meinen, daß das Untertauchen im Wasser die Bedingung von dem Eingang in
den Leib des Christus sei (wie unsere baptistischen Brüder es irrtümlicherweise
tun); wir bestehen darauf, wie der Apostel darauf besteht, daß es keinen
anderen Eingang in den Leib des Christus gibt als durch das Untertauchen des
eigenen Willens in den Willen des Christus-die Weihung, mit ihm tot zu sein-ein
sich selbst Übergeben als gerechtfertigte Menschen, um tot zu sein und von nun
an eine Neue Schöpfung in Christus Jesus zu sein, von ihm gelenkt zu werden als
dem Haupt und Anführer in allen Dingen.
Unter
denjenigen, welche auf diese Weise in Übereinstimmung mit der göttlichen
Anordnung Reben von dem wahren Weinstock werden, gibt es zwei
Klassen-fruchtbringende Reben und Reben, welche keine Früchte hervorbringen und
als "Schößlinge’ (laut Duden: "Ein senkrecht wachsender, langer
junger Trieb’) bekannt sind. Aber beide von diesen Zuständen sind
Entwicklungen: jede Rebe beginnt als ein sehr kleiner Sproß; jede Rebe entwickelt
Blätter; jede Rebe hat die gleiche Gelegenheit zur Ernährung, Saft von dem
Hauptstamm, Christus, und von derselben Wurzel der göttlichen Absicht und
Verheißung. Alle Reben des Weinstockes haben die sich abzeichnende Entwicklung, ihre Kraft für sich selbst zu verwenden-mehr in das
Hervorbringen von Reben als in das Hervorbringen von Früchten, und dennoch gibt
es einen Unterschied. Weinzüchter haben uns erzählt, daß sie sehr leicht die
Knospen erkennen können, welche Frucht tragen, auf der richtigen Rebe, und
ebenso die Schößlinge, welchen diese fruchttragenden Knospen fehlen.
Genauso ist es
mit des Herrn geweihtem Volk; er erwartet von ihnen nicht sofort viele und
schöne Früchte, aber er hält Ausschau nach den Knospen oder Beweisen für die
Bemühung in Richtung von dem Hervorbringen von Früchten; und diese Knospen,
welche Frucht bringen werden, offenbaren sich selbst sehr früh in denjenigen,
welche wahre Reben an dem wahren Weinstock sind. Und diejenigen, welche nicht
den Wunsch offenbaren, Früchte zur Ehre Gottes hervorzubringen, indem sie ihm
und seiner Sache gehorsam sind, sondern welche im Gegensatz dazu die Erkenntnis
und die Segnungen, welche sie durch die Gemeinschaft mit Christum erhalten
haben, einfach dazu nutzen, sich selbst den Menschen gegenüber hervorzutun und
im Fleische zu glänzen, werden als unwürdig betrachtet, weiterhin am Weinstock
zu bleiben, und werden abgeschnitten und hinausgeworfen-sie hören auf, in
irgendeiner Weise des Wortes als Rebe betrachtet zu werden. Sie mögen ihre
frischen, grünen Blätter usw. für eine kurze Zeit behalten, nachdem sie von dem
Herrn verworfen worden sind, aber es ist nur eine Frage der Zeit bis sie jeden
Beweis von Treue verlieren-sie welken dahin. Noch hilft die Tatsache, daß sie
Reben gewesen sind. Nachdem sie aufhören, Reben zu sein, sind sie für den
Weinstock nicht mehr von Bedeutung. Sie werden verbrannt, zerstört.
Wie auch die
beste Rebe am Weinstock, welche Beweise dafür bringt, daß sie Frucht trägt, das
Stutzen und Beschneiden benötigt, so auch die am meisten Aufrichtigen und
Ehrlichen von des Herrn Volk, sie benötigen des Herrn Führung und
Vorsehung-andererseits würden sie nach kurzer Zeit dazu übergehen, Holz
hervorzubringen, und würden verfehlen, mehr Frucht hervorzubringen. Die
Fähigkeit des Weingärtners erkennt, wieviel der Reben und Sprosse und Blätter
notwendig sind, um das richtige Heranreifen der Frucht, welche er sucht,
hervorzubringen, und auf diese Weise weiß unser Himmlischer Vater vollkommen
die Zustände usw., welche für uns am meisten vorteilhaft sind, damit wir die
gute Frucht hervorbringen möchten. Er sieht die Sprosse unserer Absichten in
die verschiedenen Richtungen und weiß, wie wir es nicht tun, wohin uns diese
führen; und durch seine Vorsehung knipst er viele unserer Unternehmungen ab,
wenn sie zu knospen anfangen, es für besser erachtend, daß die Kraft und
Stärke, welche wir auf diese Weise hervorzubringen beabsichtigen, eher in
anderen Richtungen verwendet werden sollten-um unsere guten Früchte, die
bereits begonnen haben und im Aufbau begriffen sind, zur Reife zu bringen.
Das wahre Kind
Gottes, welches vollständig in den Willen des Herrn eingetaucht worden ist, ist
weder verletzt noch entmutigt durch dieses Bescheiden. Es hat einiges gelernt,
zumindest von seiner eigenen Unklugheit, und es hat Vertrauen in die Weisheit
des großen Weingärtners; daher, wenn die göttliche Vorsehung seine Bemühungen
in bestimmten Richtungen anhält, nimmt er die Durchkreuzung seiner Pläne
freudig auf, versichert, daß des Herrn Wille und des Herrn Weg die besten sind
und beabsichtigt sind, um zu eine Segnung zu bewirken.
Als der
Stellvertreter des Vaters hatte Jesus die ersten Reben des Weinstockes bewahrt.
Er hatte sie gereinigt oder beschnitten durch seine Ermahnungen oder
Ratschläge, so daß er jetzt am Ende seiner 3 und 1/2 jährigen Tätigkeit sagen
konnte: "Jetzt seid ihr rein um des Wortes willen (der Belehrung), das ich
zu euch geredet habe.’ Wie er erneut in seinem Gebet zum Vater sagte:
"Die, welche du mir gegeben hast, habe ich bewahrt (als Reben, Jünger), und
niemand ist verloren gegangen, als nur der Sohn des Verderbens.’ Aber von da
an, wie das Gebet denselben Gedanken ausdrückte, sollte das Beschneiden und die
Fürsorge für die Reben nicht mehr durch unseren Herrn Jesus in derselben Art
und Weise wie bisher hinausgeführt werden, sondern durch die Wirksamkeit des
Heiligen Geistes-der Geist des Vaters und des Sohnes.
Aber es ist
nicht ausreichend, daß wir zuerst gerechtfertigt und danach geheiligt werden
durch eine Weihung an unseren Herrn; noch ist es ausreichend, daß wir zu dem
Leib Christi dazu gehörend betrachtet werden und Reben an dem Weinstock werden.
Es ist gut für einen kleinen Sproß, es ist gut, Knospen der Verheißung zu
haben, es ist gut, als eine Rebe zu wachsen und Ranken hervorzubringen, aber ganz
gleich wie groß oder wie klein die Rebe sein mag, wie alt oder wie jung, wir
müssen uns daran erinnern, daß der Saft, welcher die Frucht hervorbringt, nur
durch eine fortwährende Gemeinschaft mit dem Weingärtner und den
Wurzeln der Verheißung erlangt werden kann. Wenn jemand davon abgetrennt ist,
müssen alle Hoffnungen welken. Nur wenn wir in Christus sind, und durch ihn
Erben von Gott, haben wir Anteil oder einen Platz in dieser Sache; und nur auf
diese Weise können wir die Früchte hervorbringen, welche der große Weingärtner
sucht. Es würde eine Ende für die Rebe bedeuten zu sagen: Zuerst benötigte ich
die Gemeinschaft mit Christus, dem Weinstock, aber jetzt kann ich allein
stehen. Wer immer allein steht, wer immer vom Weinstock und den anderen Reben getrennt
ist, wird sehr schnell dahinwelken; und wer immer am Weinstock verbleibt, muß
gewißlich fortfahren, Vertrauen an den Weinstock zu haben, muß in
derselben Gesinnung sein wie die anderen wahren Reben des gleichen Weinstockes.
Und hierin sehen wir die Wichtigkeit davon, an dem wahren Weinstock zu sein und
in derselben Gesinnung wie die wahren Reben.
Der falsche
Gedanke zu diesem Thema des Weinstockes und den Reben wird sehr häufig durch
die verschiedenen Konfessionen ausgedrückt, welche behaupten, daß die Reben des
Weinstockes die verschiedenen Konfessionen der Christenheit seien. Dies prägt
einen ernsten Fehler ein, und zwar, daß es die Pflicht jedes einzelnen Christen
sei, ein Mitglied in einer dieser Reben zu sein-wie zum Beispiel die
presbyterianische Rebe, die methodistische Rebe, oder die evangelisch
lutherische Rebe, oder die römisch katholische Rebe, oder die griechisch
orthodoxe Rebe. Im Gegensatz dazu ist der richtige Gedanke der, daß jeder
einzelne Christ in seiner eigenen Weihung zum Herrn eine einzelne Rebe an dem
wahren Weinstock wird; und seine Arbeit sollte von da an nicht konfessionelle
oder sektiererische Früchte hervorbringe, sondern die Früchte der Gnade des
Geistes Gottes in seinem eigenen Charakter und Leben.
Ein Schreiber
sagt, indem er diesen falschen Gedanken hinsichtlich der Reben verfolgt:
"Gott wünscht nicht, daß fruchtlose Kirchen groß sind und gedeihen; er
läßt sie verwelken. Die Kirchen, welche sich am Nähesten an Christus halten,
werden am meisten wachsen.’ Es sollte nicht schwierig sein für irgend Jemanden,
die Haltlosigkeit solch einer Argumentation zu erkennen. Wenn dies die richtige
Ansicht wäre, würde es bedeuten, daß die Kirchenorganisationen, welche eine
große Anzahl an Mitgliedern haben und am meisten wohlhabend sind in Ansehen und
Ehre unter den Menschen diejenigen sind, welche die meiste Wahrheit haben und
welche am meisten auf direkte Weise vom Saft des Heiligen Geistes vom Herrn
erhalten. Aber laßt uns sehen: innerhalb der Christenheit würde der
Katholizismus am heiligsten, besten und Nähesten am Herrn sein; die griechisch
orthodoxe Kirche würde behaupten, daß sie an zweiter Stelle steht; der
Methodismus an dritter und so weiter. Vernünftige Menschen benötigen kaum die
Erklärung, daß solch eine Interpretation Irrtum ist.
Aber was
unpassend ist, wenn es auf die Konfessionen als Reben angewendet wird, ist
durch und durch logisch und in Harmonie mit den Tatsachen, wenn es auf die
einzelnen Christen und deren geistiges Leben angewendet wird. Diejenigen,
welche in Christus bleiben im Glauben und Vertrauen und Weihung in seinem
Dienst-um die Früchte hervorzubringen, welche vor dem großen Weingärtner
angenehm sind-befinden sich selbst tatsächlich auf einem schmalen Weg, häufig
durch die Vorsehung beschützt, und ihre Bemühungen werden in verschiedene
Richtungen geändert, oder vielmehr, ihre Absichten werden durchkreuzt; aber sie
finden als das Ergebnis aller dieser Erfahrung, wenn richtig erhalten, daß sie
in der Gnade wachsen-in der Erkenntnis und in der Liebe Gottes, den Früchten
des Geistes. -Röm. 8:28
Die enge
Gemeinschaft zwischen dem Weinstock und den Reben wird durch die Worte unseres
Herrn unserer Aufmerksamkeit nähergebracht: "Derjenige, der in mir bleibt,
und ich in ihm’. Der Weinstock und seine Reben haben solch ein Einssein, daß wo
immer wir eine Rebe berühren, wir den Weinstock selbst berühren. Es ist ein
Wein, welcher sich aus Reben zusammensetzt, und so ist der Leib des Christus ein
Leib, zusammensetzt aus vielen Gliedern. Wo immer ein Glied oder eine Rebe des
Leibes des Christus gefunden wird, werden alle die verschiedenen Charakterzüge
von Christus selbst gefunden-im Geist, in der Absicht, als "Neue
Schöpfungen’. Dieses Einssein in Christus ist das Geheimnis der Kraft und der
Fruchtträger und der Annahme als Reben bei dem Vater, dem Weingärtner.
"Ohne mich
könnt ihr nichts tun’, ist eine Anmerkung, welche sehr würdig ist, daß sie tief
in das Herz jedes aufrichtig geweihten Gliedes des Leibes Christi eingegraben
wird. Aber in Christus bleiben bedeutet, sich in allem dem Willen des großen
Weingärtners zu unterwerfen, um gerne und geduldig sich allen Beschneidungen zu
beugen, welche seine Weisheit als das Beste für uns zulassen mag. Hinsichtlich
dieser Notwendigkeit der Beschneidung und der Belehrung, hat Trench, der hoch
geehrte Theologe, gesagt: "Die
Menschen sehen die Gnadengaben von Gottes auserwählten Dienern, welche die
Gnadengaben der gewöhnlichen Menschen so über die Maßen übersteigen, und sie
wundern sich manchmal, warum diese immer noch leiden sollen, warum sie
scheinbar jedes Mal verfehlen von einer Prüfung zur nächsten. Aber Er schaut in
sie hinein-was kein anderes Auge sehen kann-die Gnadengabe, welche fähig ist,
immer noch kostbarer zu werden; und in seiner weit vorausschauenden Liebe für
sein Eigentum, welches ihn preisen soll, nicht für einen Tag, sondern für eine
Ewigkeit, wird er das Ausharren nicht vor dem bestmöglichen aufhören lassen,
wozu sie fähig sind. Sie sind fruchttragende Reben, und gerade weil sie dies
sind, reinigt er sie, damit sie mehr Frucht bringen möchten.’
Anmerkend zu
der Tatsache, daß manchmal ein Weinstock oder Weinbaum versucht, mehr Frucht
hervorzubringen, als er fähig ist, zur Vollkommenheit zu bringen, schlägt ein
anderer Schreiber (H.L. Hastings) vor, indem er dies mit der Erfahrung und den
Bemühungen des Christen vergleicht:
"Der beste
Weg ist der, den Baum zu
schütteln, um ihn von
zusätzlicher Frucht zu befreien. Die Frucht wird beschnitten, abgeschnitten,
geschnitten, gepflückt und reduziert, bis sie leicht zu handhaben ist, bis der
Baum seine Last tragen kann, und dann laß jede Rebe mit Früchten beladen sein,
welche zur Vollkommenheit gelangen, aber laß ihn nicht überladen sein mit
Früchten, welche niemals seine volle Entwicklung erlangen.’
Dies ist ein
sehr richtiger Gedanke, wie er sich auf die Frucht der Bemühungen bezieht,
welche in dem Dienst des Herrn für andere hervorgebracht werden; denn viele
vergeuden ihre Bemühungen, weil sie dieselben nicht ausreichend lenken.
Der begabte
Apostel Paulus gibt sein Zeugnis für die Weisheit von dem Abschütteln solcher
unserer Pläne und Vorbereitungen und Bemühungen, für welche wir wenig Begabung
haben, und zum Hinlenken unserer Bemühungen auf solche Dinge, welche wir am
besten zur Vollkommenheit, zur Reife, bringen können, sagend: "Eines aber
tue ich.’ { Php 3:13} Des Apostels einzige Beschäftigung im Leben war, soweit
als er dazu fähig war, dem Herrn persönlich annehmbar zu sein, und in seiner
Macht das hinauszuführen, was er konnte, um anderen in derselben Situation zu
helfen. Wir verstehen das jedoch nicht so, als ob die Werke für andere, welche
Frucht tragen, der Hauptgedanke dieser Lektion ist. Der erste Gedanke ist, daß
wir die Früchte von des Herrn Geist in unseren eigenen Herzen und die
Gnadengaben des Geistes gut entwickelt haben. Dies jedoch bedeutet Tätigkeit
und Selbstaufopferung in des Herrn Dienst, denn nur auf diese Weise können
durch des Herrn Anordnung unsere persönlichen Früchte und Gnadengaben zur Reife
gebracht werden.
Unser Herr gibt
uns eine Andeutung dafür, daß das Wachstum von größerer Frucht nicht gänzlich
von uns selbst abhängt, und daß auch während wir in ihm als eine fruchttragende
Rebe bleiben, die Qualität und das Ausmaß der Frucht verbessert werden kann,
indem wir die Vollkommenheit vor unserem Auge haben und aufrichtig danach
trachten, diese zu verwirklichen. Deshalb sagt er: "Wenn ihr in mir
bleibt, und meine Worte in euch bleiben, dann werdet ihr bitten, was ihr wollt,
und es wird euch geschehen.’ Die Andeutung ist, daß der Wunsch und das Bitten
des Vaters am Throne der himmlischen Gnade eine Möglichkeit ist, durch welche
wir mehr und mehr Saft vom Weinstock, dem Heiligen Geist, erhalten mögen, damit
wir fähig gemacht werden, um die Früchte des Geistes zu entwickeln. Es wird
bemerkt werden, daß hier in keinster Weise auf das Suchen oder Finden von
irdischen guten Dinge hingewiesen wird. Diese werden gänzlich des Herrn
Weisheit und Vorsehung überlassen, und sein Volk, die wahren Reben des
Weinstockes, begehren und suchen nach dem Heiligen Geist, welchen der Vater
ihnen bereitwilliger gibt, als irdische Eltern ihren Kindern gute Gaben geben.
- Lu 11:13???
Übrigens weist
unser Herr hier seine wahren Reben oder Jünger auf den Wert der Schriftstellen
hin, wenn er sagt: "Wenn meine Worte in euch bleiben.’ Es ist nicht nur
notwendig und richtig, daß wir die göttliche Gnade suchen, sondern es ist
gleichfalls richtig, daß wir die göttliche Offenbarung nutzen hinsichtlich
dessen, was der gute und annehmbare und vollkommene Wille Gottes, unseres
Vaters, ist, dem Weingärtner des wahren Weinstockes. Daher wird erkannt werden,
daß diejenigen, die mehr Frucht und gute Frucht bringen, nicht nur durch
Glauben gerechtfertigt und durch Weihung geheiligt und daher als Glieder des
wahren Weinstockes angenommen worden sind, sondern daß sie außerdem danach
trachten, Fruchtträger zu sein-danach trachten, am Weinstock zu bleiben und
alle Charakterzüge des Weinstockes zu besitzen, nach der Gnade zu trachten,
welche in jeder Zeit der Not hilft, und sich selbst nicht nur den Saft zunutze
machen, welcher von der Wurzel her fließt, sondern auch das Licht der Wahrheit
und Gnade, welches auf sie scheint durch das Wort des Herrn. Und nur durch ein
Befolgen dieser Bedingungen können wir Fruchtträger werden, und nur indem wir
Träger von Frucht sind, können wir des Herrn Jünger sein-bis zum Ende; denn wir
möchten uns daran erinnern, daß die Herauswahl in der gegenwärtigen Zeit nur
eine auf Probe ist, welche sich aus denjenigen zusammensetzt, welche kundtun,
daß sie treu sind und Liebe und Gehorsam ausüben. Der Herr wird Prüfungen
zulassen, um die Aufrichtigkeit ihrer Bekenntnisse zu beweisen, und nur
diejenigen, welche auf diese Weise die Aufrichtigkeit ihres Bekenntnisses
beweisen, werden als Glieder der verherrlichten Herauswahl angenommen werden,
symbolisiert durch den goldenen Weinstock von der "schönen Pforte’ des
Tempels.
Unser Herr
möchte, daß alle wahren Reben seine Liebe, sein Interesse, sein Fürsorge für
sie, seinen Wunsch erkennen möchten, daß sie ihre Berufung und ihre Erwählung
festmachen möchten durch ein Einhalten der Bedingungen, unter welchen sie
Glieder am Weinstock sein können; daher versichert er ihnen seine Liebe in der
stärkst möglichen Sprache. Er berichtet ihnen, daß seine Liebe für sie von
derselben Art und Weise ist, wie des Vaters Liebe für ihn. Auch mit allen
verschiedenen Beweisen von der Wahrhaftigkeit dieser Erklärung, bekräftigt
durch die "überaus großen und kostbaren Verheißungen’ aus den Herrn Wort,
ist es für uns zu wundervoll, um es völlig zu verstehen. Wir können leicht sehen,
wie und warum unser Herr Jesus so sehr vom Vater geliebt wurde und ihn seinen
geliebten Sohn genannt hat, aber es erstaunt uns, zu wissen, daß dieselbe Liebe
durch unseren Herrn für uns vorhanden ist. "Sehet, welch eine Liebe uns
der Vater gegeben hat, daß wir Kinder Gottes heißen sollen’; denn unser Herr
Jesus brachte des Vaters Liebe zum Ausdruck und offenbarte sie vollständig. - _
1Jo 3:1 Joh 14:7???
Aber dann kommt
eine Einschränkung, nämlich, daß diese überaus große Liebe nur für die
"kleine Herde’ ist. Wahrlich, "Gott hat die Welt so sehr geliebt’,
und unser Herr Jesus liebte auch die Welt, in dem Sinne von mitfühlender Liebe
und einem Wunsch, ihnen Gutes zu tun. Aber die Liebe, von welcher der Herr hier
erklärt, ist eine Unterschiedliche. Sie ist nur für diejenigen, welche eine
volle Weihung an ihn gemacht haben-tatsächlich ist diese Weihung das Geheimnis
seiner besonderen Liebe. Der Vater liebte den einzig gezeugten Sohn, weil er
voll Glauben und Vertrauen und Gehorsam war-"bis zum Tod, ja, bis zum Tod am
Kreuz’. Und gleichermaßen reicht dieselbe Liebe auch bis zu denjenigen, welche
gerechtfertigt sind, welche, erfüllt mit des Meisters Geist, wünschen, in
seinen Fußstapfen zu wandeln, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm zu folgen.
Gottes Liebe, von derselben Art und Weise wie die, welche für unseren
liebreichen Erlöser tätig war, ist für sie alle in Wirksamkeit; und die Liebe
des Erlösers ist für sie tätig; und die gute Botschaft kommt zu ihnen: Alles
ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.’ "Wer wird
wider Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gottes ist es, welcher
rechtfertigt...Es ist Christus, der gestorben ist.’ -1. Kor. 3:22; Röm.
8:33,34.
Aber wie diese
besondere Liebe im Zusammenhang mit der Weihung und dem Gehorsam dieser Klasse
steht, so ist sie abhängig von dem beständigen Verbleiben in diesem Geist der
Weihung und des Gehorsams. Wenn ihre liebende Ergebenheit kalt wird, und sie
mit Eigenliebe und dem Geist der Welt erfüllt werden bis zu dem Ausmaß hin, daß
sie den Heiligen Geist betrüben { Eph 4:30} -dann wenden sie sich von dieser
besonderen Liebe des Herrn ab: und daher die Anordnung von unserem Herrn:
"Bleibet in meiner Liebe.’ Diese Worte zeigen, daß es für uns möglich ist,
des Herrn Liebe zu verwirken und schiffbrüchig zu werden-zu verfehlen, unsere
Berufung und Erwählung zu den überaus großen Dingen festzumachen, welche Gott
in Bereitschaft hält für diejenigen, welche ihn lieben mit dieser höchsten
Liebe. -2. Petr. 1:4-11; 1. Kor. 9:27.
Es ist wichtig,
daß wir im Gedächtnis behalten, daß wahre Liebe sich von unserer Seite aus im
Gehorsam offenbart, und daher ist Ungehorsam ein Beweis für den Verlust der
Liebe, von Gottes Standpunkt aus betrachtet; und wir müssen alle zugeben, daß
dies ein vernünftiger Standpunkt des Gerichts ist. Einige mögen sagen: Was ist,
wenn wir auf Grund von Unwissenheit ungehorsam sind? Wir antworten, daß der
Herr Vorkehrung getroffen hat gegen unsere Unwissenheit: Erstens hat er uns das
Wort der Wahrheit gegeben, "damit der Mensch Gottes vollkommen sei (völlig
informiert), zu jedem guten Werke völlig geschickt’; zweitens hat er verheißen,
solche Hilfen in dem Geist der Heiligkeit und dem Verständnis aus seinem Wort
bereitzustellen, daß wir fähig sind, die Dinge zu tun, welche ihm wohlgefällig
sind. { 2Ti 3:17 Joh 16:13} Daher ist Sorglosigkeit hinsichtlich dem Worte des
Herrn gegenüber ein Beweis für den Mangel an Liebe. Unser Herr betont, daß sein
Verbleiben in des Vaters Liebe als der geliebte Sohn, mit alle dem, was dies
bedeutet, wegen seines Gehorsams dem Willen des Vaters gegenüber war und daß
demselben Grundsatz folgend er verlangen muß, daß wir ihm gehorsam sind, wenn
wir in seiner Liebe bleiben möchten und an seinem Thron und an seiner
Herrlichkeit Anteil haben möchten.
"Dies habe
ich zu euch geredet, auf daß meine Freude in euch sei und eure Freude völlig
werde.’ Unseres Herrn Anweisungen und Gebote sind nicht beabsichtigt, um uns
Angst zu machen, noch um uns Freude vorzuenthalten. Ganz im Gegenteil, wie die
Reben, die am meisten Frucht hervorbringen, es sehr genau wissen, ist die
größte Freude die, gehorsam gegenüber den Worten des Herrn zu sein und das
Vorrecht, auf diese Weise in ihm und seiner Liebe zu bleiben-eine Freude,
welche völlig alle geringfügigen Annehmlichkeiten überwiegt, welche die Welt zu
bieten hat. Es ist die Freude und der Friede, welche alles Verstehen
übersteigt, welche im Herzen entscheidet, und welche die Verheißung, die
Zusicherung des Lebens mit sich bringt, nicht nur des Lebens, welches jetzt
besteht, sondern auch des Lebens, welches kommt.
Übersetzt aus
dem amerikanischen Zionswachtturm vom 01. Mai 1899 von Bruder Sven Kruse im
Februar 2000.
Das
"gute Bekenntnis’ vor Pilatus
Joh. 18:28-40;
1. Tim 6:13
"Ich finde
keinerlei Schuld an ihm.’ Joh 19:4.
Pilatus, der
oberste römische Befehlshaber in Judäa, hatte in seinen Händen die Macht über
Leben und Tod. Dem jüdischen Sanhedrin war es gestattet, das Land in einer
religiösen Weise zu regieren in Übereinstimmung mit dem jüdischen Gesetz und
nach jüdischem Brauch, aber er hatte keine Macht, öffentliche Hinrichtungen
anzuordnen. Ganz offensichtlich hatten sie die Macht, zu Tode zu steinigen auf
Grund von Gotteslästerung (die Anklage, mit welcher sie Jesus verurteilten) wie
in dem Fall des Stephanus (Apg. 7:58); und daher mögen wir annehmen, dass sie
hinsichtlich Jesus solch eine Macht gehabt hatten, aber diese nicht ausgeübt
haben aus Furcht davor, dass sich das Volk dieser Ungerechtigkeit widersetzt
hätte. Außerdem erkannten sie ganz wahrscheinlich den weitreichenden Einfluss,
den seine Lehren schon erlangt hatten, und sie wünschten, seine Hinrichtung
sowohl öffentlich als auch so schmachvoll wie möglich zu machen-mit der
Absicht, dass sowohl seine Nachfolger eingeschüchtert und gedemütigt werden
sollten, als auch er selbst, weil es nur einige Wenige wagen würden, sich
selbst als Jünger zu bekennen von einem, der öffentlich als ein Verbrecher
hingerichtetworden ist-verurteilt durch beides, bürgerliche und geistige
Richter. Auf diese Weise hofften sie, das neue System religiöser Lehren im Keim
zu ersticken, welches, wenn es fortgesetzt werden würde, ganz offensichtlich
ihren eigenen Einfluss auf das Volk ganz beseitigt hätte. Auf diese Weise
führten diese Übeltäter ganz ahnungslos die feststehenden Pläne aus, welche von
Gott zuvor festgelegt worden waren-sie taten dies in der völligen Ausübung
ihres eigenen bösen Willens.
Wie bereits
bemerkt, geschah die förmliche Verurteilung unseres Herrn vor dem jüdischen
Sanhedrin am Tagesanbruch, zwischen fünf und sechs Uhr, und sofort danach
beeilten sie sich, ihn in den Palast des Herodes zu bringen, mit der Absicht,
ihn in die Hände der römischen Soldaten zur Hinrichtung zu übergeben zum
schnellst möglichen Zeitpunkt, so dass die Menge erkennen möchte, dass dieser
Fall jenseits der Macht ihres Eingreifens liege. Die jüdischen Anführer hatten
keinen besonderen Grund daran zu zweifeln, dass Pilatus überhaupt zögern würde,
eine Hinrichtung anzuordnen. Pilatus scheint einen Hang zur Grausamkeit gehabt
zu haben. Es ist berichtet worden von "seiner Bestechlichkeit, seinen
unverschämten Taten, seiner Gewohnheit, das Volk zu beleidigen, seiner
Grausamkeit, seinen fortwährenden Mordtaten an Menschen, ohne die Vorwürfe zu
prüfen und ohne Verurteilung, und seiner niemals endenden und immer überaus
schwerwiegenden Unmenschlichkeit-ein Mensch mit überaus bösartigen
Veranlagungen, sowohl sehr erbarmungslos als auch sehr starrköpfig.’ Ganz
offensichtlich hatten die Anführer der Juden häufig Grund dazu gehabt, Pilatus
darum zu bitten, gnädig zu sein, und gewöhnlich war dies ohne Wirkung gewesen;
es scheint, dass sie sicher sein konnten, dass, wenn irgend ein Gefangener zu
ihm mit der Bitte gebracht wurde, dass dieser hingerichtet werden sollte, es
ihm Freude bereitete, diesem nachzukommen.
Wir werden an
die Worte unseres Herrn an die Pharisäer erinnert: "Von außen scheint ihr
gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voll Heuchelei und
Gesetzlosigkeit’, wenn wir lesen, dass diese bestimmten Personen, welche
mörderisch waren, die Vernichtung des Gerechten planten. Sie gingen nicht
hinein in den Palast des Herodes, "auf dass die sich nicht
verunreinigten’, und auf diese Weise daran gehindert worden wären, das
Passahfest zu feiern. Wie widersprüchlich und heuchlerisch sie gewesen sind!
Sie befürchteten, dass in dem Palast des Herodes, welcher unter der
Gerichtsbarkeit der Nationen stand, etwas Sauerteig (ein Symbol für die Sünde)
vorhanden sein könnte, und sie erkannten nicht, dass der wahre Sauerteig der
Sünde ihre eigenen Herzen durchdrungen und gänzlich durchtränkt hatte-Zorn,
Bosheit, Hass, Neid und Streit.
Welch eine
Lektion des Herrn Volk hier hat: denn wir werden daran erinnert, dass diese im
Herzen verdorbenen Verschwörer das bekennende heilige Volk ihrer Tage und ihres
Systems war. Während es heute niemand mehr in der Macht hat, unseren Herrn zu
kreuzigen und ihm offen Schaden zuzufügen, ist es in unserer Macht, den
"Geschwistern’ Schaden zuzufügen und sie zu kreuzigen-die Glieder seines
Leibes. Und wir befürchten, dass einige heutzutage dies mit solch einer
Selbsttäuschung hinausführen, wie es durch die Hohepriester und Pharisäer
ausgeübt wurde, welche die Kreuzigung unseres Herrn bewirkten. Wahrlich, die
Pharisäer wußten nicht, was sie taten, wie Petrus sagt: "Ich weiß, dass ihr
in Unwissenheit gehandelt habt, gleichwie auch eure Obersten.’ (Apg. 3:17) Und
gleicherweise sind heutzutage wahrscheinlich diejenigen unwissend, von dem was
sie tun, welche den Gliedern "des Leibes des Christus’ Schaden zufügen.
Nichtsdestotrotz bringen sie sich selbst unter die Verurteilung durch den
Herrn: "Es wäre besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er
ins Meer geworfen würde.’ { Lu 17:2} Deshalb nehmen wir uns davor in acht und
bewahren wir das Herz, von welchem die Ausgänge des Lebens sind.
Wären die
Herzen dieser Pharisäer im richtigen Zustand gewesen, voll von Liebe zur
Gerechtigkeit und Wahrheit, und wertschätzend alles, was wahr ist; alles, was
ehrlich ist; alles, was gerecht ist; alles, was rein ist; alles, was liebreich
ist; alles, was einen Lob gibt; dann hätten sie nicht den Fehler von der
Verwerfung des Lammes Gottes gemacht. In gleicher Weise werden diejenigen,
welche den Geist der Liebe für die Geschwister haben, daran gehindert, in
irgend einer Weise ihre Verfolger zu werden. Nur ein solcher kann in richtiger
Art und Weise von dem gegenbildlichen Passahlamm essen.
Der oberste
römische Befehlshaber kannte den besonderen Brauch der Juden hinsichtlich der
Zeit ihres Passahs, und deshalb kam er ihnen entgegen und hatte seinen
Richterstuhl außerhalb von seinem Palast gebracht hin zu der Stelle, die als
"Steinpflaster’ oder "Hochpflaster’ bekannt ist, einem erhöhten Platz
außerhalb von dem Palast des Herodes. Jesus wurde auf diesen erhöhten Platz
gerufen, damit die Angelegenheit näher betrachtet wurde, während die Juden
außerhalb von diesem unheiligen Platz standen und dem Pilatus ihre
Anschuldigung bekannt machten. Sie erwarteten ganz offensichtlich, dass schon
die Darstellung von Jesus als einem Gefangenen für die Kreuzigung ausreichen
würde. Anscheinend hatten sie auch nicht erwartet, dass sie eine Anschuldigung
gegen ihn erheben müssten; daher ihre Antwort: "Wenn dieser nicht ein
Übeltäter wäre, würden wir ihn dir nicht überliefert haben.’ In Übereinstimmung
mit dem Charakter von Pilatus und seiner wahrscheinlichen Verachtung für die
Pharisäer deutet die "New Jerusalem Bibelübersetzung’ an, dass seine Frage
eher gewesen ist: "Welche Anklage bringst du gegen ihn hervor?’, als ob Jesus eher einen Grund zur Anklage gegen die Pharisäer
gehabt hätte, was selbstverständlich der Fall gewesen ist. Der abgehärtete
Römer war ohne Zweifel zu einem ausgezeichnetem Kenner des menschlichen
Charakters geworden, und er konnte leicht erkennen, dass es keine
verbrecherischen Züge in dem Angesicht unseres Herrn gab, sondern viele in
denen seiner Ankläger.
Zur
Überraschung der Priester und Pharisäer übergab Pilatus ihnen Jesus zurück, im
wesentlichen sagend: Dies ist eine so unbedeutende religiöse
Auseinandersetzung, mit welcher ich nichts zu tun haben möchte; nehmt den
Gefangenen und handelt mit ihm in Übereinstimmung mit euren eigenen Gesetzen
und Gebräuchen-haltet ihn gefangen oder veranlaßt, dass er geschlagen wird oder
was immer ihr für richtig haltet gemäß eurem Gesetz. Aber nach des Herrn Tod
trachtend offenbarten seine Verfolger ihren wahren Herzenszustand, sagend:
"Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu töten.’
Hart, grausam
und unbarmherzig wie er war, erkannte Pilatus die wahre Situation-dass der
Schuldige darauf aus war, den Unschuldigen zu töten. Damit er eine bessere
Gelegenheit zum Nachdenken in Ruhe haben möchte und ebenso zum Anhören, was
Jesus zu seiner eigenen Verteidigung sagen würde, verließ Pilatus die Juden und
rief Jesus zu sich in seinen Palast, wo sie mit einander sprachen. Es muß etwas
sehr Auffallendes an unseres Herrn persönlichem Erscheinen gegeben haben, was
Pilatus dazu veranlaßte, für einen Augenblick die Zurückweisung der Forderungen
des jüdischen Gerichts oder des Sanhedrin in Betracht zu ziehen, denn, obwohl er
die völlige Macht über Leben und Tod hatte, war es für ihn die erste Pflicht,
den Frieden und die Ruhe seiner Herrschaft zu bewahren; und dies deutet an,
dass er im allgemeinen zumindestens die weitverbreitete Ansicht einhalten
mußte, besonders, wenn die weitverbreitete Ansicht von den wichtigsten Personen
der Region vertreten wurde, und besonders, wenn diese wichtigsten Personen die
Hinrichtung von einem wünschten, welchen sie als einen Friedensstörer
verurteilten. Pilatus Stellung war in vieler Hinsicht eine durchaus schwierige:
er mußte der Regierung in Rom gefallen, und er mußte unnötige Streitigkeiten
mit den örtlichen Machthabern vermeiden, welche in dem gegenwärtigen Beispiel
ganz offensichtlich so entschlossen gewesen sind, dass sie eher eine allgemeine
Unruhe ausgelöst hätten als ihren bösen Plan zu zerschlagen. Die Tatsache ist,
dass sechs Jahre später diese Leute solch eine Beschwerde gegen Pilatus an den
römischen Herrscher gesandt haben, dass sie seine Absetzung bewirkte.
Pilatus Frage
an Jesus war, als sie allein waren: "Bist du der König der Juden?’ Die
Juden hatte keine solche Anklage gegen Jesus erhoben; tatsächlich waren sie
weit davon entfernt zu wünschen, dass der Galiläer als König der Juden
anerkannt wurde, oder als solcher von einer gewissen Anzahl von Leuten
betrachtet wurde; sie hatten deshalb lediglich die Anklage erhoben, dass Jesus
ein Übeltäter gewesen sei, ein Aufständischer, dessen Tod notwendig sei für den
Frieden der Nation. Deshalb erscheint es, als ob Pilatus schon früher aus
irgendeiner Richtung von dem auf einem Esel reitenden Jesus gehört hätte, und
wie er bejubelt worden war von dem Volk als den Sohn Davids ein paar Tage
zuvor. Dass dies kein Teil der Anklage der Juden gewesen ist, erscheint ganz
offensichtlich aus unseres Herrn Antwort an Pilatus: "Sagst du dies von
dir selbst, oder haben dir andere von mir gesagt?’ Bist du ein interessierter
Frager hinsichtlich der Wahrheit von diesem Thema, oder berufst du dich nur auf
eine Angelegenheit, die du gehört hast? Pilatus Antwort: "Bin ich ein
Jude?’, kommt den Worten gleich: "Was weiß ich über eure jüdischen
Hoffnungen und Aussichten? Ich bin der oberste römische Befehlshaber, und wenn
du ein König bist, so ist es deine eigene Nation und dessen hauptsächliche Repräsentanten,
die dich mir überliefert haben. "Was hast du getan?’, wenn du ihr König
bist, dass deine Untertanen dir gegenüber so untreu sind? Anscheinend gibt es
keine große Gefahr vor dir, dass du irgend eine Macht gegen das römische Reich
ausübst; du bist sanftmütig, freundlich, demütig, leistest keinen Widerstand,
und dein Volk schreit gegen dich. König der Juden, erkläre diese besondere
Situation!
Dann erklärte
Jesus, dass sein Königreich nicht von dieser Ordnung der Dinge ist, sonst
hätten seine Diener gekämpft und ihn verteidigt, und er wäre nicht wie im
Moment seinen Feinden ausgeliefert; und dass sein Königreich bis jetzt noch
nicht begonnen hatte. Erstaunt und vielleicht mit einem gewissen Mass an
Mitgefühl für einen großen Herrscher unter solch demütigen Bedingungen, fragt
Pilatus, "Du erhebst also den Anspruch, dass du ein König bist?’ Unser
Herr antwortet: "Du sagst es’, das bedeutet, "deine Bemerkung ist
richtig: Ich bin ein König.’ "Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt
gekommen, auf dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit
ist, hört meine Stimme.’
Das war das
gute Bekenntnis, welches unser Herr vor Pontius Pilatus bezeugte, und auf
welches sich der Apostel bezieht { 1Ti 6:13} Er bezeugte sein Königreich und
seine göttliche Macht. Wir wundern uns nicht darüber, dass Pilatus an dem
Anspruch unseres Herrn auf ein Königreich zweifelte und dass er wahrscheinlich
dachte, dass er ein Fanatiker sei. Wir sollten uns vielmehr daran erinnern,
dass nur bemerkenswert Wenige von denjenigen, welche von Jesus gehört haben,
die Wahrheit seiner Erklärung erkannten haben, dass er ein König ist. Wie wenige, gerade unter den bekennenden Christen,
erkennen das königliche Amt von unserem Herrn! Viele derjenigen, die erkennen,
dass Jesus tatsächlich der Mann der Leiden gewesen ist, welcher mit Kummer
vertraut gewesen ist, und einige derjenigen, welche erkennen, dass er für unser
Sünden starb, haben bis jetzt noch nicht erkannt, dass er nicht nur die
Menschheit erkauft hat, sondern auch die ursprüngliche Herrschaft, die Adam im
Anfang gegeben worden war. Viele können unseren Herrn in der Stellung eines
Priesters erkennen, welche jedoch verfehlen zu erkennen, dass er auch ein König
ist und dass er das Millenniumszeitalter hindurch als ein Priester auf seinem Thron sitzen wird "nach der Ordnung Melchisedeks’, und seine
Herauswahl und Braut mit ihm sein wird und an beidem Anteil haben wird sowohl
an seinem priesterlichen als auch an seinem königlichen Amt.
Das
priesterliche Amt verspricht Barmherzigkeit, Vergebung und Gnade als Hilfe;
aber das königliche Amt ist genauso wichtig für die Errettung der Welt-die
Menschheit muß aus den Fesseln der Sünde und des Todes befreit werden-und zu ihrer Entwicklung und Befähigung zur Erlangung des
ewigen Lebens muß sie mit der eisernen Rute regiert werden;
und alles hinsichtlich dieses Werkes gehört dem, der uns errettet hat mit
seinem eigenen kostbaren Blut. Es ist gut, dass wir uns auch daran erinnern,
dass sich ein sehr großer Teil von den Gleichnisses unseres Herrn auf das
Königreich in seinen verschiedenen Schritten bezieht-jetzt gleichsam wie in
einem Embyrozustand, und Schritt für Schritt wird es mit vollständiger Macht
und Autorität aufgerichtet, um das Böse zu überwinden und die ewigwährende
Gerechtigkeit herbeizuführen.
Dies Königreich
muss ein Königreich der Wahrheit sein, der Gerechtigkeit und der Liebe, welches
für das Wohlergehen seiner Untergebenen tätig ist, und unseres Herrn Aufgabe
bei seiner Ersten Gegenwart war, die Grundlage für dieses Königreich zu legen
durch das Bezeugen der Wahrheit-der Wahrheit, dass Gott beides ist, sowohl
gerecht als auch liebend, und dass er bereitwillig ist, alle diejenigen in
Harmonie mit ihm selbst zurückzubringen, welche die Wahrheit und die
Gerechtigkeit lieben. Es war unseres Herrn Treue für die Wahrheit, welche ihm
den Widerstand derjenigen brachte, welche durch den Widersacher verblendet
gewesen sind, daher seine Erklärung, dass er kam, um der Wahrheit Zeugnis zu
geben, welches eine kurze Erklärung seiner Aufgabe war. Es war sein Bezeugen
der Wahrheit, welches ihm sein Leben kostete, und es war das freiwillige
Dahingeben seines Lebens zur Verteidigung der Wahrheit, welches den
entsprechenden Loskaufpreis ausmachte. In gleicher Weise geben alle Nachfolger
des Herrn ein Zeugnis für die Wahrheit-die Züge von diesem Plan, welche bei der
Ersten Gegenwart zur Erlösung der Welt bereits erfüllt wurden, und die Züge von
diesem Plan, welche jetzt in der Zeit der Zweiten Gegenwart erfüllt werden, zur
Erlösung der Welt aus den Fesseln der Sünde und der Erniedrigung. Es ist solch
ein Bezeugen der Wahrheit, welches die Leben aller derjenigen kostet, welche
wahre Nachfolger von Jesus sind, indem sie sich selbst als lebendige Opfer
darstellen, heilig und annehmbar für Gott durch Jesus Christus. Laßt uns ein
jeder von uns hoffen, ein Erbe mit dem Fürsten des Lebens in dem Königreich zu
sein und ein Zeugnis zu geben von der Wahrheit-ein gutes Bekenntnis
hinsichtlich des Königreiches, seiner Grundlage und seiner kommenden Errichtung
in Herrlichkeit.
Ein sehr kurzes
Gespräch war völlig ausreichend für Pilatus. Er hatte nicht den Wunsch, ein
Gespräch über Glaubenslehren zu beginnen, welches nur unvorteilhaft für ihn
werden konnte wegen seiner eigenen Vergangenheit. Er brach die Unterhaltung
plötzlich ab, sagend: "Was ist Wahrheit?’ -als ob er sagen würde: Wer ist
wahrhaftig? Wo wird völlige Gerechtigkeit gefunden, völlige Wahrheit, völlige
Aufrichtigkeit? Und ohne eine Antwort abzuwarten, ließ er ihn im Palast zurück,
ging raus auf das Steinpflaster und redete zu dem wartenden Sanhedrin und ihrer
Menge an Dienern und Anhängern, welche sie mit sich geführten hatten, um einen
Beweis zu geben von einer weitverbreiteten Unruhe.
Pilatus gab
seine Entscheidung bekannt: "Ich finde keinerlei Schuld an ihm.’ Da
befürchteten sie, dass sie keinen Erfolg gehabt hatten und dachten über
Anklagen nach, welche sie noch formulieren könnten. Sie erwähnten nicht die
Anklage, wegen welcher sie selbst Jesus fälschlicherweise verurteilt hatten,
nämlich die der Gotteslästerung; denn dies wäre in den Augen des obersten
römischen Befehlshabers niemals ein Verbrechen gewesen. Stattdessen erhoben sie
drei Anklagen: 1) Aufwiegelung-Aufruhr des Volkes gegen die bestehende Ordnung
der Dinge; 2) dass er das Eintreiben der Steuern behindere, indem er das Volk
lehre, dass es nicht richtig sei, einer ausländischen Macht Abgaben zu zahlen;
und 3) dass er den Anspruch erhebe, ein König zu sein. - Lu 23:2???
Als Pilatus
jedoch erfuhr, dass Jesus Zuhause und seine hauptsächliche Tätigkeit in Galiläa
gewesen war, dachte er, sich selbst dadurch aus der Lage zu bringen, indem er
die ganze Angelegenheit an Herodes übergab, welcher die Verantwortung für die
Gegend von Galiläa hatte und welcher damals in Jerusalem war an einem Ort,
welcher nicht weit entfernt gewesen ist. Dieser Herodes hatte den Tod von
Johannes, dem Täufer, veranlaßt. Lukas erzählt uns davon, dass Herodes sich
sehr darüber gefreut hat, Jesus zu sehen, weil er von ihm bereits viel gehört
hatte, und er hoffte, einige Wunder von ihm vollbracht zu bekommen. { Lu 23:8}
Herodes fragte unseren Herrn mit vielen Worten, aber er erhielt überhaupt keine
Antwort, während die Hohepriester und Schriftgelehrten immer heftiger wurden in
ihren Anschuldigungen erkennend, dass Jesus nichts von dem abstritt, was sie
sagten, und dass sie auf diese Weise um keine Beweise gefragt wurden.
Herodes war
ohne Zweifel sowohl beleidigt als auch enttäuscht durch das Verhalten unseres
Herrn, und er war nicht in der Lage, eine Unterhaltung mit ihm zu beginnen, wie
er es erhofft hatte, und seine Leibwachen machten sich einen Spaß daraus, die
Ansprüche des Erlösers hinsichtlich der hohen Stellung und des Königreiches zu
verspotten.
Aber mit dem
Wunsch, die Geste des Pilatus zu erwidern, und vielleicht mit einem kleinen
Gefühl der Reue im Gewissen wegen seiner Handlung gegenüber Johannes, dem
Täufer, wollte Herodes seine Verantwortung in diesem Fall loswerden durch das
Zurücksenden unseres Herrn zu Pilatus. Es war bei unseres Herrn Rückkehr in den
Palast des Herodes anscheinend als eine abschließende Bemühung, um die Juden zu
besänftigen und den Frieden des Landes zu wahren und um einen gehen zu lassen,
von welchem er deutlich erkannt hatte, dass dieser unschuldig war, dass Pilatus
ankündigte, dass er in Betracht des Aufschreies gegen Jesus veranlassen würde,
dass dieser bestraft werden würde, obwohl er keine Schuld an ihm gefunden habe.
Er hoffte ganz offensichtlich, dass durch dieses Auferlegung der Bestrafung
(des Schlagens) und der Demütigung der Geist der Bosheit auf Seiten der
Ankläger zufriedengestellt sein würde, und dass sie seiner Freilassung
friedlich zustimmen würden. Anscheinend wurde das Schlagen durch römische
Soldaten in einem Innenraum hinausgeführt; und wahrscheinlich mit der vollen
Zustimmung von Pilatus wurde unserem Herrn ein königliches Gewand umgetan und
eine Krone aus Dornen aufgesetzt. Ganz offensichtlich bereitete dieses Vorgehen
den niedrig gesinnten Soldaten Freude, und so viel Schande und Verachtung,
welche unserem Herrn entgegengebracht wurde, hätte seine Verfolger zumindestens
zufriedenstellen sollen, wenn nicht sogar Mitgefühl erwecken sollen.
Pilatus
handelte in Harmonie mit diesem Gedanken und kam erneut vor die Ankläger und veranlaßte,
dass unser Herr herbeigeführt wurde, schwach, erschöpft, sehr schlecht
aussehend von den prüfenden Erfahrungen der Nacht und zusätzlich noch durch die
schmerzvollen und schwächenden Auswirkungen der Schläge, die er gerade eben
erhalten hatte. Mit seiner Krone aus Dornen und dem verschmutzten purpurroten
Umhang muß er tatsächlich ein mitleidserregendes Angesicht gehabt haben, aber
wegen der vornehmen Züge von seiner menschlichen Vollkommenheit muß er noch
immer beeindruckt haben, und ohne Zweifel deuteten die Worte von Pilatus dies
an, welche seit Jahrhunderten hindurch wiederholt worden sind: "Sehet
diesen Menschen.’ { Joh 19:5} Pilatus war ganz offensichtlich beeindruckt von
der Persönlichkeit unseres Herrn; niemals zuvor hatte er ein so herrliches
Ebenbild aus dem Menschengeschlecht gesehen. Er war wahrlich solch einer, wie
ihn jeder Mensch gerne als seinen König geehrt hätte. Er hoffte ganz
offensichtlich, dass ein gewisser Eindruck auf die schreiende Menschenmenge,
welche Jesus anklagte, gemacht werden würde. Aber er irrte sich; sie schrien
noch lauter: "Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!’ In der Zwischenzeit hatte die
Frau von Pilatus von dem Verfahren gehört und hatte dem Pilatus einige Worte
hinsichtlich ihres Traumes gesandt und ihm geraten, dass er keinen Anteil haben
möchte an der Beschädigung dieser gerechten Person. - Mt 27:19???.
Die
Verantwortung von dem Tod unseres Herrn.
Sofort sagte
Pilatus: "Nehmt ihn und kreuzigt ihn, wenn das euer Gesetz ist.’ Obwohl
die Pharisäer auf diese Weise sicher davon ausgehen konnten, dass der oberste
römische Befehlshaber in die Angelegenheit nicht eingreifen würde, zögerten sie
damit, diese Einstellung hinzunehmen; sie zogen es vor, dass die Kreuzigung in
den Händen des obersten römischen Befehlshaber und seiner Soldaten sein sollte,
aus Furcht vor den Freunden von Jesus und der Menschenmenge, welche von ihm
geheilt und belehrt worden war, damit diese nicht zu seiner Hilfe kommen und
die Pharisäer überwältigen würden; daher antworteten sie dem Pilatus, dass in
Übereinstimmung mit ihrem Gesetz Jesus sterben solle, weil er sich selbst zum
Sohn Gottes gemacht habe. Sie verdrehten die Wahrheit in ihrem Bemühen, ihren
Weg aufrechtzuerhalten, denn das Gesetz schreibt nicht den Tod als eine Strafe
für die Behauptung vor, der Sohn Gottes zu sein. Hätte unser Herr
behauptet, der Vater zu sein, dann wäre er unter die Bedingungen der
Todesstrafe für Gotteslästerung gekommen, aber es gab keine solche Strafe, noch
war es eine Gotteslästerung, von sich selbst zu sagen, wie er es tat, der Sohn
Gottes zu sein.
Als Pilatus von
diesem hörte, war er noch mehr in Unruhe. Die Charakterzüge von Jesus waren für
sich selbst sehr beeindruckend, aber wenn jemand solche Charakterzüge besitzt,
wodurch der Anspruch auf eine enge Verbindung zu Gott gemacht wird, da gab es
wahrlich einige Gründe zum Fürchten. Pilatus widerstand den Forderungen immer
noch und versuchte, unseren Herrn freizulassen. Danach wurde als letztes dem
Pilatus durch eine Andeutung gedroht, indem ihm zugerufen wurde: "Wenn du
diesen Mann freigibst, bist du des Kaisers Freund nicht; jeder, der sich selbst
zum König macht, spricht gegen den Kaiser.’ Sie deuteten auf diese Weise an,
dass wenn Pilatus ihre Wünsche zunichte mache und sich er weigere, Jesus zu
kreuzigen, wie sie es forderten, dann würden sie dem Kaiser von ihm als einen
Feind seines Reiches berichten, als einem Unterstützer von aufwieglerischen
Personen, einem Förderer von anderen Königen in dem Reich. Pilatus konnte
gegenüber diesem Argument nicht standhalten und wusch seine Hände in der
Gegenwart der Menge, sowohl durch diese Tat als auch durch die Worte sagend:
"Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr nun zu.’ Und
als die Antwort kam: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder’,
lieferte Pilatus ihn der Kreuzigung aus.
Wir gehören
nicht zu denjenigen, welche Pilatus verdammen; er war ein Diener seines Reiches
und war dafür verantwortlich, alles Vernünftige zu tun, um den Frieden in
seinem Herrschaftsgebiet zu erhalten, und nur von einem deutlich erleuchteten
und völlig geweihtem Heiligen könnte mehr erwartet werden zu tun als Pilatus
für die Freilassung von Jesus getan hat. Die Verantwortung wurde von den
Hohepriestern und Pharisäern der damaligen Zeit übernommen, und wahrlich hat
die Strafe dafür schwer auf ihnen und ihren Kindern für einen Zeitraum von mehr
als 18 Jahrhunderten gelastet, und der Kelch ihrer Leiden ist nahezu voll.
"Die Trübsal Jakobs’ ist keine unwichtige in der großen Zeit der Trübsal,
welche jetzt erreicht wird; aber wir danken Gott dafür, dass ihre Errettung
nahe herbeigekommen ist, und ebenso die für alle Anderen von der seufzenden
Schöpfung. Wie gesegnet ist der Gedanke, dass, wenn sie auf den blicken werden,
den sie durchbohrt haben, sie um seinetwegen weinen werden und dies nicht mit
Tränen der hoffnungslosen Leiden; denn der Herr "wird den Geist der Gnade
und des Flehens ausgießen, und sie werden über ihn wehklagen, gleich der
Wehklage über den Erstgeborenen.’ -Sach. 12:10
Übersetzt aus
dem amerikanischen Zionswachtturm vom 15. Mai 1899 durch Bruder Sven Kruse.
Der Herr
wurde verraten
Joh. 18:1-14.
"Er war
verachtet und verlassen von den Menschen.’ -Jes. 53:3
Nach dem
letzten Mahl und nach seiner Erklärung an die Jünger hinsichtlich des
Weinstockes und seiner Reben kam das wundervolle Gebet unseres Herrn, welches
im 17. Kapitel von Johannes berichtet worden ist. Danach, wahrscheinlich nach
Mitternacht, ging Jesus mit den Elfen durch das Tor von Jerusalem nach draußen,
überquerte einen kleinen Bach, Kidron genannt, und an dem weiter entfernten
Hügel über ihm gingen sie in den Olivengarten, welcher als der Garten von
Gethsemane bekannt ist; vielleicht war es ein öffentlicher Garten, oder
möglicherweise das Eigentum von einem, welcher freundlich gegenüber unserem
Herrn gewesen ist. Das, was darauf hindeutet, daß es dieser bestimmte Ort
gewesen ist, ist heute als ein Garten erhalten und ist seit Jahrhunderten erhalten
worden. Er liegt in der Verantwortung von Mönchen, welchen es eine Freude
bereitet, Besucher zu empfangen, welche denselben besichtigen wollen. Es gibt
ungefähr sechs oder acht sehr große und ganz offensichtlich sehr alte
Olivenbäume in diesem Garten unserer Zeit-sie geben Zeugnis davon, daß sie
mindestens ein Tausend Jahre alt sind, aber möglicherweise sind sie älter.
Während unser
Herr mit seinen Jüngern redete und für sie betete, scheint er ganz guten Mutes
gewesen zu sein: während er sie ermahnte, daß ihre Herzen nicht erschüttert
werden sollten, war ganz offensichtlich sein eigenes Herz nicht
niedergeschlagen. Aber als sich die kleine Gruppe auf ihren Weg nach Gethsemane
begab, können wir uns gut vorstellen, daß ein großes Gewicht von Verantwortung auf
unseren liebreichen Erlöser fiel. Wir können uns ihn vorstellen, sagend:
"Meine Seele ist überaus betrübt bis zum Tode.’ { Mt 26:38} Deshalb war
der gegenwärtige Aufenthalt in Gethsemane sehr unterschiedlich von früheren
Aufenthalten. Einiges Verständnis für das bedeutsame Ereignis war ohne Zweifel
in den Herzen der Elf durch des Meisters Niedergeschlagenheit vorhanden, aber
sie verstanden nicht wirklich, sondern nur ein wenig von dem, was dabei war,
sich zu ereignen.
Bei dem Garten
angekommen, erfahren wir aus den anderen Evangelien, daß unser Herr acht von
den Elfen in der Nähe des Tores zurückließ, und Petrus, Jakobus und Johannes,
seine engsten Vertrauten, ein wenig weiter mit sich nahm, und er ermahnte sie
alle, zu wachen und zu beten, weil es eine Stunde der besonderen Prüfung war.
Er selbst ging ein wenig weiter, er betete zum Vater im Geheimen. Seine Gefühle
waren nicht und konnten nicht geteilt werden, auch nicht durch seine geliebten
Jünger; sie konnten die Schwierigkeit nicht erkennen, durch welche er
hindurchging; sie waren noch nicht von dem Geist gezeugt worden. Auf diese
Weise war Jesus in seiner schwierigsten Stunde allein-"Von den Menschen
war keiner mit mir.’ (Jes. 53:3)
Es ist
schwierig für die Mehrheit, auch von den Christen, den wahren Charakter von der
Prüfung unseres Herrn zu erkennen, welche in diesem Fall so gewichtig auf
seinem Nervensystem lag, daß es blutigen Schweiß hervorbrachte. Viele
vergleichen den Lauf unseres Herrn mit denen von vielen seiner Nachfolger, die
Märtyrer geworden sind, welche in den Tod gegangen sind mit bemerkenswertem
Mut, und im Vergleichen der Angelegenheiten sind sie geneigt, sich darüber zu
wundern, warum unser Herr, der vollkommen war, soviel mehr eine
Leidensgeschichte erdulden mußte als seine unvollkommenen Nachfolger. Um die
wahre Situation zu erfassen, ist es notwendig, daß verschiedene Dinge im
Gedächtnis festgehalten werden:
Erstens: Für
unseren Herrn, der ein vollkommenes Recht auf Leben hatte, war das Niederlegen
desselben in dem Tod eine ganz verschiedene Angelegenheit als wie das
Niederlegen eines verwirkten und beeinträchtigten Lebens auf der Seite
derjenigen, welche keine Hoffnung darauf haben konnten, es in irgend einer
Weise lange zu erhalten. Zweitens: Unser Geschlecht, bereits zu 9/10 tot, hat
doch nur eine schwache Wertschätzung von dem wahren Wert dafür, was Leben
bedeutet-alle seine Erfahrungen sind in Zusammenhang mit dem Sterben gewesen,
es ist dazu gelangt, den Tod mit Gleichgültigkeit zu betrachten. Aber nicht so
unser Herr, der "Fürst des Lebens’, welcher von Anfang an bei dem Vater
gewesen war, und durch welchen alle Dinge erschaffen worden sind-er erkannte
das Leben als einen sehr kostbaren Segen, ein Vorrecht, eine Freude. Daher muß
der Tod für ihn schrecklicher gewesen sein als für uns, welche bereits zu 9/10
tot sind und dementsprechend in allen unseren Gefühlen abgestumpft sind.
Wahrlich, er hatte die Zusicherung des Vaters, daß, wenn treu bis in den Tod,
er eine Auferstehung haben sollte, und ohne Frage er liebte des Vaters
Verheißung-in seinem Leben gab er bei jeder Gelegenheit in seinem Lauf
reichlich Beweis von seinem unbedingten Glauben an den Vater. Und dennoch muß
dies in diesem Fall für seinen Glauben eine sehr große Prüfung gewesen sind,
viel mehr als es mit uns ist. Weil wir nur einen Funken von einem verwirkten
Leben niederlegen, haben wir auf der anderen Seite nicht nur des Vaters
Verheißung von einem zukünftigen Leben durch Christus, sondern wir haben auch
ein Beispiel für die Macht des Vaters in der Auferstehung unseres liebreichen
Erlösers; aber unser Herr Jesus hatte nicht solch einen Beweis für die
göttliche Macht. Er selbst war in Übereinstimmung mit der göttlichen Verheißung
der "Erstgeborene aus den Toten’, eine Erstlingsfrucht Gott und seinen
Geschöpfen. -Kol. 1:18; 1. Kor. 15:20
Aber dies alles
war bereits seit dem ersten Anfang seiner Tätigkeit von ihm in Betracht
gezogen, abgewogen und angenommen worden. Er hatte seine Jünger bereits davon
unterrichtet, daß es notwendig war, daß er sein Leben für die Schafe
niederlegen wird, und daß er dabei war, dies zu tun. { Joh 10:15} Daher sollten
wir nicht annehmen, daß, als unser liebreicher Erlöser betete: "Mein
Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber’, er gemeint
hätte, wenn es möglich wäre, möchte er nicht sterben. Er wußte gut und hatte
bereits den Jüngern erklärt, daß das Ziehen der Welt nicht stattfinden konnte,
außer daß er als das Sündopfer erhöht worden ist-daß es absolut notwendig war,
daß er für unsere Sünden sterben und in seine Herrlichkeit eingehen sollte. -
Joh 3:14 12:32???.
Von dem Kelch,
von welchem er betete, daß er an ihm vorbeigehen möchte, wenn es möglich ist,
müssen wir daher annehmen, daß er die Schande, die Schmach der Festnahme als
ein Gesetzesbrecher bedeutet; ein öffentliches Gericht und die Verurteilung,
und in Folge dessen die Kreuzigung als ein Missetäter. Es war eine Sache, für
unsere Sünden zu sterben, ganz allgemein als ein Mensch zu sterben, ohne
besondere Schande oder Schmähungen; es war eine andere Sache, daß er mit
solcher Schande, Unehre und Verachtung sterben sollte. Sehr wahrscheinlich war
dieser letzte Zug in des Vaters Weisheit mehr oder weniger verborgen gewesen
vor unserem liebreichen Erlöser bis gerade zu der Zeit seiner Hinausführung.
Und ganz offensichtlich sah unser Herr Jesus nicht irgendeine genaue
Notwendigkeit für sein Leiden über das Leiden hinaus, was die Sünder erleiden,
um den Lösegeldpreis für die Menschen zu zahlen. Deshalb war sein Gebet für
eine Zeitlang: "Wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.’
Der Apostel macht ebenfalls diesen Unterschied deutlich, sagend, "er war
gehorsam bis zum Tode’, und er fügt hinzu, "ja, bis zum Tode am Kreuze.’ {
Php 2:8}
Der Tod am
Kreuz mit seinen Begleitumständen, Unehre, Vorwürfe usw., so weit als wie wir
in der Lage sind zu urteilen, war nicht notwendig als unser Lösegeldpreis, weil
die Strafe nicht lautete: An dem Tage, wo du ißt, wirst du gewißlich mit
öffentlicher Verdammung und die Unehre durch Kreuzigung sterben. Weil die Strafe
der Tod war (1. Mose 2:17), mögen wir annehmen, daß unseres Herrn Tod, durch
welches Mittel auch immer, völlig den Lösegeldpreis für den Menschen bezahlt
hätte. Aber die zusätzlichen Züge wurden durch den Vater als notwendig
erachtet, und der "Kelch’ ging nicht vorüber. Der Vater erforderte diesen
äußersten Gehorsam als eine Prüfung, einen Beweis nicht nur für sich selbst,
sondern vor allen seinen intelligenten Geschöpfen von der absoluten
Herzenstreue seines "geliebten Sohnes’, welchem er beabsichtigte, kurz
danach die großen Segnungen und die hohe Erhöhung zu seiner eigenen göttlichen
Natur und Miterbschaft in seinem Königreich zu übertragen. Und die Treue von
unserem liebreichen Erlöser wurde vollständig bestätigt, wie der Apostel
erklärt: "Er achtete die Schande für nichts’, das bedeutet, die Schande
war in seinen Augen nichts im Vergleich mit der Hinausführung von des Vaters
Absicht, dem Wohlgefallen des Vaters. { Heb 12:2} Solange wie er dachte, daß es
eine Möglichkeit gab für die Ausschaltung der Schande, war er nervös und
bestrebt, dies zu tun, wenn es möglich ist; aber sobald er erkannt hatte, daß
dies nicht des Vaters Wille war, antwortete sein Herz sofort: "Nicht mein
Wille, sondern dein Wille geschehe.’ Die Entscheidung hinsichtlich des Vaters Willen
brachte sofort Kraft; er war jetzt für jede Erfahrung vorbereitet, "stark
in dem Herrn und in der Kraft seiner Macht.’
Inzwischen
hatte Judas, welcher sich einige Tage zuvor mit dem Hohepriester geeinigt
hatte, Jesus zu verraten, und welcher den Obersaal sofort nach dem Mahl
verlassen hatte, um seinen schändlichen Plan hinauszuführen, eine Menge von
Menschen von dem Hohepriester und den Pharisäern erhalten, mit einer Person als
Verantwortlichen, dessen Aufgabe es war, Jesus in der Nacht gefangenzunehmen
und seine Hinrichtung vor dem Passah sicherzustellen. Wir stimmen der
allgemeinen Ansicht in keinster Weise zu, daß diese Menge von Menschen aus
einer Armee von drei oder sechshundert römischen Soldaten bestanden haben soll.
Sie handelten sicherlich sehr unterschiedlich im Gegensatz zu den Soldaten, wie
diese unter solchen Umständen gehandelt hätten. Daneben lautet der Bericht
aller Evangelien, daß diese Volksmenge nicht von Pilatus, noch von Herodes, dem
römischen Repräsentanten, gesandt worden war, sondern von dem Hohepriester und
von den Pharisäern, welche, wie wir wissen, in keinster Weise irgendeinen
Befehl hatten über die römische Truppe. Für unser Verständnis war diese
Volksmenge, welche Jesus festnahm, sehr ähnlich zu der einen, die in Joh 7:32-46 erwähnt wird.
Es erscheint,
als ob der jüdische Sanhedrin ein bestimmtes Maß an Macht hinsichtlich
religiöser Angelegenheit ausgeübt hat, und daß es ihm erlaubt war, Verhaftungen
vorzunehmen, jedoch nicht die Hinrichtung von Kriminellen ohne die Einwilligung
des römischen Statthalters. Wir erinnern uns daran, daß die Apostel bei
verschiedenen Gelegenheiten durch solche Bedienstete der Juden verhaftet worden
sind. Siehe Apg. 5:17,18,22,25-20.
Sowohl Matthäus
als auch Markus sprechen von dieser "Menge’, unter ihnen Bedienstete der
Hohepriester und der Pharisäer, und unseres Herrn Worte zeigen an, daß sie mit
Stöckern und Schwertern bewaffnet waren, wie dies für das Volk im allgemeinen
sehr üblich war, und er erwähnt kein Speer und keine Lanze, welche wahrscheinlich
ein Teil der Bewaffnung von einer Truppe von römischen Soldaten gewesen wäre.
Dieser Gedanke wird außerdem durch die Tatsache betont, daß es die Diener des
Hohepriesters waren, welche ganz offensichtlich die erste Körperverletzung
gegen Jesus begingen und einen Schlag von Petrus Schwert empfingen. Wenn
römische Soldaten anstelle von den Dienern des Hohepriesters in dieser
Angelegenheit tätig gewesen wären, so wären sie ohne Zweifel weniger eifrig
gewesen sein als diese es waren.
Es ist anzunehmen
und zwar aus guten Gründen, daß diese Volksmenge Jesus suchte unter der Leitung
des Judas, welcher sehr früh den Obersaal verlassen hatte und welchen Obersaal
unser Herr und die Elf wahrscheinlich erst vor weniger als einer Stunde
verlassen hatten. Als Judas und die Menge erkannt hatten, daß Jesus und die Elf
gegangen waren, wußte Judas, daß er sie sehr wahrscheinlich im Garten
Gethsemane finden würde, weil "Jesus oft mit seinen Jüngern dort
zusammengekommen war.’ Der Bericht von Johannes läßt die Einzelheiten von dem
Verrat aus, welche von den anderen Evangelisten gegeben wird: Möglicherweise
fühlte sich der liebende Jünger so sehr beschämt über das Geschehen, daß er es
vorzog, sie nicht zu erwähnen. Wahrlich, nur sehr wenige Taten des Verrates
sind diesem einen vergleichbar, und alle Menschen, selbst in ihrer verkehrten
Gesinnung, scheinen zu erkennen, daß die Stellung eines Verräters eine der
verabscheungswürdigsten ist, und wir mögen dafür dankbar sein, daß solch ein
Verrat, wie der des Judas, gegen solche eine Güte, Liebe und Liebenswürdigkeit
wie die von seinem Meister, nicht sehr üblich ist. Und dennoch gibt es
vergleichbare Erfahrungen bei des Herrn Volk, "in Gefahr unter falschen
Brüdern.’
Es ist für
einen jeden von uns sehr angebracht, daß wir darauf Acht geben, daß wir nicht
zulassen, daß unser Herz erfüllt wird mit einer Gesinnung, die dem Geist des
Judas ähnelt.
Unser Herr
stellt die "Glieder seines Leibes’ in solchen Angelegenheiten auf eine
Stufe mit sich selbst und versichert uns, daß wer auch immer einen der
Kleinsten dieser seiner Brüder verletzt, es besser für ihn wäre, daß ein
Mühlstein an seinen Hals gehängt würde, und er in die Tiefe des Meeres versenkt
würde. Mt 18:6.
Selbstverständlich
gibt es immer einen Grund, gut oder schlecht, welcher jeder Tat
zugrunde liegt, welche sowohl gegen das Haupt selbst, als auch gegen die
Unterglieder seines Leibes hinausgeführt werden. Diese starken Gründe
herauszufinden, bedeutet nicht, eine begründete Entschuldigung für Verrat zu
finden. Soweit unsere Erfahrung und unser Urteil geht, ist die Lektion, daß
solch ein Verrat von "falschen Brüdern’ gewöhnlich seinen Ursprung in der
Begierde hat, im Verlangen nach Einfluß, Macht oder Ansehen, und der Wunsch,
solche unheilige Absichten zu verherrlichen, wird auf jeden Fall jedes Herz
irreführen, welches sich in einem solchen Zustand befindet. Wie jemand gesagt
hat:
"Säe einen
Gedanken, und du erntest eine Tat;
säe eine Tat,
und du erntest eine Gewohnheit;
säe eine
Gewohnheit, und du erntest einen Charakter;
säe einen
Charakter, und du erntest einen bestimmten Lebensweg.
Judas hatte auf
diese Weise einige üble Gedanken für eine beträchtliche Zeit gesäet, bevor
seine Gedanken eine äußere Form der üblen Taten annahm. Er war begierig nach
Wohlergehen und Einfluß; er wurde der Schatzmeister dieser kleinen Gruppe von
Jüngern, und die Andeutung der Schrift ist, daß er einen Teil der Einnahmen zu
seinem eigenen privaten Gebrauch entwendete. Wie gewöhnlich, seine Liebe für
das Geld wuchs immer mehr, je mehr er in dieser Weise handelte, bis er willens
war, seinen Meister für 30 Stücke Silber zu verraten-vergleichbar von etwas mehr
als 20 Dollar von unserem heutigen Geld, obwohl es im Wert der Arbeit eine
größere Summe darstellt. Es erscheint auch, als ob Judas das verheißene
Königreich erwartete und wahrscheinlich eine hohe Stellung als der
Schatzmeister des Königs in jenem Königreich einnehmen wollte.
Wir meinen, daß
es leicht möglich und sehr wahrscheinlich ist, daß Judas sehr enttäuscht
gewesen ist hinsichtlich des Ergebnisses von seinem Verrat. Ganz offensichtlich
erwartete er, daß unser Herr sich selbst durch wunderbare Macht aus den Händen
seiner Feinde befreien würde. Dies ist die großzügigste Ansicht, welche wir
kennen, um sein verräterisches Verhalten zu betrachten: Es schwächt die
Dunkelheit dieser Tat nur sehr wenig, denn er war bereitwillig, seinen besten
Freund für Geld zu verraten, und er gibt Beweise dafür, daß er jedes gute und
annehmbare Gefühl seines Wesens seiner Liebe nach Geld unterordnete. Wahrlich,
die Liebe nach Ehre mag in Betracht gezogen werden bei dieser Angelegenheit,
weil er gehofft haben mag, daß durch die Herbeiführung dieser schwierigen
Situation unser Herr gezwungen sei, das langverheißene Königreich aufzurichten,
oder daß er andererseits eingestehen müsse, daß alle seine Behauptungen und
Verheißungen betrügerisch seien.
Judas ist
sicherlich erfolgreich gewesen in der Beschleunigung der Ereignisse und in der
Herbeiführung von der Errichtung des Königreiches Gottes in seinem
Embryozustandes; aber nicht in der Weise, wie er es erwartet hatte, noch in
irgendeinem anderen Maß zu seiner eigenen Ehre oder zu seinem eigenen Vorteil.
Auf diese Weise geschieht es auch mit denjenigen, welche die Wahrheit empfangen
und bekennen, daß sie Jünger sind-nicht aus Liebe zur Wahrheit, sondern aus
Liebe zur Ehre, welche entweder für die jetzige Zeit oder für die Zukunft
erhofft wird. Laßt uns alle, die wir mit dem Namen des Christus genannt werden,
Acht geben und wachen und beten, damit nicht in irgend einem von uns irgendeine
Veranlagung dieses verabscheuungswürdigen Charakters vorhanden ist. Und laßt
uns daran denken, daß es sowohl verschiedene geheime Wege gibt, als auch
äußere, in welchen wir den Herrn und die "Brüder’ verraten können.
Der Evangelist
erklärt, daß Jesus zuvor alle Dinge wußte, welche über ihn kommen würden. Uns
ist auch berichtet worden, daß während er betete, "ein Engel vom Himmel
ihm erschien und ihn stärkte.’ { Lu 22:43} Dieser Dienst mag darin bestanden
haben, ihn hinsichtlich des Vaters Willen zu unterrichten hinsichtlich der
Dinge, die er erleiden sollte, und in welcher Weise sie zu erwarten seien, und
daß er die Erkenntnis habe, daß die Angelegenheit festbestimmt ist. Die
Zusicherung, daß der Vater alles überwaltet, stärkte sein Herz und gab ihm die
große Ruhe, welche wir in allen seinen nachfolgenden Ereignissen in seinem Lauf
beobachten.
Die Menge,
welche gesandt worden war, um ihn festzunehmen, erwartete ganz offensichtlich,
daß sie gezwungen sei, ihn zu suchen zwischen den Bäumen usw., und aus diesem
Grund waren sie mit Fackeln und Laternen ausgerüstet. Ohne Frage waren sie sehr
überrascht darüber, daß unser Herr anstatt vor ihnen zu fliehen, ihnen
entgegenkam und fragte, wen sie suchten. Sehr wahrscheinlich kannten einige in
der Menge den Herrn von früher-durch seine Wunder, seine Macht über die Teufel
usw., und dies mag der Grund für ihre Kundgebung der Schwäche gewesen sein, so
daß sie zurückwichen und zu Boden fielen. Oder es ist möglich, daß unser Herr
eine ihnen überlegende Kraft ausübte, welche diese Wirkung zur Folge hatte, zu
dem Zweck, ihnen zu zeigen, daß er die volle Macht hat, ihnen zu widerstehen,
wenn er sich dazu entschließen würde, sie zu nutzen.
Dieselbe
Lektion, glauben wir, wird durch den Gebrauch von dem Schwert des Petrus gegen
den Diener des Hohepriesters gelehrt. Wir erinnern uns daran, daß einer der
Evangelisten berichtet, daß unser Herr die Elf anwies, das Schwert mit sich zu
führen, und daß, nachdem zwei in dieser Weise gefunden wurden, er sagte:
"Es ist genug.’ { Lu 22:36,38} Unser Herr hatte nicht den Gedanken daran,
daß seine Jünger einen fleischlichen Kampf für ihn kämpfen sollten, weil er
danach erklärte: "Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine
Diener gekämpft, auf daß ich den Juden nicht überliefert würde.’ { Joh 18:36}
Die zwei Schwerter warn ausreichend, um zu zeigen, daß die Ergreifung unseres
Herrn nicht aus dem Grund geschah, weil es keine Möglichkeit zur Verteidigung
gab, sondern lediglich aus dem Grund, weil er sich ergab-wissend, daß seine
Stunde gekommen war und daß es ihm auf diese Weise geziemte, für unsere Sünden
zu leiden und in seine Herrlichkeit einzugehen. - Lu 24:46???.
Nach dieser
einen Kundgebung der Macht, welche seine völlige Fähigkeit zeigte, es mit
dieser Menge aufzunehmen, und daß er tatsächlich die Macht habe, mehr als zwölf
Legionen von Engeln zu seiner Verteidigung zu haben, wenn er es wünschte, { Mt
26:53} finden wir unseren Herrn völlig ergeben in seiner Gefangennahme,
lediglich die Bedingung stellend, daß die Jünger ihren Weg gehen möchten. Wie
großartig ist der Charakter, welcher in solch einem Moment, unter solch
prüfenden Bedingungen, sich selbst so völlig vergessen kann und lediglich an
dem Wohlergehen der anderen interessiert ist! Wie ähnlich, was wir von ihm
erwarten sollten!
"Auf daß
das Wort erfüllt würde, welches er sprach: Von denen, die du mir gegeben hast,
habe ich keinen verloren.’ Wir verstehen den Schreiber, daß er meint, daß wir
hier erneut in des Meisters Lauf eine Veranschaulichung von seiner Fürsorge für
seine Jünger finden, wie er es in seinem Gebet ausgedrückt hatte, kurz bevor
sie den Obersaal verlassen hatten. Während der Gedanke seines Gebetes
hauptsächlich hinsichtlich ihrer geistigen Interessen war, daß keiner von ihnen
verloren gehen soll, tun wir gut daran zu bemerken, daß dies eine bestätigende
Darstellung von unseres Herrn Fürsorge für die körperliche Interessen aller
derer ist, welche seine Jünger werden. Nicht ein Haar auf ihrem Haupt soll
fallen; nichts soll zugelassen werden, um sie zu verletzen-alle Ereignisse und
Angelegenheiten des Lebens werden für ihr Bestes überwaltet. - Mt 6:32,33???.
Es ereignete
sich wahrscheinlich, als damit begonnen wurde, Jesus festzubinden, daß Petrus
sein Schwert zur Verteidigung zog; vielleicht erinnerte er sich an des Herrn
Worte wenige Stunden zuvor mit dieser Auswirkung, daß alle seine Nachfolger ihn
allein lassen würden, und an seine eigene Verheißung: "Wenn sich auch alle
ärgern werden, ich aber nicht.’ { Mr 14:29} Wohlgefälliger, eifriger Petrus!
Wir lieben ihn für seine wohlgefällige Ausdrucksweise seiner Gefühle und für
seine heldenhafte Verteidigung des Meisters mit dem Schwert gegen eine
überlegene Anzahl. Es ist die Gewohnheit von vielen, die Tat des Petrus
schlechtzumachen, als einen weiteren seiner überstürzten Fehler. Wir erinnern
uns jedoch daran, daß die Elf damals noch nicht den Heiligen Geist empfangen
hatten und deshalb noch nicht die Tatsache klar erkennen konnten, daß das
Königreich, zu welchem sie berufen waren, ein geistiges Königreich ist.
Außerdem haben wir gesehen, daß er lediglich dem Ratschlag des Herrn befolgte,
als er das Schwert mit sich nahm, und ganz offensichtlich führte er die
göttliche Absicht hinaus, als er es benutzte. Wir sehen nichts Beschuldigendes,
sondern nur Empfehlenswertes. Es war ein Zeichen von größerer Bedeutung, als
Petrus und die anderen damals erkannten.
Aber nachdem er
es zugelassen hatte, daß die Begebenheit in dieser Weise fortschritt, hielt
unser Herr Petrus jetzt zurück, sagend: "Auf diese Weise ist genug
gelitten worden. Stecke das Schwert in die Scheide. Den Kelch, den mir der
Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?’ { Lu 22:51 Joh 18:11} Indem er
dies sagte, berührte er seinen verwundeten Feind und heilte ihn. Die Jünger
sahen, verstanden und hatten die volle Gewißheit, daß unser Herr seine
Überlieferung an seine Feinde freiwillig tat, und daher ist der Ablauf der
Ereignisse genauso wie er für diese Lektion notwendig ist.
Wie sehr
erscheint doch die Gnade der Demut in allen kleinen Angelegenheiten unseres
liebreichen Erlösers; auch in diesem Moment seiner Übergabe an seine Feinde
rühmt er sich nicht damit, daß er dies freiwillig hinausführt, noch trachtet er
danach, als ein Märtyrer gepriesen zu werden
Er erklärt die
einfache Tatsache, daß der Vater dies von ihm erwartet als ein Beweis von
seiner persönlichen Treue zu ihm. Er bekennt sich selbst als ein Diener von
Gott, ein Sohn, welcher Gehorsam gelernt hat durch die Dinge, die er erlitten
hat. "Der Kelch, welchen der Vater mir gegeben hat, soll ich den nicht
trinken?’ In der Tat war dies die Kraft für seinen Sieg-sein Wille war völlig
dem Willen des Vaters unterworfen, und sein Glaube erfaßte die Tatsache, daß
der Vater keine unnötigen Übel zulassen würde, welche über ihn kommen, sondern
nur solche, als er zu bestehen vermag und welche zum Guten überwaltet wurden.
Es gibt eine
wertvolle Lektion hierin für alle, welche danach trachten, in den Fußstapfen
des großen Hohepriesters nachzufolgen-für alle von der königlichen
Priesterschaft. Wir erinnern uns auch daran, daß solange als wir in Christus
bleiben, und danach trachten, in seinen Fußstapfen zu folgen, alle prüfenden
Erfahrungen des Lebens sehr sorgfältig bemessen sind für uns durch den
Herrn-daß er nicht mehr in unseren Kelch der Leiden und Prüfungen und bitteren
Erfahrungen einschenkt, als wie für uns notwendig ist, so daß dadurch ein über
die Maßen überschwengliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit bewirkt wird. (2.
Kor. 4:17) Mit diesen Zusicherungen und mit den Beweisen für die Treue des
Vaters an unserem verherrlichten Meister und Vorläufer mögen wir tatsächlich
den starken Trost haben, die wir Zuflucht genommen haben zu der Hoffnung,
welche uns im Evangelium vorgesetzt worden ist. - Heb 6:18-20???.
Die Heilung von
dem abgeschlagenen Ohr ist das letzte Wunder unseres Herrn und stellt sehr
wundervoll seinen Charakter und seine Lehren dar. Es veranschaulicht seine
Worte: "Liebet eure Feinde, tuet Gutes denen, die euch verfolgen.’ Es
zeigt, daß er mit der göttlichen Liebe erfüllt gewesen ist, welche seine Lehren
einprägen, und daß er keine Bitterkeit hatte gegen diejenigen, welche ihn
verfolgten.
Das Binden
unseres Herrn scheint völlig unnötig gewesen zu sein, höchstens aus dem Grund,
weil die "Menge’ wünschte, eine Vorführung ihrer Macht denjenigen
gegenüber zu geben, von welchen sie gesandt worden waren. Unser Herr scheint
hinsichtlich dieses Bindens Vorbehalte gehabt zu haben, wie dies der Bericht in
Markus 14:48,49 wiedergibt: "Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber,
mit Schwertern und Stöcken, mich zu fangen? Ich war täglich bei euch im Tempel
lehrend, und ihr habt mich nicht ergriffen; -aber auf daß die Schriften erfüllt
würden.’ Es geschah an dieser Stelle, daß ihn die Elf verließen und flohen.
Judas ging mit der Menge zum Haus von Annas, dem Priester, welcher zweifelsohne
ein Abkommen mit Judas geschlossen hatte, und ohne Zweifel war es bei dieser
Begebenheit, daß die 30 Stücke Silber gezahlt wurden, Judas hatte jetzt die
Erfüllung des Abkommens bewiesen. Armer, elender Mensch. Der Sohn des Menschen
kam wahrhaftig auf die Art und Weise zu Tode, wie es von ihm geschrieben stand,
aber das verringert in keinster Weise den schrecklichen Verrat, den begierigen
und mörderischen Geist, welcher ihn seinen Feinden auslieferte. So ist es auch
mit den Gliedern des Leibes Christi: Es ist notwendig, daß Ärgernisse kommen-es
ist ein Teil des göttlichen Planes, daß der Leib des Christus erfüllt werden
wird mit dem, was noch übrig ist von den Drangsalen des Hauptes (Kol. 1:24)
-aber dies macht ein Abkommen derjenigen, welche an solch einem Verrat
beteiligt sind, weniger sündenvoll-besonders wenn es sich um "falsche
Brüder’ handelt, welche sich einiger Erkenntnis der Wahrheit erfreut haben. In
jedem Fall wird jedoch beobachtet werden, daß obwohl die Prüfungen für den
Herrn zum Segen gereichten und es ebenso für alle Getreuen ist, welche mit ihm
leiden, der Lohn der Ungerechtigkeit, welcher von denjenigen begehrt wird,
welche den Lauf des Judas einnehmen, niemals zu Ehre und Segnung führt, nach
welcher sie begierig sind und für welche sie sich selbst verkaufen, um Böses
hinauszuführen.
Aus dem
amerikanischen Zionswachtturm vom 15. Mai 1899 übersetzt von Bruder Sven Kruse
im März 2000.
Der große
Hohepriester wurde angeklagt.
Joh. 18:15-27
Obwohl erklärt
worden ist, daß alle Jünger geflohen sind, führt Johannes aus, daß Petrus und
er selbst mit einem Abstand gefolgt sind. Ihr tiefes Interesse an dem Meister
ließ es nicht zu, daß sie zu ihren Häusern zurückgekehrt sind; sie mußten ihn
im Auge behalten und sehen, wie die Dinge bis zum letzten Ende mit ihm
weitergingen. Sie waren machtlos, um ihm zu helfen gegen solch große Gegner und
im Angesicht seiner eigenen Verweigerung hinsichtlich Hilfe, aber sie waren
nicht machtlos darin, ihn weiterhin zu lieben. Es scheint, daß Johannes
einigermaßen bekannt gewesen ist mit dem Palast des Hohepriesters und leicht
den Eintritt erlangte, nicht nur für sich selbst, sondern auch für Petrus.
Aber diese
Begünstigung und dieses Vorrecht wurde für Petrus zur Prüfung und führte zu
seiner Verleugnung des Herrn. Und so ist es mit einigen von des Herrn Nachfolger
von heute. Wenn sie bei sich sind oder mit anderen des gleichen kostbaren
Glaubens sind, sind sie mutig und eifrig, den Herrn zu bekennen und ihm zu
dienen, aber wenn sie vielleicht in die Paläste oder unter die Diener und
Bedienstete der Hohepriester der Namenchristenheit kommen, schämen sie sich des
Meisters und fürchten sich davor, ihn zu bekennen, damit sie nicht von den
Vorrechten ausgestoßen werden, welcher sie sich in der Gesellschaft derjenigen
erfreuen, welche bis jetzt noch nicht die Wahrheit erkannt haben. Es wäre für
den armen Petrus weit besser gewesen, hätte er offen erklärt: "Ja, ich bin
einer seiner Jünger, und weil ich annehme, daß keiner von ihnen hier erwünscht
ist, werde ich von hier weggehen.’ Wie sehr hätte sich ein solch ehrenhafter
und richtiger Wandel zu seiner Ehre in den Augen aller gerechten Personen
ausgewirkt, und wieviel Segen hätte es ihm gebracht!
Der Fehlschlag
von Petrus, daß er nicht den richtigen Weg nahm, brachte ihm später eine noch
größere prüfende Begebenheit ein, als ein Verwandter des Mannes, dessen Ohr er
abgeschlagen hatte, ihn direkt fragte: "Sah ich dich nicht im Garten bei
ihm?’ Die Fragen ging dem armen Petrus ziemlich nahe. Jetzt war es mehr als
eine Frage des Weggehens von dem Feuer und dem Vorrecht und der Ehre des Hofes
des Hohepriesters; es war jetzt eine Frage seiner Identität als demjenigen,
welcher Jesus mit einem Schwert verteidigt hatte, und daher eine Frage seiner
eigenen Gefangennahme und seines eigenen Gerichtsverfahrens vor demselben Gericht
mit dem Meister. Ein falscher Schritt führt natürlich zu einem weiteren; wenn
er sich jetzt für Jesus erklärt hätte, wäre das ein öffentliches Zeugnis dafür
gewesen, daß er zuvor ein Lügner gewesen ist, und hätte außerdem dazu geführt,
daß er erkannt worden wäre. Deshalb entschloß sich Petrus dazu, daß er als
Selbstverteidigung nicht nur die Lüge wiederholen mußte und wieder seinen
Meister verleugnen mußte, sondern um die Angelegenheit gegenüber seinen
Anklägern kräftiger zu machen, begann er zu fluchen und zu schwören, daß er
Jesus nicht kenne.
Armer Petrus!
Wahrlich, wie unser Herr ihm gesagt hatte, hatte der Satan danach getrachtet,
ihn einzunehmen, ihn zu versuchen, und wahrlich wurde er zu jener Zeit sehr
schwer versucht. Es erscheint meist als ein Wunder, daß er sein Gleichgewicht
wiedererlangte und bereute und Vergebung für seine Sünden gefunden hat. Es
erscheint, als ob das Gebet unseres Herrn für ihn wirksam war auf Grund seiner
dem Petrus vorher gemachten Ankündigung, daß er ihn verleugnen werde, denn
nachdem er auf diese Weise unseren Herrn verleugnet hatte und nachdem er den
Hahn krähen hörte, erinnerte sich Petrus an des Herrn Worte: "Der Hahn
wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.’
Mit Gefühlen,
die besser vorgestellt als beschrieben werden können, verließ Petrus von selbst
sehr eilig den Hof des Hohepriesters und ging hinaus im Dunkel des frühen
Morgens, damit er bitterlich weinen und inständig um des Herrn Vergebung flehen
konnte.
Hier ist eine
Lektion für uns in der Tatsache, daß Petrus Fehlschlag sehr eng mit seiner
Stärke verbunden war. Er war von Natur aus sehr mutig und war stolz darauf, und
bis jetzt hatte er noch nie aus Mangel an Mut einen Fehler begangen. "Wenn
ich schwach bin, dann bin ich stark’, deutet an, daß derjenige, welcher sich
selbst stark fühlt, in Wirklichkeit schwach ist, wie in Petrus Fall. Laßt uns
alle lernen, ganz besonders auf unsere angeblichen Stärken im Charakter
achtzugeben, in der Erinnerung, daß wir einen schlauen Fuchs haben. Wir müssen
unsere Schwachheit erkennen, unsere Verwundbarkeit in jedem Punkt, es sei denn,
daß wir wachsam sind in jedem Punkt und uns auf den großen Anführer unseres
Heils verlassen, damit er uns hilft.
Johannes
erzählt nicht die ganze Begebenheit; er läßt Petrus Fluchen und Schwören aus.
Seine Liebe für den Bruder Johannes beeinflußte ihn ganz offensichtlich dahin,
daß er den Teil der Begebenheit ausließ, welcher nicht absolut notwendig ist,
um des Herrn Prophezeiung zu bestätigen. Der Bericht über das Fluchen und
Schwören ist in Markus gegeben, von dem man annimmt, daß sein
Evangeliumsbericht von Petrus selbst angegeben worden ist, weil Markus in einem
weiten Maße Petrus Gehilfe gewesen ist. - Mr 14:66-72???
Jesus wurde von
dem Hohepriester verhört; dieser war von Herzen übel und mörderischer, aber er
fühlte sich wenigstens an die Formen der Gerechtigkeit gebunden, um diese
einzuhalten, obwohl wir aus den Berichten an anderer Stelle her wissen, daß er
selbst und seine Verbündeten unter den Priester und Pharisäern schon bereits
beschlossen hatten, daß Jesus zu Tode kommen muß, weil sein Einfluß unter dem
Volk für ihre eigenen Interessen schädlich war-weil seine Lehren ihre eigenen
Lehren in den Schatten warfen und ihre Scheinheiligkeit und Heuchelei
offenbarten. Unser Herr antwortete gemäß seinen Fragen; er lehnte es ab,
irgendwelche besonderen Erklärungen zu machen, so daß er sich lediglich auf
seine Lehren bezog und auf diese Weise um seine Rechte als ein Jude bat. Seine
Antwort war eine vollkommen Richtige und Gesetzesmäßige; er war ohne einen
berechtigten Grund gefangengenommen worden, und das Gericht suchte jetzt
danach, einen Grund zu finden. Unser Herr führte lediglich aus, daß der Grund
für seine Gefangennahme zeigen wird, daß dieselbe mit etwas zu tun gehabt haben
muß, was der Gefangennahme vorausging.
Es ist nicht
notwendig für uns anzunehmen, daß der Bedienstete, welcher Jesus mit der
Innenfläche seiner Hand schlug und ihn für die unpassende Sprache gegenüber dem
Hohepriester tadelte, absichtlich ungerecht in der Angelegenheit gewesen ist.
Wir möchten eher annehmen, daß, beeinflußt durch seinen Wunsch als eifrig in
der Unterstützung von der Stellung des Hohepriesters und sein Gericht zu
erscheinen, dieser Wunsch sein geistiges gestörtes Gleichgewicht als ein
gefallener Mensch dazu veranlaßte, sich etwas Böses vorzustellen, wo es dort
doch gar nichts gab. Dieser Umstand jedoch gibt uns die Gelegenheit, um genau
das zu erkennen, was unser Herrn mit seiner Erklärung in der Bergpredigt
gemeint hatte: " Wer irgend dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte
auch die andere hin.’ { Mt 5:39} Unser Herr hielt dem Mann nicht wortwörtlich
die andere Wange hin und bat ihn, auch diese zu schlagen, noch schwieg er zu
dem Schlagen. Er war nicht bereitwillig dazu, daß über sein gutes Benehmen und
seine richtige Sprache schlecht gesprochen wurde, ohne daß er sich wenigstens
darum bemühte, die Angelegenheit richtigzustellen. Deshalb bat er den
Schlagenden, daß dieser aufzeigen solle, wo er Übles gesprochen habe, und
schlug ihm vor, daß, wenn er das Üble nicht aufzeigen könne, er sein Unrecht
zugeben solle, indem er ihn geschlagen hat für ein Übel, welches er gar nicht
gibt.
In dem Lichte
dieser Darstellung versteht das Volk des Herrn den Rat, daß die andere Wange
hinhalten einfach bedeutet, daß sie Böses nicht mit Bösen vergelten sollen;
vielmehr sollen sie das Böse ertragen als es zurückzugeben. Sie sollen Böses
mit Gutem vergelten; sie sollen sich, wie unser Meister es tat, mit den Übeltätern
in Freundlichkeit und Sanftmut auseinandersetzen, damit diese das Recht und das
Unrecht erkennen.
Es erscheint,
als ob das Gerichtsverfahren gegen unseren Herrn durch die Juden vor Kaiphas
abgehalten wurde, dem eingesetzten Hohepriester, dem Schwiegersohn des Hannas,
dem richtigen Hohepriester in Übereinstimmung mit dem jüdischen Gesetz; und der
vierzehnte Vers offenbart, daß Kaiphas derjenige war, welcher zuvor erklärt
hatte: "Es ist nützlich für uns, daß ein Mensch für das Volk sterbe und
nicht die ganze Nation umkomme. Dies sagte er aber nicht aus sich selbst,
sondern da er jenes Jahr Hohepriester war, weissagte er, daß Jesus für die
Nation sterben sollte; und nicht für die Nation allein, sondern auf daß er auch
die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte.’ - Joh 11:50-53???.